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Tatsächlich hätten diese drei Frauen den Raum wahrscheinlich allein überfüllt erscheinen lassen können. Auch Tylin allein hätte dies bewirken können, soweit es ihn betraf. Wenn Nynaeve oder Elayne tatsächlich mit ihr gesprochen hatten, war es ratsam, daß er fortging.

»Das ist lächerlich«, verkündete Merilille. »Ich habe niemals von irgendeinem Schattengezücht namens Gholam gehört Und Ihr?« Die Frage war an Adeleas und Vandene, Sareitha und Careane gerichtet. Angesichts Tylin ließ die kühle Aes Sedai-Gelassenheit die Stühle mit den hohen Rückenlehnen fast wie Throne wirken. Mat konnte nicht verstehen, warum Nynaeve und Elayne so schwerfällig dasaßen, ebenfalls kühle Gelassenheit, aber vollkommen schweigsam. Sie erkannten, sie verstanden, und aus einem unbestimmten Grund verhielten sich die anderen ihnen gegenüber jetzt demütig. Mat Cauthon andererseits war ein grober Rüpel, der getreten werden mußte, und von Merilille abwärts waren alle bereit, dies zu übernehmen.

»Ich habe das Wesen gesehen«, fauchte er. »Elayne hat das Wesen gesehen, Reanne und die Weisen Frauen haben es gesehen. Fragt sie!«

An einem Ende des Raumes versammelt, wichen Reanne und die fünf überlebenden Weisen Frauen aus Angst vor den bohrenden Fragen wie sich duckende Hennen zurück. Zumindest alle außer Sumeko. Die Daumen hinter ihren langen roten Gürtel gesteckt, sah die rundliche Frau die Aes Sedai ständig stirnrunzelnd an, schüttelte dann den Kopf, runzelte erneut die Stirn und schüttelte erneut den Kopf. Nynaeve hatte auf dem Rückweg in der Bootskabine ein wichtiges Gespräch unter vier Augen mit ihr geführt, und Mat glaubte, daß diese etwas mit ihrer neu gefundenen Haltung zu tun hatte. Er hatte mehr als einmal Aes Sedai erwähnen hören - nicht daß er zu lauschen versucht hätte. Die übrigen fragten sich wohl, ob sie anbieten sollten, Tee zu holen. Nur Sumeko hatte anscheinend erwogen, Platz anzubieten. Sibella, die entsetzt mit den knochendürren Armen ruderte, war beinahe in Ohnmacht gefallen.

»Niemand zweifelt die Worte von Elayne Aes Sedai an, Meister Cauthon«, sagte Renaile din Calon. Blauer Stern mit kühler, tiefer Stimme. Auch wenn die würdevolle Frau in einem Seidengewand, das zu den rotgelben Bodenfliesen paßte, ihm nicht zuvor benannt worden wäre, hätten die sich mit seinen eigenen vermischenden alten Erinnerungen sie anhand der zehn schweren Goldringe in ihren Ohrläppchen, die jeweils mit einer goldenen Kette verbunden und halbwegs von den schmalen weißen Flügeln in ihrem glatten schwarzen Haar verborgen waren, als Windsucherin der Herrin der Schiffe ausgewiesen. Die dicht nebeneinander hängenden Medaillons an der dünneren Kette, die zu ihrem Nasenring verlief, hätten ihm unter anderem angezeigt, welchem Clan sie angehörte, wie auch die Tätowierungen auf ihren schlanken dunklen Händen. »Wir stellen die Gefahr in Frage«, fuhr sie fort. »Wir verlassen das Wasser nicht gern ohne Grund.«

Fast zwanzig Meervolk-Frauen standen hinter ihrem Stuhl versammelt, eine Orgie farbenprächtiger Seidenstoffe und Ohrringe und Medaillons an Ketten. Die erste Merkwürdigkeit, die Mat an ihnen bemerkt hatte, war ihre Haltung gegenüber den Aes Sedai. Sie verhielten sich vollkommen respektvoll, zumindest oberflächlich, aber er hatte niemals zuvor jemanden Aes Sedai selbstgefällig betrachten sehen. Die zweite Merkwürdigkeit fiel ihm durch die Erinnerungen jener anderen Menschen auf. Er wußte durch sie nicht viel über das Meervolk, aber genügend. Jeder Atha'an Miere, ob Mann oder Frau, begann als niedrigster Matrose, ungeachtet des Umstands, ob es ihm oder ihr bestimmt war, eines Tages der Meister der Klingen oder die Herrin der Schiffe zu werden, und auf jedem Schritt des Weges eiferte das Meervolk auf eine Art um Ränge, die jeden König und jede Aes Sedai gleichgültig wirken ließ. Die Frauen hinter Renaile waren nach jeglichen Maßstäben gemessen ein seltsamer Haufen, aber zwei trugen helle Blusen aus einfachem Tuch über dunklen, schmierigen Matrosenhosen und beide einen einzigen schmalen Ring im linken Ohr. Ein zweiter und dritter Ring im rechten Ohr deuteten an, daß sie zu Windsucherinnen ausgebildet wurden, die sich aber erst noch zwei weitere Ringe verdienen mußten, ganz zu schweigen vom Nasenring, weshalb sie noch lange aufgefordert würden, die Segel niederzuholen, wann immer der Decksmeister sie brauchte, und Schläge vom ihm einstekken würden, wenn sie sich nicht schnell genug rührten. Die beiden gehörten nach all seinen Erinnerungen nicht zu dieser Versammlung. Die Windsucherin der Herrin der Schiffe hätte normalerweise nicht einmal mit ihnen gesprochen.

»Genau wie ich gesagt habe, Renaile«, bemerkte Merilille frostig und herablassend. Sie hatte jene selbstgefälligen Blicke gewiß bemerkt. Ihr Tonfall änderte sich nicht, als sie ihre Aufmerksamkeit ihm zuwandte. »Seid nicht gereizt, Meister Cauthon. Wir sind bereit, Vernunftgründen zuzuhören. Wenn Ihr welche vorbringen könnt.«

Mat bemühte sich um Geduld. Er hoffte, daß er noch genug übrig hatte - vielleicht wenn er beide Hände und Füße zu Hilfe nahm. »Gholam wurden mitten im Krieg der Macht, während des Zeitalters der Legenden, geschaffen«, begann er fast am Anfang dessen, was Birgitte ihm erzählt hatte. Er wandte sich um und sah jede Gruppe von Frauen an, während er sprach. Verdammt sei er, wenn er einer Gruppe das Gefühl vermittelte, wichtiger zu sein als eine andere. Oder das Gefühl, er würde sie um etwas bitten, besonders weil dies der Fall war. »Sie wurden geschaffen, um Aes Sedai zu töten. Aus keinem anderen Grund. Um Menschen zu töten, welche die Macht lenken konnten. Die Eine Macht wird Euch nicht helfen. Die Macht berührt einen Gholam nicht. Tatsächlich können sie die Fähigkeit, die Macht zu lenken, erspüren, wenn sie sich in einem Umkreis von ungefähr fünfzig Fuß von Euch befinden. Sie können auch die Macht in Euch erspüren. Ihr werdet den Gholam erst bemerken, wenn es zu spät ist. Sie sehen genauso aus wie alle anderen Menschen. Äußerlich. Innerlich... Gholam besitzen keine Knochen, Sie können sich unter einer Tür hindurchquetschen, und sie sind ausreichend stark, eine Tür mit einer Hand aus den Angeln zu reißen.« Oder einem Menschen die Kehle herauszureißen. Licht, er hätte Nalesean ausschlafen lassen sollen.

Er unterdrückte einen Schauder und zwang sich zum Weitersprechen. Sämtliche Frauen beobachteten ihn und schienen nicht einmal zu blinzeln. Er würde sie sein Erschaudern nicht merken lassen. »Es wurden nur sechs Gholam erschaffen - drei männliche und drei weibliche. Zumindest sehen sie so aus. Anscheinend empfanden sogar die Verlorenen leichtes Unbehagen, oder vielleicht beschlossen sie auch einfach, daß sechs genügten. Wie auch immer -wir wissen, daß sich ein Gholam in Ebou Dar befindet, der wahrscheinlich seit der Zerstörung in einer Stasis-Kammer am Leben gehalten wurde. Wir wissen nicht, ob noch andere in diese Kammer verbracht wurden, aber einer ist mehr als genug. Wer auch immer ihn geschickt hat -und es muß einer der Verlorenen gewesen sein -, wußte, daß er uns über den Fluß folgen würde. Er mußte wegen der Schale der Winde geschickt worden sein, und nach dem, was er zu mir gesagt hat, auch, um Nynaeve oder Elayne oder vielleicht sogar beide zu töten.« Er warf ihnen kurz einen tröstenden Blick zu. Niemand konnte sich wohl fühlen, wenn er wußte, daß dieses Wesen hinter ihm her war. Als Reaktion sah Elayne ihn verwirrt an und runzelte leicht die Stirn, und Nynaeve machte eine flüchtige, ungeduldige Handbewegung, daß er fortfahren solle.

»Gut«, sagte er und warf den beiden jetzt einen finsteren Blick zu. Man hatte es schwer, wenn man mit Frauen zu tun hatte. »Wer auch immer den Gholam gesandt hat, muß wissen, daß sich die Schale jetzt hier im Tarasin-Palast befindet. Wenn derjenige den Gholam hierherschickt, werden einige von Euch sterben. Vielleicht viele von Euch. Ich kann Euch nicht alle gleichzeitig beschützen. Vielleicht bekommt er sogar die Schale, und das noch zusätzlich zu Falion Bhoda.