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Plötzlich erkannte er, daß er allein weitergegangen war. Als er sich umwandte, sah er Elayne stocksteif zwei Schritte hinter ihm stehen, die ihn anstarrte, während Reanne und die übrigen sich hinter ihr zusammendrängten.

»Was ist jetzt los?« fragte er. »O ja, ich weiß über Moghedien Bescheid.« Ein magerer Bursche mit roten Steinen an seinen Messingcreolen, der sich über eine Halteleine beugte, fuhr bei diesem Namen so schnell herum, daß er mit einem lauten Schrei und noch lauterem Platschen über Bord fiel. Es kümmerte Mat nicht, wer zuhörte. »Zu versuchen, es zu verheimlichen -und daß zwei meiner Männer tot sind! -, nachdem Ihr Euer Versprechen gegeben habt. Nun, darüber werden wir später reden. Ich habe auch ein Versprechen gegeben. Ich habe versprochen, Euch zu beschützen. Wenn Moghedien auftaucht, wird sie Euch jagen. Jetzt nehmt es.« Er schob ihr das Medaillon erneut zu.

Elayne schüttelte zögernd und verwundert den Kopf und wandte sich dann um, um sich flüsternd mit Reanne zu beraten. Erst nachdem die älteren Frauen auf dem Weg zu Nynaeve waren, die ihnen von einer Bootstreppe aus zuwinkte, nahm Elayne den Fuchskopf und drehte ihn in den Händen.

»Habt Ihr auch nur die geringste Ahnung, was ich alles getan hätte, um dies zu erforschen?« fragte sie leise. »Auch nur die geringste Ahnung?« Sie war groß für eine Frau, aber sie mußte dennoch zu ihm aufsehen. Sie hatte ihn vielleicht noch niemals zuvor wirklich gesehen. »Ihr seid ein schwieriger Mann, Mat Cauthon. Lini würde sagen, ich wiederhole mich, aber Ihr...!« Elayne stieß geräuschvoll den Atem aus und langte aufwärts, um ihm den Hut abzunehmen und ihm das Band wieder über den Kopf zu streifen. Tatsächlich steckte sie den Fuchskopf in sein Hemd zurück und tätschelte ihn, bevor sie ihm seinen Hut zurückgab. »Ich werde ihn nicht tragen, solange Nynaeve keinen besitzt, oder Aviendha, und ich glaube, die beiden empfinden ähnlich. Tragt Ihr ihn. Immerhin könnt Ihr Euer Versprechen kaum halten, wenn Moghedien Euch tötet. Nicht daß ich glaube, daß sie noch hier ist. Wahrscheinlich denkt sie, Nynaeve getötet zu haben, und es würde mich nicht überraschen, wenn das der einzige Grund für ihr Kommen war. Ihr müßt dennoch vorsichtig sein. Nynaeve sagt, ein Sturm käme auf, und sie meint damit nicht diesen Wind. Ich...« Sie errötete erneut. »Es tut mir leid, daß ich über Euch gelacht habe.« Sie räusperte sich und wandte den Blick ab. »Manchmal vergesse ich meine Pflichten meinen Untertanen gegenüber. Ihr seid ein achtbarer Untertan, Matrim Cauthon. Ich werde dafür sorgen, daß Nynaeve erfährt, was mit ... mit Euch und Tylin vorgeht. Vielleicht können wir Euch helfen.«

»Nein«, platzte er heraus. »Ich meine, ja. Ich meine... Das ist... Oh, verdammt sei ich, wenn ich weiß, was ich meine. Ich wünschte fast, Ihr würdet die Wahrheit nicht kennen.« Nynaeve und Elayne, die sich zusammensetzten und beim Tee über ihn und Tylin diskutierten. Könnte er jemals damit leben? Könnte er danach jemals wieder einer von ihnen in die Augen sehen? Aber wenn sie es nicht taten... Er saß ohne Ausweg in der Falle. »Oh, verdammt! Verdammt noch mal!« Er wünschte fast, sie würde ihn für seine Flüche rügen, wie Nynaeve es getan hätte, nur um das Thema zu wechseln.

Sie bewegte lautlos die Lippen, und er hatte einen Moment den seltsamen Eindruck, sie wiederhole, was er gerade gesagt hatte. Natürlich nicht. Er hatte Halluzinationen. Das war alles. Laut sagte sie: »Ich verstehe.« Und sie klang, als verstehe sie tatsächlich. »Nun kommt, Mat. Wir dürfen keine Zeit damit verschwenden, hier herumzustehen.«

Er beobachtete staunend, wie sie ihre Röcke und den Umhang raffte und über den Anlegeplatz schritt. Sie verstand? Sie verstand, und es kam kein bissiger Kommentar, nicht eine verletzende Bemerkung? Und er war ihr Untertan. Ihr achtbarer Untertan. Das Medaillon betastend, folgte er ihr. Er war sich sicher gewesen, daß er darum kämpfen müßte, es jemals wiederzubekommen. Und wenn er so lange lebte wie zwei Aes Sedai, würde er die Frauen doch niemals verstehen, und adlige Frauen waren die schlimmsten.

Als er die Stufen erreichte, die Elayne hinabgestiegen war, benutzten die beiden Ruderer des Bootes bereits ihre langen Ruder, um das Boot abzustoßen. Elayne drängte Reanne und die letzte der Weisen Frauen in die Kabine, und Lan stand mit Nynaeve am Bug. Beslan rief ihn zum nächsten Boot, in dem sich alle Männer außer dem Behüter befanden.

»Nynaeve sagte, es sei nicht genug Platz für einen von uns«, erklärte Nalesean, als das Boot schaukelnd auf den Eldar hinausfuhr. »Sie sagte, wir würden sie beengen.« Beslan lachte, während er sich auf dem Boot umsah. Vanin saß mit geschlossenen Augen neben der Kabinentür und gab vor, er befände sich woanders. Harnan und Tad Kandel, trotz seiner ebenso dunklen Hautfarbe wie die der Bootsleute ein Andoraner, waren auf das Kabinendach geklettert. Die übrigen Rotwaffen hockten an Deck und versuchten, den Ruderern aus dem Weg zu bleiben. Niemand betrat die Kabine, sondern alle warteten offensichtlich ab, ob Mat und Nalesean und Beslan hineingehen wollten.

Mat stellte sich neben den hohen Bugmast und spähte zu dem anderen Boot, das sich unmittelbar vor ihnen befand. Der Wind peitschte das düstere Wasser und seinen Schal ebenso, und er mußte seinen Hut festhalten. Was hatte Nynaeve vor? Die anderen neun Frauen auf dem zweiten Boot befanden sich alle in der Kabine und überließen ihr und Lan das Deck. Sie standen am Bug, Lan mit gekreuzten Armen und Nynaeve gestikulierend, als erkläre sie etwas. Nur daß Nynaeve äußerst selten etwas erklärte.

Was auch immer sie tat - es dauerte nicht lange. Draußen in der Bucht, wo die Klipper und Wogentänzer des Meervolks ihre Anker lichteten, waren weiße Schaumkronen zu sehen. Der Fluß war nicht sehr unruhig, aber das Boot schaukelte dennoch stärker, als Mat es von jeder vorangegangenen Fahrt in Erinnerung hatte. Es dauerte nicht lange, bis Nynaeve sich über die Reling beugte und sich von ihrem Frühstück befreite, während Lan sie festhielt. Das erinnerte Mat an seinen eigenen Magen. Er klemmte sich den Hut unter den Arm, damit er nicht davonwehen konnte, und nahm sein Stück Käse hervor.

»Beslan, wird dieser Sturm wohl losbrechen, bevor wir vom Rahad zurückkehren können?« Er biß ein Stück von dem würzigen Käse ab. Es gab in Ebou Dar fünfzig verschiedene Sorten Käse, die alle wohlschmeckend waren. Nynaeve hing noch immer über der Reling. Wieviel hatte die Frau heute morgen gegessen? »Ich weiß nicht, wo wir Schutz suchen sollen, wenn wir hineingeraten.« Er konnte sich an kein einziges Gasthaus im Rahad erinnern, in das er die Frauen mitnehmen würde.

»Es kommt kein Sturm auf«, sagte Beslan und setzte sich auf die Reling. »Dies sind nur die winterlichen Passatwinde. Diese Winde kommen zweimal im Jahr, im Spätwinter und im Spätsommer, aber sie müssen noch viel stärker werden, bevor ein Sturm daraus wird.« Er blickte verdrossen in die Bucht hinaus. »Jedes Jahr bringen - brachten - diese Winde Schiffe von Tarabon und Arad Doman heran. Ich frage mich, ob das jemals wieder geschehen wird.«

»Das Rad webt«, begann Mat und verschluckte sich dann an einem Krümel Käse. Blut und Asche - er klang bereits wie ein alter Mann, der seine schmerzenden Gelenke vor einem Kamin ausruhte. Sich darüber zu sorgen, die Frauen in ein schäbiges Gasthaus mitzunehmen. Vor einem Jahr, vor einem halben Jahr, hätte er sie mit hinein genommen, hätte gehöhnt, wenn ihnen die Augen herausfielen, und hätte über jedes gekünstelte Naserümpfen gelacht. »Nun, vielleicht wirst du im Rahad doch ein wenig Spaß haben, Zumindest wird jemand uns bestehlen wollen oder versuchen, Elayne die Halskette abreißen.« Vielleicht brauchte er das, um den Geschmack nach Nüchternheit auf seiner Zunge zu tilgen, Nüchternheit. Licht, welcher Begriff, um ihn auf Mat Cauthon anzuwenden! Er mußte sich mehr vor Tylin fürchten, als er gedacht hatte, wenn er so verkümmerte. Vielleicht brauchte er etwas von Beslans Art von Spaß. Das war verrückt - er hatte noch niemals einen Kampf gesehen, um den er nicht lieber einen Bogen gemacht hätte -, aber vielleicht...