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Nicci dankte ihr mit einem kurzen Nicken für ihre Unterstützung. Richard, der die Luft angehalten hatte, atmete erleichtert aus. »Und was könnt Ihr mir sonst noch über dieses Wesen erzählen?«

»Nichts allzu Aufschlussreiches, fürchte ich. Besagte Schwester erzählte mir, die Schwestern, die mit der Erschaffung von Waffen aus Menschen herumexperimentierten, hätten diesen Nicholas nur erschaffen, um im Vorfeld, vor dem Beginn ihrer eigentlichen Arbeit, einige Details zu klären. Trotzdem sind bei den Arbeiten zur Erschaffung des Schleifers einige von ihnen ums Leben gekommen sodass Jagang angesichts der großen bereits früher entstandenen Verluste jetzt allmählich an den Punkt gelangt, wo ihm die Schwestern ausgehen. Die Erschaffung dieser Bestie war offenbar weitaus komplizierter und schwieriger als die Erschaffung eines Schleifers, aber angeblich hat der Erfolg die Mühe gelohnt. Ich vermute, dass er irgendwann im Verlauf der Arbeiten Order gegeben hat, das Verfahren abzukürzen, wodurch wiederum die Unterwelt ins Spiel gebracht wurde. Wenn wir dieses Wesen bekämpfen wollen, müssen wir so viel wie möglich über diese Kreatur in Erfahrung bringen – und zwar, bevor sie unser habhaft wird. Und in Anbetracht dessen, was den Männern widerfahren ist, glaube ich nicht, dass uns dafür sehr viel Zeit bleibt.«

Was sie eigentlich meinte, aber nicht gesagt hatte, war, dass er seine in ihren Augen sinnlosen Fantasien über diese Kahlan aufgeben und sich stattdessen mit seiner ganzen Kraft und Konzentration dieser gefährlichen Schöpfung Jagangs widmen sollte.

Stattdessen antwortete er, in einem ruhigen Ton, der seine Überzeugung und Entschlossenheit ausdrücken sollte:

»Ich muss Kahlan finden.«

»Wenn du erst tot bist, kannst du gar nichts mehr tun«, entgegnete Nicci trocken. Richard streifte den Waffengurt ab und lehnte die polierte Scheide mit dem Schwert der Wahrheit an den Felsen. »Aber wir wissen doch nicht einmal, ob es sich bei dem, was die Männer dort hinten getötet hat, tatsächlich um diese Bestie gehandelt hat, von der Ihr sprecht.«

»Was willst du damit sagen?«, fragte Nicci.

»Nun ja, wenn sie mich finden kann, sobald ich meine Gabe benutze, wieso hat sie dann die Männer angegriffen? Freilich, an genau derselben Stelle hatte ich von meinen magischen Talenten Gebrauch gemacht, aber der Überfall erfolgte erst drei Tage später. Wenn sie mich angeblich am Gebrauch meiner Kraft erkennen kann, wieso ist sie dann über die Männer hergefallen?«

»Vielleicht hat sie einfach gedacht, Ihr wärt bei ihnen«, schlug Cara vor. Nicci nickte. »Cara könnte Recht haben.«

»Vielleicht. Aber wenn sie mich am Gebrauch meiner Gabe erkannt hatte – und Ihr diesem Wesen darüber hinaus noch eine Kostprobe meines Blutes gegeben hattet –, wieso wusste es dann nicht, dass ich nicht bei den Männern war?«

Nicci zuckte mit den Schultern. »Das weiß ich nicht. Es ist durchaus denkbar, dass du es durch den Gebrauch deiner Gabe nur in das ungefähre Gebiet gelockt hattest, es danach aber gewissermaßen blind für dich war. Möglicherweise war es so wütend darüber, dich knapp verfehlt zu haben, dass es in Raserei verfiel und jeden umbrachte, der sich vor Ort befand. In diesem Fall würde ich vermuten, dass die Bestie auf den erneuten Gebrauch deiner Gabe angewiesen ist, um dich endgültig zu erwischen.«

»Aber diese Schwester damals sagte doch, die Bestie würde mich erkennen, sobald ich Gebrauch von meiner Gabe mache. Das klingt für mich nicht so, als müsste ich sie noch einmal benutzen, damit die Bestie mich findet.«

»Möglicherweise hat sie dich zwar bereits geortet«, wandte Nicci ein, »aber noch nicht gefunden. Jetzt, da sie dich erkannt hat, braucht sie womöglich nur noch abzuwarten, bis du erneut Gebrauch von deiner Gabe machst, um zuzuschlagen.«

Der Gedanke hatte etwas beängstigend Einleuchtendes. »Dann ist es vermutlich wohl nur gut, dass ich nicht auf meine Gabe angewiesen bin.«

»Vor allem solltet Ihr Euch von uns beschützen lassen«, warf Cara ein. »Es wäre meiner Meinung nach gar keine gute Idee, irgendetwas zu tun, dass Euch, und sei es nur versehentlich, dazu verleiten könnte, Eure Magie zu benutzen.«

»Ich fürchte, da muss ich Cara Recht geben«, sagte Nicci. »Ich bin mir nicht sicher, was die Kostprobe deines Blutes anbetrifft, aber eins wissen wir mit Bestimmtheit, und das hat mir auch die Schwester bestätigt: Diese Bestie wird dich finden, sobald du deine Gabe benutzt.«

Richard fügte sich mit einem Nicken in das Unvermeidliche, dabei wusste er nicht einmal, ob es überhaupt durchführbar war, zumal er die genauen Umstände, die sein Talent auslösten, gar nicht kannte – es passierte einfach. So schlüssig ihre Theorie über den Verzicht auf seine Gabe klingen mochte, er war nicht sicher, ob er sie tatsächlich so weit beherrschen konnte, um zu verhindern, dass sie unversehens durch irgendwelche äußeren Umstände ausgelöst wurde.

Nicci, die ihn im schwachen Licht beobachtete, sah ihn über die düsteren Aussichten nachgrübeln und streckte die Hand vor, um seine Stirn zu fühlen. »Also«, unternahm Nicci dann den durchschaubaren Versuch, die gedrückte Stimmung in ihrem Unterschlupf zu heben, nachdem Richard erneut von Kahlan zu reden begonnen hatte, »wo hast du deine Traumfrau überhaupt kennen gelernt?«

Richard war unschlüssig, ob sie der Frage mit ein wenig Humor die Schärfe zu nehmen versuchte oder ob sie sarkastisch war. Wenn er es nicht besser wusste, hätte er gemeint, einen leichten Unterton von Eifersucht herauszuhören.

Er richtete den Blick nach oben in das Dunkel und versuchte, sich den Tag in Erinnerung zu rufen. »Ich war unterwegs im Wald und suchte nach Hinweisen auf den Mörder meines Vaters – des Mannes, den ich während meiner Kindheit stets für meinen Vater gehalten hatte, des Mannes, der mich großgezogen hatte, George Cypher. Da sah ich plötzlich Kahlan am Ufer des Trunt-Sees einen alten Händlerpfad entlanglaufen. Vier Männer waren hinter ihr her: Meuchelmörder, geschickt von Darken Rahl, um sie zu beseitigen. Alle anderen Konfessorinnen hatte er bereits umgebracht. Sie war die letzte.«

»Dann habt Ihr sie also gerettet?«, wollte Cara wissen.

»Ich habe ihr geholfen. Gemeinsam gelang es uns, die Meuchelmörder zu erledigen. Sie war nach Westland gekommen, um einen lange verschollenen Zauberer zu suchen. Wie sich herausstellte, war Zedd dieser große Zauberer, den zu finden sie ausgesandt worden war. Zedd, der damals noch das Amt des Obersten Zauberers bekleidete, obwohl er sich längst aus den Midlands zurückgezogen hatte und noch vor meiner Geburt nach Westland geflohen war. All die Jahre meiner Kindheit und Jugend ist mir gar nicht bewusst gewesen, dass Zedd ein Zauberer und sogar mein Großvater war – für mich war er immer nur mein allerbester Freund.«

Er konnte spüren, dass Nicci ihn ansah, er fühlte ihren warmen, sanften Atem auf seiner Wange. »Und weshalb wollte sie diesen großen Zauberer aufsuchen?«

»Darken Rahl hatte die Kästchen der Ordnung ins Spiel gebracht – ein für alle unfassbar schlimmer Albtraum.«

Richard erinnerte sich noch deutlich an seinen Schrecken, als er davon erfuhr. »Ihm musste unbedingt Einhalt geboten werden, ehe er das richtige Kästchen öffnete. Kahlan war ausgesandt worden, diesen lange verschollenen Zauberer zu bitten, einen Sucher zu ernennen. Nach jenem Tag am Trunt-See, wo ich ihr zum ersten Mal begegnete, war nichts in meinem Leben mehr so wie zuvor.«

In die Stille hinein fragte Cara: »Dann war es also Liebe auf den ersten Blick?«

Richard unterließ es, den Arm zu heben und die Träne fortzuwischen, die ihm über die Wange rann, das tat mit einer zärtlichen Geste Nicci für ihn. Für einen winzigen Augenblick streifte ihre Hand sacht sein Gesicht. »Ich denke, wir sollten jetzt besser ein wenig zu schlafen versuchen«, sagte er. Nicci zog ihre Hand zurück und schmiegte ihren Kopf an seinen Arm. Es war, als könnte er sich nicht überwinden, im Dunkeln seine brennenden Augen zu schließen. Kurz darauf vernahm er Caras gleichmäßigen Atem. »Nicci?«, flüsterte er. »Ja?«