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»Der Car'a'carn«, murmelte Rand leise und unbewegt. Er glitt aus dem Sattel und half auch Min beim Absteigen.

Perrin stieg ebenfalls ab und führte Traber hinter ihnen her zu den Weisen Frauen. Loial folgt ihnen zu Fuß, und Aram ritt hinterher und stieg nicht eher ab, bis Perrin es ihm bedeutete. Aiel ritten nicht, es sei denn, es wäre absolut unumgänglich, und sie hielten es für unhöflich, wenn jemand sie vom Pferderücken aus ansprach. Rhuarc gesellte sich ebenfalls zu ihnen, wie auch Gaul, der aus irgendeinem Grund die Stirn runzelte. Auch Nandera und Sulin und die Töchter des Speers schlossen sich ihnen an.

Der rothaarige Neuankömmling begann zu sprechen, sobald sich Rand näherte. »Bair und Megana haben überall dort Wachen aufgestellt, wo Ihr auf Eurem Weg zur Stadt der Baummörder möglicherweise entlangkommt, Car'a'carn, aber in Wahrheit hat niemand geglaubt, daß dies...«

»Feraighin«, sagte Sorilea so scharf, daß den anderen das Blut in den Adern gefror. Die Zähne der rothaarigen Frau schlugen aufeinander, als sie jäh den Mund schloß. Sie sah Rand mit strahlend blauen Augen starr an und mied Sorileas Blick.

Schließlich atmete Sorilea tief ein und wandte ihre Aufmerksamkeit Rand zu. »Es gibt Anlaß zur Sorge bei den Zelten«, sagte sie mit tonloser Stimme. »Unter den Baummördern kamen Gerüchte auf, daß Ihr mit den Aes Sedai zur Weißen Burg gezogen wärt, um Euch dem Amyrlin-Sitz zu unterwerfen. Niemand, der die Wahrheit kannte, wagte, das Wort zu erheben, sonst wäre das Ergebnis noch schlimmer gewesen.«

»Und was ist das Ergebnis?« fragte Rand ruhig. Er wirkte angespannt, und Min streichelte erneut seine Schulter.

»Viele glauben, Ihr hättet die Aiel im Stich gelassen«, antwortete Amys ihm fast ebenso ruhig. »Die Öde ist zurückgekehrt. Jeden Tag werfen Tausend oder mehr ihre Speere hin und laufen davon, unfähig, sich unserer Zukunft oder unserer Vergangenheit zu stellen. Manche gehen vielleicht zu den Shaido.« Ihre Stimme klang einen Moment angewidert. »Man hat flüstern hören, der wahre Car'a'carn würde sich den Aes Sedai nicht übergeben. Indirian sagt, es könnte nicht freiwillig geschehen sein, wenn Ihr zur Weißen Burg gezogen wart. Er ist bereit, die Codarra nach Norden zu bringen, nach Tar Valon, und mit jeglichen Aes Sedai zu kämpfen, die er dort vorfindet. Oder mit jeglichem Feuchtländer. Er sagt, man hätte Euch verraten. Timolan murrt, daß Ihr uns verraten hättet, wenn die Geschichten stimmten, und daß er die Miagoma ins Dreifaltige Land zurückbringen wird, nachdem er Euch tot gesehen hat. Mandelain und Janwin beratschlagen noch, aber sie hören sowohl auf Indirian als auch auf Timolan.« Rhuarc verzog das Gesicht und sog zischend die Luft ein. Das bedeutete bei einem Aiel genau soviel, als würde er sich verzweifelt die Haare raufen.

»Das sind keine guten Nachrichten«, bemerkte Perrin, »aber bei Euch klingen sie wie ein Todesurteil. Wenn Rand sich erst zeigt, sind die Gerüchte widerlegt.«

Rand fuhr sich mit einer Hand durchs Haar. »Wenn es so wäre, würde Sorilea nicht so besorgt wirken.« Dies traf auch auf Nandera und Sulin zu. »Was habt Ihr mir noch nicht gesagt, Sorilea?«

Die Frau mit dem lederartigen Gesicht gönnte ihm ein kleines, anerkennendes Lächeln. »Ihr seht hinter die Worte. Gut,« Ihre Stimme blieb jedoch tonlos. »Wenn Ihr mit den Aes Sedai zurückkehrt, werden einige glauben, es bedeutete, daß Ihr Euch gebeugt hättet. Was immer Ihr sagt oder tut - sie werden glauben, Ihr würdet einen Aes-Sedai-Halfter tragen, das noch bevor bekannt wird, daß Ihr ein Gefangener wart. Geheimnisse finden Wege, die nicht einmal ein Floh finden würde, und ein Geheimnis, das so viele kennen, bekommt Flügel.«

Perrin schaute zu Dobraine und Nurelle, die mit ihren Leuten Wache hielten, und schluckte mit ungutem Gefühl. Wie viele jener, die Rand folgten, taten dies, weil die Aiel massiert hinter ihm standen? Gewiß nicht alle, aber für jeden Mann, der die Wahl getroffen hatte, weil Rand der Wiedergeborene Drache war, waren fünf oder sogar zehn andere gekommen, weil das Licht die stärksten Ränge am kräftigsten beschien. Wenn die Aiel sich loslösten oder sich aufspalteten...

Er wollte diese Möglichkeit nicht erwägen. Bei der Verteidigung der Zwei Flüsse waren seine Fähigkeiten soweit wie irgend möglich ausgeweitet worden. Ob er ein Ta'veren war oder nicht - er machte sich keinerlei Illusionen darüber, daß er zu jenen Männern gehören würde, die in der Geschichte Beachtung fänden. Das blieb Rand vorbehalten. Seine Grenze waren die Belange einer Dorfgemeinschaft. Und doch konnte er nicht anders. Sein Geist war in Aufruhr. Was war zu tun, wenn es zum Schlimmsten käme? Er stellte insgeheim Listen auf: Wer würde sich loyal verhalten, und wer würde zu fliehen versuchen? Die erste Liste war ausreichend kurz und die zweite ausreichend lang, um seine Kehle auszutrocknen. Zu viele Menschen spekulierten noch immer auf Vorteile, als hätten sie niemals von den Prophezeiungen des Drachen oder von der Letzten Schlacht gehört. Er hegte den Verdacht, daß einige dies auch noch nach dem Beginn Tarmon Gai'dons tun würden. Das schlimmste daran war, daß die meisten keine Schattenfreunde wären, sondern nur Menschen, die sich zuerst um ihre eigenen Angelegenheiten kümmerten. Loials Ohren hingen schlaff herab. Er erkannte es auch.

Sorilea hatte ihren Bericht kaum beendet, als sie mit einem Blick, der Eisen hätte durchbohren können, seitwärts schaute. »Ihr solltet doch im Wagen bleiben.« Bera und Kiruna blieben jäh stehen, und Alanna lief fast in die beiden hinein. »Ihr solltet die Eine Macht nicht ohne Erlaubnis berühren, aber ihr habt uns hier belauscht. Ihr werdet lernen, daß ich meine, was ich sage.«

Die drei blieben trotz Sorileas nichts Gutes verheißendem Blick stehen, Bera und Kiruna frostig und würdevoll, Alanna unterschwellig herausfordernd. Loial blickte mit seinen großen Augen erst zu ihnen und dann zu den Weisen Frauen. Wenn seine Ohren vorher schon kraftlos gewesen waren, welkten sie jetzt vollkommen, und die langen Augenbrauen sanken bis auf seine Wangen herab. Während Perrin unbehaglich seine Listen überdachte, fragte er sich abwesend, wie weit die Aes Sedai noch vordringen wollten. Mit der Macht zu lauschen! Sie könnten bei den Weisen Frauen eine härtere Reaktion als Sorileas Rüge bewirken. Und auch bei Rand.

Dieses Mal war dem jedoch nicht so. Rand schien sie gar nicht wahrzunehmen. Er blickte regelrecht durch Sorilea hindurch. Vielleicht lauschte er auch wieder auf etwas, was niemand sonst hören konnte. »Was ist mit den Feuchtländern?« fragte er schließlich. »Colavaere ist doch zur Königin gekrönt worden?« Es war im Grunde keine Frage.

Sorilea nickte und tippte mit dem Daumen ans Heft ihres Gürtelmessers, aber sie wandte ihre Aufmerksamkeit niemals von den Aes Sedai ab. Es kümmerte die Aiel wenig, wer unter den Feuchtländern - und besonders unter den baummordenden Cairhienern -zum König oder zur Königin gewählt wurde.

Ein Eiszapfen stach in Perrins Brust. Es war kein Geheimnis, daß diese Colavaere vom Hause Saighan den Sonnenthron einnehmen wollte. Sie hatte von dem Tag an darauf spekuliert, an dem Galldrian Riatin ermordet wurde, bevor Rand sich auch nur zum Wiedergeborenen Drachen erklärt hatte, und spekulierte auch noch darauf, nachdem allgemein bekannt wurde, daß Rand Elayne den Thron übergeben wollte.