Выбрать главу

»Ich zweifle nicht daran, Robin. Ihr seid Lord vom Sherwood und könnt Euern Hof als frei geborener Baron halten, wann es Euch beliebt. - Aber wie das!« fuhr er überrascht fort, als ein langer Zug von Männern sich näherte, die große hölzerne Schüsseln, mit Fleisch beladen, herbeitrugen, »Ihr habt sogar einen Pfauen?«

»Ich könnte doch einen Grafen nicht bewirten, ohne ihm einen jungen Pfauen vorzusetzen, noch Eure Männer ehrenhaft empfangen ohne einen doppelten Lendenbraten vom besten Ochsen im Lande. - Übrigens«, setzte er listig lächelnd hinzu, »ist der Pfau mein Eigentum - der ,kleine John' hat ihn mir geschenkt.«

»Wie er aber dazu kam, habt Ihr nicht gefragt?« sagte der Graf schmunzelnd.

»Nein, was hätt' ich auch sollen? Ihr verlangt doch nicht etwa, daß ich die Ehrlichkeit meiner Männer bezweifle?«

»Das verhüte der Himmel!« erwiderte der Graf. »Und ich will mir unter demselben Rechtstitel ein Stück von dem edlen Vogel ausbitten.«

»Kommt, mein Lord, laßt uns niedersitzen!« rief Robin. »Wir haben keine Salzbüchse hier, um den Unterschied zwischen oben und unten anzuzeigen«, fuhr er, an die übrigen Yeomen gewandt, fort. »So setze sich denn jeder dort, wo er Raum findet. Gebt den - Frauen Sitze und zeigt Euch höflich wie Ritter. Sind auch nicht Stühle da, so sind doch die Speisen für alle ausreichend. Da mein Kapellan nicht bei der Hand ist, will ich Euch ein waldmäßiges Gratias (Dankgcbct, Tischgebet) zu Eurem Mahl sprechen. Achtung, Männer!«

Jeder Mann stand auf, nahm seinen Hut ab, und Robin Hood, sein Haupt neigend und die beiden Sätze seines sicher nicht den Kirchenvorschriften entsprechenden Gebetes etwas rasch aneinanderknüpfend, obwohl er eine kleine Pause dazwischen machte, sprach: »Gott gebe uns seinen Segen - und lasse niemand uns stören!«

Wirklich war Speise im Überfluß für alle vorhanden, und die Yeomen des Grafen fanden sich so schnell in die Bräuche des Sherwood wie ihr Lord, und in bunter Reihe zwischen den grünröckigen Freibeutern Platz nehmend, fielen sie über das Essen her, sobald das Gebet gesprochen war. Eine Zeitlang herrschte tiefes Stillschweigen über der ganzen Gesellschaft, aber schon nach etwa zehn Minuten standen fünf bis sechs der jüngeren Männer auf und unternahmen einen Streifzug gegen die obenerwähnten Fässer. Sie kehrten mit großen Flaschen beladen zurück, und als einzige Zeremonie brachte John Naylor einen Humpen starken Ales und einen Krug Wein dem Grafen und bot ihm den Trunk in einem großen silbernen Becher dar. Das Getränk beschleunigte bald die Bewegung der Zungen, und das Scherzen und Gelächter vermischte sich zu einem ansehnlichen Lärm.

Von Zeit zu Zeit wechselten der Graf und Robin Hood ein Wort in leiserem und ernsterem Tone; aber in der Regel stimmte der alte Edelmann in das Lärmen der übrigen munter ein, mit wenigen Worten zwar, aber mit vergnügtem Lächeln die fröhlichen Gesichter, die ihn umgaben, betrachtend.

»Kommt, John Naylor!« rief Robin Hood endlich dem »kleinen John« zu. »Erfreue uns mit einem Lied. Aber vergiß nicht: keine Großsprecherei und sowenig Unverschämtheiten wie möglich.«

John füllte sich bedächtig einen Becher mit Wein, und nachdem er einen tiefen Zug getan, begann er mit klangvoller Stimme ein Heimatlied zu singen. Es schien ein Lieblingslied des Geächteten und auch seiner Gefährten zu sein; denn beim Schluß jeder Strophe wiederholten sie den Refrain:

Hoch lust'ges England! Lust'gem England Gruß!

Nachdem das Lied verklungen war, sagte der Graf mit leiser Stimme zu Robin Hood: »Ich fürchte, ich muß jetzt Eure Lustbarkeit stören durch meinen Aufbruch. Es warten Briefe auf mich, die vielleicht eine sofortige Antwort erheischen.«

 »Sucht sie auf keinen Fall in Nottingham, mein Lord«, versetzte der Waidmann. »Ich habe schon Leute ausgesandt, um alle Boten aufzuhalten, die de Montfort an Euch geschickt hat, und ihnen Befehl gegeben, sich nach dem kleinen Dorf Stapleford zu wenden; denn ich bin sicher, man hat Euch in Nottingham eine Falle gestellt. Und doch wünschte ich, Ihr bliebet hier noch eine oder ein paar Stunden. Im Laufe der Nacht erwarte ich selbst Nachrichten von sicheren Leuten und auf einem näheren Wege.«

»Ich will entweder den Priester oder meinen Yeoman Blawket bei Euch zurücklassen«, sagte der Graf leise. »Beiden kann man trauen.«

»Den Priester!« rief Robin Hood mit einem Anflug von Ironie in der Stimme. »Gott segne Seine Ehrwürden, aber ich vergaß ihn und nahm ihm soeben weg, was seines Amtes ist. Ich muß doch wohl ein Paternoster hinzufügen, wenn er heute abend am Tisch ist. Wahrhaftig, ich vergaß ihn völlig. - Blawket muß genügen, mein Lord, fürchte ich; aber doch hätte ich wünschen mögen, jemand bei mir zu haben, mit dem ich im Falle der Not mich beraten könnte. Auch ich kann in die Verlegenheit kommen, augenblicklich nach Empfang einer Botschaft handeln und einen Plan entwerfen zu müssen, wie ich mich rasch mit Euch vereinige, und das könnte ich weder wenn der Priester noch wenn der Yeoman bei mir bleibt. Dennoch will ich glauben, daß Ihr recht habt und am besten tut, aufzubrechen.«

»Hört!« rief der Graf mit einer Schweigen gebietenden Geste. Und nach einer ganz kurzen Pause fuhr er fort: »Ich glaubte den Hall eines Hornes in großer Entfernung zu vernehmen; vielleicht ist es Euer Bote.«

»Nein«, versetzte der Geächtete. »Ich habe es auch gehört, aber es kam von Osten her, wo Kundschafter aufgestellt sind. Es muß jemand von Bedeutung durch den Sherwood reiten. Wir werden bald mehr erfahren. - Ruhig, Männer! Es ertönt, dünkt mich, ein Horn von dem Versteck an den Eschen her!«

Alles ward augenblicklich still, und länger wohl als eine Minute sprach niemand. Aber allmählich begann ihnen die Geduld auszugehen, und ein paar Männer unten am Tisch fingen schon wieder an, gelegentlich mit leiser Stimme ein Wörtchen mit ihren Nachbarn zu tauschen, als das Horn wieder, viel näher als zuvor, ertönte, und John Naylor aufsprang mit dem Rufe:

»Das ist Knellers Hornsignal von der hohlen Eiche von Mostins Edge!«

»Nehmt eure Bogen zur Hand, meine Männer!« schrie Robin Hood. »Wer es auch sei, er nähert sich rasch. Wir kommen vielleicht in den Fall, dem Grafen noch mehr von unserem Leben und Treiben zu zeigen!«

Alle Männer standen jetzt vom Tisch auf, und die Bogenschützen nahmen rasch ihre Waffen zur Hand. Die Bogen wurden gespannt und ein paar Pfeile in Bereitschaft gesetzt.

Nach ungefähr fünf Minuten ertönte wieder ein Horn, wenige hundert Schritt entfernt. Die Landmädchen liefen nach der anderen Seite des grünen Platzes. Der alte Graf befahl nun seinen Leuten, die Pferde zu besteigen und zu handeln, wie es nötig erscheinen würde. Ganz deutlich ließen sich schon Hufschläge vernehmen, und nach einer kurzen Pause gespannter Erwartung ritt Hugh de Monthermer, von vier Dienern begleitet, ziemlich erhitzt auf den offenen Platz und machte plötzlich halt, sehr erstaunt über die Szene, die sich seinen Augen darbot.

IX

NICHT KLEIN war die Überraschung von Oheim und Neffe, als sie sich so mitten im Forst von Sherwood trafen, aber größer war die Überraschung auf Seiten des alten Grafen als bei Hugh. Die Gesellschaft zwar, in welcher Hugh seinen ehrwürdigen Verwandten fand, mochte den jungen Edelmann etwas betroffen machen; denn die Freibeuter des Waldes, der verschwenderisch überhäufte Tisch, das Weinfaß und die Trinkbecher - das alles bildete freilich eine Umgebung, in der er seinen Oheim zu finden nicht erwartet hatte. Mit der Ehrerbietung jedoch, die in jener Zeit gegen Alter und Ruhm an den Tag gelegt wurde, hütete er sich, sein Erstaunen zu zeigen, stellte auch keine Fragen, sondern stieg vom Pferde und begann sofort der Aufforderung seines Oheims zu entsprechen, der Aufklärung verlangte, warum er umgekehrt sei, statt den Grafen von Ashby auf seinem Wege entweder nach Lindwell oder nach London zu begleiten.