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Also habe ich darüber nachgedacht, was wäre, wenn... Da. Mehr kann ich nicht tun.«

Dashiva brummte, als Flinn sich jäh auf die Fersen zurücksetzte und sich mit dem Handrük-ken über die Stirn wischte. Schweiß perlte auf seinem Gesicht, das erste Mal, daß Min einen Asha'man schwitzen sah. Der Schnitt an Rands Seite war nicht fort, aber er schien ein wenig kleiner zu sein, weniger rot und entzündet. Rand schlief noch immer, aber sein Gesicht schien jetzt weniger blaß.

Samitsu schoß so schnell an Narishma vorbei, daß er keine Gelegenheit hatte einzugreifen. »Was habt Ihr getan?« verlangte sie zu wissen und legte die Finger auf Rands Stirn. Was auch immer sie mit der Macht vorfand - sie wölbte die Brauen, und ihr Tonfall wurde statt herrisch ungläubig. »Was habt Ihr getan?«

Flinn zuckte bedauernd die Achseln. »Nicht viel. Ich konnte nicht wirklich anrühren, was falsch ist. Ich habe die bösen Kräfte in gewisser Weise vor ihm verschlossen, zumindest eine Zeitlang. Es wird nicht anhalten. Sie bekämpfen jetzt einander. Vielleicht werden sie sich gegenseitig töten, während er die restliche Heilung selbst vollzieht.« Er seufzte und schüttelte den Kopf. »Andererseits kann ich auch nicht sagen, daß sie ihn nicht töten werden. Aber ich glaube, er hat jetzt eine bessere Chance als zuvor.«

Dashiva nickte wichtigtuerisch. »Ja, er hat jetzt eine Chance.« Man hätte glauben können, er hätte die Heilung selbst vollzogen.

Zu Flinns offensichtlicher Überraschung trat Samitsu um das Bert herum und half ihm aufzustehen. »Ihr werdet mir erklären, was Ihr getan habt«, sagte sie, wobei ihr königlicher Tonfall in krassem Widerspruch zu der Art stand, wie ihre flinken Finger den Kragen des alten Mannes richteten und seine Aufschläge glätteten. »Wenn ihr es mir nur irgendwie zeigen könntet! Aber Ihr werdet es mir beschreiben. Ihr müßt es tun! Ich werde Euch alles Gold geben, das ich besitze, oder Euch ein Kind gebären oder was immer Ihr wollt, aber Ihr werdet mir alles erzählen, was Ihr mir erzählen könnt.« Sie war sich anscheinend selbst im unklaren, ob sie befahl oder bat, während sie einen sehr verwirrten Flinn hinüber zu den Fenstern führte. Er öffnete den Mund mehr als einmal, aber sie war zu sehr damit beschäftigt, ihn zum Reden zu bringen, um es zu bemerken.

Min kümmerte es nicht, was jedermann dachte; sie kletterte aufs Bett und legte sich so hin, daß sie Rands Kopf unter ihr Kinn nehmen und ihre Arme um ihn legen konnte. Eine Chance. Sie betrachtete verstohlen die drei um das Bett versammelten Menschen. Cadsuane auf ihrem Stuhl, Amys gegenüber von ihr stehend und Dashiva, der an einem der eckigen Pfosten am Fußende des Bettes lehnte, alle mit unlesbaren Auren und um sie herum tanzenden Bildern. Alle beobachteten Rand sehr angespannt. Amys sah zweifellos irgendeine Katastrophe für die Aiel voraus, wenn Rand starb, und Dashiva, der einzige, der überhaupt einen Ausdruck zeigte -ein düsteres, aber auch besorgtes Stirnrunzeln -, sah eine Katastrophe für die Asha'man voraus. Und Cadsuane... Cadsuane, die Bera und Kiruna nicht nur kannte, sondern sie wegen all ihrer Rand gegenüber geleisteten Eide wie kleine Mädchen zusammenzucken ließ. Cadsuane würde Rand nicht stärker verletzen, ›als es sein mußte‹.

Cadsuanes Blick begegnete Mins Blick einen Moment, und Min erschauderte. Sie würde ihn irgendwie beschützen, solange er sich nicht selbst beschützen konnte, vor Amys und Dashiva und Cadsuane. Irgendwie. Sie summte unbewußt ein Wiegenlied und wiegte Rand dabei sanft. Irgendwie.

37

Eine Nachricht vom Palast

Der Tag nach dem Vogelfest dämmerte mit starken Winden vom Meer der Stürme herauf, welche die Hitze in Ebou Dar tatsächlich durchbrachen. Ein wolkenloser Himmel und die rotgoldene Sonne am Horizont versprachen jedoch neuerliche Hitze, wenn der Wind sich legen würde. Mat eilte durch den Tarasin-Palast hinab, seine grüne Jacke geöffnet und das Hemd vorahnungsvoll nur halbwegs geschlossen. Er zuckte zwar nicht bei jedem Laut zusammen, aber er erschrak mit erheblich stärker geweiteten Augen, als ihm lieb war, wann immer eine der Dienerinnen vorüberging, ihre Röcke rascheln ließ und ihn anlächelte. Jede einzelne von ihnen lächelte auf eine besondere ... wissende ... Art. Es kostete ihn Mühe, nicht zu laufen. Schließlich verlangsamte er seine Schritte und betrat vorsichtig, fast auf Zehenspitzen, den schattigen Gang, der den Stallhof umsäumte. Zwischen den kannelierten Säulen des Ganges hingen gelbliche, lange schlanke Pflanzen aus großen roten Tontöpfen und Weinranken mit großen, rotgestreiften Blättern aus Metallkörben an Ketten herab, die einen dünnen Schirm bildeten. Er zog sich seinen Hut unbewußt tiefer ins Gesicht. Dann strich er mit den Händen über seinen Speer - ein Ashandarei, hatte Birgitte ihn genannt - und betastete gedankenlos das Heft, als müsse er sich vielleicht verteidigen. Die Würfel in seinem Kopf rollten wild umher, aber sie hatten nichts mit seinem Unbehagen zu tun. Die Quelle dessen war Tylin.

Sechs geschlossene Kutschen mit dem auf die Türen gemalten grünen Anker und Schwert des Hauses Mitsobar warteten bereits vor den hohen Außentoren, die Pferde eingespannt und die livrierten Diener aufgestiegen. Auf ihrer anderen Seite konnte er Nalesean in einer gelb gestreiften Jacke gähnen sehen, und Vanin saß nicht weit von den Stalltüren entfernt zusammengesunken auf einem umgedrehten Faß und schlief anscheinend. Die meisten der übrigen Rotwaffen hockten geduldig auf dem gepflasterten Hof. Einige würfelten im Schatten der gewaltigen weißen Ställe. Elayne stand zwischen Mat und den Kutschen, genau auf der anderen Seite des Schirms aus Pflanzen. Reanne Corly war bei ihr, und sieben weitere der Frauen, die an diesem seltsamen Treffen teilgenommen hatten, in das Mat am Vorabend hineingeplatzt war, befanden sich ganz in der Nähe. Reanne trug als einzige den roten Gürtel einer Weisen Frau. Er hatte halbwegs erwartet, daß sie heute morgen nicht erscheinen würden. Sie besaßen die Züge von Frauen, die es gewohnt waren, ihr eigenes Leben und das Leben anderer zu beherrschen, und die meisten hatten zumindest ein wenig Grau im Haar, und doch beobachteten sie Elayne mit dem frischen Gesicht in erwartungsvoller Haltung, anscheinend auf Zehenspitzen, als seien sie bereit, auf ihren Befehl hin zu springen. Sie alle zogen jedoch nicht einmal die Hälfte von Mats Aufmerksamkeit auf sich. Keine von ihnen war die Frau, bei der er am liebsten aus der Haut gefahren wäre. Tylin bewirkte, daß er sich fühlte wie ... nun ... ›hilflos‹ war das einzige Wort, das anscheinend paßte, wie lächerlich es auch schien.

»Wir brauchen sie nicht, Herrin Corly«, sagte Elayne. Die Tochter-Erbin klang wie eine Frau, die einem Kind den Kopf tätschelte. »Ich habe ihnen gesagt, sie sollen hierbleiben, bis wir zurückkehren. Wir werden weniger Aufmerksamkeit erregen, besonders bei der Überquerung des Flusses, wenn keine der älteren Aes Sedai dabei ist.« Ihre Vorstellung davon, was man beim Besuch des verrufensten Teils der Stadt tragen sollte, ohne Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, zeigte sich in einem breiten grünen Hut mit grün gefärbten Federn, einem leichtem Staubmantel aus grünem Leinen mit den Rücken hinab verlaufenden, eingearbeiteten goldenen Schnörkeln und einem hochgeschlossenen grünen Seidenreitgewand mit goldener Stickerei auf den geteilten Röcken und um den ovalen Ausschnitt, der die Hälfte ihres Busens freigab. Sie trug sogar eine jener Halsketten für einen Hochzeitsdolch. Das breite Band aus geflochtenem Gold würde die Hand jedes Diebes im Rahad zucken lassen. Außer einem kleinen Gürtelmesser hatte sie keine Waffe bei sich. Aber welche Waffe brauchte eine Frau auch, welche die Macht lenken konnte? Natürlich steckte in jedem jener roten Gürtel ein gebogener Dolch. Wie auch in Reannes Gürtel aus schlicht gearbeitetem Leder.