Выбрать главу

Gaul zuckte die Achseln. »Sie sind selten weit voneinander entfernt. Aber ich möchte Chiads Aufmerksamkeit wecken, nicht Bains.«

»Verdammt!« rief Perrin. Die Weisen Frauen wandten sich zu ihm um. Tatsächlich wandten sich überall auf dem Hügel Menschen zu ihm um. Kiruna und Bera sahen ihn mit entschieden zu nachdenklichem Gesichtsausdruck an. Es gelang ihm nur mühsam, seine Stimme zu dämpfen. »Sie sollten sie beschützen! Sie befindet sich in der Stadt, im Königlichen Palast, mit Colavaere - mit Colavaere! -, und sie sollten sie beschützen.«

Gaul kratzte sich am Kopf und schaute zu Loial. »Ist das Feuchtländer-Humor? Faile Aybara ist erwachsen.«

»Ich weiß, daß sie kein Kind mehr ist!« Perrin atmete tief durch. Es war schwer, einen ruhigen Tonfall beizubehalten, wenn es doch in ihm brodelte. »Loial, würdest du diesem ... würdest du Gaul erklären, daß unsere Frauen nicht mit Speeren herumlaufen und daß Colavaere Faile nicht zum Kampf herausfordern, sondern einfach jemandem befehlen würde, ihr die Kehle durchzuschneiden oder sie von einer Mauer zu stoßen...« Die Vorstellungen überwältigten ihn. Er würde sich gleich übergeben müssen.

Loial tätschelte ihm unbeholfen die Schulter. »Perrin, ich weiß, daß du dir Sorgen machst. Ich weiß, wie ich mich fühlen würde, wenn ich glauben müßte, daß Erith etwas geschähe.« Die Pinsel an seinen Ohren bebten. Er hatte gut reden: Er würde so schnell wie möglich davonlaufen, um seiner Mutter und der jungen Ogierfrau aus dem Weg zu gehen, die sie für ihn ausgesucht hatte. »Ja, nun. Faile wartet auf dich, sicher und gesund. Ich weiß es, Perrin, und du weißt, daß sie auf sich selbst aufpassen kann. Nun, sie könnte auf sich und dich und mich und auch noch Gaul gleichzeitig aufpassen.« Sein dröhnendes Lachen klang gezwungen und wich schnell wieder gemessenem Ernst. »Perrin ... Perrin, du weißt, daß du nicht immer da sein kannst, um Faile zu beschützen, wie sehr du das auch möchtest. Du bist ein Ta'veren. Das Muster hat dich zu einem bestimmten Zweck hervorgebracht, und es wird dich auch zu diesem Zweck einsetzen.«

»Verdammt sei das Muster«, grollte Perrin. »Alles soll verdammt sein, wenn sie nur in Sicherheit ist.« Loials Ohren wurden vor Bestürzung starr, und sogar Gaul wirkte überrascht.

Wozu macht mich das? dachte Perrin. Er hatte jene Menschen, die sich nur um ihre eigenen Belange kümmerten und die Letzte Schlacht und den sich über die Welt ausbreitenden Schatten des Dunklen Königs ignorierten, stets verächtlich beurteilt. Wie unterschied er sich jetzt noch von ihnen?

Rand verhielt den Schwarzen neben ihm. »Kommst du, Perrin?«

»Ich komme«, antwortete Perrin freudlos. Er konnte seine eigenen Fragen nicht beantworten, aber eines wußte er: Seine Welt war Faile.

4

Nach Cairhien

Perrin wäre schneller geritten, als Rand es tat, obwohl er wußte, daß die Pferde das nicht lange durchgehalten hätten. Sie ritten die Hälfte der Zeit im Trab und führten ihre Tiere die übrige Zeit. Rand schien niemand anderen wahrzunehmen, außer daß er stets eine Hand für Min hatte, wenn sie stolperte. Für die anderen war er in einer fernen Welt verloren und blinzelte überrascht, wenn er Perrin oder Loial bemerkte. Dobraines und Haviens Männer blickten starr geradeaus und hingen ihren eigenen Gedanken darüber nach, was ihnen bevorstehen würde. Die Leute von den Zwei Flüssen waren von Perrins düsterer Stimmung durchdrungen. Sie mochten Faile - einige verehrten sie sogar -, und wenn sie irgendwie Schaden erlitten hatte... Sogar Arams Begierlichkeit verblaßte, als er erkannte, daß Faile in Gefahr sein könnte. Jedermann konzentrierte sich auf die vor ihnen liegenden Meilen, auf die voraus liegende Stadt. Natürlich jedermann außer den Asha'man. Sie ritten dicht hinter Rand - wie ein Schwärm Raben - und beobachteten das Land, durch das sie ritten, da sie noch immer auf einen Hinterhalt gefaßt waren. Dashiva war wie ein Sack im Sattel zusammengesunken und murrte düster vor sich hin, als er laufen sollte. Seinem Blick nach hätte man glauben können, er hoffe auf einen Hinterhalt.

Aber ein Angriff war kaum zu befürchten. Sulin und ein Dutzend Far Dareis Mai befanden sich in Perrins Sichtweite der Kolonne voraus, ebenso viele waren noch weiter vorausgeeilt, um den Weg zu überprüfen, und auch die Flanken wurden gedeckt. Einige Männer hatten ihre Kurzspeere in die Gurte gesteckt, die die Bogenköcher auf ihren Rücken hielten, so daß die Speerspitzen über ihren Köpfen wippten. Statt dessen hatten sie die kurzen Hornbogen hervorgenommen und Pfeile eingelegt. Sie hielten ebenfalls aufmerksam nach allem Ausschau, was den Car'a'carn bedrohen könnte, und achteten auch auf Rand selbst, als argwöhnten sie, er könne erneut verschwinden. Wenn eine Falle wartete, irgendeine Gefahr bevorstand, würden sie diese entdecken.

Chiad war eine der Töchter des Speers bei Sulin, eine große Frau mit dunkelrotem Haar und grauen Augen. Perrin starrte ihren Rücken an, wollte sie zwingen, zurückzubleiben und mit ihm zu reden. Sie gewährte ihm hin und wieder einen Blick, aber ansonsten mied sie ihn, als hätte er drei Krankheiten gleichzeitig. Bain befand sich nicht bei der Kolonne. Die meisten der Töchter des Speers folgten mit Rhuarc und den Algai'd'siswai auf dem gleichen Weg, aber sie kamen wegen der Wagen und der Gefangenen langsamer voran.

Failes schwarze Stute trottete hinter Traber her, ihre Zügel an seinen Sattel gebunden. Die Leute von den Zwei Flüssen hatten Schwalbe aus Caemlyn mitgebracht, als sie sich Rand vor den Brunnen von Dumai anschlossen. Jedes Mal, wenn er die Stute betrachtete, die hinter ihm herstolzierte, stieg das Gesicht seiner Frau vor seinem geistigen Auge auf, ihre kühne Nase, die vollen Lippen und die blitzenden dunklen Augen, die schräg über hohen Wangenknochen angeordnet waren. Sie liebte das Tier, vielleicht ebenso sehr wie ihn. Sie war eine Frau, die genauso stolz wie schön und genauso leidenschaftlich wie stolz war. Davram Basheres Tochter würde nichts verbergen oder auch nur verheimlichen, nicht so wie Colavaere.

Sie machten vier Mal Rast, damit sich die Pferde ausruhen konnten, und er knirschte wegen dieser Verzögerung mit den Zähnen. Da es seine zweite Natur war, sich gut um die Pferde zu kümmern, überprüfte er Traber geistesabwesend und gab dem Hengst mechanisch ein wenig Wasser. Schwalbe versorgte er sorgfältiger. Wenn Schwalbe Cairhien sicher erreichte... Ein Gedanke hatte sich in seinem Kopf festgesetzt. Wenn er ihre Stute nach Cairhien brachte, würde es Faile gutgehen. Es war ein lächerlicher Gedanke, der Phantasie eines Jungen entsprungen, aber er wollte nicht vergehen.

Bei jeder Rast versuchte Min, ihn zu beruhigen. Sie sagte mit neckischem Grinsen, er sähe aus wie der Tod an einem Wintermorgen, der nur darauf wartete, daß jemand sein Grab zuschaufelte. Sie sagte ihm, daß Faile ihm die Tür vor der Nase zuschlagen würde, wenn er seiner Frau mit diesem Gesicht gegenüberträte. Aber sie mußte auch zugeben, daß keine ihrer Visionen versprach, daß Faile unbeschadet sei.

»Licht, Perrin«, sagte sie schließlich verärgert, während sie ihre grauen Reithandschuhe zurechtzog, »wenn jemand dieser Frau zu schaden versucht, wird sie ihn noch warten lassen, bis sie Zeit für ihn hat.« Er hätte sie beinahe angefahren, obwohl sie sich eigentlich mochten.

Loial erinnerte Perrin daran, daß sich die Jäger des Horns um sich selbst kümmern konnten und daß Faile sogar die Trollocs überlebt hatte. »Es geht ihr gut, Perrin«, dröhnte er zuversichtlich, während er mit seiner langen Streitaxt über den Schultern neben Traber herlief. »Ich weiß es.« Aber das hatte er schon zwanzig Mal gesagt, und es klang jedes Mal etwas weniger aufrichtig.

Der letzte Ermutigungsversuch des Ogiers ging weiter, als er es beabsichtigt hatte. »Faile kann auf sich selbst aufpassen, Perrin. Sie ist nicht wie Erith. Ich kann es kaum erwarten, daß Erith mich zu ihrem Ehemann macht, damit ich mich um sie kümmern kann. Ich glaube, ich würde sterben, wenn sie ihre Meinung änderte.« Danach blieb ihm der Mund offenstehen, und seine großen Augen traten hervor. Er stolperte mit aufgeregt zuckenden Ohren über seine eigenen Stiefel und fiel beinahe hin. »Das wollte ich gar nicht sagen«, bemerkte er rauh, während er weiter neben Perrins Pferd herschritt. Seine Ohren bebten noch immer. »Ich bin nicht sicher, daß ich ... ich bin zu jung, um...«