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Es hatte keinen Zweck zu versuchen, Harnan und die anderen Rotwaffen zu warnen, die alle weiße Getreideflocken und kleine schwarze Würste in sich hineinschaufelten, während sie einander in die Rippen stießen und über die Dienerinnen im Palast lachten, die, wie sie gehört hatten, alle aufgrund ihrer Schönheit ausgewählt wurden und mit ihrer Gunst bemerkenswert freizügig umgingen. Was den Tatsachen entsprach, wie sie sich ständig gegenseitig versicherten.

Die Dinge wurden keineswegs besser, als er auf der Suche nach Herrin Anan zur Begleichung der Rechnung in die Küchen ging. Caira war dort, aber sie hatte doppelt so schlechte Laune wie am Abend zuvor. Sie streckte die Unterlippe vor, funkelte ihn an und stolzierte aus der Tür in den Stallhof, wobei sie sich die Kehrseite rieb. Vielleicht hatte sie sich in die eine oder andere Schwierigkeit gebracht, aber er konnte nicht verstehen, warum sie ihn dafür verantwortlich machte.

Herrin Anan befand sich anscheinend draußen - sie organisierte ständig Suppenküchen für Flüchtlinge oder half bei irgendwelchen anderen wohltätigen Zwecken aus -, befehligte ihre umhereilenden Helfer mit einem langen Holzlöffel und nahm Mats Geld gern mit ihrer kräftigen Hand entgegen. »Ihr quetscht zu viele Melonen aus, mein junger Herr, und solltet nicht überrascht sein, wenn Euch eine faule in der Hand zerfällt«, sagte sie aus einem unbestimmten Grund in düsterem Tonfall. »Oder zwei«, fügte sie nach einem Moment nickend hinzu. Sie beugte sich nahe zu ihm und hob ihm ihr schwitzendes, rundes Gesicht mit eindringlichem Blick entgegen. »Ihr werdet Euch nur Ärger einhandeln, wenn Ihr ein Wort sagt. Ihr werdet schweigen.« Es klang nicht wie eine Frage.

»Kein Wort«, sagte Mat. Wovon, im Licht, sprach sie? Es schien jedoch die richtige Antwort gewesen zu sein, denn sie nickte und watschelte davon, während sie den Löffel doppelt so heftig schwang wie zuvor. Er hatte einen Moment lang geglaubt, sie wolle ihn damit schlagen. Die reine Wahrheit war, daß alle -nicht nur einige - Frauen eine gewalttätige Ader hatten.

Eines ergab das andere, und er war erleichtert, als Nerim und Lopin sich lautstark darüber ausließen, welches Gepäck ihrer beiden Herren zuerst hinübergetragen würde. Mat und Nalesean brauchten eine gute halbe Stunde, um sie wieder zu beruhigen. Ein Diener, der sich leicht aufregte, konnte einem das Leben schwermachen. Dann mußte er entscheiden, welchem der Rotwaffen die Ehre erwiesen werden sollte, die Kiste Gold hinüberzuschleppen und welcher die Pferde nehmen sollte. Wie dem auch sei - dadurch konnte er dem verdammten Tarasin-Palast noch eine Weile länger fernbleiben.

Als er es sich jedoch erst einmal in seinen neuen Räumen bequem gemacht hatte, vergaß er seine Sorgen zunächst beinahe. Er hatte einen großen Wohnraum und einen kleinen, in dieser Gegend Schmollwinkel genannten Raum zur Verfügung, sowie einen gewaltigen Schlafraum mit dem größten Bett, das er je gesehen hatte, dessen Bettpfosten mit allen möglichen Blumenornamenten verziert waren. Der größte Teil der Einrichtung war hellrot oder hellblau, wenn nicht goldüberzogen. Eine kleine Tür in der Nähe des Bettes führte zu einem beengten fensterlosen Raum für Nerim, den der Bursche trotz des schmalen Bettes anscheinend hervorragend fand. Mats Räume wiesen alle hohe Bogenfenster auf, die auf Balkone mit weißen Gittern über dem Mol-Hara-Platz führten. Die Stehlampen waren vergoldet, wie auch die Spiegelrahmen. Es gab zwei Spiegel im Schmollwinkel, drei im Wohnraum und vier im Schlafraum. Die Uhr - eine Uhr! - auf dem marmornen Kaminsims im Wohnraum glitzerte vor Gold. Die Waschschüssel und der Krug bestanden aus rotem Meervolk-Porzellan. Mat war beinahe enttäuscht, als er entdeckte, daß der Nachttopf unter dem Bett nur aus einfacher weißer Keramik bestand. Im Wohnraum befand sich außerdem ein Regal mit einem Dutzend Büchern. Nicht, daß er viel gelesen hätte.

Selbst wenn man die nicht harmonierenden Farben der Wände, Decken und Bodenfliesen bedachte, strotzten die Räume vor Reichtum. Zu einer anderen Zeit hätte er einen Gigue getanzt. Zu jeder anderen Zeit, wenn er sich nicht bewußt gewesen wäre, daß eine Frau, deren Räume sich auf dem gleichen Gang befanden. Übles mit ihm vorhatte. Wenn Teslyn oder Merilille oder eine der Ihren es nicht, trotz seines Medaillons, zuerst schafften. Warum hatten die Würfel in seinem Kopf aufgehört umherzurollen, sobald Elayne diese verdammten Räume erwähnte? Neugier. Er hatte zu Hause von mehreren Frauen ein Sprichwort gehört, üblicherweise, wenn er etwas getan hatte, was zum damaligen Zeitpunkt ein Spaß zu sein schien. »Menschen lehren Katzen Neugier, aber Katzen haben ihren eigenen Kopf.«

»Ich bin keine verdammte Katze«, murrte er, während er vom Schlafraum ins Wohnzimmer ging. Er mußte es nur einfach wissen. Das war alles.

»Natürlich seid Ihr keine Katze«, sagte Tylin. »Ihr seid ein knuspriges, kleines Entchen.«

Mat zuckte zusammen und sah sie an. Entchen? Und noch dazu ein kleines Entchen! Die Frau reichte ihm knapp bis an die Schulter. Trotz seiner Empörung verneigte er sich angemessen. Sie war die Königin, daran mußte er denken. »Majestät, ich danke Euch für diese wunderschönen Räume. Ich würde mich sehr gern mit Euch unterhalten, aber ich muß gehen und...«

Sie schwebte lächelnd über die rotgrünen Bodenfliesen heran, während ihr blaues Gewand mit den weißen Seidenunterröcken schwang, die dunklen Augen fest auf ihn geheftet. Er vermied es, den sich in ihren üppigen Ausschnitt schmiegenden Hochzeitsdolch zu betrachten. Oder den größeren, mit Edelsteinen besetzten Dolch, der hinter einem gleichermaßen mit Edelsteinen besetzten Gürtel steckte. Er wich zurück.

»Majestät ich habe eine wichtige...«

Sie begann zu summen. Er erkannte die Melodie. Er hatte sie in letzter Zeit verschiedenen Mädchen vorgesummt. Er war klug genug, nicht tatsächlich singen zu wollen, und außerdem war der Text, den sie in Ebou Dar kannten, zu anstößig. In dieser Gegend nannten sie das Lied; »Ich werde dir mit meinen Küssen den Atem rauben«.

Er lachte nervös und versuchte, einen Tisch mit Einlegearbeiten zwischen sich und sie zu bringen, aber irgendwie gelangte sie zuerst darum herum, ohne ihre Schritte beschleunigt zu haben. »Majestät, ich...«

Sie legte eine Hand flach auf seine Brust, drängte ihn in einen hochlehnigen Stuhl und setzte sich auf seinen Schoß. Er war zwischen ihr und den Stuhllehnen gefangen. Oh, er hätte sie hochheben und ganz leicht auf die Füße stellen können. Nur daß sie diesen verdammt großen Dolch am Gürtel trug und er bezweifelte, daß sie eine solch grobe Behandlung genauso gutheißen würde wie ihre grobe Behandlung seiner Person. Dies war immerhin Ebou Dar, wo eine Frau, die einen Mann tötete, von Schuld freigesprochen war, bis sich etwas anderes erwies. Er hätte sie leicht hochheben können, nur...

Er hatte Fischhändler in der Stadt seltsame Meerestiere namens Tintenfisch und Krake verkaufen sehen -tatsächlich aßen Ebou Dari diese Wesen! -, aber sie waren nichts gegen Tylin. Die Frau besaß zehn Hände. Er schlug um sich, versuchte vergeblich, sie abzuwehren, und sie lachte leise. Zwischen Küssen erhob er atemlos Einspruch, daß jemand hereinkommen könnte, doch sie kicherte nur. Er äußerte seinen Respekt vor der Krone, und sie gluckste. Er berief sich auf seine Treue zu einem Mädchen zu Hause, die sein Herz besaß. Darüber lachte sie wahrhaftig.