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Die Luft beruhigte sich, als Cenarius vortrat und Malfurion und die anderen betrachtete.

»Von dir hätte ich Besseres erwartet«, bemerkte er ruhig und mit einem Blick auf den Nachtelf. »Aber dies sind seltsame Zeiten.« Er sah Brox an. »Und wie es scheint, werden sie mit jeder vergehenden Stunde seltsamer.«

Der Orc knurrte Cenarius an. Malfurion brachte ihn rasch zum Schweigen. »Dies ist der Herr des Waldes, der Halbgott Cenarius … der, zu dem ich dich bringen wollte, Brox.«

Brox entspannte sich ein wenig und zeigte dann auf den Magier in seinem Umhang. »Und der? Ist das auch ein Halbgott?«

»Er ist Teil des Rätsels«, antwortete Cenarius. »Und du scheinst zum gleichen Rätsel zu gehören.« An das Wesen im Ring gewandt, fügte er hinzu: »Du hast den Neuankömmling erkannt, mein Freund Rhonin.«

Der Magier schwieg.

Der Halbgott schüttelte sichtlich enttäuscht den Kopf. »Ich will dir nichts tun, Rhonin, aber es ist zu viel geschehen, das mich und die anderen verstört und nicht hierher zu gehören scheint. Du und dein verschwundener Begleiter und jetzt dieser …«

»Sein Name ist Brox«, half Malfurion aus.

»Dieser Brox«, fügte Cenarius hinzu. »Ein weiteres Wesen, das selbst ich noch nie gesehen habe. Und wie ist Brox hierher gelangt, mein Schüler? Ich nehme an, es gibt eine verstörende Geschichte über ihn zu erzählen.«

Der Nachtelf nickte und begann sofort von seiner Orc-Rettungsaktion zu berichten. Dabei nahm er jede Schuld auf sich. Tyrande und Illidan erwähnte er kaum.

Doch Cenarius, der viel weiser und älter als sein Schüler war, erkannte einen Großteil der Wahrheit. »Ich sagte bereits, dass das Schicksal dir und deinem Bruder unterschiedliche Wege auferlegt hat. Ich glaube, dass ihr diese Kreuzung nun erreicht habt, auch wenn ihr es nicht wisst.«

»Ich verstehe nicht, was …«

»Darüber reden wir ein anderes Mal.« Der Halbgott ging plötzlich an Malfurion und Brox vorbei und blickte in den Wald. Rund um die Lichtung begannen die Baumkronen voller Wut zu erzittern. »Wir haben keine Zeit mehr. Ihr solltet euch besser bereit halten … auch du, Freund Rhonin.«

»Ich?«, fragte der Zauberer.

»Was ist los, Shan’do?« Malfurion spürte die Wut der Bäume.

Der sonnendurchflutete Himmel donnerte, und der Wind wurde erneut stärker. Ein Schatten fiel über Cenarius’ majestätisches Antlitz, ein dunkler Schatten, der selbst Malfurion vor seinem Lehrer zurückweichen ließ.

Der Herr des Waldes streckte seine Arme aus, als wolle er jemanden umarmen, den niemand außer ihm sehen konnte. »Wir werden gleich angegriffen … und ich befürchte, dass ich euch nicht alle beschützen kann.«

Die einsame Feibestie folgte der Spur, wie es kein Tier und kein Reiter vermocht hätte. Sie witterte nicht den Geruch ihrer Beute, sondern die Magie, die in ihr wohnte. Die Energie, die man Magie nannte, war Nahrung, ebenso wie Fleisch und Blut … und wie alle anderen ihrer Art war die Feibestie stets hungrig.

Sterbliche Wesen hätten die Magie des Wächters nicht bemerkt, aber dem Dämon fiel sie sofort auf. Er stürzte sich voller Gier auf sein unbewegliches Ziel. Die furchtbaren Tentakel schlugen wie Peitschen aus und trafen den dicken Stamm.

Die Eiche tat ihr Bestes, um gegen den unbekannten Feind zu bestehen. Wurzeln griffen nach den Pfoten, aber die Feibestie wich ihnen aus. Lose Äste stürzten von hoch oben herab und prallten von der dicken Haut des Monsters ab.

Als die Eiche bemerkte, dass das, was sie versuchte, keine Wirkung zeigte, stieß sie einen seltsam klagenden Schrei aus, der immer heller wurde. Schon bald hatte er eine Höhe erreicht, die für die meisten Wesen unhörbar war.

Doch für die Feibestie war dies ein furchtbarer Laut. Der Dämon jaulte und versuchte, seinen Kopf in die Erde zu stecken. Gleichzeitig jedoch weigerte er sich, den Wächter loszulassen. Die beiden Wesen kämpften …

Am Ende erwies sich die Feibestie als stärker. Der Eiche wurde die Magie immer weiter entzogen, und sie fiel mehr und mehr in sich zusammen. Schließlich starb sie – so wie es mit der Mondgarde geschehen war –, nachdem sie Tausende von Jahren den Pfad erfolgreich bewacht hatte.

Die Feibestie schüttelte ihren Kopf und zog die Luft durch die Nüstern. Die Tentakel zuckten gierig vor, aber der Dämon verließ seine Position nicht. Er war durch die Magie der Eiche gewachsen und jetzt doppelt so groß wie zuvor.

Dann kam es zur Verwandlung. Eine tiefschwarze Aura umgab die Feibestie und hüllte sie vollständig ein. Darin gefangen wand sich der Dämon, als versuchte er, vor sich selbst zu fliehen.

Und je stärker er dies versuchte, desto mehr veränderte er sich. Ein Kopf erschien, dann zwei, drei, vier … schließlich fünf. Jedes Haupt zog heftiger und stärker am Körper, bis breite Hälse, kräftige Schultern und muskulöse Oberkörper und Beine zum Vorschein kamen.

Durch die reiche Magie des uralten Wächters wurde aus der einzelnen Feibestie ein Rudel. Die Anstrengung schwächte die Dämonen vorübergehend, doch sie erholten sich innerhalb weniger Augenblicke. Das Wissen, dass vor ihnen noch mehr Nahrung und noch mehr Macht lag, spornte sie an.

Das Rudel der Feibestien stürmte der Lichtung entgegen.

14

Du bist ein wahrer Diener, sagte der Erhabene zu Lord Xavius. Deine Belohnung wird unendlich sein … Alles, was du dir erträumst, sollst du haben … alles … und jeden.

Die magischen Augen des Nachtelfen blinzelten nicht, als er auf einem Knie vor dem feurigen Portal hockte und die Versprechen des Gottes in sich aufsog. Er war der bevorzugte Diener des Erhabenen. Er würde unvorstellbare Macht erlangen, sobald der Weg bereitet war.

Und je länger die Hochgeborenen daran scheiterten, Letzteres zu erreichen, desto mehr verzögerte sich die Ankunft des Gottes. Das frustrierte den Berater zusehends.

Dieses Gefühl teilte er mit zwei weiteren Personen. Die eine war Königin Azshara, die sich ebenso sehr nach dem Tag sehnte, an dem all die Unreinen von der Welt getilgt würden und nur die Nachtelfen übrig blieben – und auch von ihnen nur die Besten –, um über das neue Paradies zu herrschen. Sie wusste natürlich nicht, dass der Erhabene in seiner Weisheit beschlossen hatte, sie zu Xavius’ Gefährtin zu machen. Aber der Berater nahm an, dass ihre Proteste nur von kurzer Dauer sein würden, wenn ihr wundervoller Gott sie davon in Kenntnis setzte.

Auch der riesige Hakkar war von dem Mangel an Erfolg frustriert. Der Herr der Hunde wurde stets von zwei Feiwachen begleitet, wenn er die hochgeborenen Magier aufsuchte, sie auf Fehler in ihren Zaubern hinwies oder seine eigene Macht zu ihrer Unterstützung einsetzte.

Doch selbst mit seinem uralten Wissen war es ihnen gerade erst gelungen, einen kleinen Triumph zu erzielen. Jetzt hielten sich Hakkar und seine Haustiere nicht mehr allein unter den Nachtelfen auf. Zu ihnen hatten sich drei weitere gehörnte Riesen mit roten Gesichtern gesellt, die manch einer entsetzlich fand. Lord Xavius aber bewunderte sie. Sie waren mehr als neun Fuß groß und überragten die Hochgeborenen, die selbst bereits sieben Fuß maßen.

Dies waren die Abgesandten des Gottes, Himmelskrieger, deren einzige Pflicht darin bestand, jeden seiner Befehle auszuführen, egal, was es sie kostete. Jeder von ihnen war rund neun Fuß hoch, und obwohl sie seltsam dürr wirkten, hatte keine der in Flammenrüstungen gehüllten Gestalten Probleme damit, ihre massiven Schilde zu halten und den brennenden Streitkolben zu schwingen. Sie gehorchten jedem Befehl aufs Wort und behandelten den Berater mit dem gleichen Respekt, den sie Hakkar erwiesen.

Und schon bald würden weitere eintreffen. Als Xavius zurücktrat, sah er, wie das Portal aufleuchtete. Es dehnte sich aus, wurde größer und größer, bis …

… eine weiterer Feibestie – so nannte Hakkar die mächtigen Kämpfer – durch das Tor kam. Der Neuankömmling betrat die sterbliche Welt und neigte sein furchterregendes Haupt zuerst in Hakkars Richtung, dann in Xavius’.