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»Mich kümmern Eure Absprachen mit jemand anderem verdammt wenig, Ihr Tochter des Sandes«, fauchte Mat. Also beherrschte er seine Verärgerung doch nicht so gut. Ein Mann konnte nur ein gewisses Maß ertragen.

Keuchen erklang von den Frauen hinter ihr.

Vor etwas über eintausend Jahren hatte eine Meervolk-Frau einen essenianischen Soldaten einen Sohn des Sandes genannt, unmittelbar bevor sie versucht hatte, ihm eine Klinge zwischen die Rippen zu stoßen. Die Erinnerung lag in Mat Cauthons Kopf verborgen. Es war nicht die schlimmste Beleidigung unter den Atha'an Miere, aber es kam dem nahe. Renailes Gesicht wurde puterrot. Mit einem Zischen und zornig hervortretenden Augen sprang sie auf, wobei der mit Mondsteinen besetzte Dolch in ihrer Faust aufblitzte.

Mat entriß ihn ihr, bevor die Klinge seine Brust berühren konnte, und stieß sie auf den Stuhl zurück. Er besaß schnelle Hände. Er konnte seine Verärgerung immer noch beherrschen. Ungeachtet dessen, wie viele Frauen glaubten, sie könnten ihn als Marionette benutzen, konnte er... »Hört mir zu, verdammte Närrin.« In Ordnung, vielleicht konnte er sie doch nicht beherrschen. »Nynaeve und Elayne brauchen Euch, sonst würde ich es dem Gholam überlassen, Euch die Knochen zu brechen, und der Schwarzen Ajah, Eure Überreste aufzusammeln. Nun, soweit es Euch betrifft, bin ich der Meister der Klingen, und meine Klingen sind blankgezogen.« Er hatte keine Ahnung, was das genau bedeutete - er hatte es nur einmal gehört. »Wenn die Klingen blankgezogen sind, verbeugt sich selbst die Herrin der Schiffe vor dem Meister der Klingen. Das ist der Handel zwischen Euch und mir. Ihr geht dorthin, wohin Nynaeve und Elayne Euch hinschicken, und ich werde Euch im Gegenzug nicht auf Pferden festbinden wie Packtaschen und Euch dorthin schleppen!«

Es gab keine Möglichkeit fortzufahren. Renaile erschauderte unter der Anstrengung, ihn ungeachtet ihres Dolches in seiner Hand nicht mit bloßen Händen anzugreifen. »Einverstanden, unter dem Licht!« grollte sie. Ihr fielen fast die Augen aus dem Kopf. Sie bewegte mit verwirrter und ungläubiger Miene die Lippen. Dieses Mal klang das Keuchen, als würde der Wind die Vorhänge herabreißen.

»Einverstanden«, sagte Mat rasch, berührte mit den Fingern seine Lippen und drückte sie dann auf ihre.

Kurz darauf tat sie es ihm gleich, wobei ihre Finger an seinen Lippen zitterten. Er streckte den Dolch aus, und sie betrachtete ihn teilnahmslos, bevor sie ihn entgegennahm und die Klinge in die edelsteinbesetzte Scheide zurücksteckte. Es war nicht höflich, jemanden zu töten, mit dem man gerade einen Handel besiegelt hatte. Zumindest solange nicht, bis die Bedingungen erfüllt waren. Murmeln erhob sich von den Frauen hinter ihrem Stuhl, und Renaile klatschte einmal in die Hände. Das brachte die Frauen von den Windsucherinnen bis zu den Herrinnen der Wogen schnell zum Schweigen.

»Ich glaube, ich habe gerade einen Handel mit einem Ta'veren abgeschlossen«, sagte sie mit ihrer kühlen, tiefen Stimme. Die Frau konnte Aes Sedai noch lehren, wie man sich rasch wieder faßte. »Aber eines Tages, Meister Cauthon, wenn es dem Licht gefällt, werde ich Euch vernichten.«

Er wußte nicht, was das bedeutete, nur daß es von ihr unerfreulich klang. Er antwortete diplomatisch. »Alles ist möglich, wenn es dem Licht gefallt«, murmelte er. Die Höflichkeit zahlte sich letztendlich aus, obwohl sie beunruhigend hoffnungsvoll lächelte.

Als Mat sich wieder dem übrigen Raum zuwandte, hätte man den ihm gewährten Blicken nach glauben können, er habe neuerdings Hörner und Flügel. »Gibt es noch weitere Einwände?« fragte er sarkastisch, ohne auf Antworten zu warten. »Das dachte ich mir. In diesem Fall schlage ich vor, daß Ihr einen weit von hier entfernten Ort auswählt, damit wir uns auf den Weg machen können, sobald Ihr Eure Habe gepackt habt.«

Sie debattierten eifrig. Elayne erwähnte Caemlyn und klang dabei zumindest halbwegs ernst, und Careane schlug mehrere abgelegene Dörfer in den Schwarzen Bergen vor, die durch das Wegetor alle gut erreichbar wären. Licht, jeder Ort war durch das Wegetor gut erreichbar.

Vandene sprach von Arafel, und Aviendha schlug Rhuidean in der Aiel-Wüste vor, wobei die Meervolk-Frauen um so verdrossener wurden, je weiter die genannten Orte vom Meer entfernt lagen. Alles nur Theater. Das wurde zumindest Mat durch die ungeduldige Art klar, in der Nynaeve sich an ihrem Zopf zu schaffen machte, obwohl eifrig und rasch Vorschläge gemacht wurden.

»Wenn ich etwas sagen dürfte, Aes Sedai?« schaltete sich Reanne schließlich zaghaft ein. Sie hob sogar eine Hand. »Die Schwesternschaft unterhält auf der anderen Seite des Flusses, wenige Meilen nördlich, einen Bauernhof. Jedermann weiß, daß er ein Zufluchtsort für Frauen ist, die Zeit zum Nachdenken und Ruhe brauchen, aber niemand verbindet ihn mit uns. Die Gebäude sind groß und behaglich, wenn man länger bleiben muß, und...«

»Ja«, unterbrach Nynaeve sie. »Ja, ich denke, das ist ein guter Vorschlag. Was meinst du, Elayne?«

»Ich denke, es klingt wundervoll, Nynaeve. Ich weiß, daß Renaile es zu schätzen wissen wird, wenn sie in der Nahe des Meeres bleiben kann.« Die anderen fünf Schwestern übertrafen sie noch, indem sie sagten, wie angenehm es klang und wieviel besser als jeder andere Vorschlag.

Mat verdrehte die Augen. Tylin war geübt darin, nicht zu sehen, was vor ihrer Nase lag, aber Renaile schnappte danach wie eine Forelle nach einer Florfliege, was natürlich beabsichtigt gewesen war. Sie sollte aus einem unbestimmten Grund nicht wissen, daß Nynaeve und Elayne alles schon zuvor geregelt hatten. Sie führte die übrigen Meervolk-Frauen hinaus, um ihre mitgebrachte Habe zu packen, bevor Nynaeve und Elayne ihre Meinung ändern konnten.

Die beiden wären Merilille und den anderen Aes Sedai gefolgt, aber er winkte sie mit einer Handbewegung heran. Sie wechselten Blicke - er hätte eine Stunde gebraucht, um auszudrücken, was diese Blicke enthielten -, woraufhin sie, worüber er einigermaßen überrascht war, zu ihm kamen. Aviendha und Birgitte beobachteten sie von der Tür und Tylin von ihrem Stuhl aus.

»Es tut mir sehr leid, daß wir Euch benutzt haben«, sagte Elayne, bevor er ein Wort äußern konnte. Sie lächelte ihn mit diesen Grübchen an. »Wir hatten unsere Gründe, Mat, das müßt Ihr uns glauben.«

»Die Ihr nicht erfahren müßt«, wandte Nynaeve schroff ein und warf ihren Zopf mit einer gekonnten Kopfbewegung wieder über die Schulter, so daß der Goldring auf ihrem Busen hüpfte. Lan mußte verrückt sein. »Ich muß sagen, ich hätte niemals erwartet, daß Ihr tun würdet, was Ihr getan habt. Was, um alles in der Welt, hat Euch auf die Idee gebracht zu versuchen, sie einzuschüchtern? Ihr hättet alles verderben können.«

»Was wäre das Leben, wenn man nicht hin und wieder etwas wagte?« meinte er vergnügt. Wenn sie dachten, es sei geplant und nicht ein spontaner Ausbruch gewesen, sollte es ihm recht sein. Aber sie hatten ihn erneut benutzt, ohne ihm etwas davon zu sagen, und dafür wollte er ein wenig entschädigt werden. »Wenn Ihr das nächste Mal einen Handel mit dem Meervolk abschließen müßt, laßt mich es für Euch übernehmen. Dann wird es vielleicht nicht so schlimm wie beim letzten Mal.« Nynaeves leicht gerötete Wangen zeigten ihm, daß er genau ins Schwarze getroffen hatte. Nicht schlecht für einen Blindschuß.

Elayne murmelte im Tonfall kläglicher Belustigung jedoch nur: »Ein höchst aufmerksamer Untertan.« Gut bei ihr angeschrieben zu sein, könnte sich als weniger angenehm erweisen als das Gegenteil.

Sie strebten zur Tür, ohne ihm die Möglichkeit zu geben, noch mehr zu sagen. Nun, er hatte nicht wirklich erwartet, daß sie Erklärungen abgeben würden. Sie waren beide Aes Sedai bis auf die Knochen. Ein Mann lernte, mit dem zu leben, was er tun mußte.

Er hatte fast nicht mehr an Tylin gedacht, aber sie an ihn. Sie fing ihn ab, bevor er noch zwei Schritte getan hatte. Nynaeve und Elayne blieben mit Aviendha und Birgitte an der Tür stehen und beobachteten sie. Daher sahen sie, wie Tylin ihn in den Hintern zwickte. Mit einigen Dingen zu leben, konnte niemand lernen. Elayne setzte eine mitleidige und Nynaeve eine heftig mißbilligende Miene auf. Aviendha bekämpfte nicht sehr erfolgreich den Drang zu lachen, und Birgitte grinste offen. Sie wußten, verdammt noch mal, alle Bescheid.