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Sie sprang bei einem jähen Pochen an der Tür zum Gang wider Willen auf. Bevor sie Breane auffordern konnte nachzusehen, wer es wäre, schwang die Tür auf und prallte gegen die Wand. Morgase starrte den eintretenden Mann an.

Ein großer, dunkler Krieger mit einer Hakennase erwiderte ihren Blick kalt. Das lange Heft eines Schwertes ragte über seiner Schulter auf. Eine seltsame Rüstung bedeckte seine Brust einander überlappende, glitzernd golden und schwarz lackierte Platten, und er hielt einen Helm auf Hüfthöhe, der wie der Kopf eines Insekts aussah, schwarz und golden und grün, mit drei langen, dünnen grünen Federn. Zwei weitere, ebenso gerüstete Männer mit Helmen ohne Federn folgten ihm auf dem Fuße. Ihre Rüstungen schienen eher bemalt als lackiert, und sie trugen schußbereite Armbrüste. Weitere Männer mit goldschwarzen, mit Quasten versehenen Speeren standen draußen im Gang.

Tallanvor und Lamgwin und sogar der stämmige Meister Gill sprangen auf und stellten sich zwischen sie und ihre eigentümlichen Besucher. Sie mußte sich an ihnen vorbeidrängen.

Der Blick des Mannes mit der Hakennase schwenkte sofort zu ihr, bevor sie eine Erklärung fordern konnte. »Ihr seid Morgase, Königin von Andor?« Seine Stimme klang barsch, und er dehnte die Worte so stark, daß sie ihn kaum verstand. Er ließ ihr keine Gelegenheit zu antworten. »Ihr werdet mit mir kommen. Allein«, fügte er hinzu, als Tallanvor, Lamgwin und Meister Gill vortraten. Die Armbrustschützen hoben ihre Waffen. Die schweren Bolzen wirkten, als könnte man damit Löcher in Rüstungen stanzen. Ein Schild könnte sie kaum aufhalten.

»Ich habe keine Einwände dagegen, daß meine Männer hierbleiben, bis ich zurückkomme«, sagte Morgase ruhiger, als sie sich fühlte. Wer waren diese Leute? Sie kannte sonst die Akzente jeder Nation und auch ihre Rüstungen. »Ihr werdet gewiß gut für meine Sicherheit sorgen, Hauptmann...«

Er nannte keinen Namen, sondern bedeutete ihr nur, ihm zu folgen. Tallanvor machte zu ihrer Erleichterung trotz seines zornigen Blicks kein Aufhebens, und Meister Gill und Lamgwin schauten zu ihrer großen Verärgerung zu ihm, bevor sie zurücktraten. Im Gang formierten sich die Soldaten um sie, und der hakennasige Offizier und die beiden Armbrustschützen führten die Gruppe an. Eine Ehrengarde, versuchte sie sich zu sagen. So kurz nach einem Kampf wäre es überaus töricht, ungeschützt umherzuwandern. Sie wünschte, sie könnte es glauben.

Sie versuchte, den Offizier zu befragen, aber er sagte kein Wort, verlangsamte seinen Schritt nicht und sah sich nicht um, so daß sie ihre Bemühungen aufgab. Keiner der Soldaten sah sie auch nur an. Sie waren Männer mit hartem Blick, wie sie sie von ihrer eigenen Garde her kannte, Männer, die mehr als einen Kampf ausgefochten hatten. Aber wer waren sie? Ihre Stiefel schlugen unheilvoll im gleichen Takt auf dem Steinboden auf, ein Klang, der von den dicken Festungsmauern widerhallte. Es gab hier nur wenig Farbe, nichts, was das Auge erfreute außer vereinzelten Wandteppichen, die Weißmäntel in blutigem Kampf zeigten.

Sie erkannte, daß sie auf das Quartier des kommandierenden Lordhauptmanns zugeführt wurde, und Übelkeit machte sich in ihrem Magen breit. Sie hatte sich fast freudig an den Weg gewöhnt, als Pedron Niall noch lebte. Aber sie hatte ihn in den wenigen Tagen, seit er gestorben war, fürchten gelernt. Als sie um die Ecke kamen, zuckte sie dennoch beim Anblick der ungefähr zwei Dutzend Bogenschützen, die hinter ihrem Offizier hermarschierten, zusammen, Männer in bauschigen Hosen und Lederbrustpanzern, die mit waagerechten Streifen in Blau und Schwarz bemalt waren. Jeder Mann trug einen konischen Stahlhelm mit einer Maske aus grauem Stahlkettenpanzer, die sein Gesicht bis auf die Augen verdeckte. Hier und da waren Schnurrbärte unter den Masken zu erahnen. Der Offizier der Bogenschützen verbeugte sich vor dem Anführer ihrer Gruppe, der zur Erwiderung jedoch nur die Hand hob.

Taraboner. Sie hatte seit vielen Jahren keine tarabonischen Soldaten mehr gesehen, aber diese Männer waren trotz der Streifen Taraboner - oder sie hätte ihre Schuhe verspeist -, was jedoch keinen Sinn ergab. Tarabon war ein lebendig gewordenes Chaos. Es herrschte ein von hundert verschiedenen Seiten geführter Bürgerkrieg zwischen Thronbewerbern und Drachenverschworenen. Tarabon hatte diesen Angriff auf Andor niemals selbst durchführen können. Es sei denn, ein Anwärter hätte unglaublicherweise alle anderen, und auch die Drachenverschworenen, ausgestochen und... Es war unmöglich, und es erklärte auch diese merkwürdig gerüsteten Soldaten und das Flügelwesen nicht, oder...

Sie dachte, sie wäre schon Fremdartigem begegnet. Sie dachte, sie hätte Unwohlsein kennengelernt. Dann umrundeten sie und ihre Wache eine weitere Ecke und standen zwei Frauen gegenüber.

Die eine war schlank, kleiner als jede Cairhienerin und dunkler als jede Tairenerin, in einem blauen Gewand, das fast bis auf ihre Knöchel reichte. Silberne, gezackte Lichtblitze zogen sich über rote Applikationen auf ihrer Brust und an den Seiten ihrer weiten, geteilten Röcke. Die andere Frau in langweiligem Dunkelgrau war größer als die meisten Männer. Ihr blondes, glänzend gebürstetes Haar reichte ihr bis auf die Schultern, und sie hatte verschüchterte grüne Augen. Eine silberne Koppel verband ein Silberarmband am Handgelenk der kleineren Frau mit der von der größeren getragenen Halskette.

Sie traten für Morgases Wache beiseite, und als der hakennasige Offizier »Der'sul'dam« murmelte -zumindest glaubte Morgase das verstanden zu haben, wobei sein gedehnter Akzent das Verstehen erschwerte -, beugte die dunkle Frau leicht den Kopf und zog an der Koppel, woraufhin die blonde Frau zu Boden sank und Kopf, Knie und Handflächen flach auf den Stein preßte. Als Morgase und ihre Wächter vorübergegangen waren, beugte sich die dunkle Frau herab und tätschelte der anderen liebevoll den Kopf wie einem Hund, und die kniende Frau schaute, was noch schlimmer war, freudig und dankbar auf.

Morgase brachte mühsam die notwendige Anstrengung auf weiterzugehen, ihre Knie am Nachgeben zu hindern, ihren Magen vor dem Entleeren zu bewahren. Die reine Unterwürfigkeit war schon schlimm genug, aber sie war sich zudem sicher, daß die kniende Frau die Macht lenken konnte. Unmöglich! Sie ging wie benommen weiter und fragte sich, ob dies ein Traum sein konnte, ein schrecklicher Alptraum; sie betete, daß es so war. Sie war sich vage bewußt, daß sie bei weiteren Soldaten stehenblieben, die rot und schwarz gerüstet waren, und dann...

Pedron Nialls Empfangsraum - jetzt Valdas oder wer auch immer die Festung inzwischen eingenommen hatte - war verändert. Die goldene aufgehende Sonne, die in den Boden eingelassen war, war geblieben, aber alle eroberten Banner Nialls, die Valda behalten hatte, als wären es seine, waren verschwunden, und ebenso die Einrichtung, bis auf den einfachen, mit Schnitzereien versehenen, hochlehnigen Stuhl, den Niall und dann Valda benutzt hatten und der jetzt von zwei hohen, unheimlich bemalten Schirmen flankiert wurde. Der eine zeigte einen schwarzen Raubvogel mit weißem Federschopf und grausamem Schnabel, der die weiß gesäumten Schwingen weit ausgebreitet hatte, und der andere eine schwarz gesprenkelte gelbe Katze, die eine Pranke auf ein totes, einem Hirsch ähnliches Tier mit langen, geraden Hörnern und weißen Streifen gestellt hatte, das nur halb so groß war wie die Katze.