Выбрать главу

Perrin war bestimmt nicht nach Lachen zumute. Ein Aiel konnte noch etwas lustig daran finden, wenn ihn ein Schwert durchbohrte. Licht! Er kam schnurstracks auf das Wichtigste zu sprechen. »Feraighin? Meine Frau Faile - geht es ihr gut?«

Die Augen spiegelten ihre Bestürzung wider, dann riß sie sich sichtlich zusammen. »Ich glaube, Faile Aybara geht es gut, Sei'cair«, sagte sie kühl und gefaßt. Oder doch beinahe. Sie versuchte, Sorilea aus den Augenwinkeln verstohlen zu beobachten, die nicht einmal annähernd belustigt schien. Sie brachte Feraighin zu einigen Einsichten, wohingegen ihre Zurechtweisung Kirunas harmlos erschien.

Amys legte Sorilea eine Hand auf den Arm. »Sie ist nicht im Unrecht«, murmelte die jüngere Frau so leise, daß niemand außer der lederartigen Weisen Frau und Perrin es hören konnte. Sorilea zögerte und nickte dann. Sie kehrten wieder zu ihrer üblichen Streitsucht zurück. Perrin hatte dies bisher nur Amys bewirken sehen. Sie war die einzige, die Sorilea niemals niedermachte, wenn sie ihr in die Quere kam. Nun, sie machte auch Rhuarc nicht nieder, aber bei ihm war der Grund eher der, daß ein Felsblock ein Gewitter nicht beachtete. Amys aber konnte dem Regen Einhalt gebieten.

Perrin wollte mehr von Feraighin hören - sie glaubte, daß es Faile gutging? -, aber bevor er etwas sagen konnte, platzte Kiruna mit ihrem üblichen Zartgefühl dazwischen.

»Nun hört mir genau zu«, forderte sie Rand auf und gestikulierte heftig unter seiner Nase. »Ich habe die Situation als schwierig bezeichnet. Aber das ist sie nicht. Die Situation ist unvorstellbar kompliziert und so zerbrechlich, daß ein Atemzug sie verderben könnte. Bera und ich werden Euch in die Stadt begleiten. Ja, ja, Alanna. Ihr auch.« Sie winkte die schlanke Aes Sedai ungeduldig fort. Perrin dachte, sie versuche, Größe vorzutäuschen. Sie schien auf Rand herabzusehen, aber obwohl sie wirklich recht groß war, überragte er sie noch mit Kopf und Schultern. »Ihr müßt Euch von uns führen lassen. Eine falsche Bewegung, ein falsches Wort - und Ihr bewirkt in Cairhien vielleicht dasselbe Unglück, wie Ihr es in Tarabon und Arad Doman bewirkt habt. Und noch schlimmer - Ihr könntet Angelegenheiten auf unvorhersehbare Weise schaden, über die Ihr fast nichts wißt.«

Perrin zuckte zusammen. Sie hätte diese ganze Rede nicht besser planen können, um Rand zu erzürnen. Aber Rand hörte ihr einfach zu, bis sie fertig war, und wandte sich dann an Sorilea. »Bringt die Aes Sedai zu den Zelten. Versichert Euch, daß jedermann erfährt, daß sie Aes Sedai sind. Macht deutlich, daß sie auf Befehl springen. Da auch Ihr springt wenn der Car'a'carn es befiehlt, sollte das jedermann überzeugen, daß ich keine Leine der Aes Sedai trage.«

Kiruna errötete zutiefst. Sie roch so stark nach Zorn und Empörung, daß Perrins Nase schmerzte. Bera versuchte erfolglos, sie zu beruhigen, während sie Rand Blicke zuwarf, die besagten, daß sie ihn für einen ungehobelten jungen Flegel hielt, und Alanna biß sich auf die Lippen, um nicht lächeln zu müssen. Den Gerüchen nach zu urteilen, die von Sorilea und den anderen heranwehten, hatte Alanna eigentlich keinen Grund, erfreut zu sein.

Sorilea gönnte Rand ein flüchtiges Lächeln. »Vielleicht, Car'a'carn«, sagte sie trocken. Perrin bezweifelte, daß sie für irgend jemanden springen würde. »Vielleicht wird es das.« Sie klang nicht allzu überzeugt.

Rand schüttelte erneut den Kopf und schritt, gefolgt von den Töchtern des Speers, mit Min davon, während er Befehle ausgab, wer mit ihm und wer mit den Weisen Frauen gehen sollte. Rhuarc erteilte den Siswai'aman Befehle. Alanna folgte Rand mit den Augen. Perrin wünschte, er wüßte, was dort vor sich ging. Auch Sorilea und die anderen beobachteten Rand, und sie rochen nicht gerade sanftmütig.

Perrin bemerkte, daß Feraighin allein dastand. Das war die Gelegenheit. Aber als er zu ihr zu gelangen versuchte, umstellten Sorilea und Amys und die restlichen Mitglieder des ›Konzils‹ sie und drängten ihn gekonnt ab. Sie entfernten sich ein Stück, bevor sie Feraighin mit Fragen zu überschütten begannen und Kiruna und den anderen beiden Schwestern scharfe Blicke zuwarfen, die keinen Zweifel daran ließen, daß sie kein weiteres Belauschen dulden würden. Kiruna schien darüber nachzudenken und blickte so finster drein, daß man sich wundern mußte, daß ihr nicht die Haare zu Berge standen.

Bera sprach in bestimmtem Tonfall mit ihr, und Perrin hörte, ohne sich darum zu bemühen, ›vernünftig‹ und ›Geduld‹, ›vorsichtig‹ und ›töricht‹ heraus. Welche Bezeichnung wem zugedacht war, wurde nicht erkennbar.

»Es wird Kämpfe geben, wenn wir die Stadt erreichen.« Aram klang begierig.

»Aber nein«, erwiderte Loial beherzt. Seine Ohren zuckten, und er betrachtete unbehaglich seine Streitaxt. »Es wird keine Kämpfe geben, nicht wahr, Perrin?«

Perrin schüttelte den Kopf. Er wußte es nicht. Wenn die anderen Weisen Frauen Feraighin doch nur einen Moment allein lassen würden. Was hatten sie so Wichtiges zu besprechen?

»Frauen«, murrte Gaul, »sie verhalten sich seltsamer als betrunkene Feuchtländer.«

»Was?« fragte Perrin abwesend. Was würde geschehen, wenn er den Kreis der Weisen Frauen einfach durchbräche? Als hätte Edarra seine Gedanken gelesen, sah sie ihn stirnrunzelnd an, und einige der anderen ebenso. Manchmal schien es, als könnten Frauen die Gedanken von Männern lesen. Nun...

»Ich sagte, Frauen sind seltsam, Perrin Aybara. Chiad hat mir gesagt, sie würde mir keinen Brautkranz zu Füßen legen. Sie hat es mir tatsächlich gesagt.« Der Aielmann klang entrüstet. »Sie hat gesagt, sie würde mich zum Liebhaber nehmen - sie und Bain - aber nicht mehr.« Zu einem anderen Zeitpunkt wäre Perrin bestürzt gewesen, obwohl er schon früher davon gehört hatte. Aiel waren unglaublich ... freizügig in solchen Dingen. »Als wäre ich als Ehemann nicht gut genug.« Gaul schnaubte verärgert. »Ich mag Bain nicht, aber ich würde sie heiraten, um Chiad glücklich zu machen. Aber wenn Chiad keinen Brautkranz winden will, sollte sie aufhören, mich verführen zu wollen. Wenn ich ihr Interesse nicht ausreichend wecken kann, daß sie mich heiraten will, dann sollte sie mich gehen lassen.«

Perrin betrachtete ihn stirnrunzelnd. Der grünäugige Aielmann war größer als Rand und fast einen Kopf größer als er selbst. »Wovon sprecht Ihr?«

»Von Chiad natürlich. Habt Ihr nicht zugehört? Sie geht mir aus dem Weg, aber jedes Mal, wenn ich ihr begegne, hält sie lange genug inne, um sicherzugehen, daß ich sie gesehen habe. Ich weiß nicht, wie das bei Euch Feuchtländern ist, aber bei uns ist das die übliche Taktik der Frauen. Sie lassen sich sehen, wenn man sie am wenigsten erwartet, und sind dann wieder fort. Ich wußte bis heute morgen nicht einmal, daß sie bei den Töchtern des Speers ist.«

»Ihr meint, sie ist hier?« flüsterte Perrin. Der Eiszapfen stach erneut zu - jetzt wie eine Klinge - und höhlte ihn aus. »Und Bain? Ist sie auch hier?«