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»Oh ja, durchaus, von dem Verlangen, dich zu töten. Sie wurde als ein Wesen erschaffen, das in seinem Tun vollkommen chaotisch ist, sodass man ihm unmöglich etwas entgegensetzen kann. Man könnte sagen, du hast dich als so schwieriger Gegner erwiesen, dass Jagang gezwungen war, etwas zu ersinnen, das durch Umgehung deiner beeindruckenden Begabungen funktioniert, statt sie zu übertreffen.«

»Aber wenn die Bestie geschaffen wurde, um mich zu töten, dann hat sie doch ein Ziel.«

Shota zuckte mit den Achseln. »Wohl wahr, nur wird dir diese eine Information nicht helfen, exakt vorherzusagen, wie, wann oder wo sie einen dementsprechenden Versuch unternehmen wird. Wie du mittlerweile begriffen haben solltest, sind ihre Handlungen hinsichtlich dieses Ziels dem Zufall überlassen. Die Gefährlichkeit dieser Taktik liegt auf der Hand.«

»Aber Ihr seid doch eine Hexe«, warf Cara ein. »Ihr könnt ihm doch bestimmt einen Hinweis geben, der ihm hilft, sich gegen diese Bestie zu wehren.«

»Meine Talente gehen zum Teil auf die Fähigkeit zurück, Ereignisse im Fluss der Zeit zu sehen, man könnte sagen: zu sehen, wohin sie sich bewegen. Da die Blutbestie aber in ihrem Handeln unvorhersehbar ist, vermag ich sie mit meiner Fähigkeit, Vorhersagen zu treffen, nicht zu erfassen. In gewisser Weise steht diese Fähigkeit in enger Verbindung mit den Prophezeiungen. Auch Richard ist jemand, der für die Prophezeiungen nicht recht greifbar ist, er ist ein Mann, dessen Tun von anderen oft als frustrierend unberechenbar empfunden wird – wie die Mord-Sith zweifellos herausgefunden haben. Deshalb kann ich ihm hinsichtlich der Bestie keinen Rat geben, der sich auf mögliche Ereignisse oder Dinge bezieht, die er unbedingt vermeiden sollte.«

»Demnach wären also auch die Bücher der Prophezeiungen nutzlos?«, fragte Richard. »So wie auch ich sind alle Prophezeiungen blind gegen diese Bestie. Die Prophezeiungen können eine Blutbestie ebenso wenig erkennen, wie sie ein ausschließlich den Gesetzen des Chaos unterworfenes, zufälliges Ereignis erkennen können. Eine Prophezeiung mag imstande sein vorherzusagen, dass eine bestimmte Person am Morgen eines regnerischen Tages von einem Pfeil getroffen wird, aber weder vermag sie jeden einzelnen Regentag vorherzusagen, noch kann sie benennen, an welchem der Tage, an denen es regnet, dem Regen ein Pfeil vorausgehen wird. Das hieße also, die Prophezeiungen können bestenfalls vorhersagen, dass es früher oder später regnen wird und du dann nass werden wirst.«

Richard nickte, wenn auch sichtlich widerstrebend. »Ich muss gestehen, das deckt sich weitgehend mit meiner Ansicht über Prophezeiungen – sie können zwar vorhersagen, dass am nächsten Tag die Sonne aufgeht, nicht aber, was man mit diesem Tag anfangen wird.«

Er betrachtete sie missmutig. »Mit anderen Worten, Ihr könnt mir nichts über das künftige Verhalten dieser Bestie sagen, weil Euer Talent auf den Fluss der Zeit beschränkt ist.« Als sie daraufhin nickte, fragte er: »Wie kommt es dann, dass Ihr so viel über sie zu wissen scheint?«

»Der Strom der Ereignisse im Fluss der Zeit ist nicht mein einziges Talent«, lautete ihre recht rätselhafte Erwiderung.

Richard, der nicht mit ihr streiten wollte, seufzte nur. »Das ist also alles, was Ihr mir sagen könnt.«

Shota nickte. »Das ist alles, was ich dir über die Blutbestie und die Bedeutung, die ein solches Wesen für dich hat, sagen kann. Immer vorausgesetzt, sie überlebt, wird sie dich früher oder später erwischen. Wegen ihrer Unvorhersehbarkeit lässt sich allerdings nicht einmal dieser Ausgang mit Sicherheit vorhersagen. Wann, wo und wie bald sie dich erwischen wird, kann niemand wissen. Es könnte schon heute sein, aber ebenso gut könntest du, nach meinen Kenntnissen, längst an Altersschwäche gestorben sein, ehe es ihr gelingt, dich aufzuspüren und zu töten.«

»Na, wenigstens besteht diese Möglichkeit auch«, murmelte Richard. »Das ist nicht eben viel, um seine Hoffnungen darauf zu setzen«, erwiderte sie in verständnisvollem Ton. »Zeit deines Lebens, Richard, solange Blut in deinen Adern fließt, wird die Blutbestie Jagd auf dich machen.«

»Wollt Ihr damit andeuten, sie findet mich über mein Blut? So wie ein Herzhund einen Menschen über das Geräusch seines schlagenden Herzens aufspüren kann?«

Sie hob eine Hand, als wollte sie den Gedanken bereits im Keim ersticken. »Nun, sie hat in gewisser Weise von deinem Blut gekostet, nur ist dein Blut, so wie du es verstehst, nicht das, was für diese Bestie von Bedeutung ist. Ausschlaggebend ist vielmehr, welche Wahrnehmung sie mit dieser Kostprobe verbindet, nämlich die deiner Abstammung.

Von deiner Existenz wusste sie auch vorher schon, schließlich hatte sie auch früher schon Jagd auf dich gemacht. Die allererste Anwendung deiner Gabe genügte, um sie für alle Ewigkeit an dich zu ketten. Was sie gespürt und letztendlich bewogen hat, sich zu verändern, ist die in deinem Blut enthaltene Gabe.«

Richard hatte so viele Fragen, dass er nicht wusste, wo er anfangen sollte, also begann er mit der, die seiner Ansicht nach am leichtesten verständlich sein müsste. »Inwiefern ist sie mit der Unterwelt verbunden? Gibt es einen bestimmten Grund dafür?«

»Mehrere, soweit mir bekannt ist. Die Unterwelt ist ewig. In der Ewigkeit ist Zeit bedeutungslos, somit hat Zeit auch für die Bestie keinerlei Bedeutung. Demzufolge steht sie bei dem Versuch, dich zu töten, nicht unter Zeitdruck. Zeitdruck wiederum würde ihrem Tun eine bewusste Absicht, eine Zielgerichtetheit verleihen, die ihr so etwas wie ein Wesen geben würde. Es ist keineswegs so, dass sie bei jedem Sonnenuntergang den Drang verspürt, ihre Mission endlich zum Abschluss zu bringen. Für sie ist ein Tag wie der andere, ihre Tage ziehen sich in endloser Folge dahin.

Weil ihr aber jedes Zeitgefühl abgeht, bedarf es keines Wesens. Für alle Lebewesen ist Zeit ein Teil dessen, was ihnen Bedeutung verleiht, sie ist das Element, welches das Wesen aller Dinge gestalten hilft. Selbst eine Motte, die für ihr beflügeltes Leben von gerade mal einem Tag Dauer aus ihrem Kokon schlüpft, muss sich während dieses einen Tages paaren und Eier ablegen, oder es wäre das Ende ihrer Art. Die Blutbestie dagegen unterliegt nicht dem Einfluss der Zeit. Ein wesentliches Element ihrer Veranlagung ist die Ewigkeit der Unterwelt, die im Widerspruch zum Gedanken der Schöpfung steht, da die Unterwelt die Vernichtung der Schöpfung ist. Diese Mischung, dieser innere Konflikt, ist Bestandteil jenes Antriebsmechanismus, der ihr Handeln so chaotisch macht. Als Nicci subtraktive Magie verwendete, um das Blutgerinnsel aus deinem Körper zu entfernen, erhielt die Bestie über seine Wurzeln in der Unterwelt eine Kostprobe von dir, oder präziser, eine gewisse Dosis deiner Magie.

Nun ist in deinem Blut sowohl additive als auch subtraktive Magie enthalten. Die Bestie wurde so erschaffen, dass sie dich anhand deiner Essenz, nämlich der Magie, erkennen kann, was es ihr ermöglichte, die üblichen Grenzen zwischen den Welten zu überschreiten. Sie war darauf angewiesen, dass du erst einmal Magie benutzt, um Verbindung mit dir aufnehmen zu können, eine Verbindung, die es ihr ermöglichte, Jagd auf dich zu machen. Doch mit der Kostprobe deines Blutes taten sich auf einmal ganz neue Möglichkeiten für sie auf, dich zu erkennen.

Denn was die Bestie in diesem Moment zu schmecken bekam, war die einzigartige in deinem Blut enthaltene Magie, wie sie dir von Zedds und von Darken Rahls Seite vererbt worden ist. Diese Kostprobe war es schließlich, die die Mutation der von Jagangs Günstlingen erschaffenen Bestie bewirkte. Sie nimmt nicht etwa das Blut selbst wahr, sondern sie spürt die Elemente der ihm innewohnenden Magie. Aus diesem Grund wird jede Verwendung von Magie die Bestie anlocken und sie zunehmend gefährlich machen, denn von nun an kann sie jede Verwendung deiner Magie überall auf der Welt aufspüren. Die Magie eines Menschen ist einzigartig, und deine ist der Bestie jetzt bekannt. Deswegen darfst du unter keinen Umständen Gebrauch von deiner Gabe machen. Es war Nicci, die der Bestie gegeben hat, was sie wirklich benötigte – kurz nachdem sie durch deinen ersten Gebrauch deiner Gabe zum Leben erweckt worden war. Schon möglich, dass sie es getan hat, um dir das Leben zu retten, schon möglich, dass sie keine andere Wahl hatte, aber getan hat sie es. Jede Anwendung deiner Magie vermag die Blutbestie von jetzt an noch müheloser auf deine Spur zu locken. Fast hat es den Anschein, als hätte Nicci mit ihrer Tat in gewisser Hinsicht ihren Eid als Schwester der Finsternis erfüllt.«