Выбрать главу

Kamchak hatte mit zusammengepreßten Lippen zugesehen und wandte sich nun an die schöne Aphris. »Ich werde dafür sorgen«, sagte Kamchak, »daß man dir als meiner Sklavin diesen Tanz beibringt.«

Aphris erstarrte, doch sie ließ sich nichts anmerken.

Kamchak wartete, bis die Mädchen der Wagenvölker ihren Tanz beendeten. Als sie den Raum verlassen hatten, stand er auf. »Wir müssen gehen«, sagte er.

Ich nickte und rappelte mich auf. »Was ist in dem Kasten?« fragte Aphris aus Turia, als sie sah, daß Kamchak den kleinen schwarzen Behälter aufnahm, der während des Essens an seinem rechten Knie gestanden hatte.

Sie war sichtlich neugierig.

Kamchak zuckte die Achseln.

Ich erinnerte mich, daß er Aphris vor zwei Jahren ein fünffaches Diamantarmband geschenkt hatte, das sie damals ausschlug und einem Sklaven gab.

Trotzdem interessierte sie sich jetzt für die Schachtel.

»Es ist nichts«, sagte Kamchak, »nur eine Kleinigkeit.«

»Aber ist sie für jemanden?« fragte sie.

»Ich hatte gehofft«, sagte Kamchak, »dieses Etwas dir geben zu können.«

»Oh?« fragte Aphris, die diese Vorstellung sichtlich begrüßte.

»Aber dir würde es nicht gefallen«, sagte er.

»Woher willst du das wissen«, sagte sie ziemlich von oben herab. »Ich habe es ja noch gar nicht gesehen.«

»Ich nehme es wieder mit nach Hause.«

»Wie du willst.«

»Aber du kannst es natürlich haben«, sagte er.

»Ist es denn etwas anderes als ein schlichtes Diamanthalsband?« Aphris aus Turia war nicht dumm. Sie wußte sehr wohl, daß die Wagenvölker in ihren Reichtümern anderen goreanischen Völkern nicht nachstanden.

»Ja«, sagte Kamchak, »es handelt sich um etwas anderes als ein Diamantenhalsband. Aber du willst es natürlich nicht haben.«

»Du hast es doch für mich mitgebracht, nicht wahr?« fragte sie.

Kamchak zuckte die Achseln.

»Ich möchte es haben«, sagte Aphris plötzlich. »Gib es mir!«

Kamchak blickte zweifelnd auf den Kasten in seiner Hand. »Na gut, aber ich möchte es dir selbst anlegen.«

Kamras, Erster Kämpfer Turias, erhob sich von seinem Sitz. »Das war kühn, Tuchuksleen!« zischte er.

»Sehr wohl«, sagte Aphris, »du darfst es mir selbst umlegen.«

Kamchak stellte sich also hinter Aphris, die aufrecht am Tisch kniete. In ihren Augen schimmerte die Neugier. Ich sah, daß sie schneller atmete.

Kamchak öffnete seinen Kasten.

Als Aphris den Deckel aufklappen hörte, mußte sie sichtlich an sich halten, um sich nicht umzudrehen. Nun ging alles ungeheuer schnell. Kamchak nahm aus der Schachtel einen Gegenstand, der tatsächlich dazu gedacht war, am Hals getragen zu werden, aber es handelte sich um einen runden Metallring — einen turianischen Sklavenkragen. Das feste Schloß hinten am Kragen klickte hörbar, als sich das Metall um den Hals Aphris’ legte. Im gleichen Augenblick riß Kamchak die Verblüffte hoch und zerrte ihr mit beiden Händen den Schleier vom Gesicht! Ehe jemand einschreiten konnte, raubten seine kühnen Lippen der starren Aphris aus Turia einen Kuß! Dann schleuderte er sie rückwärts über den niedrigen Tisch, so daß sie in der Mitte des Hufeisens zu Boden fiel. Wie durch Zauberhand erschien eine Quiva in seinem Ärmel und bewahrte die Umstehenden vor unüberlegten Handlungen.

Das Mädchen kniete nun und versuchte sich von dem Kragen zu befreien.

Kamchak schaute auf sie hinab. »Unter deinen weißgoldenen Roben«, sagte er, »rieche ich den Körper eines Sklavenmädchens!«

»Sleen! Sleen!« wimmerte sie.

»Leg deinen Schleier wieder an!« befahl Saphrar.

»Mach sofort den Kragen ab!« befahl Kamras, der Erste Kämpfer des Administrators Phanius Turmus.

Kamchak lächelte. »Ich habe den Schlüssel vergessen.«

»Dann schickt nach jemandem aus der Kaste der Metallarbeiter!« rief Saphrar.

Überall wurden Schreie laut: »Tötet die Tuchuksleens!« »Foltert sie!« »In das Öl der Tharlarions mit ihnen!« »Aufspießen!« »Fesseln und ins Feuer!« Aber Kamchak ließ sich davon nicht beeindrucken. Niemand wagte es, sich ihm zu nähern, denn in seiner Hand schimmerte die Quiva. Er wäre kein Tuchuk gewesen, wenn er damit nicht hätte umgehen können.

»Tötet ihn!« kreischte Aphris. »Tötet ihn!«

»Leg deinen Schleier wieder vor«, sagte Saphrar eindringlich. »Schämst du dich denn nicht?«

In ihren Augen stand Wut. Er, ein Tuchuk, hatte ihr Gesicht gesehen!

Obwohl ich es nie zugegeben hätte, freute mich Kamchaks Kühnheit, denn sie hatte ein Gesicht, um das es sich zu kämpfen lohnte — herrliche Züge, jetzt allerdings wutverzerrt, schöner als die hübschesten Sklavenmädchen, die uns bedient oder mit ihren Tänzen erfreut hatten.

»Ihr vergeßt natürlich«, sagte Kamchak, »daß ich Abgesandter der Wagenvölker bin und in euren Mauern Schutz genieße.«

»Spießt ihn auf!« brüllten die Turianer.

»Es ist ein Witz!« rief Saphrar. »Ein Tuchuk-Witz!«

»Tötet ihn!« rief Aphris außer sich.

»Süße Aphris«, sagte Saphrar leise. »Du mußt dich beruhigen. Bald kommt einer von den Metallarbeitern und befreit dich von diesem ... Du solltest dich jetzt zurückziehen.«

»Nein!« rief Aphris. »Erst muß dieser Tuchuk sterben!«

»Das ist nicht möglich, meine Liebe«, sagte Saphrar.

»Du bist herausgefordert!« sagte Kamras und spuckte vor Kamchak aus.

Einen Augenblick sah ich Kamchaks Augen aufblitzen und dachte schon, er würde die Herausforderung des Ersten Schwertkämpfers der Stadt auf der Stelle annehmen. Aber dann zuckte er nur die Achseln und grinste. »Warum sollte ich kämpfen?« fragte er.

Das hörte sich gar nicht nach meinem Kamchak an.

»Du bist ein Feigling!« brüllte Kamras.

Ich fragte mich, ob Kamras die Bedeutung dieses Wortes kannte, mit dem er den Träger einer Tuchuk-Mutnarbe bedachte.

Aber zu meiner Verblüffung lächelte Kamchak nur. »Warum sollte ich kämpfen? Was ist damit zu gewinnen?«

»Aphris aus Turia!« rief das Mädchen.

Rufe des Entsetzens und des Protests liefen um den Tisch.

»Ja!« rief Aphris. »Wenn du, Erster Kämpfer Turias, gegen Kamchak kämpfst, biete ich mich als Preis im Liebeskrieg!«

Kamchak schaute sie an. »Ich kämpfe«, sagte er.

Stille breitete sich aus.

Ich sah, wie Saphrar, der ein wenig im Hintergrund stand, die Augen schloß und langsam nickte. »Schlauer Tuchuk«, sagte er leise. Ja, sagte ich mir, schlauer Tuchuk. Kamchak hatte es geschafft, daß sie Aphris aus Turia aus verletztem Stolz für den Liebeskrieg zur Verfügung stellte. Das war etwas, das er nicht mit der goldenen Kugel von Saphrar dem Kaufmann zu kaufen brauche — so etwas vermochte er offensichtlich selbst zu arrangieren, mit der Schlauheit eines Tuchuks. Ich nahm natürlich an, daß Saphrar, der immerhin als Vormund dieses Mädchens galt, so etwas nicht zulassen würde. »Nein, meine Liebe«, sagte Saphrar zu dem Mädchen, »du darfst keine Rache für diese schreckliche Beleidigung erhoffen — du darfst nicht an die Spiele denken — du mußt diesen unangenehmen Abend vergessen — du darfst nicht an die Geschichten denken, die über dich im Umlauf sein werden — über die Tat des Tuchuks und sein Entkommen.«

»Nie!« sagte Aphris. »Ich melde mich zum Liebeskrieg, das sage ich dir!«

»Nein«, sagte Saphrar, »das kann ich nicht zulassen — es ist besser, wenn die Leute über Aphris lachen. In einigen Jahren vergessen sie die Sache.«

»Ich verlange, daß ich mich melden darf!« rief das Mädchen.

»Aber in wenigen Tagen wirst du volljährig und erhältst die Verfügungsgewalt über dein Vermögen — dann kannst du tun, was du willst.«

»Aber das ist erst nach den Spielen!« rief das Mädchen.

»Ja«, sagte Saphrar, als müßte er nachdenken. »Das stimmt.«

»Ich verteidige sie!« sagte Kamras. »Ich verliere bestimmt nicht.«