Выбрать главу

»Ist sie die goldene Kugel nicht wert?« fragte der Kaufmann.

»Das läßt sich nicht so ohne weiteres sagen«, erwiderte Kamchak.

»Ich habe die Aussage ihrer Kammersklavinnen«, fuhr Saphrar fort. »Sie soll wunderschön sein. Die Kugel ist ja auch nicht wirklich aus Gold, sondern sieht nur so aus.«

»Trotzdem sind die Tuchuks stolz darauf.«

»Ich möchte das Ding ja auch nur als Kuriosität«, sagte Saphrar.

»Ich muß darüber nachdenken«, sagte Kamchak, ohne den Blick von Aphris zu wenden. Ich ließ mir nicht anmerken, daß ich jedes Wort mithörte, wobei es mir einige Mühe machte, die anmutige Gestalt nicht allzu sehr anzustarren, die jetzt auf das obere Ende des Tisches zuging. Auf ein Zeichen hin nahmen die Musiker ihre Instrumente wieder zur Hand, und die Akrobaten setzten ihre begonnene Schau fort.

»Es befindet sich im Wagen von Kutaituchik«, sagte Saphrar. »Ich könnte Tarn-Söldner aus dem Norden schicken — aber ich würde lieber keinen Krieg riskieren.«

Mein Herz begann heftig zu schlagen. Wenn Saphrars Informationen stimmten, befand sich das letzte Ei der Priesterkönige im Wagen Kutaituchiks, der Ubar der Tuchuks genannt wurde.

Ich bemerkte, wie Aphris von Turia näherkam, ohne sich um die anderen Gäste zu kümmern. Über ihrem Schleier nahm ich jetzt zwei mandelförmige schwarze Augen wahr; ihre Haut, soweit zu erkennen, war hell, wenn auch nicht ganz weiß.

»Die goldene Kugel gegen Aphris aus Turia«, flüsterte Saphrar in Kamchaks Ohr.

Kamchak wandte sich an den kleinen dicken Händler, und sein narbiges Gesicht verzerrte sich zu einem breiten Grinsen. »Die Tuchuks sind sehr stolz auf die goldene Kugel.«

»Na gut«, sagte Saphrar heftig, »dann bekommst du auch die Frau nicht — dafür sorge ich schon —, während ich mir irgendwie die Kugel aneigne. Das verstehst du doch!«

Das Mädchen ging jetzt hinter uns entlang, und Saphrar sprang auf und verbeugte sich vor ihr. »Verehrte Aphris aus Turia«, sagte er, »die ich liebe wie meine eigene Tochter.«

Das Mädchen neigte den Kopf. »Verehrter Saphrar«, sagte sie.

Saphrar machte ein Zeichen, und zwei Sklavinnen brachten eine Seidenmatte und ein Kissen und legten sie zwischen Saphrar und Kamchak.

Aphris setzte sich und sah sich um. Nach kurzem Schweigen sagte sie: »Ich rieche Boskdung.«

Der Oberdiener starrte sie entsetzt an, grinste und breitete entschuldigend die Arme aus. »Es tut mir leid, Lady, aber unter den Umständen...«

Sie sah sich um und schien nun erst Kamchak zu entdecken. »Ah!« sagte sie. »Jetzt verstehe ich — ein Tuchuk!«

Obwohl Kamchak mit untergeschlagenen Beinen am Tisch saß, schien er sich zu verbeugen, dann schlug er mit der Faust auf den Tisch, daß das Geschirr klirrte. »Großartig!« brüllte er.

Sie wandte sich an ihn. »Es will mir scheinen, als wären wir uns schon einmal begegnet.«

»Vor zwei Jahren — du nanntest mich damals einen Tuchuksleen.«

»Ja, ich glaube, ich erinnere mich.«

»Ich hatte dir ein fünffaches Diamantarmband zum Geschenk gemacht, denn ich hatte gehört, du seiest wunderschön.«

»Oh«, sagte Aphris, »ja — ich habe es einem meiner Sklaven geschenkt.«

Wieder schlug Kamchak belustigt auf den Tisch. »Damals, als du mich einen Tuchuksleen nanntest, damals schwor ich mir, dich zu meiner Sklavin zu machen.«

Aphris lachte nun nicht mehr.

Saphrar war sprachlos.

Stille herrschte ringsum.

Kamras, Erster Kämpfer der Stadt Turia, sprang auf und wandte sich an Saphrar. »Gestatte mir, daß ich Waffen holen lasse.«

Kamchak trank von seinem Paga und tat, als hätte er Kamras’ Bemerkung nicht gehört.

»Nein! Nein«, rief Saphrar. »Der Tuchuk und sein Freund sind Gäste und Botschafter der Wagenvölker — ihnen darf hier nichts geschehen.«

Aphris aus Turia lachte fröhlich, und Kamras kehrte verlegen an seinen Platz zurück.

»Bringt Essenzen!« rief Aphris, und ein Sklave brachte ein Tablett mit verschiedenen Flaschen. Aphris nahm zwei zur Hand, hielt sie sich unter die Nase und versprühte dann Parfüm auf Kissen und Tisch. Ihre Handlung amüsierte die Turianer sehr.

»Dafür«, sagte Kamchak, »verbringst du deine erste Nacht in einem Dungsack.«

Aphris lachte und wandte sich an mich. »Und wer bist du?«

»Ich bin Tarl Cabot aus der Stadt Ko-ro-ba.«

»Die liegt weit im Norden«, bemerkte sie.

»Ja.«

»Wie kommt es, daß ein Korobaner im stinkenden Wagen eines Tuchuksleens lebt?«

»Der Wagen stinkt nicht«, sagte ich, »und Kamchak von den Tuchuks ist mein Freund.«

»Du bist natürlich ein Geächteter«, stellte sie fest.

Ich zuckte nur die Achseln.

Das Mädchen wandte sich an Saphrar. »Vielleicht möchten die Barbaren unterhalten werden.«

Diese Bemerkung verwunderte mich, denn wir waren schon den ganzen Abend gut unterhalten worden.

Saphrar hatte ärgerlich den Kopf gesenkt. »Vielleicht«, sagte er. Vielleicht war er noch verärgert, weil Kamchak ihm die goldene Kugel nicht geben wollte. Ich begriff die Motive meines Freundes nicht — es sei denn, er wußte, worum es sich handelte. Dann war das Gebilde für ihn natürlich von unschätzbarem Wert. Aber ich hatte das Gefühl, daß er den wahren Wert nicht begriff und trotzdem einen höheren Preis anzustreben schien als den, den Saphrar zahlen wollte.

»Sind die Frauen Turias nicht schön?« fragte mich Aphris.

»Allerdings«, sagte ich. »In meiner Stadt ist es freien Frauen nicht gestattet, sich vor Fremden ohne Schleier zu zeigen.«

Das Mädchen lachte fröhlich und wandte sich an Kamchak. »Was meinst du dazu, mein süßer Boskdung?«

Kamchak zuckte die Achseln. »Es ist allgemein bekannt, daß die Frauen Turias schamlos sind.«

»Das glaube ich nicht«, sagte Aphris ärgerlich.

»Ich sehe sie doch«, sagte Kamchak grinsend und breitete die Arme aus.

»Ich glaube nicht«, sagte das Mädchen.

Kamchak sah sich verwirrt um.

Zweimal klatschte das Mädchen in die Hände, und zu meiner Überraschung standen die Frauen am Tisch auf, stellten sich hastig in Position und warfen zur Freude der Gäste ihre kostbaren Roben ab. Jede der Frauen, die ich für frei gehalten hatte, trug den Sklavenkragen.

Kamchak war wütend.

»Hast du wirklich angenommen«, fragte Aphris arrogant, »daß wir es einem Tuchuk gestatten würden, in das Gesicht einer freien turianischen Frau zu blicken?«

Kamchak hatte die Fäuste auf dem Tisch geballt, denn ein Tuchuk läßt sich nicht gern zum Narren halten.

Kamras lachte laut, und sogar Saphrar kicherte zwischen seinen gelben Kissen. Kamchak schwieg und hob seinen Pagakrug, leerte ihn und beobachtete die Sklavinnen, die sich nun zwischen den Tischen zur Musik wiegten.

»Wir haben viele Mädchen bei uns, die ebenso schön sind.«

»Oh?« fragte Aphris.

»Ja«, sagte Kamchak, »turianische Sklavinnen — so wie du eine sein wirst.«

»Du weißt natürlich, daß ich dich töten lassen würde, wenn du nicht Botschafter der Wagenvölker wärst«, sagte sie.

Kamchak lachte. »Es ist eine Sache, den Tod eines Tuchuks anzuordnen — etwas anderes ist es aber, ihn tatsächlich umzubringen.«

»Ich bin sicher, daß sich beides arrangieren ließe«, bemerkte Aphris.

Kamchak lachte. »Es wird mir Freude machen, dich zu besitzen«, sagte er.

Das Mädchen lachte. »Du bist ein Tor«, sagte sie und fügte ernst hinzu: »Aber nimm dich in acht! — Wenn du mich nicht mehr amüsierst, verläßt du diesen Tisch nicht lebend!«

»Und jetzt die anderen!« rief sie und klatschte in die Hände. Saphrar neigte ergeben den Kopf.

Der Oberdiener gab ein Zeichen und entließ die Mädchen. Gleich darauf ertönte das Läuten von Sklavenglocken. Neue Mädchen traten ein. Meine Hand krampfte sich um den Weinkrug. Aphris aus Turia war wirklich kühn. Ich fragte mich, ob Kamchak einen Zwischenfall heraufbeschwören würde.

Die Mädchen, die nun barfuß vor uns die temperamentvollen Liebestänze der Kataii, der Kassars, der Paravaci und der Tuchuks vorführten, waren Angehörige der Wagenvölker. Es wurde schnell deutlich, warum die turianischen Männer so großen Gefallen an den Präriemädchen fanden.