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»Was ist mit ihm?« Rand deutete mit einer Kopfbewegung auf einen Mann auf der anderen Seite des Zelts, dessen lange dunkle Jacke genauso viele Streifen aufwies wie Caralines Gewand. Er war sehr groß für einen Cairhiener, weniger als einen Kopf kleiner als Rand, und bis auf breite Schultern schlank und auffallend gutaussehend, mit kräftigem Kinn und nur einer Spur Grau an den dunklen Schläfen. Mins Blick wurde jedoch aus einem unbestimmten Grund von seinem Begleiter angezogen, einem mageren kleinen Burschen mit langer Nase und großen Ohren in einer roten Seidenjacke, die ihm nicht sehr gut paßte. Er betastete ständig einen gebogenen Dolch an seinem Gürtel, eine auffallende Waffe mit goldener Scheide und einem das Heft krönenden, großen roten Stein, der das Licht undeutlich einzufangen schien. Sie sah keine Auren um ihn. Er schien ihr vage vertraut. Die beiden Männer blickten zu ihr und Rand.

»Das«, flüsterte Caraline mit angespannter Stimme, »ist Lord Toram Riatin persönlich mit seinem ständigen Begleiter während der letzten Zeit, Meister Jeraal Mordeth. Ein abscheulicher kleiner Mann. Sein Blick bewirkt, daß ich mich waschen möchte. Sie vermitteln mir beide das Gefühl, unrein zu sein.« Sie blinzelte, überrascht über ihre Worte, aber sie fing sich schnell wieder. Min hatte das Gefühl, daß nichts Caraline lange aus dem Gleichgewicht brachte. Darin war sie Moiraine sehr ähnlich. »Ich wäre vorsichtig, wenn ich an Eurer Stelle wäre, Cousin Tomas«, fuhr sie fort. »Ihr habt mich vielleicht mit einem Wunder oder dem Ta'veren beeinflußt - und vielleicht sogar auch Darlin, obwohl ich nicht weiß, wohin das führen mag; ich mache keine Versprechungen -, aber Toram haßt Euch leidenschaftlich. Bevor Mordeth sich ihm anschloß, war es noch nicht so schlimm, aber seither... Toram würde die Stadt sofort angreifen, noch in der Nacht. Wenn Ihr tot wärt, sagt er, würden die Aiel weichen, aber ich glaube, Euch tot zu sehen, ist ihm in Wahrheit inzwischen wichtiger als der Thron,«

»Mordeth«, sinnierte Rand. Er betrachtete Toram Riatin und den mageren Burschen. »Sein Name ist Padan Fain, und auf seinen Kopf stehen eintausend Goldkronen.«

Caraline hätte beinahe ihren Becher fallen lassen. »Königinnen sind schon für weniger ausgelöst worden. Was hat er getan?«

»Er hat mein Heim verwüstet, weil es mein Heim war.« Rands Gesicht war erstarrt, seine Stimme wie Eis. »Er hat Trollocs veranlaßt, meine Freunde zu töten, weil sie meine Freunde waren. Er ist ein Schattenfreund ... und ein toter Mann.« Er stieß die letzten Worte durch zusammengebissene Zähne hervor. Gewürzter Wein spritzte auf den Teppich, als der Silberbecher in seiner behandschuhten Faust geneigt wurde. Min spürte sein Elend, seine Qual, aber sie legte Rand fast flehentlich eine Hand auf die Brust. Wenn er jetzt nachgab und die Macht lenkte, obwohl wer weiß wie viele Aes Sedai in der Nähe waren... »Um des Lichts willen - beherrsche dich«, begann sie, als hinter ihr die freundliche Stimme einer Frau erklang.

»Wollt Ihr mich Eurem großen, jungen Freund vorstellen, Caraline?«

»Natürlich, Cadsuane Sedai.« Caraline klang erschüttert, aber sie besänftigte ihre Stimme, bevor sie ihren zu Besuch erschienenen ›Cousin‹ und seine ›Frau‹ vorstellte. »Aber ich fürchte, Cairhien ist im Moment kein geeigneter Ort für sie«, fuhr sie, wieder vollkommen beherrscht, fort und lächelte bedauernd, daß sie Rand und Min nicht länger bei sich behalten konnte. »Sie haben sich einverstanden erklärt, meinem Rat zu folgen und nach Andor zurückzukehren.«

»Tatsächlich?« fragte Cadsuane trocken. Mins Herz sank. Auch wenn Rand nicht von ihr gesprochen hatte, war aus der Art, wie sie ihn ansah, deutlich ersichtlich, daß sie ihn kannte. Winzige goldene Vögel und Monde und Sterne schwangen, als sie den Kopf schüttelte. »Die meisten Jungen lernen, ihre Finger nicht mehr in das hübsche Feuer zu strecken, wenn sie sich das erste Mal verbrannt haben, Tomas. Andere müssen geschlagen werden, um zu lernen. Besser ein wunder Hintern als eine verbrannte Hand.«

»Ihr wißt, daß ich kein Kind mehr bin«, beschied Rand ihr barsch.

»Tatsächlich?« Sie betrachtete ihn eindringlich von Kopf bis Fuß. »Nun, anscheinend werde ich bald erkennen, ob Ihr geschlagen werden müßt oder nicht.« Die kühlen Augen schweiften zu Min und zu Caraline, und dann entschwebte Cadsuane mit einem letzten Blick auf ihre Stola in die Menge.

Min schluckte den Kloß in ihrer Kehle hinunter und war erfreut, Caraline es ihr, trotz ihrer Selbstbeherrschung, gleichtun zu sehen. Rand -der blinde Narr! - sah der Aes Sedai nach, als wollte er ihr folgen. Dieses Mal legte Caraline eine Hand auf seine Brust.

»Anscheinend kennt Ihr Cadsuane«, sagte sie leise. »Nehmt Euch vor ihr in acht. Selbst die Schwestern haben gewaltigen Respekt vor ihr.« Caralines kehlige Stimme wurde ernst. »Ich habe keine Ahnung, was heute noch geschehen wird, aber was auch immer es ist, denke ich, daß Ihr aufbrechen solltet, ›Cousin Tomas‹. Es ist allerhöchste Zeit. Ich werde Pferde bereitstellen lassen...«

»Ist dies Euer Cousin, Caraline?« fragte die tiefe, volltönende Stimme eines Mannes, und Min zuckte wider Willen zusammen.

Toram Riatin sah aus der Nähe noch besser aus als aus der Ferne, da er die starke männliche Schönheit und Weltgewandtheit besaß, die Min angezogen hätte, bevor sie Rand begegnete. Nun, sie fand ihn dennoch anziehend, wenn auch nicht so anziehend wie Rand. Seine festen, lächelnden Lippen waren recht reizvoll.

Torams Blick fiel auf Caralines noch immer auf Rands Brust ruhende Hand. »Lady Caraline wird meine Frau werden«, sagte er träge, »Wuß-tet Ihr das?«

Caralines Wangen röteten sich zornig. »Wagt es nicht, Toram! Ich habe Euch gesagt, daß ich Euch nicht heiraten werde, und ich werde meine Meinung nicht ändern!«

Toram sah Rand lächelnd an. »Ich glaube, Frauen erkennen niemals, was sie wollen, bis man es ihnen zeigt. Was meint Ihr, Jeraal? Jeraal?« Er sah sich stirnrunzelnd um. Min beobachtete ihn erstaunt. Er sah so gut aus, mit genau der richtigen Art von... Sie wünschte, sie könnte Visionen bewußt heraufbeschwören. Sie wollte zu gerne wissen, was die Zukunft für diesen Mann bereithielt.

»Ich habe Euren Freund in dieser Richtung davoneilen sehen, Toram.« Caraline deutete mit angewidert verzogenem Mund vage in eine Richtung. »Ich denke, Ihr werdet ihn in der Nähe der Getränke finden, wo er die Schankmädchen belästigt.«

»Später, meine Teure.« Er versuchte, ihre Wange zu berühren, und wirkte belustigt, als sie zurückwich. Er übertrug seine Belustigung augenblicklich auf Rand - und auf das Schwert an seiner Seite. »Hättet Ihr Lust auf einen kleinen Wettkampf, Cousin? Ich nenne Euch so, weil wir Cousins sein werden, wenn Caraline erst meine Frau ist. Mit Übungsschwertern natürlich.«

»Gewiß nicht«, erwiderte Caraline lachend. »Er ist ein Junge, Toram, und kann das eine Ende des Schwerts kaum vom anderen unterscheiden. Seine Mutter würde mir niemals verzeihen, wenn ich zuließe ...«

»Ein Wettkampf«, sagte Rand jäh. »Ich könnte vielleicht ebensogut herausfinden, wohin dies führt. Ich nehme die Herausforderung an.«

36

Klingen

Min wußte nicht, ob sie stöhnen oder schreien oder sich hinsetzen und weinen sollte. Caraline sah Rand mit geweiteten Augen an und befand sich anscheinend im gleichen Dilemma.

Toram rieb sich lachend die Hände. »Hört alle zu«, rief er. »Ihr werdet einen Wettkampf sehen. Macht Platz! Macht Platz!« Er scheuchte Leute aus der Zeltmitte zur Seite.

»Schafhirte«, grollte Min, »du bist nicht einfältig. Du besitzt überhaupt kein Gehirn!«

»So würde ich es nicht ausdrücken«, sagte Caraline sehr trocken, »aber ich schlage vor, daß Ihr jetzt geht. Welche ... Tricks ... auch immer Ihr anzuwenden gedenkt - in diesem Zelt befinden sich sieben Aes Sedai, von denen vier, die auf ihrem Weg nach Tar Valon kürzlich aus dem Süden eingetroffen sind, der Roten Ajah angehören. Sollte eine von ihnen auch nur den geringsten Verdacht hegen, fürchte ich sehr, daß niemals geschehen wird, was sich aus dem heutigen Tag ergeben könnte. Also geht jetzt besser.«