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Beslan schüttelte den Kopf. »Wenn jemand ihn finden kann, dann Ihr, aber... Wir werden sieben Weise Frauen bei uns haben, Mat. Sieben. Mit je einer an Eurer Seite könntet Ihr, sogar im Rahad, jemanden schlagen, und er würde seine Zunge verschlucken und davongehen. Und die Frauen. Was ist spaßig daran, eine Frau ohne das Risiko zu küssen, daß sie vielleicht einen Dolch in Euch versenken könnte?«

»Verdammt sei meine Seele«, murrte Nalesean in seinen Bart. »Das klingt, als hätte ich mich für einen langweiligen Vormittag aus dem Bett gequält.«

Beslan nickte mitleidig. »Aber wenn wir Glück haben... Die Bürgerwehr schickt gelegentlich Patrouillen in den Rahad, und wenn sie Schmuggler verfolgen, sind sie stets wie alle anderen gekleidet. Sie glauben anscheinend, daß niemand ein Dutzend Männer mit Schwertern bemerken wird, was auch immer sie tragen, und sind stets überrascht, wenn die Schmuggler sie aus dem Hinterhalt überfallen, was fast immer geschieht. Wenn Mats Ta'veren-Glück auch uns einschließt, werden wir vielleicht für die Bürgerwehr gehalten, und einige Schmuggler greifen uns vielleicht an, bevor sie die roten Gürtel sehen.« Nalesean strahlte und rieb sich die Hände.

Mat sah sie an. Vielleicht war Beslans Art von Spaß doch nicht das, was er brauchte. Außerdem hatte er genug von Frauen mit Dolchen. Nynaeve hing noch immer über die Reling des Bootes vor ihnen. Das würde sie lehren, nicht mehr so viel in sich hineinzuschlingen. Er aß gierig den letzten Rest Käse, griff dann zum Brot und versuchte, die Würfel in seinem Kopf zu ignorieren. Eine unbeschwerte Reise ohne Schwierigkeiten klang überhaupt nicht schlecht. Eine schnelle Reise, mit einem schnellen Aufbruch von Ebou Dar.

Der Rahad war alles, woran er sich erinnerte, und alles, was Beslan fürchtete. Der Wind ließ das Erklimmen der aufgesprungenen grauen Steinstufen am Bootsanlegeplatz zu einem gefährlichen Kraftakt werden, und danach wurde es noch schlimmer. Kanäle verliefen überall, genau wie auf der anderen Seite des Flusses, aber hier waren die Brücken schmal, die schmutzigen Steinbrüstungen zerfallen und brüchig. Zahlreiche Kanäle waren so verschlammt, daß Jungen bis zur Taille darin wateten, und kaum ein Lastkahn war zu sehen. Hohe Gebäude standen an engen Straßen mit aufgerissenem Straßenpflaster dicht zusammengedrängt, klotzige Gebilde mit rauhem, einst weißem Verputz, der in großen Flecken verwitterte rote Ziegelsteine freigab. In diesen Straßen erreichte das Morgenlicht die Schatten der Gebäude nicht wirklich. Schmuddelige Wäsche hing zum Trocknen vor jedem dritten Fenster, außer dort, wo ein Gebäude leerstand. Das galt für einige, deren Fenster wie Augenhöhlen in einem Schädel gähnten. Ein süßsaurer Geruch nach Verfall durchdrang die Luft, nach Nachttöpfen vom letzten Monat und uraltem Abfall, der verrottete, wo immer er hingeworfen wurde, und für jede Fliege auf der anderen Seite des Eldar summten hier hundert in graugrünen Wolken umher. Er erspähte die abblätternde blaue Tür der Goldenen Krone des Himmels und erschauderte, trotz Beslans Worten, bei dem Gedanken, die Frauen dort hineinzubringen, wenn der Sturm losbräche. Dann erschauderte er erneut, weil er erschaudert war. Etwas geschah mit ihm, und es gefiel ihm nicht.

Nynaeve und Elayne bestanden darauf, mit Reanne die Führung zu übernehmen, während die Weisen Frauen dicht hinter ihnen gingen. Lan blieb wie ein Wolfshund an Nynaeves Seite. Die Hand am Schwertheft, die Blicke ständig schweifend, wirkte er bedrohlich. Tatsächlich bot er selbst hier wahrscheinlich ausreichenden Schutz für zwei Dutzend hübsche junge Mädchen mit Säcken voller Gold, aber Mat bestand darauf, daß Vanin und die übrigen ebenfalls die Augen offenhielten. Der frühere Pferdedieb und Wilderer blieb so dicht bei Elayne, daß man jedermann hätte verzeihen können, der ihn für ihren Behüter gehalten hätte, wenn auch ein eher dicker und abgerissener Behüter. Belan rollte bei Mats Anweisungen ausdrucksvoll mit den Augen, und Nalesean strich sich verärgert über den Bart und murrte, daß er noch immer im Bett liegen könnte.

Männer stolzierten, oft in zerlumpten Westen und ohne Hemd, die Straßen entlang, trugen große Messingcreolen in den Ohren und Messingringe mit eingelassenen Buntglassteinen an den Händen und hatten oft einen oder manchmal zwei Dolche hinter dem Gürtel stecken. Ihre Hände ruhten in der Nähe der Dolche, und sie schauten, als wollten sie jedermann warnen, sie nur nicht schief anzusehen. Andere schlichen mit gesenkten Blicken von Ecke zu Ecke, von Eingang zu Eingang, ahmten die Hunde mit den hervorstehenden Rippen nach, die manchmal aus einem düsteren Eingang heraus knurrten, der kaum breit genug war, daß sich ein Mensch hindurchzwängen konnte. Jene Männer rechneten mit allem, und man konnte nicht sagen, welcher davonlaufen und welcher zustechen würde. Die Frauen ließen die Männer im großen und ganzen unauffällig erscheinen, da sie in abgetragenen Gewändern und mit doppelt soviel Messingschmuck wie die Männer einherstolzierten. Sie trugen natürlich auch Dolche, und ihre kühnen dunklen Augen forderten mit jedem Blick auf zehn verschiedene Arten heraus. Kurz gesagt, der Rahad war ein Ort, an dem niemand, der Seide trug, hoffen konnte, zehn Schritte gehen zu können, ohne niedergeschlagen zu werden. Bestenfalls konnten sie darauf hoffen, bis auf die Haut entkleidet in einer Gasse auf einem Haufen Abfall aufzuwachen, da die Alternative darin bestand, überhaupt nicht mehr aufzuwachen. Aber...

Kinder mit angeschlagenen Steingutbechern mit Wasser schossen aus jedem zweiten Eingang, von ihren Müttern geschickt, falls die Weisen Frauen etwas zu trinken wünschten. Männer mit narbigen Gesichtern und mordgierigen Augen starrten die sieben Weisen Frauen mit offenem Mund an, verbeugten sich dann ruckartig und fragten höflich, ob sie helfen könnten, ob sie irgend etwas getragen haben wollten? Frauen, manchmal mit ebenso vielen Narben und mit Augen, die selbst Tylin hätten zusammenzucken lassen, vollführten unbeholfen Hofknickse und fragten atemlos, ob sie ihnen vielleicht die Richtung weisen sollten.

Die Soldaten betrachteten sie dennoch genauso feurig wie immer, obwohl selbst die Hartnäckigsten nach einem einzigen Blick vor Lan zurückzuckten.

Und seltsamerweise auch vor Vanin. Einige der Männer schimpften über Beslan und Nalesean, wann immer sie einer Frau zu lange in den tiefen Ausschnitt blickten. Einige schimpften auch über Mat, obwohl er nicht verstand warum. Anders als seine beiden Gefährten lief er niemals Gefahr, daß ihm die Augen in den Ausschnitt einer Frau fallen könnten. Er wußte, wie man taktvoll schaute. Nynaeve und Elayne wurden trotz all ihres Putzes ignoriert, und Reanne in ihrem roten Tuchgewand ebenso. Sie trugen keinen roten Gürtel, aber sie standen unter dem Schutz jener Gürtel. Mat erkannte, daß Beslan recht gehabt hatte. Er könnte seine Geldbörse auf den Boden ausschütten, und niemand würde eine Münze aufheben, zumindest so lange die Weisen Frauen in der Nähe waren. Er konnte jede in Sichtweite befindliche Frau in den Hintern zwicken, und sie würde lediglich davongehen, selbst wenn sie beinahe einen Schlaganfall erlitt.

»Welch erfreulicher Spaziergang«, sagte Nalesean trocken, »mit solch interessanten Ansichten und Gerüchen. Sagte ich Euch bereits, daß ich letzte Nacht nicht viel Schlaf bekommen habe, Mat?«

»Wollt Ihr im Bett sterben?« grollte Mat. Sie hätten ebenso gut alle im Bett bleiben können. Sie waren hier mit Sicherheit verdammt nutzlos. Der Tairener schnaubte ungehalten. Beslan lachte, aber er glaubte wahrscheinlich, Mat hätte etwas anderes gemeint.

Sie marschierten durch den Rahad, bis Reanne schließlich vor einem unscheinbaren Gebäude mit abblätterndem Verputz und zerbröckelnden Ziegelsteinen stehenblieb, dasselbe Gebäude, bis zu dem Mat gestern einer anderen Frau gefolgt war. Vor den Fenstern hing keine Wäsche. Hier lebten nur Ratten. »Hier drinnen«, sagte sie.