Выбрать главу

»Ich begreife das nicht l«

»Dein Abweichen von der Zwei-Speerträger-Variation beim sechzehnten Zug war großartig!« sagte Scormus zu Hup, ohne sich um den Ubar der Stadt zu kümmern. »Ich habe seine Bedeutung zu spät erkannt, das Täuschungsmanöver mit der Viererkombination zur Deckung deines Wechsels in die Hogar-Variation des Centianischen Angriffs. Brillant!«

»Ich begreife das nicht«, sagte Cernus noch einmal.

»Ich habe verloren.«

Cernus musterte das Spielbrett. »Unmöglich«, schrie er. »Du bist doch in Siegesposition!«

Scormus' Hand legte seinen Ubar um, zum Zeichen seiner Niederlage.

Cernus richtete den Spielstein wieder auf. »Das Spiel ist nicht vorbei!

Bist du ein Verräter an deinem Ubar?« brüllte er.

»Nein, Ubar«, sagte Scormus verwirrt. »Aber sieh doch – mein Heimstein wird nach elf Zügen geschlagen.«

»Unmöglich«, flüsterte Cernus.

»Ich gehe jetzt«, sagte Scormus, »mit deiner Erlaubnis, Ubar.« Er wandte sich an seinen kleinen Gegenspieler. »Vielleicht spielen wir eines Tages noch einmal miteinander. Ich wünsche dir alles Gute, kleiner Meister.«

Hup, der auf der Plattform gesessen hatte, sprang herab und richtete sich zu seiner vollen Größe auf. In seinen Augen standen Tränen.

»Ich spiele für dich weiter und gewinne!« kreischte Cernus.

Scormus zuckte die Achseln und verließ ungehindert den Saal, nicht ohne sich vorher noch von Qualius aus Ar verabschiedet zu haben.

Cernus achtete nicht mehr auf ihn; er starrte auf das Brett.

Ich bemerkte, daß Hup dicht neben Sura stand und wie sie dem jungen Meisterspieler nachsah.

»Kleiner Narr!« rief Cernus. »Ich habe gezogen! Ubars Tarnkämpfer auf Schriftgelehrten der Ubara Vier! Was tust du nun?«

Hup kehrte an den Tisch zurück, und ohne einen Blick auf das Brett zu werfen, nahm er eine Figur und ließ sie auf ein anderes Feld fallen.

»Was ist denn das für ein Zug?« fragte Philemon ratlos.

»Sinnlos«, sagte Cernus. »Seine Züge bedeuten nichts.«

Ich zählte die Züge, und als nach dem elften Zug Cernus einen Wutschrei ausstieß und Brett und Figuren vom Tisch schleuderte, starrte Hup ihn ratlos an. Dann machte er kehrt und wanderte, irre Laute ausstoßend, im Saal herum. In seiner kleinen Hand hielt er ein winziges Stück gelbes Holz, Cernus' Heimstein.

Relius und Ho-Sorl stießen einen Freudenschrei aus. Sura strahlte.

»Ich bin frei«, wandte ich mich an Cernus.

»Du bist morgen frei«, brüllte Cernus außer sich vor Wut, »um im Stadion der Klingen zu sterben!«

Ich legte den Kopf in den Nacken und lachte. Die Rache war süß. Ich hatte sofort gewußt, daß er mir nie die Freiheit geben würde, doch es war mir ein großes Vergnügen, seine Charade bloßgestellt und ihn erniedrigt zu sehen als einen Mann, der sein Wort nicht hält.

Cernus starrte zu Elisabeth hinunter. Er zitterte vor Wut. »Liefert das Mädchen an Samos aus Port Kar!« fauchte er.

Ich lachte noch, als ich bereits in schweren Ketten aus dem Saal geführt wurde, aus dem Saal des Cernus, des Noblen Ubar der Stadt.

19

Aus der Ferne hörte ich das Kreischen der Menge, die die Tribünen des Stadions der Klingen füllte.

»Murmilius ist anscheinend wieder in bester Form«, sagte Vancius aus dem Hause des Cernus, stülpte mir einen Helm über den Kopf, daß ich nichts mehr sehen konnte, und sicherte ihn.

»Es wird amüsant sein zu sehen, wie du blind mit dem Schwert durch die Arena stolperst und deine Gegner nicht sehen kannst. Ein komisches kleines Intermezzo, aber dem berühmten Tarl Cabot wird es gefallen, mit der Klinge in der Hand zu sterben.«

»Und wenn ich nicht kämpfe?«

»Wirst du mit Peitschen und glühenden Eisenspitzen dazu ermutigt.

Außerdem kämpfst du gegen die besten Schwertführer der Taurentianer.«

»In Blindhelmen?« fragte ich.

Er lachte. »So wird es den Zuschauern erscheinen. In Wirklichkeit sind die Helme der anderen durchsichtig. Sie können dich also sehen, ohne daß du sie erkennst.«

»Zweifellos wird sich Cernus an dem Spektakel ergötzen«, sagte ich.

»Nein, der ist heute in seiner Loge bei den Tarnrennen«, sagte Vancius.

Ich lächelte unter meinem Helm. »Cernus ist sicher beunruhigt, daß die Gelben in diesem Jahr seine bevorzugte Mannschaft so oft besiegt haben.«

»Das ist ein Irrtum«, sagte Vancius. »Er unterstützt in Wirklichkeit die Gelben.«

Ich schüttelte verständnislos den Kopf. »Wie ist das möglich?«

»Ein kluger Schachzug«, sagte Vancius lachend. »Die Tatsache, daß Cernus offen die Grünen fördert, beeinflußt natürlich viele Bürger bei ihren Wetten; wenn man es aber einmal langfristig sieht, dann haben die Gelben weitaus mehr Rennen gewonnen und vor allen Dingen jene, bei denen die Wettchancen besser standen.« Vancius lachte. »Indem er also insgeheim auf die Gelben setzte, die er kontrolliert, hat Cernus bei den Rennen ein großes Vermögen gewonnen. Menicius aus Port Kar von den Gelben, der größte Tarnreiter, reitet für Cernus.«

»Cernus ist ein schlauer Mann«, sagte ich. »Aber wenn nun die Rennanhänger erfahren daß er in Wirklichkeit für die Gelben ist?«

»Sie werden es nicht erfahren.«

»Die Stählernen bedrohen aber die Position der Gelben«, sagte ich.

»Das große Rennen, das Ubar-Rennen, werden sie nicht gewinnen.«

Das Ubar-Rennen ist das letzte und wichtigste Rennen des Liebesfestes.

»Warum nicht?« fragte ich.

»Menicius aus Port Kar reitet für die Gelben«, sagte Vancius, »Er hat den Befehl, den Wettstreit zu gewinnen, auch wenn er dafür töten muß.« f Ich schwieg einen Augenblick und fragte dann: »Was ist mit!

Gladius aus Cos?«

»Wir haben in den Tavernen der Stadt bekanntgegeben, daß Gladius aus Cos sterben muß, wenn er es wagt, gegen Menicius anzutreten. Ich glaube nicht, daß er heute im Tarnstadion erscheint.«

»Wer ist Gladius aus Cos?« fragte ich.

»Ich weiß es nicht«, sagte Vancius.

Ich lächelte unter meinem Helm. Dieses Geheimnis war wenigstens gewahrt geblieben. Andererseits ärgerte mich die Situation denn wenn ich heute nachmittag das Rennen nicht mitmachte würde es nur wenige in Ar geben, die nicht der Meinung waren ich wäre feige gewesen.

Wieder brüllte die Menge über uns.

»Murmilius!« rief Vancius. »Was für ein Mann. Das ist heute sein fünfter Gegner!«

Eine Fanfare erklang.

»Es ist bald soweit.«

Schritte kamen näher, ein Mädchen sagte etwas, ein zweites antwortete.

»Ihr könnt hier nicht herein!« rief ein Wächter.

»Ich muß Vancius sprechen!« rief ein Mädchen. »Meinen geliebten Vancius!«

»Was ist los?« fragte Vancius. Ich hörte Schritte näher kommen.

»Vancius!« rief ein Mädchen. Ihre Stimme kam mir irgendwie bekannt vor.

Offensichtlich warf sich das Mädchen dem Krieger an den Hals. Ich verstand ihre Worte nicht deutlich, seine Gegenfragen, ihr leidenschaftliches Gemurmel. »Vancius, ich gehöre dir!« hörte ich schließlich.

Dann ertönte ein dumpfer Laut, als sei jemand niedergeschlagen worden.

»Jetzt, Vancius«, sagte das Mädchen, »gehörst du mir!«

Ich versuchte, mir mit den gefesselten Händen den Helm vom Kopf zu zerren, doch es gelang mir nicht.

»Bindet Vancius mit dem anderen Wächter zusammen«, sagte das Mädchen.

Im nächsten Augenblick spürte ich, wie sich eine Männerhand an meinem Helm zu schaffen machte. Der Schlüssel bewegte sich im Loch.

Dann wurde der Helm abgehoben.

»Ho-Tu!« rief ich.

»Still«, sagte der Oberaufseher. »Cernus hat noch andere Leute hier.«

»Mir wurde gesagt, du seist nach Tor gefahren, um Sklaven zu kaufen!« sagte ich.

»Das wäre wohl kaum die rechte Zeit dazu«, sagte Ho-Tu lächelnd.

»Was machst du hier?« fragte ich. »Du bist in Lebensgefahr!«

»Wir sind alle in Gefahr.«

Ich bückte ihm über die Schulter und sah ein langbeiniges schwarzhaariges Mädchen, das die Hände in die Hüften gestemmt hatte und mich verblüfft anstarrte.