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Rund um die Schwarzen Schwestern und Nynaeve blieb ein wenig Raum frei, wofür sie selbst sorgten. Ein drahtiger Andoraner der Rotwaffen prallte fast in Falion, aber im letzten Moment zuckte er in der Luft zusammen, flog durch den Gang, wobei er zwei der breitschultrigen Schattenfreunde niederschlug, bevor er gegen die Wand krachte, herabrutschte und sein Hinterkopf eine Blutspur auf dem aufgesprungenen, staubigen Verputz hinterließ. Ein kahlköpfiger Schattenfreund drängte sich durch die Linie der Verteidiger und stürmte mit ausgestrecktem Dolch auf Nynaeve zu. Er schrie auf, als seine Füße plötzlich unter ihm weggerissen wurden, ein Schrei, der abbrach, als sein Gesicht so hart auf den Boden aufschlug, daß sein Kopf abprallte.

Nynaeve war offensichtlich nicht mehr abgeschirmt, und wenn der kühle Fuchskopf, der auf Mats Brust umhertanzte, kein ausreichender Hinweis darauf war, daß sie und die Schwarzen Schwestern in einen Kampf verstrickt waren, so war es doch überdeutlich die Art, wie sie einander anstarrten und den Kampf um sich herum ignorierten. Die beiden Weisen Frauen beobachteten das Geschehen entsetzt. Sie hielten ihre gebogenen Dolche in der Faust, kauerten aber an der Wand und blickten mit geweiteten Augen und offenen Mündern von Nynaeve zu den beiden anderen.

»Kämpft«, fauchte Nynaeve sie an. Sie drehte den Kopf nur so weit, daß sie sowohl sie als auch Falion und Ispan sehen konnte. »Ich kann es nicht allein schaffen. Sie sind verbunden. Wenn Ihr sie nicht bekämpft, werden sie Euch töten. Ihr wißt doch jetzt über sie Bescheid!« Die Weisen Frauen sahen sie so erstaunt an, als hätte sie vorgeschlagen, der Königin ins Gesicht zu speien. Inmitten der Schreie und des Stöhnens lachte Ispan melodiös. Ein schriller Schrei hallte die Treppe herab.

Nynaeves Kopf fuhr herum. Sie stolperte plötzlich, und ihr Kopf ruckte wie der eines verletzten Dachses zurück, wobei sie so finster blickte, daß Falion und Ispan sofort hätten fliehen müssen, wenn sie bei Verstand gewesen wären. Nynaeve versagte sich einen gequälten Blick zu Mat. »Oben wurde die Macht gelenkt«, sagte sie durch zusammengebissene Zähne. »Dort gibt es Schwierigkeiten.«

Mat zögerte. Es war wohl wahrscheinlicher, daß Elayne eine Ratte gesehen hatte. Weitaus wahrscheinlicher. Es gelang ihm, einen auf seine Rippen zielenden Dolchstoß abzuwehren aber es war kein Platz, den Stoß mit dem Ashandarei zu erwidern oder das Heft wie einen Stock zu benutzen. Beslan führte einen Stoß an ihm vorbei und traf seinen Angreifer mitten ins Herz.

»Bitte, Mat«, sagte Nynaeve angespannt. Sie bat niemals. Sie würde sich eher die Kehle durchschneiden. »Bitte.«

Mat entzog sich fluchend dem Kampf und jagte alle sechs steilen, engen Treppen hinauf, ohne auch nur einmal innezuhalten. Es gab kein einziges Fenster, das Licht gespendet hätte. Wenn es nur eine Ratte war, würde er Elayne schütteln, bis ihre Zähne... Er stürzte über die letzte Stufe hinaus ins oberste Stockwerk, das nicht viel heller war als das Treppenhaus, da sich nur ein Fenster zur Straße hin befand, und lief in eine Szene aus einem Alptraum hinein.

Überall lagen Frauen am Boden. Elayne war eine davon, halbwegs auf dem Rücken an der Wand liegend, die Augen geschlossen. Vanin kauerte auf Knien, wahrend ihm Blut aus Nase und Ohren strömte und er schwach versuchte, sich an der Wand hochzuziehen. Die letzte Frau, die noch stand, Janira, floh zu Mat, sobald sie ihn sah. Er hatte sie mit ihrer Hakennase und den scharfgeschnittenen Wangenknochen insgeheim mit einem Falken verglichen, aber jetzt drückte ihre Miene pures Entsetzen aus, die dunklen Augen geweitet und starr.

»Helft mir!« schrie sie ihm zu, als ein Mann sie von hinten packte. Er war ein gewöhnlich aussehender Bursche, vielleicht ein wenig älter als Mat, gleich groß und schlank in seiner einfachen grauen Jacke. Er nahm Janiras Kopf lächelnd zwischen beide Hände und drehte ihn scharf. Das Geräusch ihres brechenden Genicks klang wie ein knackender, trockener Zweig. Er ließ sie haltlos zu Boden sinken und blickte auf sie hinab. Sein Lächeln wirkte einen Moment ... verzückt.

Einige Männer unmittelbar jenseits von Vanin stemmten beim Licht zweier Laternen eine sich mit quietschenden Scharnieren bewegende Tür auf, aber Mat bemerkte es kaum. Sein Blick wanderte von Janiras zusammengesunkenem Körper zu Elayne. Er hatte versprochen, sie für Rand zu beschützen. Er hatte es versprochen. Er stürzte sich mit einem Schrei auf den Mörder, den Ashandarei ausgestreckt.

Mat hatte schon Myrddraals gesehen, aber dieser Bursche war schneller, wie schwer das auch zu glauben war. Er schien fast vor der Speerspitze davonzufließen, drehte sich, während er das Heft ergriff, und schleuderte Mat fünf Schritte an sich vorbei den Gang hinab.

Mat entwich der Atem, als er in einer kleinen Staubwolke auf den Boden aufschlug. Wie auch der Ashandarei. Er rang nach Luft und stieß sich hoch, wobei der Fuchskopf aus seinem geöffneten Hemd baumelte. Er zog einen Dolch aus seiner Jacke hervor und warf sich genau in dem Moment erneut auf den Mann, als Nalesean mit dem Schwert in der Hand oben an der Treppe erschien. Jetzt hatten sie ihn, wie schnell auch immer er...

Der Mann ließ einen Myrddraal linkisch erscheinen. Er glitt um Naleseans Stoß herum, als befände sich kein einziger Knochen in seinem Körper, während er die rechte Hand vorschnellen ließ, um Naleseans Kehle zu ergreifen. Seine Hand fiel mit reißendem Geräusch herab. Blut schoß an Naleseans Bart vorbei. Sein Schwert fiel klirrend auf den staubigen Steinboden, und er umklammerte mit beiden Händen seinen verletzten Hals, wobei Blut durch seine Finger quoll, während er zu Boden sank.

Mat krachte in den Rücken des Mörders, und sie prallten alle zusammen auf dem Boden auf. Er hatte keine Bedenken, einen Mann in den Rücken zu stechen, wenn es notwendig war, besonders einen Mann, der jemandem die Kehle herausreißen konnte. Er hätte Nalesean im Bett bleiben lassen sollen. Der Gedanke stellte sich mit einem traurigen Gefühl ein, während er die Klinge tief hineinstieß, und dann ein zweites und ein drittes Mal.

Der Mann wand sich in seinem Griff. Es hätte nicht möglich sein sollen, aber irgendwie rollte sich der Bursche unter ihm herum und riß ihm das Dolchheft aus der Hand. Naleseans starre Augen und seine blutige Kehle waren eine unmittelbar vor Mats Augen befindliche Mahnung. Er ergriff verzweifelt die Handgelenke des Mannes, wobei eine Hand durch das herablaufende Blut des Burschen ein wenig abglitt.

Der Mann lächelte ihn an. Er lächelte, obwohl ein Dolch aus seiner Seite hervorstach! »Er will Euch genauso sehr tot sehen, wie er sie will«, sagte er sanft. Und als ob Mat ihn überhaupt nicht festhielte, bewegten sich seine Hände auf Mats Kopf zu und drückten Mats Arme zurück.

Mat stieß sich heftig ab und warf sich dann mit seinem ganzen Gewicht nutzlos gegen die Arme des Burschen. Licht, er hätte genausogut ein Kind sein können, das gegen einen erwachsenen Mann ankämpfte. Der Bursche machte ein Spiel daraus, nahm sich verdammt viel Zeit. Hände berührten Mats Kopf. Wo war sein strahlendes Glück? Er stemmte sich mit letzter Kraft hoch - und das Medaillon berührte die Wange des Mannes. Der Mann schrie auf. Rauch stieg um die Ränder des Fuchskopfes auf, und ein Zischen erklang. Er schleuderte Mat mit Händen und Füßen krampfhaft von sich. Dieses Mal flog Mat zehn Fuß weit und glitt noch ein Stück weiter.

Als er sich halb benommen aufrichtete, stand der Mann da, die zitternden Hände am Gesicht. Ein offenes rotes Brandmal markierte die Stelle, wo der Fuchskopf ihn berührt hatte. Mat betastete das Medaillon behutsam. Es war kühl. Nicht die Kühle, als würde jemand in der Nähe die Macht lenken - vielleicht geschah dies im unteren Stockwerk noch immer, aber das war zu weit weg -, nur die Kühle des Silbers. Er hatte keine Ahnung, wer dieser Bursche war, nur daß er gewiß kein Mensch war, aber mit dieser Verbrennung und drei Stichwunden, wobei das Dolchheft noch immer unter seinem Arm hervorstach, hätte er ausreichend beeinträchtigt sein müssen, daß Mat an ihm vorbei zur Treppe hätte gelangen können. Elayne und Nalesean zu rächen, wäre schön und gut, aber es würde offensichtlich nicht heute geschehen, und es stand nicht an, einen Grund zu schaffen, Mat Cauthon zu rächen.