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Barrows zuckte mit den Schultern. »Diese Idee ist eine Million Dollar wert. Mindestens. Wenn sie Ihnen nicht zusagt, lassen Sie’s. Aber eins sage ich Ihnen: Geld bringen Ihnen Ihre Puppen mit dieser Bürgerkriegssache nur so ein. Ich würde sie ja ganz anders einsetzen. Ich weiß, woher Sie Ihren Ingenieur Robert Bundy haben. Er hat vorher bei der Federal Space Agency an deren Simulacra gearbeitet. Die Stanton und die Lincoln sind nur geringfügige Modifikationen von Regierungsapparaturen.«

»Weitreichende Modifikationen«, korrigierte Maury heiser. »Die staatlichen Simulacra sind einfach nur Maschinen, die über eine atmosphärelose Oberfläche krabbeln, auf der der Mensch nie leben könnte.«

»Ich werde Ihnen sagen, was mir vorschwebt, Mr. Rock. Können Sie Simulacra herstellen, die wie Freunde daherkommen?«

»Bitte?«

»Simulacra, die genauso aussehen wie die Familie von nebenan. Eine freundliche, hilfsbereite Familie, die man gern als Nachbarn hat. Leute, wie man sie aus seiner Kindheit in Omaha, Nebraska oder sonstwo kennt.«

»Sie meinen, Sie wollen sie als Massenware verkaufen.«

»Nicht verkaufen. Verschenken. Die Kolonisierung muss endlich in die Gänge kommen, sie ist schon viel zu lange hinausgezögert worden. Aber der Mond ist kahl und unwirtlich, es ist schwer, irgendjemanden zu finden, der den Anfang macht. Sie kaufen Land, aber niemand lässt sich darauf nieder. Wir wollen dort Städte entstehen lassen. Um das zu ermöglichen, müssen wir für eine erste Besiedlungswelle sorgen.«

»Und werden die echten Siedler wissen, dass ihre Nachbarn bloß Simulacra sind?«, fragte ich.

»Selbstverständlich.«

»Sie würden sie nicht zu täuschen versuchen?«

»Nein«, warf Blunk ein. »Das wäre Betrug.«

Maury und ich wechselten einen Blick.

»Sie würden ihnen Namen geben«, sagte ich. »Gute alte amerikanische Namen. Die Edwards – Bill und Mary Edwards und ihr Sohn Tim, der sieben ist. Sie ziehen zum Mond. Sie haben keine Angst vor der Kälte und der fehlenden Atemluft und den kahlen Einöden.«

Barrows betrachtete mich neugierig.

»Und während mehr und mehr Menschen anbeißen, können Sie heimlich, still und leise die Simulacra wieder zurückziehen. Die Edwards und die Jones und alle anderen – sie würden ihre Häuser verkaufen und wegziehen.

Bis Ihre Parzellen schließlich alle von richtigen Menschen bewohnt sind. Und niemand hätte es je mitbekommen.«

»Ich würde mich nicht darauf verlassen, dass das gut geht«, sagte Maury. »Irgendein echter Siedler könnte versuchen, mit Mrs. Edwards ins Bett zu gehen, und dann würde er es rauskriegen. Man weiß ja, wie es in derartigen Siedlungen zugeht.«

Blunk grinste schmierig. »Wunderbar!«

»Ich bin überzeugt davon, dass es funktionieren würde«, sagte Barrows ruhig.

»Was bleibt Ihnen anderes übrig? Ihnen gehören diese ganzen Parzellen Land da oben. Und die Leute haben offenbar keine Lust auszuwandern. Ich dachte eigentlich, dass nur die strengen Gesetze sie daran gehindert haben.«

»Ja, die Gesetze sind streng. Aber wir wollen uns doch nichts vormachen. Sobald man die Gegend dort oben gesehen hat… Die meisten Menschen haben nach zehn Minuten genug. Ich bin selbst oben gewesen. Und ich habe nicht vor, noch mal hinzufliegen.«

»Nun, danke für die offenen Worte, Barrows«, sagte ich.

Er sah mich an. »Ich weiß, dass die Regierungs-Simulacra auf der Mondoberfläche gut funktioniert haben. Und ich weiß, was Sie hier haben: eine Modifikation dieser Simulacra. Ich will also nur, dass Sie eine weitere Modifikation vornehmen. Irgendein anderes Arrangement steht nicht zu Debatte. Von der Planetenerkundung abgesehen ist der Marktwert Ihrer Simulacra gleich null. Diese ganze Bürgerkriegsgeschichte ist doch Quatsch. Wenn Sie mit mir ins Geschäft kommen wollen, dann nur so, wie ich es gerade umrissen habe.«

Ich starrte Barrows mit offenem Mund an. Meinte er das wirklich ernst? Simulacra, die sich als menschliche Kolonisten ausgaben und auf dem Mond wohnten, um die Illusion einer aufblühenden Stadt zu schaffen? Wohnzimmer mit Mutter-Vater-Kind-Simulacra, die so taten, als ob sie zu Abend äßen und auf die Toilette müssten? Was für eine schreckliche Vorstellung. Damit also wollte der Mann aus seinen Schwierigkeiten herauskommen. Sollten wir uns davon abhängig machen?

Maury paffte betrübt an seiner Zigarre; seine Gedanken bewegten sich zweifellos in eine ähnliche Richtung.

Und dennoch verstand ich Barrows’ Position. Er musste Menschen in großer Zahl davon überzeugen, dass die Auswanderung zum Mond erstrebenswert war; seine wirtschaftliche Zukunft hing davon ab. Und wer weiß, vielleicht heiligte der Zweck ja die Mittel. Die Menschheit musste ihre Angst besiegen, musste zum ersten Mal in ihrer Geschichte in eine extraterrestrische Umwelt vordringen. Damit ließ sie sich vielleicht überzeugen. Rein materiell betrachtet würde es ja an nichts fehlen – nur die psychische Realität war eben furchtbar, die Ausstrahlung der lunaren Umwelt. Nichts, das lebte, nichts, das wuchs, alles blieb ewig gleich. Ein hell erleuchtetes Haus nebenan, mit einer Familie, die am Frühstückstisch saß und vergnügt plauderte – Barrows konnte das zur Verfügung stellen, wie er Luft, Wärme und Wasser zur Verfügung stellen würde.

Das musste man ihm lassen: Es war eine glänzende Idee, bis auf einen einzigen Unsicherheitsfaktor. Offensichtlich würde jede Anstrengung unternommen werden, das Geheimnis zu wahren. Doch wenn diese Anstrengungen versagten, wenn die Sache ans Licht kam, drohte ihm der finanzielle Ruin, ja vielleicht würde er sogar ins Gefängnis dafür kommen. Und wir – mitgefangen, mitgehangen.

Wie viel von Barrows’ Imperium war noch auf diese Weise entstanden? Schöne Fassaden, die eine arglistige Täuschung verbargen…

Es gelang mir schließlich, unsere Gäste zu überreden, die Nacht in einem Motel in der Nähe zu verbringen und erst tags darauf nach Seattle zurückzufliegen. Dann zog ich mich zurück und rief meinen Vater in Boise an.

»Er will uns da in etwas hineinziehen, das zu groß für uns ist«, erzählte ich ihm. »Wir sind diesem Burschen nicht gewachsen.«

Mein Vater klang schläfrig; offenbar war er bereits im Bett gewesen. »Dieser Barrows, ist er gerade da?«

»Ja. Und er ist brillant. Er hat sogar mit der Lincoln debattiert und ist überzeugt, gewonnen zu haben. Vielleicht hat er ja gewonnen. Er hat Spinoza zitiert, über Tiere, die nichts als schlaue Maschinen sind. Nein, das war die Lincoln, nicht Barrows. Hat Spinoza das tatsächlich gesagt?«

»Bedauerlicherweise.«

»Wann kannst du kommen?«

»Heute Nacht nicht mehr.«

»Dann morgen. Sie bleiben über Nacht. Wir machen Schluss für heute und setzen uns morgen wieder zusammen. Wir brauchen deinen Humanismus, also sieh zu, dass du morgen da bist.«

Ich legte auf und ging zu den anderen zurück. Die fünf – sechs, wenn man das Simulacrum mitrechnete – waren am Plaudern.

»Wir gehen noch um die Ecke einen Schlummertrunk nehmen«, sagte Barrows zu mir. »Sie kommen doch bestimmt mit.« Er sah die Lincoln an. »Die hätte ich auch gern dabei.«

Ich ächzte, erklärte aber mein Einverständnis.

Kurz darauf saßen wir in einer Bar. Die Lincoln hatte während unserer Bestellung geschwiegen, doch Barrows hatte ihr einen Tom Collins geordert. Nun gab er ihr das Glas.

»Cheers«, sagte Blunk zu der Maschine und hob seinen Whisky Sour.

»Ich bin zwar kein Abstinenzler«, entgegnete sie mit ihrer merkwürdig hohen Stimme, »aber ich trinke nur selten etwas.« Sie nahm ihren Drink misstrauisch in Augenschein und nippte daran.

»Ihr Jungs hättet festeren Boden unter den Füßen gehabt«, ließ sich Barrows vernehmen, »wenn ihr eure Position besser ausgearbeitet hättet. Aber dafür ist es jetzt zu spät. Was immer eure menschengroße Puppe als vermarktbare Idee wert ist – die Idee, sie in der Raumforschung einzusetzen, ist mindestens genauso viel wert, vielleicht sogar mehr. Also heben die beiden Ideen sich gegenseitig auf. Seht ihr das nicht auch so?« Er sah uns an.