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Nicci schluckte. »Verstehe. Und darüber hinaus meint Ihr also, dass diese Frau aus seinen Fantasien auf seine Einsamkeit zurückzuführen ist?«

Cara nickte. »Ja ... aber da ist noch etwas anderes.«

Nicci warf kurz einen Blick die Straße entlang und sah eine Gruppe von Männern auf das Stallgebäude zuhalten. »Und das wäre?«

»Ich denke, dass vielleicht Ihr diejenige sein könntet.«

Niccis Herz schlug bis zum Hals, als sie sich wieder herumwandte und Cara ihr direkt ins Gesicht blicken sah. »Was?«

»Ich denke, Ihr könntet für Lord Rahl die Richtige sein.« Sie hob die Hände, um jedem Widerspruch zuvorzukommen. »Sagt jetzt nichts, ich möchte nicht, dass Ihr behauptet, ich hätte den Verstand verloren. Sagt erst einmal gar nichts, denkt nur darüber nach. Wir werden in Kürze aufbrechen, und es wird noch eine ganze Weile dauern, bis Ihr nachkommen und Euch uns anschließen könnt, Ihr habt also genug Zeit und könntet Euch alles in Ruhe durch den Kopf gehen lassen. Ich bitte Euch schließlich nicht, Euch für ihn aufzuopfern oder etwas ähnlich Dummes. Ich sage nur, dass Lord Rahl jemanden braucht und dass Ihr diese Frau sein könntet – natürlich nur, wenn Ihr ebenso empfindet. Ich bin es jedenfalls nicht, die er braucht. Ich bin eine Mord-Sith, und Lord Rahl ist ein Zauberer. Bei den Gütigen Seelen, ich kann Magie nicht ausstehen, und er ist die Verkörperung der Magie. Wir sind in vielen kleinen Dingen einfach nicht füreinander geschaffen. Ihr dagegen habt so viel mit ihm gemeinsam, Ihr seid eine Hexenmeisterin, wer könnte ihn besser verstehen als Ihr? Wer könnte ihm in seinem Leben in jeder Hinsicht tatkräftiger zur Seite stehen als Ihr? Ich weiß noch, wie Ihr beide Euch in jener Nacht im Lager über die kreative Bedeutung der Magie unterhalten habt. Das meiste hab ich gar nicht verstanden, trotzdem ist mir aufgefallen, wie ungezwungen Ihr beide miteinander sprechen konntet und die Gedanken, die Ideen des anderen, verstanden habt, wie dies sonst bestimmt niemand könnte. Ich weiß noch, dass ich ganz angetan war, wie gut Ihr beide zusammenzupassen schient. Und ich weiß auch noch, als wir uns beide in unserem Unterschlupf ganz eng an ihn geschmiegt haben, um uns gegenseitig zu wärmen, wie gut Ihr ausgesehen habt, so ganz nah bei ihm – wie die Frau an der Seite des Mannes, den sie liebt. Aus irgendeinem Grund erinnere ich mich noch, wie ich fast erwartet habe, dass er Euch gleich küsst. Es hätte bestimmt ganz natürlich ausgesehen.«

Nicci war außerstande, ihr heftig schlagendes Herz zu beruhigen. »Cara, ich ...« Ihr fehlten die Worte. Cara zupfte einen Streifen abblätternder Farbe von einem Schalbrett an der Ecke des Gebäudes. »Außerdem seid Ihr die schönste Frau, die ich je gesehen habe. Lord Rahl sollte eine Frau haben, die ihm ebenbürtig ist, und eine bessere Gemahlin als Euch kann ich mir einfach nicht vorstellen.«

»Gemahlin?«

»Seht Ihr nicht, wie gut das alles passen würde? Es würde die Leere ausfüllen, die ich in seinem Innern gespürt habe, es würde ihm Freude und Glück bringen und seiner Trübsal ein Ende machen. Endlich hätte er jemanden, mit dem er seine Gabe und seinen Hang zur Magie teilen könnte. Er würde auch nicht mehr einsam sein. Denkt darüber nach.«

»Aber Cara, Richard liebt mich nicht.«

Einen unbehaglichen Moment lang sah Cara sie abwägend an, und sofort musste sie daran denken, wie Richard ihr das lähmende Gefühl geschildert hatte, dem forschenden Blick einer Mord-Sith ausgesetzt zu sein, wenn diese einem tief, ganz tief in die Augen schaute. Jetzt verstand sie, was er gemeint hatte.

Nicci benetzte sich die Lippen. »Ich denke, wir sollten jetzt besser zum Stallgebäude hinübergehen, sonst bricht er womöglich noch ohne Euch auf. Er schien mir ziemlich wild entschlossen.«

Cara zeigte ihr ein Lächeln. »Ihr habt Recht. Schaut, Nicci, wenn es Euch lieber ist, vergesst einfach, dass ich davon angefangen habe. Ich sehe schon, es macht Euch verlegen. Mir ist sowieso nicht wohl dabei, dass ich davon angefangen habe.«

»Und warum habt Ihr es dann getan?«

Caras Blick war versonnen in die Ferne gerichtet. »Ich denke, weil es mir, als ich ihn in meinen Armen hielt und fühlte, wie tief seine Einsamkeit war, fast das Herz gebrochen hat.« Ihr Blick wanderte zurück zu Niccis Augen. »Und das passiert einer Mord-Sith nicht eben oft.«

Ebenso wenig einer Hexenmeisterin, hätte Nicci um ein Haar hinzugefügt.

22

Bis zur Morgendämmerung war es noch eine Weile hin.

Die an den kräftigen Balken hängenden Laternen tauchten die Stallungen in ein anheimelndes Licht, und der breite Gang vor den Pferdeboxen und den kleinen Ställen war erfüllt vom staubigen Geruch nach frischem Stroh. Anfangs hatten die Männer und Frauen, manche in Begleitung ihrer Kinder, noch den Mittelgang gefüllt und an einigen Stellen sogar in die leeren Pferche ausweichen müssen, doch jetzt, nach Richards Ansprache vor den Angehörigen der Getöteten, hatten sich viele bereits wieder auf den Heimweg gemacht, nicht ohne ihm zuvor noch eine gute Reise zu wünschen.

»Dann also gute Reise, Lord Rahl«, sagte Henden, ein alter Mann, der wie so viele andere gekommen war, um Richards Ratschläge zu hören. »Danke für alles, was Ihr für uns getan habt. Wir freuen uns schon auf Eure Rückkehr in die freie Stadt Altur’Rang.«

Ehe Richard etwas erwidern konnte, hörte er unmittelbar draußen vor der Tür ein Durcheinander. Kurz darauf kamen einige Männer, die in der unmittelbaren Umgebung ihre Runden gemacht hatten, zur Tür herein, im Schlepp zwei kräftige Kerle. Die beiden – der eine hatte verfilztes, fettiges, strähniges Haar, während der andere kurz geschoren war – waren mit den gleichen braunen Überwürfen bekleidet, wie sie auch viele Stadtbewohner trugen.

Victor beugte sich zu Richard und raunte mit leiser Stimme: »Spione.«

Richard zweifelte nicht einen Augenblick daran. Die breiten Gürtel unter den Überwürfen, wahrscheinlich voll gestopft mit Waffen, waren nicht zu übersehen. Die Truppen der Imperialen Ordnung waren bereits bis in die unmittelbare Umgebung der Stadt vorgerückt und hatten vermutlich Kundschafter vorgeschickt, die in Erfahrung bringen sollten, welche Art Gegenwehr sie erwartete. Jetzt, da man sie gefangen genommen hatte, ließen sie sich vielleicht dazu bewegen, ein paar brauchbare Informationen über den bevorstehenden Angriff preiszugeben. Trotz des offensichtlichen Versuchs, ihre Kleidung entsprechend anzupassen, wirkten die beiden inmitten der Stadtbewohner völlig fehl am Platz. Die einfachen Kleider, die sie trugen, waren etwas zu knapp bemessen, um ihre kräftigen Körper zu bedecken. Keiner der beiden war wirklich groß, noch waren sie ungewöhnlich muskelbepackt, aber ihr Verhalten verriet, dass sie gut ausgebildet und abgeklärt genug waren, um sich zu helfen zu wissen. Beide schwiegen, doch ihre Augen waren ständig in Bewegung und nahmen alles ringsumher auf. Sie wirkten so brandgefährlich wie zwei Wölfe unter lauter Schafen. Als einer der beiden Wachposten sich herumdrehte, trat der Kerl mit den langen Haaren dem Mann, der ihn festhielt, mit unvermittelter Heftigkeit gegen das Schienbein. Der Wachposten schrie auf vor Schmerz und Schreck und ging zu Boden. Sofort befreite sich der Gefangene mit einer plötzlichen Körperdrehung aus dem Griff der Männer, die ihn an den Armen hielten, und schleuderte sie zur Seite. Einige der Umstehenden wurden zu Boden gestoßen, doch weitere Wachposten warfen sich auf den Mann, der sich losgerissen hatte. In dem Handgemenge holte sich manch einer eine blutige Nase.

Die gedämpfte Stimmung im Stallgebäude schlug schlagartig um, als ringsum Panik ausbrach. Frauen schrien, Kinder fingen an zu kreischen, Männer brüllten, Wachposten belferten Befehle. Eine Woge aus Verwirrung und Angst schwappte durch die Menge.

Der feindliche Spion, der sich losgerissen hatte, ein kräftiger Kerl, der mit Gegnern umzugehen und sich selbst auf verhältnismäßig beengtem Raum, wo nicht die Massen eingesetzt werden konnten, die nötig gewesen wären, um ihn durch schiere Übermacht zu überwältigen, einen Vorteil zu verschaffen wusste, sprang auf, einen wilden Schrei ausstoßend.