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Aus den Augenwinkeln sah Hornbori einen Trupp Krieger mit Schlagstöcken und Äxten in ihre Richtung eilen. Unglaublich, wie Galar sich darauf verstand, sich schon in der ersten Stunde in einer fremden Stadt Feinde zu machen. Eigentlich würde er gerne zusehen, wie der stinkende Schmied das Fell gegerbt bekam, aber es bestand die Möglichkeit, dass die Wachen nicht mehr unterschieden, wer den Streit angefangen hatte und wer nur argloser Zuschauer war, wenn es erst einmal richtig zur Sache ging. Er war im selben Aal wie Galar gekommen, und der Ärger, der gerade heraufzog, würde auch ihn treffen.

»Mein Freund meint das nicht so.«

»Was?«, herrschte ihn der Krieger an, den Galar nun langsam am Kettenhemd in die Höhe hob. »Dass er mir die Zähne ausschlagen will oder wie er den Alten in der Tiefe beleidigt. Ihr seid dran, ihr …«

»Hör nicht auf den kleinen Schisser«, zischte Galar. »Der hat hier nichts zu melden!« Mit diesen Worten stieß er den Krieger gegen einen Stapel Fässer, die unter dem Aufprall bedenklich zu schwanken begannen.

Glamir verlagerte sein Gewicht auf sein gesundes Bein und hob drohend seine Krücke. Dabei huschte ein triumphierendes Lächeln über sein verunstaltetes Gesicht. Nyr reichte Frar an Amalaswintha und hob die Fäuste. Warum hatten diese Irren nur solchen Spaß daran, sich zu prügeln? Und warum saß er mittendrin, dachte Hornbori verzweifelt.

»Das ist alles nur ein Missverständnis«, stieß er verzweifelt hervor, während er sich unter einem Knüppelhieb hinwegduckte. Auch die Krieger, die ihren Kameraden zu Hilfe eilten, waren keine Freunde klärender Worte. Ohne sich mit irgendwelchen Fragen aufzuhalten, legten sie sofort los.

Galar schleuderte ihnen ihren Kameraden, der sich wieder auf ihn gestürzt hatte, entgegen und warf sich dann mit weit ausgebreiteten Armen ins Getümmel. Glamir rammte einem Axtträger seine Krücke ins Gesicht. Der Zwerg, der angesichts des Krüppels mit einem Holzbein vor ihm einen verhängnisvollen Augenblick lang gezögert hatte, büßte seine Rücksichtnahme nun mit einer gebrochenen Nase.

Hornbori blockte mit seiner unverwundbaren Faust einen Axthieb, der nur mit halber Kraft geführt war. Obwohl ihm der Treffer das Handgelenk stauchte, verfehlte der Auftritt seine Wirkung nicht. Der Krieger, ein bulliger, blonder Kerl mit rotem Gesicht, wich erschrocken vor ihm zurück.

»Das … Deine Hand … ist stärker als der Stahl …«

Hornbori kannte die Wirkung solcher Auftritte. Sogar Galar hatte seine Mordgelüste vergessen, als er das zum ersten Mal gesehen hatte. Dieser Griff in das merkwürdige Gemisch aus Koboldkäse und Drachenblut, damals als Galar in der Schmiede auf ihn losgegangen war, hatte sein Leben einschneidender verändert als irgendein anderes Ereignis. Bedauerlich war nur, dass es trotz aller Mühen nicht gelungen war, irgendwelche anderen Körperteile von ihm unverwundbar zu machen.

»Wie du siehst, können Waffen mich nicht verletzen«, sagte Hornbori mit gespielter Ruhe. »Was glaubst du, was diese Faust anzurichten vermag, wenn ich wirklich wütend werde.«

»Das sind die Drachentöter!«, rief der Axtschwinger. »Hört auf! Die Drachentöter sind zurück.«

Das Knäuel der Kämpfenden löste sich. Galar hatte ein blaues Auge, und Glamir lag am Boden, hatte seinem Angreifer aber gerade mit dem Holzbein in die Kronjuwelen getreten. Beide sahen so aus, als täte es ihnen leid, dass die Keilerei ein plötzliches Ende genommen hatte.

Amalaswintha drückte Nyr das Baby in den Arm und zischte einem der Schläger etwas ins Ohr. »Du bist …«, sagte er ungläubig.

»Ganz genau«, entgegnete sie selbstbewusst. »Ich bin Amalaswintha, gern gesehener Gast an der Tafel eures Fürsten. Amalaswintha, der ein eigener Tunnel in der Ehernen Stadt gehört, zwei der ertragreichsten Minen in dieser Gegend sowie eine wohlgefüllte Lagerhöhle, ein Kai in diesem Hafen und siebzehn von diesen verfluchten Aalen, in denen ich in meinem ganzen Leben hoffentlich nie wieder auch nur eine einzige Stunde verbringen muss.«

Obwohl ihr rotes Kleid sichtlich unter den Strapazen der Reise gelitten hatte und sie roch, wie man es nun einmal tat, wenn man zwei Wochen mit schwitzenden Zwergen in einem Aal verbracht hatte, gelang es ihr, all das vergessen zu lassen und wie eine Fürstin aufzutreten. »Im Übrigen bin ich mir sicher, dass es Eikin, der Alte aus der Tiefe, schätzen wird, wenn nicht die Runde macht, welche Gäste heute hier eingetroffen sind. Wenn die Himmelsschlangen erfahren, wer in den Ehernen Hallen weilt, dann wird auch dieser Ort das Schicksal der Tiefen Stadt teilen.«

Es war unübersehbar, welchen Eindruck Amalaswinthas Worte gemacht hatten. Der Axtträger rief seine Kameraden zurück, und in der Art, wie er sie nun ansah, hielten sich Bewunderung und Furcht die Waage. Alle Zwerge träumten davon, die Tyrannen vom Himmel zu holen, doch mehr noch fürchteten sie den Preis dafür.

»Ich werde euch ein Quartier suchen«, murmelte der blonde Krieger, der Hornbori eben noch mit der Axt niedermachen wollte. »Und ich schicke einen Boten zu Eikin. Ich … Verzeiht …«

»Sei’s drum.« Galar machte eine wegwerfende Handbewegung. »Wir brauchen kein Quartier. Wir nehmen den Tunnel von Amalaswintha als Unterkunft und …«

»Ganz sicher nicht!«, zischte die Zwergin. »Ich habe genug Zeit mit einem Dutzend lüsterner Zwerge in einem stinkenden Fass verbracht. Und nicht einer von euch hat den Blick abgewendet, wenn ich auf den Nachttopf steigen musste. Im Gegenteil, euch sind fast die Augen aus dem Kopf gefallen. Was mich angeht, will ich keinen von euch jemals wiedersehen!«

»Hab dich mal nicht so, Liebchen.« Glamir war wieder auf sein Bein gekommen und leckte sich über die Lippen. »Du hast doch wohl nicht unsere schönen Stunden miteinander in meinem Turm vergessen. Wenigstens mich solltest du in deinen Tunnel einladen. Ich hab auch nur mit einem Auge hingesehen, wenn du auf den Topf musstest.« Um seine Worte zu unterstreichen, hob er seine Augenklappe, sodass deutlich das vernarbte Loch zu sehen war, das anstelle seines rechten Auges geblieben war.

»Du wärst der Letzte, der bei mir über die Schwelle kommt. Erzählt euch nur untereinander eure Phantasien. Wahr ist, dass ich bei keinem einzigen von euch im Bett gelegen habe, ihr stinkende, nichtsnutzige Bande.« Mit diesen Worten zog sie davon. Nicht einer der Wächter machte den Versuch, sie aufzuhalten.

Hornbori sah ihr verblüfft und zugleich auch erleichtert nach. Er war sich ganz sicher gewesen, dass sie sich auf Glamir eingelassen hatte. Wie schön, dass er sich geirrt hatte. Nur was ihn anging, hatte sie gelogen. Zweimal war es ihm gelungen, sie zu umgarnen. Aber wer konnte einem so prächtigen Mannsbild, wie er es war, auch widerstehen?

Der blonde Krieger gab ihnen ein Zeichen, ihm zu folgen. Anfangs versuchte er, aus Glamir und Galar ein paar Geschichten über den Drachenkampf herauszubekommen, aber die beiden waren in mürrischer Stimmung und brachten kaum die Zähne auseinander. So nahm Hornbori es auf sich, von ihren Heldentaten zu berichten, wobei er darauf achtete, seine eigenen Taten ins rechte Licht zu rücken. Immer wieder fing er sich einen mörderischen Blick von Galar ein, doch der Schmied unterbrach ihn nicht, während er ausführlich von ihrem Kampf um die Tiefe Stadt berichtete. Bereits nach Kurzem erreichten sie einen Stollen, der zumindest zeitweise als Materiallager gedient haben musste. Neben verbogenen Spitzhacken und zerbrochenen Holzstielen gab es Hunderte leerer, schmutzstarrender Kohlensäcke. So wie sie da lagen, sah es aus, als wären sie schon als improvisierte Nachtlager genutzt worden.

Ihr Führer entschuldigte sich wortreich dafür, auf die Schnelle kein besseres Nachtlager für sie gefunden zu haben. Hornbori winkte ab. Alles war besser als der Aal.

»Warum ist der Heerbann einberufen worden?«, fragte Galar beiläufig und fläzte sich auf einem Stapel alter Säcke.

Der Krieger wirkte überrascht. »Ihr habt es wirklich nicht gehört? Albenkinder aller Völker wurden zu den Waffen gerufen. Ein großer Krieg auf Nangog steht bevor. Wie es scheint, bereiten sich die Menschenkinder darauf vor, von dort aus eine Invasion Albenmarks zu beginnen. Wir müssen ihnen unbedingt zuvorkommen.«