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»Du solltest dich nicht aufregen, Entchen, und du solltest auch nicht schmollen.« Sie zog ihren Dolch aus dem Bettpfosten, wo er neben ihrem Hochzeitsdolch stak, und überprüfte die Spitze, bevor sie ihn in die Scheide steckte. »Was ist los? Du weißt, daß du genauso viel Vergnügen daran hattest wie ich, und ich...« Sie lachte plötzlich laut und steckte den Hochzeitsdolch ebenfalls wieder in die Scheide. »Wenn das dazugehört, ein Ta'veren zu sein, mußt du sehr beliebt sein.« Mat errötete zutiefst.

»Es ist nicht natürlich«, platzte er heraus und nahm den Pfeifenstiel aus dem Mund. »Ich sollte derjenige sein, der erobert!« Ihr erstaunter Blick spiegelte jäh den seinen wider. Wäre Tylin ein Schankmädchen gewesen, das ihn anlächelte, hatte er sein Glück vielleicht versucht - nun, wenn das Schankmädchen keinen Sohn hätte, der gern Menschen durchlöcherte -, aber er war der Eroberer. Er hatte niemals zuvor an die umgekehrte Möglichkeit gedacht. Er hatte niemals zuvor daran denken brauchen.

Tylin lachte, schüttelte den Kopf und wischte sich mit dem Handrücken über die Augen. »Oh, Täubchen.

Ich vergesse es stets. Du bist jetzt in Ebou Dar. Ich habe im Wohnzimmer ein kleines Geschenk für dich hinterlegt.« Sie tätschelte durch das Laken hindurch seinen Fuß. »Iß heute anständig. Du wirst deine Kraft brauchen.«

Mat legte eine Hand über die Augen und bemühte sich sehr, nicht zu schreien. Als er die Hand wieder herunternahm, war sie fort.

Er stieg aus dem Bett und wickelte das Laken um sich. Aus einem unbestimmten Grund bereitete ihm die Vorstellung, nackt herumzulaufen, Unbehagen. Die verdammte Frau könnte aus dem Schrank springen. Die Kleidung, die er getragen hatte, lag über den Boden verstreut. Warum sollte man sich mit Schnüren abmühen, dachte er zornig, wenn man jemandem die Kleidung einfach vom Körper schneiden kann! Sie hatte jedoch kein Recht gehabt, seine rote Jacke so zu verderben. Es hatte ihr einfach Spaß gemacht, ihn mit dem Messer herauszuschälen.

Er öffnete seinen hohen, rotgoldenen Schrank, wobei er fast den Atem anhielt. Sie verbarg sich nicht darin. Seine Auswahlmöglichkeiten waren begrenzt. Nerim hatte seine meisten Jacken zum Reinigen oder Flicken gebracht. Er zog sich eilig an, wählte eine einfache Jacke aus dunkel bronzefarbener Seide und stopfte dann die zerschnittenen Fetzen so weit unters Bett wie möglich, bis er sich ihrer entledigen könnte, ohne daß Nerim es sah. Oder sonst jemand. Zu viele Leute wußten bereits entschieden zuviel über das, was zwischen ihm und Tylin vor sich ging. Er könnte niemandem in die Augen sehen, der hiervon wüßte.

Im Wohnzimmer hob er den Deckel des Lackkastens an der Tür an und ließ ihn dann seufzend wieder zufallen. Er hatte wirklich nicht erwartet, daß Tylin den Schlüssel zurücklegen würde. Er lehnte sich gegen die nicht abgeschlossene Tür. Licht, was sollte er tun? Wieder ins Gasthaus ziehen? Er wüßte zu gern, warum die Würfel zuvor angehalten hatten. Tylin wäre es durchaus zuzutrauen, Herrin Anan und Enid oder welche andere Gastwirtin auch immer zu bestechen. Und er würde es Nynaeve und Elayne zutrauen zu behaupten, er hätte irgendeine Vereinbarung gebrochen, wodurch sie nicht mehr an ihre Versprechen gebunden seien. Verdammt seien alle Frauen!

Ein großes, sorgfältig in grünes Papier gewickeltes Paket stand auf einem der Tische. Es enthielt eine Adlermaske in Schwarz und Gold und eine dazu passende, mit Federn besetzte Jacke. Außerdem befand sich eine rote Seidenbörse mit zwanzig Goldkronen und einem nach Blumen duftenden Zettel darin.

Ich hätte dir einen Ohrring gekauft, Ferkelchen, aber ich habe bemerkt, daß dein Ohr nicht durchstochen ist. Laß es machen und kauf dir etwas Hübsches.

Er war wieder nahe daran zu schreien. Er machte Frauen Geschenke. Die Welt stand Kopf! Ferkelchen? Oh, Licht! Kurz darauf nahm er die Maske hoch. Soviel schuldete sie ihm allein schon für seine Jacke.

Als er schließlich den kleinen, schattigen Hof erreichte, wo sie sich jeden Morgen an einem winzigen runden Teich mit Seerosen und hell gesprenkelten, weißen Fischen trafen, fand er Nalesean und Birgitte ebenfalls auf das Fest vorbereitet vor. Der Tairener hatte sich mit einer einfachen grünen Maske begnügt, aber Birgittes Maske war ein Sprühregen aus Gelb und Rot mit einem Federschopf, Sie trug ihr blondes Haar offen und ebenfalls von oben bis unten federgeschmückt, sowie ein Gewand mit einem breiten gelben Gürtel, das weitere, darunter getragene rote und gelbe Federn durchscheinen ließ. Es enthüllte nicht annähernd soviel wie Riselles Kleid, schien es aber tun zu wollen, wann immer sie sich bewegte. Er hätte niemals gedacht, daß sie ein Kleid wie andere Frauen trug.

»Manchmal macht es Spaß, wenn man angeschaut wird«, sagte sie und stieß ihn in die Rippen, als er eine Bemerkung machte. Ihr Grinsen hätte zu Nalesean gepaßt, wenn er äußerte, wieviel Spaß es machte, Schankmädchen zu zwicken. »Es ist weitaus mehr daran, als Federtänzer tragen, aber nicht genug, um mich zu behindern, und ich glaube ohnehin nicht, daß wir uns auf dieser Seite des Flusses schnell voranbewegen müssen.« Die Würfel in seinem Kopf klapperten. »Was hat Euch aufgehalten?« fuhr sie fort. »Ich hoffe, Ihr habt uns nicht warten lassen, um einem hübschen Mädchen zu schmeicheln.« Er hoffte, daß er nicht errötete.

»Ich...« Er war sich nicht sicher, welche Entschuldigung er ersonnen hätte, aber in diesem Moment kamen ein halbes Dutzend Männer mit federbesetzten Jacken in den Hof, die alle schmale Schwerter an der Hüfte und außer einem Mann kunstvolle Masken mit buntem Schöpf und Schnabel trugen, die keinen jemals von menschlichen Augen erblickten Vogel darstellten. Die Ausnahme war Beslan, der seine Maske am Band umherwirbelte. »Oh, Blut und Asche, was macht er hier?«

»Beslan?« Nalesean faltete die Hände über dem Knauf seines Schwerts und schüttelte ungläubig den Kopf. »Verdammt sei meine Seele, aber er sagte, er beabsichtige das Fest in Eurer Gesellschaft zu begehen. Er behauptet, es ginge um ein Versprechen, das Ihr gegeben hättet. Ich habe ihm gesagt, daß es tödlich langweilig würde, aber er wollte mir nicht glauben.«

»Ich kann mir nicht vorstellen, daß es in Mats Nähe jemals langweilig ist«, sagte Tylins Sohn. Seine Verbeugung galt ihnen allen, aber seine dunklen Augen verweilten besonders auf Birgitte. »Ich hatte noch niemals so viel Spaß wie an dem Tag, als ich mit Mat und Lady Elaynes Behüterin in einer swovanischen Nacht getrunken habe, obwohl ich mich in Wahrheit an kaum etwas erinnere.« Er schien diese Behüterin nicht wiederzuerkennen. Seltsamerweise, wenn man ihren Geschmack bei Männern bedachte -Beslan sah gut aus, vielleicht ein wenig zu gut, aber absolut nicht auf ihre Art -, lächelte sie leicht und bildete sich etwas auf seinen forschenden Blick ein.

Aber Mat kümmerte es im Moment nicht, wie unpassend sie sich benahm. Beslan hegte offensichtlich keinen Verdacht, sonst hätte er sein Schwert bereits gezogen, aber das letzte unter dem Licht, was Mat wollte, war ein Tag in seiner Gesellschaft. Es wäre unerträglich. Mat besaß einen gewissen Sinn für Anstand, auch wenn das auf Beslans Mutter nicht zutraf.

Das einzige Problem war Beslan, der dieses verdammte Versprechen, alle Feste und Festtage zusammen zu verbringen, sehr ernst nahm. Je mehr Mat mit Nalesean darin übereinstimmte, daß der von ihnen geplante Tag unglaublich langweilig würde, desto entschlossener wurde Beslan. Nach einer Weile verdüsterte sich seine Miene zusehends, und Mat begann zu glauben, daß er sein Schwert vielleicht doch noch ziehen würde. Nun, ein Versprechen war ein Versprechen. Als Mat und Nalesean und Birgitte den Palast verließen, stolzierten ein halbes Dutzend befiederte Narren hinterdrein. Mat war sich sicher, daß dies nicht geschehen wäre, wenn Birgitte ihre gewöhnliche Kleidung getragen hätte. Der ganze Haufen betrachtete sie ständig und lächelte.