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»Sie soll stets ihr Ziel finden und ihren Herrn immer schützen. Sie soll im Namen von Leben und Gerechtigkeit geschwungen werden. Sie soll ihrem Herrn Kraft schenken, so wie er ihr Kraft gibt.«

Während er diese Worte sprach, entstand eine blaue Aura rund um die Axt. Das Licht wurde von der Axt aufgesogen. Sie begann bläulich zu schimmern.

Der Halbgott reichte dem Orc die Axt. »Sie gehört dir. Sie wird dir gute Dienste erweisen.«

Der Orc nahm die Axt mit geweiteten Augen entgegen und schwang sie probeweise. »Die Balance … perfekt! Das Gefühl … wie ein Teil meines Arms. Aber sie wird zerbrechen …«

»Nein«, antwortete der Waldgott. »Außer Malfurions Können hat sie jetzt auch meinen Segen erhalten. Du wirst feststellen, dass sie stärker als jede von Menschen geschmiedete Axt ist. Das garantiere ich dir.«

Der Nachtelf griff nach keiner Waffe und wünschte sich auch keine, wie Brox sie trug. Obwohl er wusste, dass die dämonischen Kreaturen sich von Magie und Zauberei ernährten, setzte er immer noch auf seine Zauber, nicht auf Waffen, die er nur mittelmäßig zu führen verstand. Er hatte bereits einen Plan, wie er seine Talente einsetzen konnte, ohne dass es ihm zum Nachteil gereichte.

Und so stellte das Trio sich dem Feind.

Die Alpträume aus Rhonins Vergangenheit kehrten zurück, um ihn zu quälen, ihn zu jagen, und dieses Mal wurden sie Realität. Feibestien, die Boten der Brennenden Legion, hatten die Dimension der Sterblichen erreicht. Die endlosen Reihen der gehörnten Feuerdämonen konnten folglich nicht mehr weit sein.

Krasus hatte dem rothaarigen Magier drastisch vor Augen geführt, was geschehen würde, wenn er weiter in die Vergangenheit eingriff. Was wie ein Sieg aussah, konnte sehr wohl das Ende der bisherigen Zukunft bedeuten. Wenn Rhonin wirklich die Leben derjenigen, die er liebte, schützen wollte, so unternahm er am besten gar nichts mehr.

Doch als die erste Feibestie auf die Lichtung sprang, vergaß er sämtliche hehren Vorsätze.

Donner krachte rund um den Halbgott, als er den Feibestien entgegen trat. Seine Hufe erschütterten den Boden und rissen ihn an manchen Stellen sogar auf. Wenn er die Hände zusammenschlug, schossen Blitze daraus hervor.

Doch nicht nur das, denn plötzlich stieg eine Miniatursonne aus seinen Händen empor und schoss auf den vordersten Dämon zu. Vielleicht testete der Halbgott seinen Gegner nur oder er unterschätzte dessen Widerstandskraft, denn die Feibestie ließ ihre Tentakel vorschnellen … und absorbierte Cenarius’ Zauber mühelos.

Die Feibestie zögerte, leuchtete auf … und plötzlich standen dort, wo gerade noch eine gewesen war, zwei.

Sie griffen den Hirschgott an, schlugen nach ihm und versuchten seine starke Magie aus ihm herauszuziehen. Mit einer Hand hielt Cenarius den ersten auf. Der Dämon wand sich und schnappte nach dem Arm, der ihn in der Luft festhielt. Der zweite stürzte sich jedoch auf seine Schulter; die Tentakel tasteten nach dem Fleisch des Halbgottes. Die drei Kämpfer stürzten in einem Gerangel aus Gliedern nach hinten.

Das haben sie noch nie getan! Rhonin hatte noch nie einer Feibestie gegenüber gestanden, aber er hatte ihre Kadaver untersucht und alle Informationen gesammelt, die er über sie bekommen konnte. Selten war er auf Geschichten gestoßen, in denen sich die Feibestien vermehrten, aber wenn, dann hatte es geheißen, sie müssten sich große Mengen Magie einverleiben, um dies zu bewerkstelligen. Auch sollte es ein langsamer und schwieriger Prozess sein. Das muss an der uralten Magie liegen, die der Halbgott und der Wald benutzen … sie ist so reich und mächtig, dass die Bestien durch sie noch furchtbarer werden.

Ihn schauderte, als er daran dachte, dass Magie stets sein bester Helfer gewesen war. Zwar konnte er auch mit der Hand kämpfen, aber er verfügte über keine Waffe und bezweifelte, dass Cenarius ihm eine geben würde. Gegen diese Ungeheuer wäre er jedoch selbst mit einem Schwert chancenlos geblieben. Er brauchte seine Magie.

Als Cenarius ihn und Krasus zu dem Ring gebracht hatte, war es ihm nicht gelungen, einen Zauber zu wirken. Der Waldgott hatte einen Bann um seinen Geist gelegt, um die Macht seiner beiden »Gäste« unter Kontrolle zu halten. Allerdings hatte Rhonin gespürt, wie der Bann wich, als Cenarius die Gefahr erkannte, in der sie alle schwebten. Der Halbgott wollte dem Zauberer nicht wirklich schaden. Er hatte nur aus Sorge um seinen Wald und seine Welt gehandelt.

Doch selbst wenn er Krasus Warnungen in den Wind schlug, war nicht klar, was er mit seinen Kräften überhaupt ausrichten konnte. Die Dämonen würden sicherlich nach seiner Magie lechzen, so wie sie nach der Magie aller Magier gegiert hatten, die sie im künftigen Krieg gegen die Legion ausgesaugt hatten.

Die Feibestien bedrängten ihre Gegner und näherten sich Rhonin mehr und mehr. Seine Hände ballten sich zu Fäusten, und die Worte der Macht lagen ihm auf der Zunge.

Und dennoch hielt er sich weiter zurück …

Während Cenarius und die Zwillings-Feibestien zu Boden gingen, sprangen zwei weitere auf Brox zu. Der kräftige Krieger stellte sich ihnen mit einem solch urgewaltigen Kriegsschrei entgegen, dass eine der Bestien kurz zögerte. Der Orc nutzte dies zu seinem Vorteil und schlug hart nach seinem Gegner.

Die verzauberte Axt grub sich tief in die Vordertatze der Feibestie und trennte drei Klauen mit solcher Leichtigkeit ab, als habe er nur die Luft geteilt. Die faulig grüne Flüssigkeit, die bei vielen Dämonen das Blut ersetzte, spritzte über den Boden und verbrannte die Grashalme wie Säure.

Die verletzte Feibestie stieß ein Jaulen aus und taumelte zur Seite, aber ihr Kampfgenosse preschte weiter und warf sich auf den Orc. Brox, der noch versuchte, nach seinem Schlag das Gleichgewicht zurück zu gewinnen, konnte sich gerade noch retten, indem er den Schaft der Axt in die Brust des vorspringenden Angreifers rammte.

Die Feibestie stieß ein monströses Stöhnen aus, wurde aber nicht langsamer. Sie prallte gegen Brox und begrub ihn beinahe unter ihrem riesigen Körper.

Der Nachtelf sah sich währenddessen einem Monster gegenüber, das gierig mit seinen vampirischen Tentakeln nach ihm griff. Malfurion konzentrierte sich und versuchte, wie Cenarius zu denken. Von ihm hatte er gelernt, die Natur als Waffe und Freund zu betrachten.

In Anlehnung an die Begegnung mit dem Halbgott erschuf Malfurion aus dem Wind einen brüllenden Wirbelsturm, der die Feibestie sofort einhüllte. Die Tentakel schwangen wild hin und her und suchten nach Magie. Doch Malfurions Zauber hatte lediglich die natürliche Kraft des Windes verstärkt, daher fand der Dämon nur wenig Nahrung.

Mit einer Geste seiner rechten Hand bat er die umstehenden Bäume, ihm all die Blätter zu schenken, die sie entbehren konnten. Er benötigte nur die Stärksten, diese aber in großer Zahl – und rasch.

Aus den Kronen der übergroßen Wächter fielen Hunderte von Blättern, alle, die sie ihm schenken konnten. Malfurion benutzte eine weitere Brise, um die Blätter auf den Wirbelsturm zuzutreiben.

Darin kämpfte sich die Feibestie vor, näherte sich unaufhaltsam ihrer Beute. Der Wirbelsturm glich sich jedem ihrer Schritte an und behielt den Dämon in seiner Mitte.

Die Blätter wurden in den Wirbelsturm gesogen. Ihre Zahl wurde rasch größer, und sie bewegten sich immer schneller. Die Feibestie beachtete sie zuerst nicht, denn für den mächtigen Dämon waren sie kaum mehr als ein wenig Dreck im Wind. Dann aber schnitt das erste Blatt in seine Schnauze und hinterließ eine klaffende Wunde.

Die wütende Bestie schlug danach, doch im gleichen Moment schnitten weitere Blätter in seine Tatze, seine Beine und den übrigen Körper. Der hundertfach verstärkte Wind verlieh jedem Blatt die Wirkung einer Klinge. Sie schnitten in das Fleisch der Kreatur, wo immer sie es berührten. Grüne Flüssigkeit tropfte über den Leib des Dämons, lief über seine Beine und raubte ihm die Sicht.

Cenarius und seine Angreifer hatten sich im Kampf weit von den anderen entfernt. Das Kreischen der Dämonen fand seine Antwort im majestätischen Gebrüll des Waldgottes. Er ergriff den Vorderlauf der Feibestie, die an ihm hing und brach ihr mit einem einzigen Ruck den Knochen. Der Dämon heulte auf. Seine Tentakel lösten sich und peitschten hin und her als Reaktion auf die Schmerzen.