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»Eine Falschheit«, sagte der Orc. »Ein Ding, das nicht sein sollte«, fügte er an einem anderen Punkt hinzu. Diese und andere Beschreibungen trafen Malfurion wie geschliffene Dolche …

Er merkte nicht einmal, als Brox mit seiner Geschichte fertig war, denn sein Geist fühlte sich von der Wahrheit all dieser Dinge mitgerissen. Tyrande musste seinen Arm drücken, um seine Aufmerksamkeit wiederzugewinnen.

»Bist du in Ordnung, Malfurion? Du siehst aus, als würdest du frieren …«

»Ich … ich … ich bin in Ordnung.« An Brox gewandt, fragte er: »Du hast diese … diese Geschichte … Lord Ravencrest erzählt?«

Der Orc blickte unsicher, doch eine der Wachen antwortete: »Jawohl, genau das hier hat er erzählt, Wort für Wort!« Der Soldat gab ein rau bellendes Lachen von sich. »Und Lord Ravencrest glaubte ihm genauso wenig wie Ihr jetzt! Aber morgen bringt er das Ding schon dazu, die Wahrheit zu sagen – und wenn es Freunde in der Nähe hat, dann sollten die es sich zweimal überlegen, bevor sie uns angreifen, was?«

Also vermutete Ravencrest lediglich eine Invasion von Orcs. Malfurion fühlte sich enttäuscht. Er bezweifelte, dass der Elfenkommandant die mögliche Verbindung zwischen seiner eigenen Vision und Brox’ Geschichte erkennen würde. Und je mehr er darüber nachdachte, desto mehr bezweifelte der junge Nachtelf, dass Ravencrest seinen eigenen Worten Glauben schenken würde. Hier war Malfurion, der dem Edelmann erzählen wollte, dass ihre geliebte Königin an tollkühnem Zauberwerk beteiligt war, welches eine große Katastrophe über ihr Volk zu bringen drohte. Malfurion konnte es selbst kaum glauben.

Wenn er nur mehr Beweise besessen hätte.

Der Soldat begann nervös, von einem Fuß auf den anderen zu treten. »Schwester … ich fürchte, ich muss Euch und Euren Gefährten jetzt bitten zu gehen. Unser Hauptmann kommt bald, und ich hätte Euch wirklich nicht …«

»Es ist schon in Ordnung. Ich verstehe.«

Als sie gerade aufstehen wollten, rückte Brox näher an die Vorderseite des Käfigs heran und streckte eine Hand nach Tyrande aus. »Schamanin … ein letzter Segen. Wenn Ihr ihn geben könnt.«

»Natürlich …«

Während sie wieder niederkniete, dachte Malfurion verzweifelt darüber nach, was er tun sollte. Eigentlich hätte er seinen Verdacht Lord Ravencrest mitteilen müssen, aber er wusste, dass das vergeblich sein würde.

Wenn er sich nur mit Cenarius besprechen könnte, doch bis dahin könnte der Orc …

Cenarius!

Malfurion blickte auf Tyrande und Brox, und eine schicksalhafte Entscheidung formte sich in seinem Geist.

Tyrande verabschiedete sich von Brox und erhob sich wieder. Malfurion nahm sie am Arm, und die beiden jungen Leute dankten den Soldaten für die Zeit, die sie ihnen gewährt hatten. Auf dem Gesicht der jungen Priesterin stand Besorgnis zu lesen, als sie gingen, aber Malfurion sagte nichts. Seine eigenen Gedanken wirbelten noch in seinem Kopf.

»Es muss doch etwas geben, das man tun kann«, flüsterte sie schließlich.

»Was meinst du damit?«

»Morgen bringen sie ihn nach Black Rook Hold. Und dann werden sie ihn …« Tyrande stockte. »Ich habe allen Respekt vor Lord Ravencrest, aber …«

Malfurion nickte nur.

»Ich habe mit Mutter Dejahna gesprochen, der Hohepriesterin, aber sie sagt, dass wir nichts tun können, außer für seine Seele zu beten. Sie lobte mich für mein Mitgefühl, doch sie meinte, ich solle den Dingen ihren Lauf lassen.«

»Den Dingen ihren Lauf lassen«, murmelte Malfurion und starrte ins Leere. Er knirschte mit den Zähnen. Er musste jetzt handeln. Es gab kein Zurück mehr, nicht, wenn seine Befürchtungen auch nur ansatzweise zutrafen. »Hier – rechts«, sagte er plötzlich und zog Tyrande in eine Seitenstraße. »Wir müssen mit Illidan sprechen.«

»Illidan? Aber warum?«

Malfurion atmete tief ein, dachte an den Orc und an die Quelle und sagte: »Weil wir den Dingen ihren Lauf lassen werden … aber unter unserer Regie.«

Xavius stand vor der feurigen Kugel und starrte mit gespannter Aufmerksamkeit in das klaffende Loch. Tief in dessen Inneren starrten die Augen seines Gottes zurück, und seine Stimme sprach zu ihm.

Ich habe deine Bitten gehört, sagte er zu dem Berater. Und ich kenne deine Träume … eine Welt, die von allem Unreinen, von aller Unvollkommenen gereinigt ist. Ich will dir diesen Wunsch erfüllen, dir, Erster meiner Getreuen

Ohne seinen Blick von der Sphäre abzuwenden, kniete Xavius nieder. Die anderen Hochgeborenen fuhren mit ihrem Zauberwerk fort und versuchten, das auszubauen, was sie bereits geschaffen hatten.

»So werdet Ihr zu uns kommen?«, fragte der Nachtelf, und in seinen magischen Augen blitzte Erwartung auf. »Ihr werdet in unsere Welt kommen und sie säubern?«

Noch ist der Weg nicht offen … er muss gestärkt werden … damit er in der Lage ist, mein glanzvolles Erscheinen zu tragen …

Der Berater nickte. Er verstand. Eine so großartige, so herrliche Kraft wie der Gott war viel zu mächtig für das klägliche Portal der Nachtelfen. Die bloße Präsenz des Gottes würde es zerreißen. Das Tor musste vergrößert werden, gestärkt und befestigt.

Warum die angebliche Gottheit diese Aufgabe nicht selbst bewerkstelligen konnte, war eine Frage, die Xavius nicht stellte. Er war zu sehr versunken in das Wunder seines neuen Herrn.

»Was können wir tun?«, fragte er. So sehr sie sich auch anstrengten, die Zauberer der Hochgeborenen waren offenkundig an den Grenzen ihres Wissens und ihrer Fähigkeiten angelangt – auch Xavius.

Ich sende euch einen meiner geringeren Diener, um euch anzuleiten … Er kann in eure Welt hinüber gehen … mit Mühe … Doch ihr müsst ihm sein Kommen vorbereiten …

Der Nachtelfen-Lord sprang sofort auf und befahl seinen Untergebenen: »Keiner darf in seinen Anstrengungen nachlassen! Der Gott segnet uns mit dem Erscheinen eines seiner Auserwählten!«

Die Hochgeborenen verstärkten ihre Bemühungen, und die Kammer knisterte unter den rohen, fürchterlichen Energien, die geradewegs aus der Quelle strömten. Draußen brüllte der Himmel wütend, und jeder, der in diesem Moment auf den großen, schwarzen See, der sich in seinen Schmerzen wälzte, geschaut hätte, hätte seine Augen in Furcht abgewandt.

Die Feuerkugel innerhalb des Musters schwoll an, die Lücke in ihrem Zentrum dehnte sich aus wie ein klaffender, breiter Mund. Etwas, das klang wie Millionen Stimmen, die alle gleichzeitig heulten, erfüllte die Kammer. Musik in Xavius’ Ohren.

Aber dann wankte einer der Hochgeborenen unter der Anstrengung und drohte zu stürzen. Xavius fürchtete das Schlimmste und drängte sich in den Kreis, fügte dem magischen Kraftakt seine eigene Stärke hinzu. Er würde seinen Gott nicht enttäuschen! Er würde sich seiner würdig erweisen!

Doch zunächst sah es aus, als müssten er und die anderen doch versagen. Energien tobten in dem Portal, aber es wuchs nicht. Xavius konzentrierte all seine Kraft und alle Entschlossenheit auf das Tor. Schließlich zwang er die Lücke weiter auseinander.

Und dann … wurden die versammelten Hochgeborenen durch ein wundersames, blendendes Licht zurück getrieben. Dennoch gelang es ihnen irgendwie, ihr Werk aufrechtzuerhalten.

In der Tiefe der Pforte formte sich eine seltsam anmutende Gestalt. Zunächst schien sie nur wenige Zoll groß zu sein, doch sie kam rasch auf sie zu und wuchs … und wuchs … und wuchs

Der Belastungen forderten von weiteren Zauberern Tribut. Zwei der Männer brachen zusammen. Einer von ihnen atmete kaum noch. Die anderen Magier wankten, doch wieder gelang es ihnen, unter Xavius’ manischer Mitwirkung die Macht über das Portal zurückzugewinnen.

Plötzlich erzitterten die Nachtelfen unter dem schaurigen Heulen von Hunden. Und nur der Berater mit seinen magischen Augen sah, was als Erstes aus dem Tor heraustrat.