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»Es ist kaum töricht, das Offensichtliche zu glauben«, blaffte Romanda. »Mutter...« Aus ihrem Munde klang dies entschieden zu sehr wie ›Mädchen‹. »Delana muß aufgehalten werden, weil sie nichts Gutes, sondern erheblichen Schaden bewirkt. Vielleicht ist Elaida eine Schwarze - obwohl ich es stark bezweifle, welche Gerüchte aus zweiter Hand auch immer diese Halima mitbrachte; Elaida ist schrecklich verbohrt, aber ich kann nicht glauben, daß sie schlecht ist -, aber selbst wenn sie es ist und es herausposaunt wird, werden Außenstehende jeder Aes Sedai mit Mißtrauen begegnen und die Schwarzen in noch entlegenere Verstecke treiben. Es gibt Methoden, sie hervorzulocken, wenn wir sie nicht wieder verjagen.«

Lelaine rümpfte heftig die Nase. »Selbst wenn dieser Unsinn zuträfe, würde sich keine Schwester mit Selbstachtung Euren Methoden unterordnen, Romanda. Euer Vorschlag wird in Frage gestellt werden.« Egwene blinzelte verwirrt. Weder Siuan noch Leane hatten ihr auch nur ansatzweise hiervon berichtet. Glücklicherweise achteten die Sitzenden nicht genug auf sie, um es zu bemerken. Wie üblich.

Romanda stemmte die Fäuste in die Hüften und fuhr zu Lelaine herum. »Verzweifelte Zeiten erfordern verzweifelte Taten. Einige könnten vielleicht fragen, warum jemand seine Würde hintanstellt um die Diener des Dunklen Königs zu entlarven.«

»Das klingt verdächtig nach einer Anschuldigung«, sagte Lelaine mit verengten Augen.

Jetzt lächelte Romanda, ein kaltes, schnippisches Lächeln. »Ich werde die erste sein, die sich meinen Methoden unterordnet, Lelaine, wenn Ihr die zweite seid.«

Lelaine grollte jetzt tatsächlich und trat einen halben Schritt auf die andere Frau zu, und Romanda neigte sich ihr mit vorgerecktem Kinn entgegen. Sie wirkten bereit, einander an den Haaren zu ziehen, sich im Staub zu wälzen und ihre Aes-Sedai-Würde aufzugeben. Varilin und Takima sahen einander an, als wären auch sie kampfbereit, ein langbeiniger Stelzvogel in erbittertem Kampf mit einem Zaunkönig. Sie alle schienen Egwene vollkommen vergessen zu haben.

Siuan kam herbei, einen breiten Strohhut auf dem Kopf, und führte eine dicke, mausgraue Stute mit zur Hälfte weißen Hinterbeinen mit sich. Als sie die von einem Schutz umgebene Versammlung sah, blieb sie jäh stehen. Einer der Stallknechte war bei ihr, ein schlaksiger Bursche in einer langen, abgenutzten Weste und einem geflickten Hemd, der die Zügel eines großen Rotgrauen führte. Er konnte den Lauschschutz nicht sehen, aber Saidar verbarg nicht die Gesichter. Seine Augen weiteten sich, und er leckte sich die Lippen. Vorübergehende machten einen weiten Bogen um das Zelt und gaben vor, nichts zu sehen - Aes Sedai, Behüter und Diener gleichermaßen. Nur Bryne runzelte die Stirn und betrachtete sie, als frage er sich, was seinen Ohren verborgen blieb. Myrelle band ihre Satteltaschen fest und wollte eindeutig gehen.

»Wenn Ihr beschlossen habt, was ich sagen sollte«, verkündete Egwene, »kann ich beschließen, was zu tun ist.« Sie hatten sie wirklich vergessen. Alle vier starrten sie erstaunt an, als sie zwischen Romanda und Lelaine hindurch und aus dem doppelten Lauschschutz hinaustrat. Sie spürte natürlich nichts, als sie das Gewebe streifte. Sie waren nicht dafür geschaffen, etwas so Massives wie einen menschlichen Körper aufzuhalten.

Als Egwene auf den Rotgrauen gestiegen war, atmete Myrelle tief ein und tat es ihr resigniert gleich. Der Schutz war verschwunden, obwohl die beiden Sitzenden noch immer von Schimmern umgeben waren und ein Bild der Enttäuschung boten, während sie dastanden und schauten. Egwene zog eilig den dünnen Leinenstaubmantel an, der vor dem Sattel des Wallachs befestigt war, und die Reithandschuhe, die in einer kleinen Tasche in dem Mantel steckten. Ein Hut mit breiter Krempe hing am Sattelknauf, passend zu ihrem Gewand tiefblau und mit an der Vorderseite festgesteckten weißen Federn, die nach Chesas Handschrift aussahen. Die Hitze konnte sie mißachten, aber das grelle Licht war eine andere Sache. Sie entfernte die festgesteckten Federn, stopfte sie in die Satteltaschen, setzte sich den Hut auf den Kopf und band die Bänder unter dem Kinn fest.

»Wollen wir aufbrechen, Mutter?« fragte Bryne. Er war bereits aufgestiegen, und der Helm, der an seinem Sattel gehangen hatte, verbarg jetzt sein Gesicht. Es wirkte bei ihm recht natürlich - als sei er für die Rüstung geboren.

Egwene nickte. Niemand versuchte, sie aufzuhalten. Lelaine würde sich natürlich nicht soweit erniedrigen, öffentlich Halt zu rufen, aber Romanda... Egwene empfand Erleichterung, als sie davonritten, aber ihr Kopf schien zu platzen. Was sollte sie tatsächlich mit Delana tun? Was konnte sie tun?

Die Hauptstraße in diesem Gebiet - ein breiter Streifen derart festgetretener Erde, daß nichts Staub aufwirbeln konnte - verlief durch das Lager des Heeres und zwischen diesem und dem Lager der Aes Sedai.

Obwohl sich im Heerlager mindestens dreißig Mal soviele Menschen befanden wie im Lager der Aes Sedai, schienen kaum mehr Zelte als bei den Schwestern errichtet worden zu sein. Die Diener verteilten sich alle über die Ebenen und die Hügel hinauf. Die meisten Soldaten schliefen im Freien. Man konnte sich kaum daran erinnern, wann der letzte Regen gefallen war, und es war nicht eine Wolke zu sehen. Seltsamerweise hielten sich dort mehr Frauen auf als im Lager der Schwestern, obwohl sie, unter so vielen Männern, zunächst weniger erschienen. Köche kümmerten sich um große Kessel, und Wäscherinnen nahmen große Berge schmutziger Kleidung in Angriff, während andere bei den Pferden oder den Wagen arbeiteten. Eine Anzahl Frauen schienen Ehefrauen zu sein. Zumindest saßen sie über Strickarbeiten oder besserten Kleider oder Hemden aus oder rührten in kleinen Kochtöpfen. Waffenschmiede hatten sich fast überall aufgestellt, wo Egwene hinsah. Ihre Hämmer ließen Stahl auf den Ambossen klingen, Pfeilmacher fügten Pfeilbündeln zu ihren Füßen weitere Pfeile hinzu, und Hufschmiede überprüften die Pferde. Wagen aller Arten und Größen standen überall herum, Hunderte, vielleicht Tausende. Das Heer schien jedermann aufzulesen, der ihnen unterwegs begegnete. Die meisten der Kuriere waren bereits draußen, um Verpflegung zu besorgen, aber einige hochrädrige Karren und schwerfällige Wagen rollten auf der Suche nach Bauernhöfen und Dörfern auch jetzt noch aus dem Lager. Hier und da jubelten ihnen Soldaten zu, wenn sie vorüberzogen. »Lord Bryne!« und »Der Bulle! Der Bulle!« Das war sein Siegel. Nichts über die Aes Sedai oder den Amyrlin-Sitz.

Egwene drehte sich im Sattel, um sich zu vergewissern, daß Myrelle noch immer dichtauf folgte. Das tat sie, ließ ihr Pferd selbständig folgen, mit entrückter, etwas überdrüssiger Miene. Siuan hatte eine Position in der Nachhut eingenommen. Aber vielleicht hatte sie auch einfach nur Angst, ihr Pferd vorwärts zu drängen.

Gewiß war es lammfromm, aber Siuan würde wahrscheinlich sogar ein Pony wie ein Schlachtroß behandeln.

Egwene war über ihr eigenes Pferd ein wenig verärgert. Sein Name war Daishar, was in der Alten Sprache Ruhm bedeutete. Sie hätte viel lieber Bela geritten, eine zottige kleine Stute, die nicht wesentlich schlanker als Siuans Pferd war und die sie geritten hatte, als sie die Zwei Flüsse verlassen hatte. Sie dachte manchmal, sie müßte wie eine Puppe wirken, die auf einem Wallach saß, der für ein Schlachtroß gehalten werden könnte, aber die Amyrlin mußte ein angemessenes Pferd reiten, keine zottigen Zugpferde. Obwohl sie selbst diese Regel geschaffen hatte, fühlte sie sich eingeschränkt wie eine Novizin.

Sie wandte sich im Sattel um. »Erwartet Ihr voraus irgendwelchen Widerstand, Lord Bryne?«

Er sah sie von der Seite an. Sie hatte dieselbe Frage schon einmal gestellt, bevor sie Salidar verlassen hatten, und zwei weitere Male, während sie Altara durchquerten. Nicht häufig genug, um Mißtrauen zu erregen, dachte sie.