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Hewlitt lachte. »Und ich habe die ganze Zeit das Gefühl gehabt, daß Sie unglaublich schnell da waren. Aber wenn das Gespräch mit Morredeth aufgezeichnet wurde, bedeutet das nicht auch, daß Sie Schwierigkeiten bekommen werden? Ich meine, schließlich habe ich ihr davon erzählt, daß Sie mit der Dienstanweisung, ihr keine Beruhigungsmittel mehr zu geben und sich nachts nicht mehr mit ihr unterhalten zu dürfen, nicht einverstanden sind. Was bedeutet das jetzt für Sie? Sind Sie sich sicher, daß man Ihnen keine Vorwürfe machen wird?«

Zwar wußte er nicht, was die Schwester gerade dachte, doch hatte er das Gefühl, daß sie besorgt war, als sie antwortete: »Einige Leute, zu denen auch Medalont, Leethveeschi und Lioren gehören, werden sich die Aufnahme genau anhören, und man wird mich ausdrücklich kritisieren. Doch wie Sie bereits bemerkt haben dürften, haben Hudlarer ein sehr viel dickeres Fell als die meisten anderen Lebewesen. Trotzdem vielen Dank für Ihr Verständnis, Patient Hewlitt. So, und nun werden Sie bitte zurück ins Bett gehen. Morredeth schläft friedlich, und es geht ihr…« Sie hielt plötzlich inne, denn die unwillkürlichen Wellenbewegungen von Morredeths Fell waren so langsam geworden, daß sie fast zum Stillstand gekommen waren. Sofort berührte die Schwester mit einer Tentakelspitze eine Stelle in der Nähe von Morredeths Genick, um dort mit den fingerartigen Fortsätzenden Puls zu fühlen. Danach griff sie in die Ausrüstungstasche und zog einen Scanner heraus, den sie über zwei verschiedene Stellen in der Brustgegend der Patientin bewegte. Mit der anderen Tentakelspitze drückte sie auf einen Knopf des Kornmunikators, und über dem Bett begann an der Decke ein rotes Licht schnell und gleichmäßig zu blinken.

»Reanimationsteam!« sagte sie. »Station sieben, Bett Nummer zwölf, Klassifikation DBLF, Kelgianerin. Seit etwa neunzig Sekunden Herzstillstand beider Herzen… Patient Hewlitt, gehen Sie in ihr Bett zurück. Sofort!«

Ohne den Blick von dem völlig regungslos daliegenden Körper abwenden zu können, trat Hewlitt von der Bettkante zurück, bis er sich außerhalb der Sichtblenden befand. Doch anstatt ins Bett zu gehen, wartete er in der Nähe, bis in weniger als einer Minute das Reanimationsteam mit dem Ausrüstungswagen eintraf. Das rote Licht an der Decke hörte auf zu blinken, und weil man um Morredeths Bett herum ein schalldichtes Feld errichtet hatte, herrschte plötzlich absolute Stille auf der Station.

Das ist bestimmt gemacht worden, um die schlafenden Patienten nicht zu stören, und sicherlich nicht deshalb, damit ich nicht hören kann, was dort vor sich geht, sagte er sich.

Er hatte keine Ahnung, wie lange er dort schon in der Dunkelheit gewartet und wie gebannt auf die sich bewegenden Schatten gestarrt hatte, die auf die Sichtblenden projiziert wurden, als endlich die beiden Ärzte des Reanimationsteams wieder auftauchten. Seine Neugier wurde jedoch nicht befriedigt, da sich die beiden beim Verlassen der Station nicht unterhielten, so daß seine Besorgnis nur um so größer wurde. Die hudlarische Schwester, deren mächtiger Schatten sich nicht bewegte, verharrte hinter den Sichtblenden.

Er wartete scheinbar eine Ewigkeit, doch die hudlarische Schwester wich nicht von Morredeths Seite. Betrübt, schuldbewußt und enttäuscht wandte er sich ab und ging in den Waschraum, um sich die Reste der kelgianischen Wundsalbe von den Händen und Armen abzuwaschen. Danach kehrte er zu seinem Bett zurück, legte sich hin und schloß die Augen.Während der restlichen Nacht hörte er, wie sich die Hudlarerin zweimal auf der Station entlangbewegte, um nach den schlafenden Patienten zu sehen und nach dem einen, der nur so tat, als würde er schlafen. Doch brauchte sie nicht mit ihm zu sprechen, um Bescheid zu wissen, denn das Meßgerät lieferte ihr sämtliche medizinischen Informationen, die sie dazu brauchte. Wahrscheinlich fühlte sich die Schwester für das, was geschehen war, verantwortlich, weil Sie ihm vorgeschlagen hatte, sich mit Morredeth zu unterhalten. Dennoch fühlte er sich genauso verantwortlich, und er hatte beinahe Angst davor, sie darauf anzusprechen. Deshalb machte er keinerlei Anstalten dazu und blieb lieber ruhig liegen, wobei er sich immer wieder die Frage stellte, wie es möglich sein konnte, daß er das Leben der Kelgianerin allein dadurch gefährdet hatte, weil er sich mit ihr unterhalten hatte. Er fühlte sich sowohl körperlich als auch seelisch so schlecht wie in seinem ganzen Leben noch nicht.

Er war immer noch wach und grübelte vor sich hin, als das Licht angeschaltet wurde und die Tagschicht ihren Dienst antrat.

14. Kapitel

Die morgendliche Visite fiel sowohl verkürzt als auch unvollständig aus. Zum einen wurde Chefarzt Medalont nicht von der üblichen Gruppe Auszubildender, sondern lediglich von Oberschwester Leethveeschi begleitet, und zum anderen suchten die beiden nur die schwerkranken Patienten auf, wobei sie die längste Zeit an Morredeths Bett verbrachten, das nach wie vor von Sichtblenden und dem schalldichten Feld umgeben war.

Sie verweilten immer noch dort, als Horrantor und Bowab bereits auf dem Weg zum Waschraum waren und bei dieser Gelegenheit vor Hewlitts Bett stehenblieben. Der Duthaner ergriff als erster das Wort.

»Wir haben heute keine Lust, Scremman zu spielen«, sagte er. »Anscheinend weiß hier niemand genau, was Morredeth zugestoßen ist. Ich habe versucht, es von einer Krankenschwester zu erfahren, aber Sie kennen ja diese kelgianischen Plagegeister – entweder erzählen sie einem gleich die ganze Wahrheit über Gott und die Welt, oder sie schweigen wie ein Grab. Haben Sie eine Ahnung, was mit ihr passiert ist?«

Hewlitt fühlte sich immer noch mitschuldig an dem Vorfall, und er hätte lieber nicht darüber gesprochen. Diese beiden waren jedoch Morredeths Freunde oder zumindest während des Aufenthalts hier im Hospital ihre Leidensgenossen, so daß sie das Recht hatten, informiert zu werden. Zwar wollte er sie nicht anlügen, doch als Nichtkelgianer konnte er die Wahrheit wenigstens etwas zurechtstutzen.

»Naja, es gab einen Notfall«, setzte er vorsichtig an. »Die Schwester hat das Reanimationsteam gerufen und gesagt, Morredeths habe einen Stillstand beider Herzen. Als das Team eintraf, ist sofort ein schalldichtes Feld um das Bett errichtet worden, so daß ich keine Ahnung habe, was danach geschehen ist.«

»Wir müssen die ganze Nacht durchgeschlafen haben«, sagte Horrantor. »Die hudlarische Schwester ist doch eigentlich sehr nett und unterhält sichauch recht gern. Vielleicht erzählt sie uns, was los ist, wenn sie heute abend ihren Dienst antritt …« – sie hielt hme und deutete in Richtung des Personalraums. »Jetzt schauen Sie doch mal, wer da gerade mit Padre Lioren die Station herunterkommt … Thornnastor höchstpersönlich! Was macht der denn hier?«