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Allerdings wußten nur wenige, daß sie eine kaltblütige Mörderin war. Zudem war Faile in der Stadt. Aber sie war zumindest nicht allein. Bain und Chiad würden bei ihr sein. Sie waren Töchter des Speers und ihre Freundinnen, vielleicht beinahe das, was die Aiel Nächst-Schwestern nannten. Sie würden nicht zulassen, daß sie Schaden nahm. Aber der Eiszapfen wollte nicht weichen. Colavaere haßte Rand und damit auch jedermann, der Rand nahestand. So wie vielleicht die Frau eines Mannes, der Rands Freund war. Nein. Bain und Chiad würden sie beschützen.

»Es ist eine verfahrene Situation.« Kiruna rückte bemerkenswerterweise näher an Rand heran und ignorierte Sorilea. Die Weise Frau hatte trotz ihrer Hagerkeit sehr eindrucksvolle Augen. »Was auch immer Ihr tut, kann ernstliche Auswirkungen haben. Ich... «

»Was hat Colavaere über mich gesagt?« fragte Rand Sorilea in nur allzu beiläufigem Tonfall. »Hat sie Berelain ein Leid zugefügt?« Rand hatte Berelain, der Ersten von Mayene, die Befehlsgewalt über Cairhien übertragen. Warum erkundigte er sich nicht nach Faile?

»Berelain sur Paendrag geht es gut«, murmelte Sorilea, ohne ihre Beobachtung der Aes Sedai zu unterbrechen. Kiruna blieb äußerlich ruhig, obwohl man ihr das Wort abgeschnitten hatte und sie mißachtet wurde, aber ihr auf Rand gerichteter Blick hätte ein Schmiedefeuer erkalten lassen können.

Sorilea deutete auf Feraighin.

Die rothaarige Frau zuckte zusammen und räusperte sich. Sie hatte eindeutig nicht erwartet, das Wort erteilt zu bekommen, gewann aber ihre würdevolle Haltung wieder zurück wie ein hastig umgeworfenes Kleidungsstück. »Colavaere Saighan sagte, Ihr wärt nach Caemlyn gezogen, Car'a'carn, oder vielleicht nach Tear, aber daß sich, wo auch immer Ihr hingegangen wärt, alle in Erinnerung rufen müßten, daß Ihr der Wiedergeborene Drache seid und daß man Euch gehorchen müßte.« Feraighin rümpfte die Nase. In den Prophezeiungen der Aiel wurde nicht der Wiedergeborene Drache erwähnt, sondern nur der Car'a'carn. »Sie sagt, Ihr werdet zurückkehren und sie auf dem Thron bestätigen. Sie spricht oft zu den Häuptlingen und ermutigt sie, die Speerkampfer gen Süden zu entsenden. Um Euch zu gehorchen, wie sie sagt. Sie sieht die Weisen Frauen nicht, und hört nur den Wind, wenn wir sprechen.« Niemand sagte den Clanhäuptlingen, was sie tun sollten, und die Weisen Frauen zu erzürnen, war erst recht ein schlechter Anfang, um die Clanhäuptlinge von etwas zu überzeugen.

Für Perrin machte es jedoch Sinn, für den Teil seines Seins, der noch an etwas anderes als an Faile denken konnte. Colavaere hatte wahrscheinlich niemals genug auf die ›Wilden‹ geachtet, um zu erkennen, daß die Weisen Frauen mehr taten, als Kräuter zu verabreichen, aber sie würde jeden einzelnen Aiel aus Cairhien vertrieben wissen wollen. Die Frage war, ob ihr unter den gegebenen Umständen irgendeiner der Häuptlinge zugehört hatte? Aber Rand stellte nicht die offensichtliche Frage.

»Was ist in der Stadt sonst noch geschehen? Erzählt mir alles, was Ihr gehört habt, Feraighin. Auch das, was vielleicht nur einem Feuchtländer wichtig erscheint.«

Sie warf verächtlich ihre rote Mähne zurück. »Feuchtländer sind wie blutsaugende Mücken, Car'a'carn: Wer kann wissen, was ihnen wichtig erscheint? Ich habe gehört, daß in der Stadt manchmal seltsame Dinge geschehen, genau wie bei den Zelten. Menschen sehen manchmal Dinge, die nicht möglich sind - nur für kurze Zeit ist, was nicht sein kann. Männer, Frauen, Kinder sterben.« Perrins Haut kribbelte. Er wußte, daß sie das meinte, was Rand die ›Blasen des Bösen‹ nannte, die aus dem Gefängnis des Dunklen Königs aufstiegen wie Gase aus einem stinkenden Sumpf, und die Muster entlangschwebten, bis sie zerplatzten. Perrin war einst in einer solchen Blase gefangen gewesen. Er wollte niemals wieder eine sehen... »Wenn Ihr wissen wollt, was die Feuchtländer tun - wer hat schon Zeit, Mücken zu beachten?« fuhr sie fort. »Es sei denn, sie stechen. Das erinnert mich an etwas. Ich verstehe es nicht, aber Ihr vielleicht. Diese Mücken werden früher oder später stechen.«

»Welche Mücken? Und welche Feuchtländer? Wovon redet Ihr?«

Feraighin beherrschte diesen gleichmütigen Blick nicht so gut wie Sorilea, obwohl keine Weise Frau, die Perrin jemals erlebt hatte, an anderen Ungeduld schätzte. Sie reckte das Kinn und richtete ihre Stola, bevor sie antwortete. »Vor drei Tagen näherten sich die Baummörder Caraline Damodred und Toram Riarin der Stadt. Sie verkündeten, daß Colavaere Saighan eine Thronräuberin sei, aber sie sitzen in ihrem Lager südlich der Stadt und tun nichts anderes als hin und wieder einige Leute in die Stadt hineinzuschicken. Fern des Lagers laufen hundert von ihnen vor einem Algai'd'siswai oder sogar einem Gai'shain davon. Ein Mann namens Darlin Sisnera und weitere Tairener haben gestern mit dem Schiff unterhalb der Stadt angelegt und sich ihnen angeschlossen. Sie haben sich seitdem die ganze Zeit gütlich getan und getrunken, als feierten sie etwas. Baummörder-Soldaten versammeln sich auf Colavaere Saighans Befehl in der Stadt, aber sie beobachten unsere Zelte aufmerksamer als andere Feuchtländer oder die Stadt selbst. Sie beobachten, unternehmen aber nichts. Vielleicht kennt Ihr den Grund für all das, Car'a'carn.«

Lady Caraline und Lord Toram führten die Cairhiener an, die sich anzuerkennen weigerten, daß Rand und die Aiel Cairhien eingenommen hatten. In Tear führte der Hohe Herr Darlin entsprechende Gruppen an. Aber keiner der beiden Aufstände zeitigte Erfolg. Caraline und Toram hatten monatelang in den Ausläufern des Rückgrats der Welt festgesessen, hatten gedroht und herausgefordert, und das gleiche galt für Darlin unten in Haddon Mirk. Aber jetzt anscheinend nicht mehr. Perrin merkte, wie er mit dem Daumen leicht die Klinge seiner Streitaxt entlangfuhr. Die Aiel drohten zu entkommen, und Rands Feinde versammelten sich. Jetzt fehlten nur noch die Verlorenen - und Sevanna mit ihren Shaido.

Das wäre die Krönung. Und doch war nichts davon wichtig. Faile mußte in Sicherheit sein. Es mußte einfach so sein.

»Besser, sie beobachten, als daß sie kämpfen«, murmelte Rand nachdenklich, während er anscheinend wieder etwas Unsichtbarem lauschte.

Perrin stimmte Rand aufrichtig zu - fast alles war besser, als zu kämpfen -, aber Aiel sahen das anders, wenn es um Feinde ging. Sie blickten von Rhuarc zu Sorilea, von Feraighin zu Nandera und Sulin, als hätte Rand gesagt, es sei besser, Sand anstatt Wasser zu trinken.

Feraighin stellte sich förmlich auf die Zehenspitzen. Sie war für eine Aiel nicht besonders groß, reichte Rand nicht einmal bis zur Schulter, schien seine Größe aber erreichen zu wollen. »Das Lager der Feuchtländer besteht nur aus etwas mehr als zehntausend Mann«, sagte sie mißbilligend, »und in der Stadt sind noch weniger. Wir können sie leicht überwältigen. Sogar Indirian beherzigt Euren Befehl, niemals Feuchtländer aus Gründen der Selbstverteidigung zu töten, aber sie werden Schwierigkeiten bereiten, wenn sie sich selbst überlassen bleiben. Es nützt nichts, daß Aes Sedai in der Stadt sind. Wer weiß, was sie...«

»Aes Sedai?« Rand stieß diese Worte mit kalter Stimme aus, während die Knöchel seiner um das Drachenszepter geschlossenen Hand weiß hervortraten.

»Wie viele?« Perrin bekam bei seinem Geruch eine Gänsehaut. Er konnte plötzlich spüren, daß die gefangenen Aes Sedai und Bera und Kiruna und die anderen sie beobachteten.

Sorilea verlor alles Interesse an Kiruna. Sie stemmte die Hände in die Hüften und preßte den Mund zusammen. »Warum habt Ihr mir das nicht gesagt?«

»Ihr habt mir keine Gelegenheit dazu gegeben, Sorilea«, wandte Feraighin ein wenig atemlos und mit eingezogenen Schultern ein. Sie richtete ihre blauen Augen auf Rand, und ihre Stimme wurde wieder fester. »Es sind vielleicht zehn oder mehr, Car'a'carn. Wir gehen ihnen natürlich aus dem Weg, besonders seit...« Dann wandte sie sich wieder Sorilea zu, und die Atemlosigkeit kehrte zurück. »Ihr wolltet nichts über die Feuchtländer hören, Sorilea. Nur über unsere eigenen Zelte. Das habt Ihr gesagt.« Wieder wandte sie sich Rand zu, und wieder straffte sie sich. »Die meisten von ihnen bleiben unter Arilyn Dhulaines Dach, Car'a'carn, und verlassen das Haus nur selten.« Und wieder mit eingezogenen Schultern an Sorilea gewandt: »Sorilea, Ihr wißt, daß ich Euch alles erzählt hätte. Aber Ihr habt mich unterbrochen.« Als sie erkannte, wie viele Menschen zusahen und wie viele zu lächeln begannen, zumal unter den Weisen Frauen, wurde Feraighins Blick zornig, und ihre Wangen röteten sich. Sie wandte den Kopf zwischen Rand und Sorilea hin und her, und ihr Mund bewegte sich, ohne daß ein Laut hervordrang. Einige der Weisen Frauen begannen hinter vorgehaltener Hand zu lachen. Edarra machte sich nicht einmal diese Mühe, während Rhuarc den Kopf zurückwarf und brüllend loslachte.