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Galar atmete langsam aus. Es brachte nichts, sich das Hirn mit Fragen zu zermartern. Er blickte die lange Reihe seiner neuen Kameraden an. Vor ihnen lagerten die Trolle. Drei Schritt hohe, grauhäutige Hünen, die am Berghang einen Weg durch den hohen Neuschnee gebahnt hatten. Sie waren äußerst gereizt, denn die Elfen hatten ihnen befohlen, alle schwere Ausrüstung der Expedition zu tragen. Zehn der neuen Speerschleudern und dazu etwa hundert große Lederköcher, in denen jeweils zwanzig Speere für die Geschütze steckten. Es war Galar schleierhaft, wofür sie so viel Feuerkraft brauchten.

Die Trolle nannten die Speerschleudern Waffen für Feiglinge! Für sie war es eine Frage der Ehre, jedem Gegner von Angesicht zu Angesicht entgegenzutreten. Galar schnaubte. Das würde er auch so sehen, wenn er drei Schritt groß wäre.

»Siehst du, wie diese Rattengesichter uns beobachten?«, raunte Glamir. »Die warten nur auf eine Gelegenheit, uns in den Rücken zu schießen. Spätestens wenn diese verdammte Elfe verreckt ist, sind wir dran. Und das wird nicht lange dauern. Wie kann man ohne ein Schwert in die Schlacht ziehen? Ihre Arroganz wird noch mal ihr Untergang sein!«

»Und was schert es uns Zwerge, wenn die Elfen untergehen?«, fragte Bailin. »Das kann uns doch nur recht sein.«

»Mich schert, dass wir von ihr in die Schlacht geführt werden und mit ihr zusammen untergehen!«, raunzte Glamir. »Schau mal nach hinten. Die haben diese ganzen dreckigen Kobolde mit Windenarmbrüsten ausgerüstet. Wenn Ailyn nicht mehr unter uns weilt, eröffnen die sofort das Feuer auf uns.«

»Ob die Trolle wohl dasselbe von uns denken?«

Alle drei sahen Nyr an, der die Frage gestellt hatte.

»Wie kommst du darauf, dass Trolle überhaupt denken?« Glamir grinste breit. »Die sind nur Fleisch.«

»Die drehen sich auch dauernd zu uns um und tuscheln. Und mit den Speerschleudern könnten wir auch Trolle über den Haufen schießen.«

»Fällt dir der kleine Unterschied zwischen den Trollen, uns und den verfluchten Eisbärten auf?«, fragte Bailin ruhig. »Die Trolle tragen die Waffen, mit denen wir ihnen was antun könnten. Die verfluchten Kobolde aber halten die Waffen, mit denen sie uns hinterrücks niederschießen könnten, schon in den Händen.«

»Bist du sicher, dass Trollen dieser kleine Unterschied auffällt. Die sind doch nur Fleisch.«

Galar war überrascht, wie sehr sich Nyr für die Trolle einsetzte. Vom kleinen Frar getrennt zu sein bekam ihm offensichtlich nicht gut. Er war reizbar geworden und hatte seltsame Ideen.

Missmutig blickte Galar den Hang hinab zu den Kobolden. Es waren ganz sicher mehr als hundert. Sie wuselten durcheinander, tuschelten und blickten mit ihren harten, schwarzen Augen den Hang hinauf. Galar glaubte, den Hass in den Augen sehen zu können. Die Mistkerle waren gut ausgerüstet. Ihre Winterkleidung hatten sie selbst mitgebracht. Dicke, mit Wolle gepolsterte Steppmäntel. Mützen, gefüttert mit dem Fell von Schneehasen, und kniehohe, weiße Stiefel. Dazu trugen sie weiße Fransenschals, die ihnen den Spitznamen Eisbärte eingebracht hatten. Wenn sie sich in den Schnee warfen, verschmolzen sie mit der Umgebung. Neu waren nur die Windenarmbrüste, die sie vom Elfenschmied Gobhayn bekommen hatten. Und auch diese hatten sie mit weißer Farbe eingeschmiert. Ein paar der Kobolde trugen auffällige, rote Wollmützen, die so gar nicht zu ihrer Tarnkleidung passten. Galar hatte Geschichten über diese Mützen gehört – angeblich waren sie im Blut toter Zwerge rot gefärbt worden. Wenn das stimmte, hatten sie zwei Dutzend Zwergenmörder im Rücken, sobald sie in die Schlacht zogen. Galar schauderte es bei dem Gedanken. Bislang hatte er mit keinem der Kobolde auch nur ein Wort gewechselt. Für ihn sahen die kleinen Mistkerle ohnehin alle gleich aus.

Wenn er auf die fünfzig Zwerge blickte, zu denen er gehörte, musste er sich eingestehen, dass die verdammten Eisbärte auf einen Winterkrieg besser vorbereitet waren. Von den Zwergen hatte sich keiner getarnt. Sie trugen wehende Umhänge, meist rot oder blau, über polierten, knielangen Kettenhemden. Darunter die gepolsterten Waffenröcke, die sie warm hielten. Sie waren ein von Weitem sichtbarer Farbklecks auf diesem weißen Hang. Die grauhäutigen Trolle mochten von ferne als Granitfelsen durchgehen. Ailyn trug ebenfalls Weiß. Nur sie waren ganz ohne Tarnung. Steckte da Absicht dahinter? Er sah zur Elfe. Wenn es nur endlich losgehen …

Er hatte den Gedanken noch nicht beendet, als sich eine Schlange aus rotem und eine zweite Schlange aus gelbem Licht aus dem Schnee erhoben. Es lag eine Spannung in der Luft wie an einem schwülen Sommerabend. Die Haare seines Bartes sträubten sich. Die Trolle vor ihm grunzten unruhig, während die beiden Schlangen ihre Häupter einander zuneigten, sodass ein Torbogen entstand, ausgefüllt von undurchdringlicher Dunkelheit.

»Jetzt!«, rief Ailyn. »Und weicht nicht vom Weg ab!« Sie wiederholte den Befehl noch in der Sprache der Trolle und dem Kauderwelsch, in dem sich die Kobolde unterhielten.

Mutig waren sie, die verdammten Trolle, dachte Galar, während er zusah, wie die Hünen, ohne zu zögern, durch das Tor stürmten. Die Zwerge folgten mit etwas weniger Enthusiasmus. Galar hielt sich an Glamirs Seite. Der Weg aus goldenem Licht war dem Schmied unheimlich. Er konnte sehen, dass dieses Licht wohl fest wie Stein sein musste, denn es trug die Zwergenkrieger, die vor ihm gingen, so sicher wie eine gepflasterte Straße. Als er den ersten Fuß auf den magischen Pfad setzte, versank er ein wenig. Es fühlte sich an, als träte er auf eine Wiese, die gerade erst von Schafen abgeweidet war, wo das kurze Gras die Schritte federn ließ.

»Aale sind mir lieber«, murrte Glamir neben ihm und tastete mit seiner Krücke vorsichtig über den Weg.

»Macht voran, ihr Feiglinge!«, rief irgendwo hinter ihnen ein Kobold.

Glamir fluchte und stakste weiter.

Voraus erklangen wütende Schreie. Jemand kreischte wie eine angestochene Sau. Und dann erscholl der tiefe, markerschütternde Schlachtruf der Trolle. Galar löste die Axt von seinem Gürtel, während die Männer hinter ihm vorwärtsdrängten.

Rechts und links des Goldenen Pfades, auf dem sie schritten, herrschte undurchdringliche Finsternis. Galar wusste aus den Erzählungen über die Albenpfade, dass sie wie Brücken über einen bodenlosen Abgrund waren. Wer hier einen falschen Schritt machte, war rettungslos verloren.

Der Schlachtlärm voraus wurde lauter. Galar sah ein Stück roten Himmel. Die andere Seite war also nicht mehr fern! Die Trolle schienen schon alle durch das magische Tor zu sein. Der Druck der nachschiebenden Zwerge wurde größer. Glamir kam auf seiner Krücke zu langsam voran. Es war unverantwortlich, den verstümmelten Schmied aus den Ehernen Hallen mit in eine Schlacht zu nehmen.

Bailin erschien hinter ihnen. Mit seitlich ausgestreckten Armen versuchte er, etwas von dem Druck auf sich zu nehmen.

»Ich schaffe das!«, erklärte Glamir atemlos. Ihm stand die Verzweiflung ins Gesicht geschrieben. Er wusste nur zu gut, dass er ein Hindernis war.

Plötzlich erschien eine Gestalt keine fünf Schritt entfernt in der Finsternis. War das ein Menschenkind? Es lief vom roten Himmelslicht voraus davon. Tränen rannen ihm über die Wangen. Der Mann hatte ein abgehärmtes, dunkles Gesicht ohne jeden Bart. Sein schwarzes Haar reichte ihm bis zu den Schultern. Er trug eine dicke Fellweste und hatte Wollbänder um die Beine gewickelt. Einen, zwei Herzschläge sah Galar den Flüchtling, dann verschwand der Mann im Dunkel. Es gab einen zweiten Albenpfad, der in spitzem Winkel zu ihrem Weg auf das Tor zulief! Jetzt kamen noch weitere Menschen. Einige waren verletzt. Alle blickten immer wieder verängstigt über die Schulter.

Eisiger Wind schnitt Galar ins Gesicht. Er trat aus der Leere zwischen den Welten auf eine weite, verschneite Ebene mitten in ein wütendes Gefecht. Vor dem Tor war der Schnee von Blut durchtränkt. Schreie gellten dem Zwerg in den Ohren.