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Wir sind in dem Gasthaus, von dem wir gesprochen haben, gut untergebracht, und wir haben uns mit dem

Tuchhändler getroffen. Er ist ein sehr bemerkenswerter junger Mann - genau, wie Nynaeve uns erzählt hat. Dennoch war er höflich. Ich glaube, er hat ein wenig Angst vor uns, was nur nützlich ist. Es wird gutgehen! Ihr habt vielleicht Gerüchte über Männer gehört, die sich hier aufhalten, einschließlich eines Burschen aus Saldaea. Ich fürchte, die Gerüchte sind alle nur zu wahr, aber wir sind bisher keinem von ihnen begegnet und werden dies nach Möglichkeit auch vermeiden. Wenn man zwei Hasen verfolgt, werden beide entkommen. Verin und Alanna sind hier, mit einer Anzahl junger Frauen aus der gleichen Gegend, aus der der Tuchhändler kommt. Ich werde versuchen, sie zur Ausbildung zu Euch zu schicken. Alanna hat eine gewisse Zuneigung zu dem Händler entwickelt, was sich als nützlich erweisen könnte, obwohl es auch besorgt macht. Aber alles wird gut werden, dessen bin ich gewiß.

Merana Sheriam betonte die ihrer Meinung nach guten Nachrichten. Merana, eine erfahrene Unterhändlerin, hatte Caemlyn erreicht und wurde von Rand, dem ›Tuchhändler‹ gut aufgenommen. Wundervolle Nachrichten - für Sheriam. Und Verin und Alanna würden Mädchen von den Zwei Flüssen als Novizinnen herbringen. Sheriam war überzeugt, daß sie dieselbe Straße entlangkommen müßten, die sie selbst bereisten. Sie schien zu glauben, Egwene müßte von der Vorstellung, Gesichter von Zuhause zu sehen, vollkommen begeistert sein. Merana würde alles regeln. Merana wußte, was sie tat.

»Das ist ein Eimer voller Pferdeschweiß«, murrte Egwene in die Nacht. Ein Bursche mit Zahnlücken, der einen großen Holzeimer trug, zuckte zusammen und starrte sie so verblüfft an, daß er sich zu verbeugen vergaß.

Rand... höflich? Sie hatte seine erste Begegnung mit Coiran Saeldain, Elaidas Abgesandter, erlebt. ›Anmaßend‹ traf es genauer. Warum sollte er sich Merana gegenüber anders verhalten? Merana dachte, er habe Angst, obwohl das gut war. Rand hatte selbst dann selten Angst, wenn er sie haben sollte, und wenn er sie jetzt hatte, sollte Merana daran denken, daß Angst selbst den sanftmütigsten Mann gefährlich machen konnte und daß Rand allein schon dadurch gefährlich war, daß er war, wer er war. Und was sollte es bedeuten, daß Alanna Zuneigung entwickelt hatte? Egwene traute Alanna nicht vollkommen. Die Frau tat manchmal äußerst seltsame Dinge, vielleicht unbedacht und vielleicht aus tieferliegenden Gründen. Egwene würde ihr durchaus zutrauen, einen Weg in Rands Bett zu finden. Er wäre in den Händen einer Frau wie ihr Wachs. Elayne würde Alanna den Hals brechen, wenn dem so war, aber das war noch das wenigste. Schlimmer war, daß keine der Tauben, die Merana mitgenommen hatte, in die Taubenschläge Salidars zurückkehrten.

Merana hätte eine Nachricht schicken sollen, und sei es nur, daß sie und die restliche Abordnung nach Cairhien gegangen waren. Die Weisen Frauen bestätigten in letzter Zeit kaum mehr, als daß Rand lebte, und doch war er anscheinend dort und blieb untätig, soweit sie unterrichtet wurde. Was eine Warnung hätte sein sollen. Sheriam sah es anders. Wer konnte wissen, warum irgendein Mann tat, was er tat? Wahrscheinlich meistens nicht einmal der Mann selbst, und wenn es um einen Mann ging, der die Macht lenken konnte... Das Schweigen bewies, daß alles in Ordnung war. Merana hätte sie über ernsthafte Schwierigkeiten sicherlich benachrichtigt. Sie mußte auf dem Weg nach Cairhien sein, wenn sie nicht bereits dort eingetroffen war, und es bestand keine Notwendigkeit, weitere Nachrichten zu schicken, bis sie Erfolg melden konnte. Demnach war Rands Aufenthalt in Cairhien schon ein gewisser Erfolg. Eines von Meranas Zielen, wenn nicht das wichtigste, war es gewesen, ihn aus Caemlyn fortzulocken, so daß Elayne sicher dorthin zurückkehren und den Löwenthron einnehmen könnte. So unglaublich es auch schien, behaupteten die Weisen Frauen, Coiren und ihre Abordnung hätten die Stadt auf dem Weg zurück nach Tar Valon verlassen. Oder vielleicht war es auch gar nicht so unglaublich. Alles ergab irgendwie einen Sinn, wenn man Rand bedachte und weiterhin bedachte, wie Aes Sedai Dinge angingen. Aber dennoch fühlte sich für Egwene alles ... falsch an.

»Ich muß zu ihm gehen«, murmelte sie. Eine Stunde, und sie könnte alles klären. Er war im Grunde immer noch Rand. »Nichts weiter. Ich muß zu ihm gehen.«

»Das ist nicht möglich, und Ihr wißt das.«

Hätte Egwene sich nicht so gut beherrscht, wäre sie zusammengeschreckt. So pochte ihr Herz aber selbst dann noch, als sie im Mondlicht Leane erkannt hatte. »Ich dachte, Ihr wärt...«, sagte sie, bevor sie sich zurückhalten konnte, und es gelang ihr nur knapp, nicht Moghediens Namen auszusprechen.

Die größere Frau paßte sich ihrem Schritt an und beobachtete aufmerksam andere Schwestern, während sie vorangingen. Leane konnte nicht Siuans Entschuldigung dafür vorbringen, Zeit mit ihr zu verbringen. Nicht daß es schaden sollte, zusammen gesehen zu werden, aber...

Sollte nicht‹ bedeutet nicht unbedingt wird nicht‹, rief sich Egwene in Erinnerung. Sie ließ die Stola von ihren Schultern gleiten, faltete sie zusammen und hielt sie in einer Hand. Wenn man aus der Ferne flüchtig hinsah, könnte Leane, trotz ihres Gewands, sehr wohl für eine Aufgenommene gehalten werden. Viele Aufgenommene besaßen zu wenige der mit Streifen versehenen weißen Gewänder, so daß sie nicht ständig eines tragen konnten. Auch Egwene mochte aus der Ferne für eine Aufgenommene gehalten werden. Das war kein allzu beruhigender Gedanke.

»Theodrin und Faolain haben in der Nähe von Marigans Zelt Fragen gestellt, Mutter. Sie waren nicht sehr angetan. Ich habe vorgegeben, verärgert zu sein, weil ich Nachrichten überbringen sollte. Theodrin mußte Faolain davon abhalten, mich deswegen zu schelten.« Leane lachte leise und kehlig. Sie amüsierte sich stets über Situationen, in denen Siuan die Zähne zusammenbeißen mußte. Sie wurde von den meisten Schwestern dafür gehätschelt, weil sie sich so gut angepaßt hatte.

»Gut, gut«, sagte Egwene abwesend. »Merana hat sich irgendwie falsch verhalten, Leane, sonst wäre er in Cairhien, und sie würde nicht schweigen.« In der Ferne bellte ein Hund den Mond an und dann weitere, bis sie von Rufen, die man, vielleicht zum Glück, nicht genau verstehen konnte, jäh zum Schweigen gebracht wurden. Einige Soldaten hatten Hunde bei sich. Im Lager der Aes Sedai gab es keine. Einige Katzen, aber keine Hunde.

»Merana weiß nicht, was sie tut, Mutter.« Es klang sehr nach einem Seufzen. Leane und Siuan und alle anderen außer ihr stimmten mit Sheriam überein. Jedermann außer ihr tat dies. »Wenn man jemandem eine Aufgabe überträgt, muß man sie ihm auch zutrauen.«

Egwene rümpfte die Nase und verschränkte die Arme. »Leane, dieser Mann könnte auch aus einem feuchten Tuch Funken schlagen, wenn es die Stola trüge. Ich kenne Merana nicht, aber ich habe noch niemals eine Aes Sedai erlebt, die als feuchtes Tuch geeignet wäre.«

»Ich bin einer oder zweien begegnet«, kicherte Leane. Dieses Mal seufzte sie eindeutig. »Aber es stimmt - Merana gehört nicht dazu. Glaubt er wirklich, er hätte in der Burg Freunde? Alviarin? Das macht es Merana vermutlich schwer, mit ihm zurechtzukommen, aber ich kann mir kaum vorstellen, daß Alviarin etwas tut, was sie ihren Platz kosten könnte. Sie hatte stets genug Ehrgeiz für drei.«

»Er sagt, er besitzt einen Brief von ihr.« Sie konnte noch immer vor sich sehen, wie Rand sich hämisch darüber gefreut hatte, vor ihrer Abreise aus Cairhien Briefe sowohl von Elaida als auch von Alviarin erhalten zu haben. »Vielleicht glaubt sie in ihrem Ehrgeiz, sie könnte Elaida mit ihm an ihrer Seite ersetzen. Das heißt, wenn sie diesen Brief wirklich geschrieben hat, wenn er wirklich existiert. Er hält sich für schlau, Leane - und vielleicht ist er es auch -, aber er glaubt, er brauche niemanden.« Rand würde weiterhin denken, er könnte alles allein regeln, bis ihn etwas vernichten würde. »Ich kenne ihn in- und auswendig, Leane. Der Umgang mit den Weisen Frauen scheint auf ihn abgefärbt zu haben oder vielleicht auch umgekehrt. Was auch immer die Sitzenden denken, was auch immer jemand von Euch denkt -eine Aes-Sedai-Stola beeindruckt ihn nicht mehr als die Weisen Frauen. Früher oder später wird er eine Schwester so weit erzürnen, bis sie etwas dagegen unternimmt, oder eine von ihnen wird ihn falsch angehen, ohne zu erkennen, wie stark er ist und in welcher Stimmung er sich gerade befindet. Danach gibt es vielleicht kein Zurück mehr. Ich bin die einzige, die ihn richtig zu nehmen weiß. Die einzige.«