Выбрать главу

»Er ist ein nichtswürdiger Schurke!« fiel jetzt Hugh de Monthermer dem Grafen von Leicester aufgebracht in die Rede. »Ich habe versprochen, von dem alten Grafen Ashby selbst Genugtuung zu verlangen für Richards schweres Unrecht, das er Kate Greenly angetan hat.« 

»Gut, gut«, beschwichtigte ihn der Graf von Leicester, der den Gegenstand des Gesprächs zu ändern wünschte. »Wenn Ihr es tun müßt, Hugh, so tut es wenigstens vor einigen Freunden als Zeugen - am besten vielleicht in meiner Gegenwart. Tut aber alles mit Mäßigung und Artigkeit; denn Euer Oheim hier hat mir von Wünschen berichtet, die Ihr am Ende vereiteln könntet, wenn Ihr übereilt in dieser Angelegenheit vorgeht.«

»Ich will so sanft und ruhig sein wie der Südwestwind«, versetzte Hugh, auf den die überlegene Art Simon de Montforts ihre Wirkung nicht verfehlte. »Weder Alured noch seinem Vater werde ich Anlaß zum Zürnen geben. Wenn Ihr mich wissen laßt, wann sie bei Euch sind, will ich kommen und in Eurer Gegenwart mit ihnen sprechen. - Und jetzt, mein Lord«, fuhr er, selbst dieses Thema abschließend, fort, »wenn es, woran ich nicht zweifle, gestattet ist, so möchte ich gern eine kurze Zeit mit Prinz Edward zubringen. Ihr wißt, wir waren in unserer Jugend geschworene Freunde.«

»Ich weiß es«, versetzte de Montfort. »Aber wahrhaftig, Hugh, daß Ihr sein geschworener Freund gewesen, ist in meinen Augen kein guter Grund, Euch eine Besprechung mit ihm zu gewähren.«

Die Stirn Hugh de Monthermers verfinsterte sich, aber de Montfort fügte unmittelbar darauf hinzu: »Ich will Euch jedoch sagen, mein junger Freund, was für mich ein Grund ist, es zu gestatten: Euer hoher Name und Eure Zuverlässigkeit. Wir behandeln den Prinzen mit aller schuldigen Ehrerbietung und betrachten ihn nicht als Gefangenen. Es ist aber zur Sicherheit des Staates, ja um unseres eigenen Lebens willen, höchst nötig, daß er in der unmittelbaren Nähe seines Vaters, des Königs, bleibt. Nun gibt es jedoch Leute, die ihn gern überzeugen möchten, es wäre besser für ihn, von hier zu fliehen, um mit diesem Grafen von Gloucester Rat zu halten und an die Spitze von Heeren sich zu stellen, die das Königreich durch neue Kämpfe zerfleischen. Noch andere gäben ihm gern die Mittel in die Hand, diese Flucht ins Werk zu setzen. Daher gestatten wir niemand, gegen den wir auch nur Verdacht hegen, ihn zu besuchen. Eben diesem Richard de Ashby, von dem wir sprachen, haben wir deshalb jeden weiteren Verkehr mit dem Prinzen verwehrt und ihn überdies warnend ermahnt. Hereford ohne Verzug zu verlassen. -Eine andere Sache ist es natürlich bei einem Monthermer«, fuhr der Graf mit einer verbindlichen, aber würdevollen Verbeugung fort. »Euch darf man vertrauen.«

»Dessen wenigstens, mein Lord, dürft Ihr versichert sein«, erwiderte Hugh. »Obgleich ich gestehe, daß ich den Prinzen in Freiheit zu sehen und ihn nur durch feierliche Gelübde verpflichtet wünschte, nicht gegen die Sache der Freiheit und des Rechts Partei zu ergreifen...«

»Kein weiser Mann verläßt sich auf Ketten von Wind«, unterbrach ihn de Montfort, der eine Feder genommen hatte und zu schreiben begann.

»Auf jeden Fall«, fuhr Hugh de Monthermer fort, »würde ich nimmermehr eine Erlaubnis, die Ihr selbst gegeben, schnöde mißbrauchen.«

»Ich weiß es«, sagte der Graf, während er seine Unterschrift auf das Blatt setzte. »Hier ist ein Paß. Ihr werdet den Prinzen im anderen Hof finden. Aber beeilt Euch; denn die Dämmerung bricht an, und die Burgtore müssen bald geschlossen werden.«

»Geh, Hugh«, sagte sein Oheim. »In einer Stunde treffen wir uns in der Herberge.« 

XV

IN DEM ALTEN KASTELL von Hereford, das eines der größten Kriegsbauwerke der Feudalzeit war, befanden sich zahlreiche Höfe und verschiedene Nebengebäude, die eine ungeheure Anzahl von Personen aufnehmen konnten. An dem Abend von Hughs Besuch wimmelten der Haupthof, die Hallen und deren Korridore von nicht weniger als sieben- bis achthundert Menschen, während sich in den andern Teilen des Gebäudes nur wenige Personen aufhielten.

In dem dunkelsten Winkel eines langen Ganges, der in den Hof mündete, wo Prinz Edwards Quartier lag, standen, gerade um die Zeit, als Hugh de Monthermer den Grafen von Leicester verließ, zwei Männer in eine ernste Besprechung vertieft. Beide waren in große, weite Mäntel gehüllt und hatten ihre Kapuzen tief in das Gesicht gezogen, so daß sie kaum zu erkennen waren. Dennoch schienen sie sich nicht völlig sicher zu fühlen. In dem Augenblick nämlich, wo sie einen Menschen von der Richtung des Haupthofes her kommen hörten, machten sie ein paar Schritte vorwärts und traten in einen der Seitengänge. Dort blieben sie stehen und setzten ihre Unterredung im Flüsterton fort. Sie waren so vertieft in den Gegenstand ihres Gesprächs, daß Hugh de Monthermers große schlanke Gestalt keine Aufmerksamkeit bei ihnen erregte, als er an ihnen vorbeiging. Er schaute scharf auf sie hin, ohne seinen raschen Schritt zu mäßigen.

»Es müssen Mittel gefunden werden, und zwar sehr bald, oder unsere letzte Aussicht ist verloren.«

»Ihr müßt einen Eurer verwünschten Streiche gespielt haben, Richard, sonst hätte de Montfort nimmermehr einen solchen Schritt unternommen. Das Haus Ashby ist von zu hoher Wichtigkeit für jede Sache, als daß auch nur der geringste Angehörige desselben ohne Grund unwürdig behandelt wird.«

»Unsinn, Alured, ich habe nichts getan! Ich sage Euch, es geschah einzig auf die Beschuldigung des alten Monthermer hin.«

»Bei Eurer Ehre?«

»Bei meinem Leben und meiner Ehre!«

»Gut denn«, sagte nach einigem Besinnen der Größere. »Ich bin froh, daß es so gegangen ist, und fürs erste will ich Sorge tragen, daß es meines Vaters Zorn gegen de Montfort rege macht. Zweitens soll es ihn aber auch in Harnisch bringen gegen diese Monthermers und ihn veranlassen, mit beiden zu brechen. Auf alle Fälle wird es ihn geneigt machen, meinen Ubertritt zu Gloucester zu verzeihen. Ja, ich bin froh, daß es so gegangen ist.«

»Ich kann das nicht von mir sagen«, versetzte Richard de Ashby. »Dennoch bin ich nie in Sorge um eine Entschuldigung. Es hat manchen Vorteil, einen schlechten Ruf zu haben. Die Leute erwarten nicht zuviel von einem. Um aber auf die Sache zu kommen: Wie können wir ihm Nachricht geben von dem Plan?«

»Könntet Ihr nicht ein Weib bestechen? Ein Weib würde man nicht abweisen, denke ich.«

»Richtig!« rief Richard. »Ihr habt mich auf die rechte Fährte geführt, und ich werde das Wild nicht verfehlen.«

»Aber wißt Ihr ein Weib, dem Ihr auch trauen könnt?«

»Uberlaßt das mir! Ich kann das machen, ehe noch eine Stunde vorüber ist. Lebt wohl für den Augenblick, es ist keine Zeit zu verlieren. Heute nacht muß ich Hereford verlassen, und wenn Ihr, Alured, einen Hader mit dem edlen Lord Hugh anzuspinnen beabsichtigt, so tut es schleunig; denn ich denke, es werden nicht vierundzwanzig Stunden verstreichen, bis ich ihm einige Kleinigkeiten heimgezahlt habe.« Damit trennten sie sich.

Mittlerweile war Hugh de Monthermer weitergeeilt, ohne von der Unterhaltung etwas zu ahnen. Nachdem er den anderen Hof durchschritten hatte, näherte er sich einer Tür, vor der zwei von de Montforts Offizieren standen, scharf, aber mit dem Anschein tiefster Ehrerbietung Wache haltend vor dem einzigen Zugang zu den Gemächern des Prinzen Edward.

Die Zimmer waren so anständig und behaglich, wie ein Quartier nur immer sein kann, zu dem der freie Aus- und Eingang verwehrt ist. Das Hauptzimmer war größ und hoch, mit zwei breiten Fenstern, die einen Ausblick auf die schöne Landschaft gewährten.

In einem großen Sessel, die Füße auf einem Schemel ruhend, saß der gefangene Prinz an einem der geöffneten Fenster. Er stützte das Haupt auf seine Hand und starrte hinaus, während etwas entfernt von ihm ein jüngerer Gentleman saß, der ihn von Zeit zu Zeit voller Teilnahme ansah, aber aus ehrerbietiger Rücksicht für die nachdenkliche Stimmung des Prinzen schwieg.