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»Du glaubst also, etwas anderes wäre soviel schlimmer?« bemerkte Rand ruhig, und Perrins Haut kribbelte.

Er erwiderte Rands Blick offen. »Tausendmal schlimmer«, antwortete er mit ebenso ruhiger Stimme. »Ich will nicht an einem Mord teilhaben. Wenn du das willst, werde ich mich dir in den Weg stellen.« Es entstand ein ausgedehntes Schweigen, bei dem unbewegte blaugraue Augen unbewegten goldenen Augen begegneten.

Während sie sich gegenseitig stirnrunzelnd betrachteten, stieß Min einen verärgerten Laut aus. »Ihr zwei Wollköpfe! Rand, du weißt, daß du niemals einen solchen Befehl erteilen oder zulassen würdest, daß jemand anderer ihn erteilt. Perrin, du weißt, daß er das nicht tun würde. Und jetzt hört auf, euch wie zwei feindliche Hähne im Hühnerhof zu benehmen.«

Sulin kicherte, aber Perrin hätte Min gern gefragt, wie sicher sie sich dessen sei. Er konnte ihr diese Frage jedoch nicht stellen. Rand fuhr sich mit den Fingern durchs Haar und schüttelte dann den Kopf wie jemand, der sich gegen Worte eines Unsichtbaren wehrte. Gegen eine Stimme, wie Wahnsinnige sie hörten.

»Es ist schließlich niemals leicht«, sagte Rand nach einer Weile und wirkte traurig. »Die bittere Wahrheit ist, daß ich nicht weiß, was schlimmer wäre. Ich habe keine guten Wahlmöglichkeiten. Dafür haben sie selbst gesorgt.« Sein Gesicht wirkte verzagt, aber er roch zornig. »Lebendig oder tot - sie sind ein Mühlstein an meinem Hals und könnten ihn mir so oder so brechen.«

Perrin folgte seinem Blick zu den gefangenen Aes Sedai. Sie standen jetzt alle zusammen, obwohl es ihnen dennoch gelang, ein wenig Abstand zwischen die drei Gedämpften und die übrigen zu bringen. Die Weisen Frauen um sie herum gaben nur mit Gesten und angespannten Gesichtern knappe Befehle. Vielleicht waren die Weisen Frauen auch besser, als Rand glaubte. Wenn er nur Gewißheit hätte.

»Hast du etwas gesehen, Min?« fragte Rand.

Perrin zuckte zusammen und warf einen warnenden Blick zu Sulin und Nandera, aber Min lachte weich. Sie lehnte an Rands Knie und schien wirklich zum ersten Mal, seit sie sie bei den Brunnen gefunden hatten, wieder so wie die Min, die Perrin kannte. »Perrin, sie wissen über mich Bescheid. Die Weisen Frauen, die Töchter des Speers, vielleicht alle. Und es kümmert sie nicht.« Sie besaß ein Talent, das sie genauso verborgen hielt wie er die Wölfe. Sie sah mitunter Menschen umgebende Bilder und Auren und erkannte manchmal, was sie bedeuteten. »Du kannst nicht wissen, wie das ist, Perrin. Ich war zwölf, als es angefangen hat, und ich wußte es damals nicht zu verbergen. Jedermann glaubte, ich würde einfach Dinge erfinden. Bis ich erzählte, daß ein Mann aus der nächsten Straße eine Frau heiraten würde, mit der ich ihn sah, der aber bereits verheiratet war. Als er dann mit ihr davonlief, führte seine Frau eine Menschenmenge zum Haus meiner Tanten und behauptete, ich sei dafür verantwortlich, da ich bei ihrem Mann die Eine Macht benutzt oder den beiden eine Art Trank verabreicht hätte.« Min schüttelte den Kopf. »Sie war nicht allzu scharfsichtig. Sie mußte einfach jemanden beschuldigen. Es hieß auch, ich sei eine Schattenfreundin. Kurz vor dieser Geschichte waren einige Weißmäntel in der Stadt gewesen und hatten versucht, die Menschen aufzuwiegeln. Tante Rana überzeugte mich davon zu erzählen, ich hätte die beiden einfach belauscht, Tante Miren versprach mich zu versohlen, wenn ich Geschichten verbreitete, und Tante Jan sagte, sie würde mir Medizin verabreichen. Sie haben es natürlich nicht getan - sie kannten die Wahrheit -, aber wären sie nicht so unbefangen umgegangen, zumal ich noch ein Kind war, hätte ich verletzt oder sogar getötet werden können. Die meisten Menschen mögen Leute nicht, die Dinge über ihre Zukunft wissen. Die meisten Menschen wollen nichts davon hören, es sei denn natürlich, es wäre etwas Gutes. Das galt selbst für meine Tanten. Aber für die Aiel bin ich aus Höflichkeitsgründen eine Art Weise Frau.«

»Einige Menschen vermögen Dinge, die andere nicht können«, sagte Nandera, als genüge das als Erklärung.

Min lachte erneut, streckte die Hand aus und berührte das Knie der Tochter des Speers. »Danke.« Sie schaute zu Rand auf. Jetzt, wo sie wieder lachte, besaß sie eine besondere Ausstrahlung. Das hielt sogar noch an, nachdem sie wieder ernst geworden war. Ernst und nicht sehr froh. »Um auf deine Frage zurückzukommen - ich habe nichts Nützliches gesehen. Bei Taim sehe ich in der Vergangenheit und in der Zukunft Blut, aber das dürfte dich nicht überraschen. Er ist ein gefährlicher Mann. Sie scheinen wie die Aes Sedai Bilder auf sich zu vereinen.« Ein Seitenblick durch gesenkte Wimpern zu Dashiva und den anderen Asha'man verdeutlichte, wen sie meinte. Um die meisten Menschen waren nur wenige Bilder zu sehen, aber Min sagte, bei Aes Sedai und Behütern sei dies anders. »Das Problem ist, daß die Bilder, die ich sehen kann, verschwommen sind. Ich glaube, das kommt dadurch, daß sie die Macht halten. Das ist bei Aes Sedai anscheinend häufig der Grund, und es wird noch schwieriger, wenn sie die Macht gerade lenken. Um Kiruna und die anderen kann ich viele Dinge sehen, aber sie bleiben stets so dicht zusammen, daß alles, nun ... die meiste Zeit durcheinandergerät. Und bei den Gefangenen ist es noch unklarer.«

»Mach dir keine Gedanken um die Gefangenen«, riet Rand ihr. »Sie werden Gefangene bleiben.«

»Aber Rand, ich habe weiterhin das Gefühl, daß da noch etwas Wichtiges ist - wenn ich es nur herauslösen könnte. Du mußt es erfahren.«

»Wenn man nicht alles weiß, muß man mit dem weitermachen, was man weiß«, zitierte Rand. »Anscheinend weiß ich niemals alles, und die meiste Zeit kaum genug. Aber ich habe keine andere Wahl, als weiterzumachen, nicht wahr?« Es war eigentlich keine Frage, sondern eine Feststellung.

Loial schlenderte heran, trotz seiner offensichtlichen Müdigkeit fast vor Tatendrang berstend. »Rand, sie sagen, sie seien aufbruchbereit, aber du hast versprochen, mir alles zu erzählen, solange es dir noch frisch in Erinnerung ist.« Seine Ohren zuckten plötzlich verlegen, und die dröhnende Stimme wurde traurig. »Es tut mir leid. Ich weiß, daß es nichts Erfreuliches ist. Aber ich muß es wissen. Für das Buch. Für die Generationen.«

Rand stand lachend auf und zog am geöffneten Umhang des Ogiers. »Für die Generationen? Reden Dichter alle so? Mach dir keine Sorgen, Loial. Es wird mir noch immer frisch in Erinnerung sein, wenn ich es dir erzähle. Ich werde es nicht vergessen.« Ein grimmiger, verärgerter Geruch schwebte trotz des Lächelns blitzartig von ihm heran und verging wieder. »Aber erst, wenn wir wieder in Cairhien sind, alle ein Bad genommen und in einem Bett geschlafen haben.« Rand bedeutete Dashiva, näher zu treten.

Der Mann war nicht hager, bewegte sich aber dennoch auf zögerliche, kriecherische Art, die Hände an der Taille gefaltet, wodurch er diesen Eindruck erweckte. »Mein Lord Drache?« sagte er mit geneigtem Kopf.

»Könnt Ihr ein Wegetor eröffnen, Dashiva?«

»Natürlich.« Dashiva rieb sich die Hände und benetzte mit der Zungenspitze die Lippen, und Perrin fragte sich, ob der Mann immer so unruhig war oder nur dann, wenn er mit dem Wiedergeborenen Drachen sprach. »Genauer gesagt, lehrt der M'hael das Schnelle Reisen, sobald sich ein Schüler als ausreichend stark dafür erweist.«

»Der M'hael?« fragte Rand blinzelnd.