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»Was er an Dank verdient hat, mein Lord«, versetzte Alured bissig, »bin ich bereit, ihm zu zollen; aber zuerst wünsche ich den vollen Umfang seiner Verdienste zu erfahren, damit mich meine Dankbarkeit nicht überwältigt. Zum Glück jedoch ist davon ein kleiner Abzug zu machen; denn er hat zu dieser frühen Stunde schon eine ungerechte Anschuldigung gegen unsern Vetter Richard erhoben und schwarzen Verdacht gegen ihn in der Brust des Grafen von Leicester erweckt!«

»Ich fürchte, mein junger Freund«, sagte der alte Lord von Monthermer in ruhigem und freundlichem Ton, »daß die Dankbarkeit, die Euch so schwer zu drücken scheint, durch die Gegenrechnung, welche Ihr geltend machen möchtet, keine Verminderung erleiden dürfte. Die Beschuldigung gegen Euern Verwandten ist von mir erhoben worden, nicht von Hugh. Ich habe weder irgend etwas von dem Verdacht verhehlt, noch ihm im mindesten etwas hinzugefügt, sondern nur de Montfort erzählt, was uns allen bekannt ist und was zu wissen für ihn von Interesse war, da er ständigen Verkehr mit dem Prinzen Edward einem Manne gestattete, gegen den selbst Euer Vater schweren Zweifel hegen muß!«

»Nein, nicht so, mein Lord!« rief Graf von Ashby. »Meine Zweifel sind inzwischen zerstreut worden!«

Die weitere Verhandlung der Angelegenheit nahm ziemlich drohenden Charakter an, obwohl sich der Graf von Monthermer beflissen zeigte, die beiden Lords von Ashby zu begütigen. Aber Alured war sichtlich bemüht, einen Streit heraufzubeschwören.

»Gut, Lord Alured«, sagte der alte Monthermer endlich, nicht ohne Schärfe in der Stimme. »Es ist mir klar, was Ihr beabsichtigt. Ihr habt die alten Fehden niemals vergessen, obgleich wir alle übereingekommen, sie für immer abzutun. Ich würde gern die freundschaftliche Gesinnung zwischen unseren beiden Häusern erhalten und verstärken, aber ich kann nicht von dem, was ich für recht halte, abweichen. Ich glaube, daß Richard de Ashby ein Verräter ist, unwürdig des Namens, den er führt; denn das Geschlecht der Ashbys, welche Partei es auch ergriffen, hat noch nie einen Verräter hervorgebracht!«

»Und ich behaupte, daß er ehrlich und treu ist«, rief Alured hitzig, »und will es verfechten mit...«

Er wollte »mit der Spitze meiner Lanze« sagen, aber sein Vater unterbrach ihn mit dem Ruf: »Still, Alured! Keine Gewalttaten! Höre, was Lord Hugh sagen wollte.«

»Jedenfalls«, sagte nun de Montfort, der sich genötigt sah, Alured de Ashby zurechtweisen, »habt einige Achtung vor denjenigen, in deren Gegenwart Ihr sprecht!«

Alured biß sich in die Lippe, antwortete aber nicht, und Hugh de Monthermer wandte sich nun mit glühender Wange gegen den Grafen von Ashby und fragte: »Mein Lord, habt Ihr von Eurer Tochter gehört, in wessen Händen ich sie gefunden?«

»Ich habe sie bisher noch nicht gesehen«, antwortete der Graf. »Diese Stadt ist so voll von Truppen und Bewaffneten, daß Alured es für besser erachtete, sie an einem nicht weit von hier entfernten Ort nach Gloucester hin, zurückzulassen. Aber Alured hat mir berichtet, was sie ihm erzählt hat.«

»Dann, mein Lord«, fuhr Hugh fort, »habe ich nur beizufügen, daß die Männer, in deren Händen sie war und gegen die ich keine hinlängliche Streitmacht aufbringen konnte, um sie gewaltsam zu befreien, sich dazu verstanden, sie frei ziehen zu lassen unter der Bedingung, daß ich Euch bei Eurer Ehre und Eurem hohen Namen auffordern wolle, Euern Vetter, Richard de Ashby, zu nötigen, das unglückliche Mädchen, das er entführte, in das Haus ihres Vaters zurückzusenden und ihn zur Zahlung einer Mitgift für ihren Eintritt in ein Kloster anzuhalten. Als Geisel für ihre Rückkehr nahmen sie Eure Tochter gefangen, und nur unter der Bedingung setzten sie sie in Freiheit.«

»Darf ich wissen«, fragte Alured de Ashby, sich einer sanften und zeremoniösen Sprechweise bedienend, die mit seinen vor Zorn und Stolz heftig arbeitenden Zügen sonderbar kontrastierte. »Darf ich wissen, edler Sir, ob dieses Verlangen an meinen Herrn Vater gestellt wird von den höflichen Räubern vom Sherwood oder von dem edlen Lord Hugh de Monthermer?«

»Alured, ich will nichts dergleichen hören!« rief wieder sein Vater beschwichtigend. »Du bist zu heftig! Gewiß habe ich doch alle Tage meines Lebens die Würde meines Hauses aufrechterhalten und kann dabei Deiner Hilfe entbehren. - Jetzt, mein Lord Hugh, von wem kommt diese Forderung?«

»Sie kommt, mein Lord, von all den Personen, welche Eure Tochter in ihrer Gewalt gehabt haben«, antwortete Hugh. »An Euch, mein Lord, für den ich so große Achtung hege, überbringe ich sie ungern und nur im Namen anderer. Aber es ist, ich gestehe, meine Absicht, wann und wo immer ich Richard de Ashby treffe, dies und mehr von ihm zu verlangen.«

»Sir!« rief Alured. »Hier steht einer, der sehr bereit ist, die Stelle seines Vetters einzunehmen und Euch über seine Handlungsweise jede Rechenschaft zu geben, die Ihr verlangen mögt.«

Hugh wandte sich mit einer Miene von ihm ab, aus der er den Ausdruck von Verachtung nicht völlig zu verbannen vermochte. »Wenn ich erfahre, mein Lord«, versetzte er, »daß Richard de Ashby lahm oder schwach, ein Weib oder ein Mönch ist, will ich einwilligen, daß er einen Kämpfer an seiner Statt bestellt, aber eher nicht. Ich habe keinen Streit mit Euch, mein Lord, und suche mit Euch auch keinen.«

»Mich dünkt, mein Lord von Ashby«, sagte de Montfort, der sich einen Augenblick mit dem alten Grafen von Monthermer besprochen hatte, »das an Euch gestellte Verlangen ist billig, komme es, von wem es wolle. Jene Männer hatten Eure Tochter in ihrer Gewalt und setzten gewisse Bedingungen. Diese Bedingungen sind recht und billig, wenn ich die Sache richtig verstehe, und es wäre gut, sie zu erfüllen, nachdem Eure Tochter ihre Freiheit wiedererlangt hat. Es wäre ehrenhaft, sag' ich.«

Dem alten Grafen von Ashby stieg das Blut in die Wangen.

»Das Haus Ashby, mein Lord«, versetzte er steif, »gestattet niemand, ihm vorzuschreiben, wie zu handeln seiner Ehre gezieme.« 

»Viel weniger«, schrie Alured aufgebracht, »gestattet es einem alten Feind, falsche Anklagen vorzubringen gegen eines seiner Familienmitglieder und dann seinem Haupt vorzuschreiben, wie es handeln solle!«

»Falsche Anklagen!« rief nun Hugh de Monthermer empört. »Das sind sonderbare Ausdrücke! Wenn Euer niederträchtiger Vetter sich erfrecht, auch jetzt noch die lügenhafte Ausrede vorzubringen, zu der er griff, als ich ihn das letztemal sah, und demselben Sündenbock die Schuld der Korrespondenz mit den Feinden des Staates und der Entführung jenes armen Mädchens zur Last zu legen, so kann seine Lüge bald bewiesen werden, denn man hat das Mädchen hier in dieser Stadt bei ihm gesehen.«

Alured blickte betroffen zu Boden, und der alte Lord von Monthermer, begierig, das Haus Ashby zurückzuhalten vom Abfall von der Sache, die er für die der Wahrheit und des Rechts erkannte, legte sich mit der ihm gewohnten ruhigen und würdevollen Weise ins Mittel und sagte: »Glaubt doch nicht, mein edler Freund, der Lord von Leicester wolle Euch im mindesten vorschreiben und befehlen. Es ist aber wohlgemeint, wenn er Eurer Erwägung anheimgibt, ob es nicht ehrenvoller für Eure Familie sein dürfte, sie von dem Fleck zu reinigen, den die Handlungsweise jenes Richard ihr angehängt hat.«

»Ich kann mich, mein Lord, in keines Mannes Kurzweil mischen«, sagte der Graf von Ashby heftig, fortgerissen vom Beispiel seines Sohnes. »Richard des Ashby ist nicht mein Page, daß ich ihn züchtigen könnte, wenn er mit einer Bauerntochter närrische Streiche macht. - Ich kann mich einfach nicht in die Sache mischen.«

»Hätte sich Euer Lordschaft auch nicht dareingemischt, wenn Eurer Tochter Freiheit noch davon abgehangen hätte?« fragte de Montfort finster. »Mich dünkt, Ihr hättet dann genügend Beweggründe gefunden, Euch der Sache anzunehmen, und zwar sehr kräftige!«

»Wohl, mein Lord«, rief der Graf zornig, denn wo Schwäche mit Unrecht Hand in Hand geht, da bleibt der Zorn nicht lange aus. »Jedenfalls ist es keine Angelegenheit, die Euch angeht! Dies ist keine öffentliche, sondern eine Privatsache, mit der mich Lord Hugh de Monthermer behelligt.«