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Kamras fiel zu seinen Füßen in den Sand, er war zu schwach, um um Gnade zu bitten.

Kamchak tötete ihn nicht.

Er warf sein Schwert in den Sand, und obwohl er es nur von sich warf, grub es sich bis fast zum Griff in den Ring. Er blickte mich an und grinste. »Eine interessante Waffe«, versicherte er, »aber ich ziehe Lanze und Quiva vor.«

Jubelgeschrei wurde laut, und Lanzen wurden gegen Lederschilde geschlagen. Ich eilte zu Kamchak und warf ihm die Arme um die Schultern und drückte ihn lachend an mich. Er grinste von einem Ohr zum anderen.

Dann wandte er sich um und näherte sich dem Pfahl Aphris’, die ihm sprachlos vor Entsetzen entgegenblickte.

11

Sekunden später stand Aphris aus Turia in all ihrer Schönheit vor uns. »Bitte nein, Tuchuk!« flehte sie. »Bitte nicht!«

Kamchak machte Aphris vom Pfahl los und legte ihr eine Sklavenfessel an.

»Ich sehe, daß du mit Sklavinnen umzugehen verstehst«, sagte eine Stimme.

Ich wandte mich um und erblickte eine juwelenbesetzte Sänfte, von der Saphrar auf uns herabblickte. Aphris errötete bis hinter die Ohren.

Obwohl dies doch ein schwarzer Tag für ihn sein mußte, lächelte Saphrar vor Vergnügen.

»Saphrar!« rief das Mädchen verzweifelt.

Der Kaufmann sah das Mädchen an. Er nahm von einem Seidenkissen ein kleines Brillenglas und betrachtete die Gestalt des Mädchens eingehend.

»Aphris!« rief er, als sei er entsetzt; dabei lächelte er weiter.

»Saphrar!« weinte sie. »Befreie mich!«

»Eine Katastrophe!« klagte Saphrar, aber noch immer sah ich die Spitzen seiner goldenen Schneidezähne.

Kamchak hatte einen Arm um meine Schulter gelegt und lachte leise. »Der Kleinen steht eine Überraschung bevor«, flüsterte er.

Aphris wandte sich an Kamchak. »Ich bin die reichste Frau in Turia«, sagte sie. »Was ist dein Preis?«

Kamchak sah mich an. »Glaubst du, fünf Goldstücke wären zuviel?« fragte er.

Ich war überrascht.

Aphris wußte nicht, was sie sagen sollte. Dann wandte sie sich an Saphrar. »Kauf mich zurück!« verlangte sie. »Wenn nötig, setzt mein ganzes Vermögen ein, alles! Befreie mich!«

»Aber Aphris«, brummte Saphrar tadelnd. »Ich bin Verwalter deines Vermögens — und deine Besitztümer für eine Sklavin einzuhandeln, wäre eine höchst unkluge und unverantwortliche Entscheidung.«

Aphris starrte ihn sprachlos an. »Es stimmt, daß du die reichste Frau in Turia — warst«, sagte Saphrar, »aber dein Vermögen steht unter meiner Verwaltung, bis du volljährig bist, und das ist erst in ein paar Tagen der Fall. Stimmt es, daß du — wenn du volljährig wärst — all deine Vermögenswerte einem Tuchuk in den Rachen werfen würdest, nur um wieder freizukommen?«

»Natürlich!«

»Wie gut also, daß eine solche Transaktion durch das Gesetz verhindert wird. Du weißt sicher, daß eine Sklavin keinen Besitz haben darf.«

»Ich bin die reichste Frau in Turia!« rief sie.

»Das warst du!«

»Ich bitte dich — kaufe mich frei, kaufe mich! Bitte!«

Saphrar lächelte sie gütig an und fragte Kamchak: »Wie war doch gleich ihr Preis, Tuchuk?«

»Ich hab’ ihn gesenkt«, sagte Kamchak. »Ich überlasse sie dir für eine kupferne Tarnmünze.«

»Das ist zuviel«, sagte Saphrar lächelnd.

Aphris brach schluchzend zusammen.

Saphrar gab seinen Sklaven ein Zeichen, die Sänfte aufzunehmen und weiterzutragen.

Kamchak lachte. Er hatte lange auf dieses Lachen warten müssen, auf seinen Sieg über das Mädchen, das ihn vor zwei Jahren tödlich beleidigt hatte.

Wie wir am Abend im Lager erfuhren, hatten die Wagenvölker bei den Spielen des Liebeskrieges diesmal überdurchschnittlich gut abgeschnitten. Etwa siebzig Prozent der turianischen Frauen waren als Sklavinnen von den Pfählen fortgeführt worden. In den vorangegangenen Jahren war das Verhältnis umgekehrt gewesen. Wir erfuhren auch, daß Hereena vom Ersten Wagen von einem turianischen Offizier gewonnen worden war, der für das Haus Saphrars des Kaufmanns kämpfte. Wahrscheinlich wurde sie ihm zum Geschenk gemacht.

Nachdem wir Elizabeth und Aphris am Wagen zurückgelassen hatten, wanderten wir zum Sklavenwagen, wo wir um eine Flasche Paga wetteten.

»Nach dem Flug der Vögel?« fragte Kamchak.

»Einverstanden«, sagte ich, »aber ich darf zuerst raten.«

»Na gut.«

Ich wußte natürlich, daß wir jetzt Frühling hatten und daß die meisten Zugvögel in dieser Jahreszeit nach Süden flogen. »Süden«, sagte ich.

»Norden«, sagte er.

Als wir etwa eine Minute gewartet hatten, entdeckte ich mehrere Vögel — Flußmöwen —, die nach Norden flogen.

»Das sind Voskmöwen«, erklärte Kamchak. »Im Frühling, wenn das Eis des Vosk bricht, fliegen sie nach Norden.«

Ich holte einige Münzen aus meinem Geldbeutel.

Eine Stunde später kehrten wir singend zu Kamchaks Wagen zurück.

Elizabeth hatte das Abendessen bereit.

»Das Fleisch ist verbrannt«, stellte Kamchak fest.

»Ihr seid ja auch spät dran«, bemerkte Aphris.

»Das Fleisch ist verbrannt«, knurrte Kamchak.

»Ich mache frisches«, sagte Elizabeth und stand auf.

»Habt ihr euch um die Bosks gekümmert, wie ich’s euch befohlen habe?« fragte der Tuchuk.

»Ja«, erwiderte Elizabeth.

Aphris schnaubte nur durch die Nase.

Während des Essens saß Kamchak wie so oft auf einem eckigen Gebilde, das mich an einen grauen Stein erinnerte. Es lag zwischen den Sachen, die Kamchak in seinem Wagen aufbewahrte — Schatullen, Truhen, Stoffballen — und einmal hatte er mir das Ding mit dem Fuß herübergestoßen, damit ich es mir ansähe. Es kollerte über den Teppich, und ich war überrascht, wie leicht es war. Es fühlte sich an, als sei es aus irgendeinem Leder und hatte eine körnige Oberfläche.

»Was hältst du davon?« fragte Kamchak.

»Interessant«, bemerkte ich.

»Ja«, sagte er. »Das dachte ich mir.« Er breitete seine Arme aus, und ich warf ihm das Ding wieder zu. »Ich habe es schon einige Zeit. Zwei Reisende haben es mir gegeben.«

»Oh«, sagte ich.

Als Kamchak sein frisch geröstetes Fleisch verzehrte und seine Flasche Boskmilch geleert hatte, schüttelte er den Kopf. Dann wandte er sich an Elizabeth: »Du kannst im Wagen schlafen.«

Aphris musterte das andere Mädchen mit finsterem Blick. »Wenn sie dir dienen will — bitte schön. Ich werde die erste Gelegenheit ergreifen, um zu fliehen.«

»Nimm dich vor dem Herdensleen in acht«, sagte Kamchak.

Aphris erbleichte.

»Wenn du nachts das Lager verlassen willst, spüren sie dich auf und reißen meine kleine hübsche Sklavin in Fetzen.«

»Das stimmt«, sagte ich warnend zu Aphris.

»Trotzdem werde ich fliehen.«

»Aber heute nacht noch nicht!« sagte Kamchak lachend.

»Nein«, sagte Aphris heftig. Sie sah sich um. Ihr Blick blieb eine Augenblick an dem Kaiilasattel hängen, der zu dem Preis gehörte, den Kamchak für Tenchika erzielt hatte. Im Sattel steckten sieben Quivas. Aphris wandte sich wieder an Kamchak. »Diese Sklavin«, sagte sie verächtlich und deutete auf Elizabeth, »wollte mir nichts zu essen geben.«

»Kamchak muß zuerst essen, Sklavin«, erwiderte Elizabeth.

»Na und?« sagte Aphris. »Jetzt hat er gegessen.«

Kamchak nahm ein Stück Fleisch, das von seiner Mahlzeit übriggeblieben war, und hielt es dem Mädchen hin. »Iß«, sagte er.

Aphris blickte ihn wütend an und lächelte dann. »Aber ja«, sagte sie. Die stolze Aphris aus Turia beugte sich vor, um das Fleisch zu essen, das ihr Herr ihr hinhielt. Ihre hübschen weißen Zähne gruben sich in seine Hand.

»Aii!« kreischte er, fuhr auf und steckte seine blutende Hand in den Mund.

Elizabeth und ich waren aufgesprungen.

Aphris hatte sich umgedreht und war zu dem Kaiilasattel mit den sieben Quivas gelaufen. Eine der Waffen hatte sie herausgezogen und stand uns nun mit der Klinge gegenüber. Sie zitterte vor Wut.