Er ergab sich eine ganze Weile ihren Reizen, bis Amalaswintha das Kleid wieder anhob. »Lass uns zum Bett gehen«, sagte sie mit ihrer unvergleichlich lasziven Stimme, der er so sehr verfallen war. Sie öffnete sein Wams, streifte es ab und warf es zur Seite, während er mit den kleinen Knöpfen ihres Kleides kämpfte. Endlich waren ihre Brüste freigelegt. Er drückte Amalaswintha aufs Bett nieder und begann sie aufs Neue zu küssen, während sie mit kundiger Hand den Gürtel seiner Hose löste.
Wie sehr hatte er sich nach ihr gesehnt! Nach ihrem warmen Fleisch. Ihrer Leidenschaft. Ihrer … Der Vorhang am Eingang wurde geräuschvoll zurückgerissen, und ein unartikulierter Wutschrei hallte von den samtdrapierten Wänden.
Halb benommen vor Lust, drehte Hornbori sich um und wurde sofort ganz klar. Im Eingang stand Eikin, der Alte in der Tiefe, Fürst der Ehernen Hallen. Sein Gesicht war rot vor Zorn. Er zog seine Axt, doch einer der Krieger hinter ihm fiel ihm in den Arm.
»Du Natter«, schrie der Zwergenfürst.
Hornbori hob beschwichtigend die Hände. Fast hätte er es ist nicht, wie es scheint gesagt, doch dann wurde ihm klar, dass diese Situation an Eindeutigkeit kaum zu überbieten war. »Ich war nicht bei Sinnen«, stammelte er stattdessen. »Ich konnte ihr nicht widerstehen. Sie …«
»Er ist über mich hergefallen, mein Fürst!«, unterbrach ihn Amalaswintha entschieden. »Gut, dass Ihr gekommen seid, mein Fürst.«
»Aber …«, begann Hornbori.
»Schweig«, schrie ihm der Fürst zornbebend entgegen. Feine Speicheltropfen sprühten dabei von seinen Lippen. »Los, Männer! Packt dieses verräterische Stück Scheiße. Wie einen eigenen Sohn habe ich ihn aufgenommen, und nun hintergeht er mich, dieser elende Hurensohn. Schafft ihn mir aus den Augen und sperrt ihn weg! Und schwört bei eurer Ehre, dass niemand erfahren wird, was ihr hier gesehen habt.«
Die Wachen zerrten Hornbori aus dem Bett. »Ich kann das alles erklären! Es ist nicht so, wie es scheint!« Jetzt war der Schwachsinn doch über seine Lippen. Eikin trat vor ihn und verpasste ihm einen Fausthieb in die Magengrube.
»Ich habe mir schon zu lange dein Geschwätz angehört!« Er wandte sich an die beiden Wachen, die Hornbori festhielten. »Ihr werdet ihn weder verprügeln noch schneidet ihr ihm seinen verdammten Schwanz ab, der so gerne herumwildert, wo er nichts zu suchen hat. Sperrt ihn einfach weg. Zu gegebener Zeit werde ich ein Urteil über den Dreckskerl fällen.« Wie um seine Worte zu unterstreichen, verpasste er Hornbori noch einen zweiten Fausthieb in den Magen. Für sein Alter war er erschütternd stark.
»Ich …« Hornbori wurde aus dem Zimmer gezogen. Er gab es auf, gegen die Wachen anzukämpfen. Ihm war übel, und er befürchtete, sich jeden Augenblick zu übergeben.
Von der last, ein Fürst zu sein
Amalaswintha schob den haarigen Arm des Alten in der Tiefe von ihren Brüsten. Der Herrscher der Ehernen Hallen lag neben ihr und schnarchte mit weit offenem Mund. Sein grauer Bart war mit Tabakflecken gesprenkelt. Seine gelben Zähne standen ihm schief im Maul. Selbst jetzt, wo sie auf Armeslänge entfernt lag, roch sie noch den Fischgestank aus seinem Schlund. Beim Gedanken an die leidenschaftlichen Küsse, die sie getauscht hatten, wurde ihr übel.
Er besuchte sie regelmäßig, seit sie zurückgekehrt war, und sie gaukelte ihm vor, was für ein leidenschaftlicher Stier er noch sei. Es fehlte ihm auch keineswegs an Kraft und Ausdauer; wenn er sich nur öfter waschen würde und nicht vor dem Liebesspiel jedes Mal Heringe in sich hineinschaufeln würde. Ob er wohl dachte, die Fische würden ihm helfen, im Bett seinen Mann zu stehen?
Die Narben etlicher Kämpfe schmückten seine breite Brust. Hornbori war ganz anders. Er war stets gewaschen gekommen, hatte sich Duftöl in den Bart und die Haare gerieben. Sein Atem stank nie. Er war leidenschaftlich und zärtlich zugleich, hatte sich nicht einfach auf sie geworfen und losgelegt, sondern Spaß daran gehabt zu erkunden, wie er ihr Lust bereiten konnte. Er war eitel. Manchmal ein Schwätzer und doch unterhaltsam. Wie er seine Kameraden für seinen Aufstieg geopfert hatte, hatte sie schockiert. Sie hatte lange darüber gegrübelt. Das hätte sie besser nicht getan. Am Ende war sie zu dem Schluss gekommen, dass sie an seiner Stelle vielleicht dasselbe getan hätte.
Eikins Schnarchen wurde von einem gurgelnden Laut unterbrochen, und er legte ihr wieder den Arm über die Brust. Der Fürst war von Hornbori regelrecht überrollt worden. Mit seinem Charme und seinen Drachentötergeschichten hatte er in wenigen Tagen den Rat der Ältesten für sich eingenommen.
Den Titel Bewahrer der Goldenen Axt hatte Eikin eigens für Hornbori ersonnen. Er war nur Schall und Rauch, es hatte ihn zuvor gar nicht gegeben. Aber Hornbori hatte es verstanden, etwas daraus zu machen. Nicht einmal zwei Wochen hatte er dafür gebraucht. Er hatte Talent. Zu viel davon. Genauso dachte auch Eikin. Er war zutiefst beunruhigt über die rasch wachsende Popularität Hornboris im Rat. Darüber, wie leicht es ihm gefallen war, den Besitz der verloschenen Sippen aus der Tiefen Stadt an sich zu reißen. Darüber, wie er in die Zirkel der Mächtigen eingeladen wurde.
Bei ihrem letzten Treffen hatte Eikin ihr anvertraut, dass er befürchtete, Hornbori könne selbst das Amt des Alten in der Tiefe anstreben.
Der Fürst stieß einen besonders lauten Schnarcher aus, dann verharrte er still. Plötzlich richtete er sich auf und sah sie an. Er zwinkerte, dann kicherte er, was ihn erschütternd senil wirken ließ. »Das haben wir gut gemacht.«
Amalaswintha war sich nicht ganz sicher, ob er die Liebesnacht meinte oder das, was zuvor vorgefallen war. Sie zog es vor, den Ausspruch auf Hornbori zu beziehen. »Was wirst du mit ihm tun?«
»Ihn weiterempfehlen.« Eikin lachte in sich hinein. »Der Bastard hat es in der kurzen Zeit so weit gebracht, dass ich mit ihm nicht mehr tun kann, was ich gerne möchte. Meine Macht bröckelt. Dass Bailin davongelaufen ist … Und diese drei, die gar nicht mehr leben sollten, entkommen sind … Glaubst du, ich hätte das Todesurteil gerne gefällt? Das gehört zu den Pflichten, wenn man es ernst nimmt, der Schirmherr seines Volkes zu sein. Ich beschütze sie vor dem Übel. Und Galar und Glamir, die waren das Übel! Ich weiß nicht, ob du in ihre Pläne eingeweiht warst. Aber die Ehernen Hallen wären genauso im Drachenfeuer vergangen wie die Tiefe Stadt, wenn ich sie nicht aufgehalten hätte. Es ist meine Pflicht, für mein Volk zu sorgen, auch wenn mein Volk gar nicht versteht, was ich tue. Ja, wenn man mich sogar dafür hasst, wie ich mit Helden umgehe.«
»Ich verstehe nichts von dem, was du sagst.«
Der alte Fürst sah sie durchdringend an. »Du hast schon besser gelogen. Ich wette, du hast mit ihnen allen im Bett gelegen. Sogar mit Galar und sei es nur aus Neugier.«
»Wie kannst du das glauben?«, empörte sie sich.
»Du gehst mit mir altem Stinker ins Bett. Du küsst mich, sogar wenn ich müffle wie ein Fass alter Heringe. Hältst du mich für so dumm? Du könntest jeden Zwerg in diesem verdammten Berg haben. Warum also ich? Bestimmt nicht, weil ich so unvergleichlich gut im Bett bin. Da hättest du besser Hornbori hierbehalten, statt mir deine Magd Lamga zu schicken. Versteh mich nicht falsch, ich weiß es zu schätzen. Ich war überaus erfreut, als du zu mir kamst und vorgeschlagen hast, Hornbori auf diese Weise ans Messer zu liefern. Ich kann ihm zwar leider nicht den Kopf abhacken, aber jeder in der Stadt wird verstehen, wenn ich ihn verbanne.«
»Du hast deinen Wachen doch Stillschweigen befohlen.« Amalaswintha schwang sich aus dem Bett und ging zu dem Tischchen, auf dem der rote Barinstein glühte. Daneben stand eine Karaffe mit süßem Rotwein. Sie machte sich nicht erst die Mühe, ein Glas zu füllen, sondern trank direkt aus der Kristallkaraffe.
»Wachen und Waschweiber«, lamentierte Eikin. »Vertrau ihnen ein Geheimnis an, und binnen zwei Tagen weiß es der ganze Berg. Und genau so sollte es sein. Keiner wird sich wundern, wenn ich Hornbori die Ehre erweise, sich dem Heer der Alben anzuschließen. Ich werde betonen, dass er ein großer Held ist.«