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»Weißt du, was uns verschlungen hat?«

Brox hob die Schultern. »Spruch eines Zauberers. Schlechter Spruch. Hat uns weit von Zuhause weg verschlagen.«

»Weiter als du ahnst.« Rhonin entschied, dass Brox ein Recht auf die Wahrheit hatte, auch wenn Krasus das vermutlich anders sah. Also erzählte er dem Orc, was geschehen war.

Zu seiner Überraschung akzeptierte Brox das Gehörte offenbar, ohne Zweifel zu äußern. Erst als Rhonin sich die Geschichte des Orc-Volkes in Erinnerung rief, verstand er den Grund dafür. Die Orcs waren einst schon einmal durch Zeit und Raum in eine andere Welt gereist. Ein Zauber, der jemanden in die Vergangenheit warf, unterschied sich wahrscheinlich nicht sonderlich davon.

»Können wir zurückkehren, Mensch?«

»Ich weiß es nicht.«

»Du hast es gesehen. Die Dämonen sind hier. Die Legion ist hier.«

»Das ist ihr erster Versuch, unsere Welt zu erobern. Jenseits von Dalaran kennt man diese Überlieferung nicht mehr.«

Brox verstärkte den Griff um seine Axt. »Dann werden wir kämpfen …«

»Nein … das geht nicht.« Rhonin weihte Brox in Krasus’ Meinung ein.

Alles andere hatte der Orc widerspruchslos akzeptiert, doch warum er sich nicht in die Vergangenheit einmischen sollte, schien er nicht zu begreifen. Für ihn war die Angelegenheit klar: Hier gab es einen gefährlichen, hinterhältigen Feind, der alle, die ihm im Weg standen, abschlachtete. Nur Feiglinge und Narren würden so etwas zulassen, und das sagte Brox auch mehr als einmal.

»Wir könnten den Lauf der Geschichte verändern, wenn wir eingriffen«, beharrte der Zauberer, auch wenn sein Herz dem Orc beipflichtete.

Brox schnaufte. »Du hast gekämpft.«

Seine einfache Aussage warf Rhonins komplette Argumentation über den Haufen. Er hatte bereits gekämpft, ja, und damit seine Wahl getroffen.

Aber war es die Richtige? Die Vergangenheit war bereits verändert worden, nur – wie stark?

Sie gingen schweigend weiter. Rhonin kämpfte mit seinen persönlichen Dämonen, während Brox vorsichtig nach realen Ausschau hielt. Sie fanden keinen Hinweis auf den Ort, an dem sie gestrandet waren. Nach einer Weile zog Rhonin in Erwägung, sich auf die Lichtung zu konzentrieren und sie beide dorthin zurückzubefördern. Dann erinnerte er sich jedoch an die Feibestie und das, was sie ihm beinahe angetan hätte.

Die Bäume standen jetzt dichter und bildeten einen richtigen Wald. Rhonin fluchte lautlos, denn die von ihm gewählte Richtung schien sich als Fehlschlag zu entpuppen. Brox äußerte seine diesbezügliche Meinung nicht, sondern schlug nur geübt mit seiner verzauberten Axt auf das Geäst und Gestrüpp ein, wenn der Pfad zu schmal wurde. Auch Knochen hätten der Klinge wenig Widerstand geleistet.

Der Mond verschwand hinter den Baumkronen. Der Weg wurde unpassierbar. Nachdem sie sich einige Minuten durch das Gehölz gekämpft hatten, entschieden sie gemeinsam, dass jeder weitere Vorstoß wohl sinnlos war. Aber selbst jetzt sparte sich der Orc jede Bemerkung über Rhonins vorausgegangene Wegwahl.

Aber als sie sich umdrehten, mussten sie erkennen, dass der Pfad hinter ihnen verschwunden war.

Riesige Bäume standen dort, wo eben noch ein Weg verlaufen war, umgeben von fast lückenlosem Dickicht. Der Orc und der Mensch starrten die Bäume misstrauisch an.

»Wir sind von dort gekommen. Da bin ich mir sicher.«

»Richtig.« Brox hob seine Axt und ging auf die mysteriös aufgetauchten Bäume zu. »Und wir gehen auch den selben Weg wieder zurück.«

Doch als er ausholte, griffen große Asthände nach der Klinge und zerrten daran.

Brox ließ nicht los, sondern hielt krampfhaft den Stiel fest. Seine Beine strampelten, als er versuchte, die Axt unter Einsatz aller Kraft und seines Gewichts von dem fremden Zugriff zu befreien.

Rhonin lief zu ihm, um zu helfen, vermochte aber mit roher Gewalt wenig auszurichten. Schließlich starrte er auf die langen, unmenschlichen Finger und begann einen Spruch zu formen.

Doch etwas schlug in seinen Rücken. Der Zauberer stolperte und wäre gegen den nächsten Baum geprallt, wenn dieser nicht im letzten Moment ausgewichen wäre.

Der eigene Schwung ließ Rhonin zu Boden gehen. Allerdings fiel er auf etwas unerwartet Weiches.

Einen Körper.

Rhonin keuchte, weil er glaubte, ein früheres Opfer der tückischen Bäume gefunden zu haben. Aber als er sich aufrichtete, fiel ein einzelner Mondstrahl, der sich an den Baumkronen vorbeistahl, auf ein Gesicht.

Malfurion!

Der Nachtelf stöhnte. Seine Augen öffneten sich und entdeckten den Zauberer.

»Du …?«

Weiter hinten schrie Brox etwas. Mensch und Nachtelf fuhren herum. Rhonin hob die Hand zum Angriff, aber Malfurion überraschte ihn, indem er seinen Arm festhielt.

»Nein!« Der Nachtelf setzte sich auf und betrachtete die Bäume. Dann nickte er und rief: »Brox! Kämpfe nicht gegen sie. Sie wollen dir nichts tun.«

»Nichts tun?«, grollte der Orc. »Sie wollen meine Axt

»Tu, was ich sage! Es sind Wächter.«

Der Krieger grunzte zögernd. Rhonin sah Malfurion an und erwartete eine Erklärung, erhielt aber keine. Stattdessen ließ der Nachtelf den Arm des Zauberers los und stand auf. Rhonin folgte ihm zu der Stelle, wo Brox kämpfte.

Sie fanden den Orc umgeben von seltsam aussehenden Bäumen. Äste hingen über ihm, und darin steckte Brox’ Axt. Der Orc atmete schwer, sein Körper war immer noch angespannt. Er sah von seinen Begleitern zu seiner Axt und wieder zurück, schien zu überlegen, ob er am Stamm emporklettern sollte.

»Hab deine Stimme erkannt«, schnarrte er. »Hoffe, du hast Recht.«

»Habe ich.«

Der Zauberer und der Krieger sahen zu, wie Malfurion neben dem größten Baum stehen blieb und sagte: »Ich bedanke mich bei den Brüdern des Waldes, den Bewahrern der Natur. Ich weiß, dass ihr mich beschützt habt, bis meine Freunde mich finden konnten. Sie wollen euch nicht verletzen – es war ein Missverständnis.«

Die Blätter der Bäume raschelten, obwohl Rhonin keinen Wind spürte.

Der Nachtelf nickte und fuhr fort: »Wir werden euch nicht länger belästigen.«

Ein weiteres Rascheln, dann teilten die Äste sich und ließen Brox’ Axt fallen.

Bevor sie den Boden berühren konnte, trat der Orc blitzschnell vor. Seine Hand fing die Axt am Griff auf. Anstelle die Waffe erneut gegen die Bäume zu schwingen, kniete er mit nach unten gerichteter Klinge nieder.

»Ich bitte um Vergebung.«

Erneut schüttelten sich die Kronen der großen Bäume. Malfurion legte eine Hand auf die breite Schulter des Orcs. »Sie verzeihen.«

»Kannst du wirklich mit ihnen reden?«, fragte Rhonin schließlich.

»Bis zu einem gewissen Grad.«

»Dann frage sie, wo wir sind.«

»Das habe ich bereits. Wir sind nicht sehr weit weg, aber weit genug. Um genau zu sein, haben wir ebenso viel Glück wie Pech.«

»Wie ist das zu verstehen?«

Der Nachtelf lächelte bedauernd. »Wir sind in der Nähe meines Dorfes.«

Das klang nach einer guten Nachricht für Rhonin, aber der Nachtelf schien das nicht so zu sehen. Das Gleiche traf auf Brox zu, der einen Fluch in seiner Sprache ausstieß.

»Was ist los? Was wisst ihr beiden?«

»Ich bin nahe diesem Dorf gefangen worden«, grollte der Krieger. »Sehr nahe …«

Rhonin dachte an seine eigene Gefangennahme und verstand die Reaktion des Orcs nun besser. »Dann bringe ich uns von hier weg. Dieses Mal weiß ich, worauf ich zu achten habe …«

Malfurion widersprach mit einer Geste. »Wir hatten einmal Glück, aber hier riskierst du die Aufmerksamkeit der Mondgarde. Sie haben die Möglichkeit deinen Zauber zu verändern … vermutlich haben sie auch schon den ersten bemerkt.«

»Was schlägst du also vor?«

»Da wir in der Nähe meines Zuhauses sind, sollten wir das nutzen. Es gibt Leute, die uns helfen können. Mein Bruder und Tyrande.«