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Die Menge schrie entzückt auf.

Das Gesicht des Mädchens war zur stilisierten Schreckensmaske aller Tänzer geschminkt — aber sie war schön. Ich hatte sie natürlich schon gesehen, aber ihr Anblick im Feuerschein verblüffte uns dennoch — ihr Haar fiel lang und seidig schwarz herab, ihre Augen waren dunkel, ihre Haut angenehm getönt.

Sie schien den Krieger anzuflehen, doch dieser bewegte sich nicht. Sie schien sich vor ihm zu winden und seinem Griff entfliehen zu wollen, aber er ließ nicht los.

Dann nahm er die Hände von ihren Schultern, und zum Aufschrei der Menge sank sie zu seinen Füßen nieder, ergab sich in ihr Schicksal als Sklavin.

Der Krieger drehte sich nun zur Seite und streckte seine Hand aus. Aus der Dunkelheit wurde ihm Kragen und Kette zugeworfen, die er dem Mädchen anlegte.

Das Mädchen drängte nun von ihm fort, und zum Rhythmus der Musik kämpfte sie gegen die Kette. Haß und Hast sprachen nun aus dem Tanz, der an Tempo gewann. Das Mädchen umkreiste den Krieger, drehte sich in dem weiten Kragen; der Krieger holte etwas Kette ein, bis sie ganz in seiner Nähe war, dann ließ er zu, daß sie sich wieder entfernte. Endlich erreichte seine Faust den eigentlichen Kragen, und erschöpft sank die Sklavin gegen ihn, wurde von ihm hochgehoben und davongetragen.

Kamchak und ich und viele Zuschauer warfen Goldstücke in den Sand beim Feuer.

»Sie war großartig!« rief Aphris.

»Und ich«, klagte Kamchak, »habe nur zwei miserable Kochsklavinnen!«

Kamchak und ich standen auf. Aphris schmiegte sich an ihren Herrn. Kamchak nahm das Mädchen in die Arme, lachte dröhnend und warf sie sich über die Schulter. Dann stapfte er zum Ausgang.

»Heute nacht!« brüllte er und wandte sich um, »gehört die kleine Barbarin dir!«

Lachend verschwand er nach draußen.

Elizabeth Cardwell starrte ihm nach und sah mich verstört an. »Das kann er doch nicht tun«, sagte sie.

»Natürlich.«

»Natürlich«, sagte sie langsam. »Warum auch nicht?«

»Es tut mir leid.«

»Ich bin wie ein Buch oder ein Stuhl für ihn. Nimm sie! Behalte sie bis morgen!« Tränen standen ihr in den Augen.

»Ich dachte, du hättest dir gewünscht, daß ich dich kaufe.«

»Verstehst du mich denn nicht?« fragte sie. »Er hätte mich auch jedem anderen geben können, nicht nur dir — irgendeinem, irgendeinem !«

»Das stimmt«, sagte ich. »Aber mach dir nichts daraus.«

»Wie mir scheint, gehöre ich also jetzt dir«, sagte sie und lächelte unter Tränen.

»Es scheint so«, sagte ich.

Ich bückte mich, nahm Kamchaks Schlüssel zur Hand und löste Elizabeths Fessel.

»Was machst du nun mit mir?«

Ich lächelte. »Nichts«, sagte ich. »Hab’ keine Angst.«

»Oh? Gefalle ich dir so wenig?«

»Aber ja.«

»Und warum . . .?«

Was konnte ich ihr sagen? Sie tat mir leid. Die kleine Sekretärin, die ihrer Heimatwelt so weit entrückt war, hatte sich noch längst nicht eingewöhnt. Für mich würde sie immer die unglückliche Elizabeth Cardwell sein, das unschuldige Opfer einer ungewollten Versetzung aus einer Welt in die andere.

Sie blickte mir lange in die Augen und senkte dann weinend den Kopf. Ich nahm sie tröstend in die Arme, doch sie stieß mich von sich, drehte sich um und lief aus der kleinen Arena.

Ich blickte ihr verwirrt nach.

Dann folgte ich ihr achselzuckend und überlegte, ob ich vielleicht noch etwas im Lager spazierengehen sollte, ehe ich zum Wagen zurückkehrte. Elizabeths Verhalten verwirrte mich; ich fand, sie hatte seltsam reagiert. Wahrscheinlich machte sie sich Sorgen, daß sie vielleicht bald ihre Stelle als Erstes Mädchen im Wagen Kamchaks verlieren könnte. Und diese Sorge mochte gar nicht so unbegründet sein. Natürlich könnte ich Kamchak ermutigen, sie an einen guten Herrn zu verkaufen, aber wenn Kamchak auch bereit sein mochte, mir bei diesem Wunsch entgegenzukommen, würde über den Verkauf letztlich nur der Preis entscheiden. Wenn ich das Geld zusammenbekam, konnte ich sie natürlich selbst kaufen und ihr ein gutes Heim suchen. Beispielsweise hielt ich Conrad von den Kassars für einen geeigneten Mann. Er hatte jedoch kürzlich ein turianisches Mädchen bei den Spielen gewonnen. Außerdem gibt sich nicht jeder Mann mit einer untrainierten barbarischen Sklavin zufrieden, die — selbst wenn sie als Geschenk in den Wagen kommt — immerhin ernährt werden muß. Außerdem herrschte in diesem Frühling kein Mangel an Mädchen.

Um in Ruhe darüber nachzudenken, erstand ich eine weitere Flasche Paga, die mir auf meinem einsamen Spaziergang Gesellschaft leisten sollte.

Ich hatte erst ein Viertel der Flasche getrunken und ging gerade an einem Wagen vorbei, als ich plötzlich einen Schatten über die lackierten Planken zucken sah. Instinktiv warf ich den Kopf zur Seite. Im gleichen Augenblick zischte eine Quiva an meinem Ohr vorbei und bohre sich mit dumpfem Laut fünf Zentimeter tief in die Holzflanke des Wagens.

Ich warf die Pagaflasche weg, wobei ich die hochprozentige Flüssigkeit in hohem Bogen verschüttete, fuhr herum und sah etwa fünfzig Meter entfernt eine dunkle Gestalt zwischen zwei Wagen stehen — meinen verhüllten Verfolger aus dem Klan der Folterer, der mich nicht zum erstenmal belästigte.

Der Unbekannte machte auf dem Absatz kehrt und sprintete davon. Ich zog mein Schwert und stolperte hinter ihm her, doch schon wurde ich von einer Reihe aneinandergebundener Kaiila aufgehalten, die ins Lager geführt wurden, nachdem sie auf der Ebene hatten jagen dürfen.

Als ich endlich den dichtgedrängten Körpern ausweichend mich unter dem Seil wegducken konnte, das die Tiere zusammenhielt, war mein Angreifer verschwunden. Meine Anstrengungen brachten mir nur die ärgerlichen Rufe des Mannes an der Spitze des Kaiilazuges ein. Eines der bösartigen Tiere schnappte sogar nach mir und zerriß mir den Ärmel meiner Tunika.

Wütend kehrte ich zum Wagen zurück und zog die Quiva aus dem Holz.

Inzwischen hatte sich auch der Wagenbesitzer eingefunden, den der Zwischenfall natürlich interessierte. Er hielt eine Fackel in die Höhe und untersuchte mürrisch den Schaden an seinem Wagen. »Ein ungeschickter Wurf«, grollte er unwillig.

»Vielleicht«, sagte ich.

»Aber«, sagte er und wandte sich an mich, »unter diesen Umständen war’s vielleicht ganz gut so.«

»Ja«, nickte ich. »Das mag wohl sein.«

Ich fand meine Pagaflasche wieder und stellte fest, daß noch ein Rest darin war. Ich wischte den Flaschenhals ab und reichte sie dem Mann. Er trank etwa die Hälfte, fuhr sich über den Mund und gab mir die Flasche zurück. Ich leerte sie vollends und warf sie in eins der Abfallöcher, die in regelmäßigen Abständen im Lager zu finden sind.

»Kein schlechter Paga«, sagte der Mann.

»Nein«, sagte ich, »der Paga ist ziemlich gut.«

»Darf ich die Quiva mal sehen?« fragte der Mann.

»Natürlich.«

»Interessant.«

»Was?«

»Die Quiva.«

»Aber was ist an ihr so interessant?«

»Es ist eine paravacische Quiva.«

13

Am Morgen war Elizabeth Cardwell verschwunden.

Kamchak war außer sich vor Wut. Aphris, die die Stimmungen des Tuchuks fürchten gelernt hatte, hielt sich stumm im Hintergrund.

»Du darfst die Jagdsleen nicht loslassen«, sagte ich zu Kamchak.

»Ich behalte sie an der Leine«, erwiderte er grimmig. Mißtrauisch beobachtete ich die beiden sechsbeinigen geschmeidigen Jagdsleen, die an ihren Ketten zerrten. Kamchak hielt Elizabeths Bettzeug — eine rote Decke — vor ihre Schnauzen. Die spitzen Ohren legten sich eng an die dreieckigen Köpfe; die langen Körper zitterten, ich sah, wie die Krallen hin und her zuckten. Die Tiere hoben die Köpfe, schwenkten sie hin und her, nahmen Witterung auf. Im nächsten Augenblick begannen sie aufgeregt zu wimmern; ich wußte, daß sie der Spur zuerst zu der Einfriedung folgen würden, wo wir gestern abend den Tanz gesehen hatten.