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Ist das wirklich tragisch?, fragte der Goldene. Es gibt genug Elfen. Opfern wir ein paar. Der Nutzen übertrifft den Schaden bei Weitem. Natürlich werden wir keine Drachenelfen einsetzen.

Nachtatem hasste seinen Nestbruder für diese Art. Auch der Smaragdene und der Frühlingsbringer schätzten diese kalte Vorgehensweise nicht. Sie hielten ihre Gefühle nicht zurück, ließen alle anderen Drachen an ihren Gedanken teilhaben.

Wir dürfen nie aus den Augen verlieren, was für einen Krieg wir hier führen, brachte die Stimme des Goldenen sie zum Schweigen. Er ist anders als jeder andere Krieg, von dem wir bisher auch nur gehört haben. Es geht um die völlige Vernichtung einer Seite. Nach der Katastrophe von Selinunt haben wir keine andere Wahl mehr, als bis zum bitteren Ende zu kämpfen.

Bei den letzten Worten sah er zu ihm hinüber. Alle anderen Blicke folgten. Nachtatem wusste, dass die Mehrheit der Himmelsschlangen vermutete, dass er etwas mit dem Fehlschlag in Selinunt zu tun hatte. Schließlich hatte er den abtrünnigen Drachenelfen Gonvalon bei sich aufgenommen. Jenen Elf, der das Signal zum Angriff gegeben hatte, obwohl sich die Devanthar nicht zur geplanten Zeit in Selinunt versammelt hatten.

Wer über Nangog herrscht, der wird bald über alle drei Welten herrschen, fuhr der Goldene fort. Die Menschen und Devanthar nutzen die Ressourcen dieser Welt, um stärker zu werden. Lassen wir sie noch einige Jahre gewähren, dann werden sie so mächtig sein, dass wir sie nicht besiegen können, wenn sie auch nach Albenmark greifen. Die Heere an Menschenkindern, die sie aufzubieten vermögen, sind ohne Zahl. Für einen Krieger von uns können sie zwanzig Menschen in die Schlacht schicken. Sie können uns buchstäblich unter den Leibern ihrer Toten begraben und immer noch weiterkämpfen, wohingegen wir Mühe haben werden, unsere Verluste zu ersetzen. Der Goldene ließ die Worte wirken. Was er sagte, war wahr, jeder von ihnen wusste das. Wenn sie es nicht schafften, die Devanthar zu vernichten, wenn sie auf Frieden hofften oder auch einfach nur abwarteten, was geschah, dann würden sie untergehen.

Was also willst du tun?, fragte der Flammende bedrückt, was ganz und gar nicht seiner sonst so aufbrausenden Art entsprach. Er wirkte niedergeschlagen, als hätte er sich bereits mit dem scheinbar Unausweichlichen abgefunden. Selbst die Farben seiner Schuppen, die sonst in allen Schattierungen zwischen einem dunklen Gelb und leuchtendem Karmesin erstrahlten, wirkten unter dem Sternenlicht matt, so als wäre sein Feuer verloschen.

Ich werde zweihundert unserer Krieger opfern, entgegnete der Goldene. Männer, auf die wir verzichten können. Die Hauptleute sind angewiesen, Querulanten und Faulpelze auszusuchen. Männer, die die Disziplin der Truppe untergraben, zudem Dummköpfe und Krüppel. All jene, um die es nicht schade ist, wenn sie schon zu Beginn des Feldzugs sterben. Wir werden sie wie einen Köder auswerfen. Sie sollen eine abgelegene Siedlung überfallen und den Feind dazu verleiten, mit aller Kraft zurückzuschlagen. Wir werden uns bemühen, ihnen vorzugaukeln, dass die Zahl unserer Krieger viel größer ist. Und sie sollen mindestens hundert Mann für einen von unseren schicken.

Ich verstehe, sagte der Nachtblaue, und ein gieriges Funkeln flammte in seinen Augen. Dann werden wir über die Menschenkinder herfallen. Sie mit unseren Flammen verbrennen und mit unseren Krallen zerfetzen. Sein Schwanz peitschte voller Vorfreude auf das Massaker den feinen Wüstensand auf.

Der Goldene schüttelte sein mächtiges Haupt. Nein, das wäre zu einfach. Darauf werden die Devanthar vorbereitet sein. Ich bin sicher, sie werden unser Eingreifen ebenso in ihrer Planung berücksichtigt haben wie wir das ihre. Wer zuerst auf dem Schlachtfeld erscheint, der läuft in einen Hinterhalt. Wir können in diese Schlacht nicht eingreifen.

Welchen Nutzen soll das Ganze dann haben?, fauchte der Nachtblaue übellaunig, und seine Gedanken schnitten wie Messer in ihre Köpfe. Wir opfern zweihundert Kämpfer und schenken den Menschenkindern einen leichten Sieg. Das wird schlecht für die Moral unserer Kämpfer sein.

Unser Weg, in diesem Krieg zu siegen, besteht darin, die Menschenkinder mit fünfzig Toten für einen von unseren Kriegern bezahlen zu lassen. Sie werden das vielleicht einige Jahre durchstehen, aber nicht für lange Zeit. Wenn wir das erreichen, dann werden die Devanthar gar keine andere Wahl haben, als den Menschen früher oder später auf dem Schlachtfeld zu Hilfe zu eilen. Und wer sich als Erster zeigt, der wird verwundbar sein. Sobald sie diesen Fehler machen, werden wir zuschlagen, und wir werden zu Ende bringen, was in Selinunt missglückt ist.

Der Dunkle spürte, wie der Goldene ihre Nestbrüder auf seine Seite zog. Sie wollten ihm glauben, denn von ihrem Sieg hing tatsächlich ihr Überleben ab. Er musste eingreifen. Entschuldigt meine Dummheit, aber ich habe immer noch nicht ganz verstanden, wie zweihundert Mann, und noch dazu die schlechtesten, die wir aufzubieten haben, ein solches Massaker anrichten sollen.

Das Massaker wird Nangog anrichten, entgegnete der Goldene triumphierend.

Nangog? Nachtatem genoss das ungläubige Staunen seiner Brüder. Nun war offenbar geworden, wie haltlos der Plan seines Bruders war. Sie ist nicht vollständig erwacht, und die Devanthar bemühen sich, sie wieder ganz und gar in Fesseln zu schlagen. Wie sollte sie uns helfen, ist sie doch nicht einmal in der Lage, ihren eigenen Kindern zu helfen, die allerorten niedergemacht werden.

Der Goldene hob den Kopf in einer Geste arroganter Überlegenheit. Aber ich sprach doch nicht von der Gefesselten Göttin. Auf sie zu hoffen wäre in der Tat töricht. Ich sprach von der Welt Nangog. Es ist die Wahl des Schlachtfeldes, die über den Verlauf der Kämpfe entscheiden wird. Dieses Schlachtfeld wird den Menschen so zusetzen, dass wir mit der zweiten Streitmacht, die wir einsetzen, sobald die Menschenkinder unseren Köder verschlungen haben, leichtes Spiel haben werden. Wir werden sie zu Hunderten töten, aber auch genügend von ihnen entkommen lassen, dass sich die Kunde über diese Niederlage wie ein Lauffeuer verbreitet und Furcht in ihre Herzen sät. Wir werden Folgendes tun …

Die Meisterin des Todes

»Gib mir die Axt. Schnell!«, zischte Galar.

Als Bailin sich nicht regte und wie versteinert die Trolle ansah, die auf sie zukamen, stürmte der Schmied vor, schrie aus Leibeskräften und winkte dabei mit den Armen.

»Der kleine Kerl glaubt, man kann uns erschrecken wie Wölfe«, sprach der Anführer und brabbelte danach noch etwas Unverständliches. Einer seiner Krieger deutete auf Glamir und sagte etwas. Allgemeines Gelächter folgte.

»Ich soll dich fragen, wer deinen Freund angefressen hat«, erklärte der Wortführer. »Scheint wohl nicht sonderlich zu schmecken. Den heben wir für magere Zeiten auf.« Während er sprach, kamen die Trolle weiter auf sie zu. Dabei schwangen sie die Keulen auf Kniehöhe hin und her.

Sie waren jetzt nur noch drei Schritt entfernt. Galar war sich bewusst, dass er damit schon in Reichweite der wuchtigen Keulen war. Mit etwas Glück könnte er die Hiebe unterlaufen und sich zwischen den unförmigen Beinen der Hünen hindurchducken. Aber was brachte das groß? Auch wenn er in ihrem Rücken stand, wäre er immer noch waffenlos. Vielleicht würde es ihm gelingen, das ganze Trollrudel abzulenken, und seine Gefährten könnten durch die Pforte entkommen.

»Schnapp mich, du Riesenhaufen Trollscheiße!«, rief Galar, machte einen Satz nach vorne und ließ sich fallen, als die Keule des Anführers in seine Richtung schwang. Er rollte nach vorne, kam in die Hocke und huschte zwischen den Beinen des Trolls hindurch. Im Halbdunkel sah er ein Stück hinter den Trollen eine schlanke schneeweiße Gestalt. Er wollte gerade herumfahren, als ihn ein Tritt traf.