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»Nein, mein guter Lord, nein!« rief Hugh. »Sehr ungern übernahm ich es, Aber gewiß hättet Ihr doch selbst nicht gewollt, daß ich Eurer Tochter Befreiung hätte aufs Spiel setzen sollen durch ein zögerndes Bedenken, der Überbringer einer bloßen Forderung an Euch zu sein, die man Euch auch durch jede andere Person hätte übermitteln lassen können, ohne daß vorher Eurer Tochter Befreiung erfolgt wäre.«

»Und die jede andre Person mit weit besserer Art vorgetragen haben würde als ein angeblicher Freund«, bemerkte Alured de Ashby feindselig.

»Junger Gentleman«, sagte der alte Graf von Monthermer, »Ihr habt diesen Morgen genug Unheil gestiftet, mochte dies nun Eure Absicht sein oder nicht. Stiftet nicht noch mehr Unheil, ich bitte Euch! Macht nicht, daß die als Feinde auseinandergehen, die gern Freunde sein möchten. Euer Vater hat seine Antwort gegeben: er will sich in die Sache nicht mischen; so laßt sie denn ruhen. Hugh hat seine Schuldigkeit getan, und er hat überdies die Freude und die Ehre gehabt, einer Dame zu dienen und sie zu beschützen. Was weiter zu tun ist, steht ganz bei Euch.«

»Nicht ganz«, versetzte de Montfort mit Stirnrunzeln. »Ich habe bei dieser Sache auch ein Wort mitzusprechen.«

»Wieso, mein Lord?« fragte der Graf von Ashby scharf. »Ich werde keinem, nicht dem Höchsten im Lande, gestatten, für mich zu beschließen und zu urteilen, was meine Handlungsweise in meinen Privatangelegenheiten betrifft.«

»Ihr seid etwas hastig, mein guter Lord«, sagte de Montfort kalt.

»Hastig oder nicht«, fiel ihm Alured de Ashby ins Wort, begierig, den Bruch sosehr als möglich zu erweitern. »Mein Vater hat recht in dem, was er sagte, und ich stimme ihm ganz bei.« 

»Wie gar kühn für einen so jungen Vogel!« sagte de Montfort verachtend. »Mich dünkt, seine Flügel sollten beschnitten werden, daß er nicht davonfliegt!« 

Alured de Ashby sah, daß er etwas zu weit gegangen war und vielleicht, wenn er weiter ging, sogar seine Freiheit gefährden könnte. Wenigstens deutete er selbst, seiner Absichten sich bewußt, so die Worte des Grafen von Leicester. Sein hochfahrender Geist jedoch wollte sich nicht so weit beugen, auch nur einigermaßen die kecke Sprache, die er geführt, zu mildern, und er verharrte in mürrischem Schweigen und starrte auf den Boden nieder, während der große Graf unaufhörlich seine scharfen grauen Augen finster auf ihn heftete.

»Um all dem ein Ende zu machen«, fuhr schließlich de Montfort fort. »Es liegen noch ernsthaftere Anschuldigungen gegen Euern Verwandten vor, Graf von Ashby. Da bewiesen worden, daß man ihn mit dieser leichtfertigen Dirne gesehen hat, die nach seinem eigenen Geständnis davongegangen ist mit einem, der ohne allen Zweifel ein Verräter ist, so liegt der stark begründete Verdacht vor, daß er diesen Verräter noch in seinen Diensten hat oder mehr von ihm weiß, als ihm ziemt. Unter diesen Umständen habe ich schon seine Verhaftung befohlen, sollte er sich in Hereford blicken lassen. Und jetzt will ich ihn ausdrücklich aufsuchen lassen und, wenn er ein Verräter ist, mit ihm als solchem verfahren - ebenso mit allen anderen, die sich als Verräter zeigen!« setzte er mit scharfer Betonung hinzu.

»Euer Lordschaft hat recht«, sagte Alured de Ashby, aber zwischen den Zähnen murmelte er leise: »Wenn Ihr sie fangen könnt!«

»Jetzt lebt wohl, meine Lords«, sagte de Montfort, sich erhebend. »Heute abend wollen wir Rat halten und in Erwägung ziehen, ob Mortimer und andere für Verräter erklärt werden sollen. Wir erwarten, daß Ihr alle anwesend seid. - Kommt mit mir, Monthermer - kommt mit mir, Lord Hugh! Wir wollen nicht, daß auf den Treppen hitzige Worte gewechselt werden!«

Lord Ashby und sein Sohn entfernten sich mit gerunzelter Stirn, und wie sie in den Hofraum hinabstiegen, wurden zwei kleine Sätze gesprochen, die das Schicksal beider entschieden:

»Ich weiß nicht, was Euer Vorhaben sein mag, mein Vater«, sagte Alured, »aber meine Handlungsweise ist entschieden. Ich will weder das Gespötte der Monthermers noch der Sklave Simon de Montforts sein.«

»Ich auch nicht, Alured«, antwortete der Graf mit leiser Stimme, und ohne ein weiteres Wort bestiegen sie ihre Pferde und ritten zurück nach der Herberge.

Sie hatten kaum den Hof verfassen, als Hugh de Monthermer mit hastigen Schritten darin erschien. Einer von den wenigen Gewaffneten, die ihn begleitet hatten, führte augenblicklich sein Pferd vor, und er sprang in den Sattel. »Welchen Weg hat der Graf von Ashby eingeschlagen?« fragte er.

»Durch dieses Tor, mein Lord«, antwortete der Mann, und Hugh wandte sich, mit dem Befehl an seine Diener, ihm zu folgen, nach dem anderen Tor, als er an seinem Steigbügel ein Zerren fühlte und hinunterschauend den Knaben Tangel erblickte, der mit sonderbaren Grimassen seine langen Arme emporhob. »Ich will in Kürze mit dir sprechen, Tangel«, sagte Hugh hastig. »In einer Stunde bin ich zurück.«

»Ja, in einer Stunde - das ist die Katze, die allen Rahm wegleckt!« rief Tangel. »Es hilft nichts, ich muß jetzt mit Euch sprechen. Ich habe Euch viel zu sagen!«

»Dann müßt Ihr ein Pferd nehmen und mir folgen«, versetzte der junge Lord. »Es ist schon nahe an der verabredeten Zeit. Ich reite den Berg hinauf - macht schnell!«, und er gab seinem Pferd die Sporen. Der Knabe starrte ihm eine Minute lang nach und murmelte: »Er wird eine Stunde zu bald kommen, wenn er nicht aufpaßt!« 

XVII

ETWA zu derselben Zeit stand Prinz Edward in der Mitte seines Zimmers, mit einem leichten Reitanzug bekleidet, aber nur mit seinem Schwert bewaffnet. Er blickte erwartungsvoll auf seinen jungen Gesellschafter Thomas de Clare, der soeben eilig eintrat. »Ja, mein Prinz«, sagte er mit vergnügtem Lächeln, »er gibt uns die Erlaubnis. Im Hof warten schon William de Cantelupe, Ingelby und Thomas de Blundel mit drei oder vier anderen auf Euer Kommen.«

»Ist also auch mein Pferd schon bereit?« fragte der Prinz.

»Die närrischen Reitknechte«, versetzte der junge Edelmann, »hatten den Rotschimmel herausgebracht, behauptend, der Graue sei so dürr und sehe gar nicht wie das Pferd eines Prinzen aus. Aber ich befahl, dennoch den Grauen zu nehmen. Ohne Zweifel ist er jetzt schon gesattelt und gezäumt. - Aber Ihr seid blaß, mein Lord; das Fieber hat Euch geschwächt. Tätet Ihr nicht gut, einen Becher Wein zu trinken, ehe Ihr ausreitet?«

Edward schüttelte den Kopf. »O nein!« sagte er. »Wenn ich meinen Sporn in dieses Pferdes Seite setze, wird mir der Gedanke an die Freiheit mehr Kraft und Mut verleihen als der beste Wein. Indessen gebt mir Euern Arm; es ist vielleicht gut, wenn ich ein wenig schwächer scheine, als ich wirklich bin. - Reitet Ihr mit mir, de Clare?«

»Nein, mein Lord. Und die Wahrheit zu gestehen, ich suchte auch diese Ehre nicht; denn ich könnte Euch nur hinderlich sein und muß hier für meine eigene Sicherheit sorgen.«

Beide stiegen nun langsam die Treppe hinab, an deren Fuß sie eine Anzahl Edelleute versammelt fanden. Die Lanzenreiter, von denen de Clare am Abend zuvor gesprochen hatte, ließen sich nicht blicken, da de Montfort der Meinung war, daß sieben bis acht seiner tüchtigsten Anhänger ausreichen würden, um jeden Fluchtversuch des Prinzen zu verhindern. Edward nickte vertraulich den anwesenden Gentlemen zu und ward mit allen Zeichen der Hochachtung empfangen.

»Guten Morgen, Ingelby«, sagte er. »Guten Morgen, Sir William de Cantelupe. Blundel, es freut mich, auch Euch zu sehen. Ihr seid ja ein Kenner von Pferden, und de Clare hat mir eines gegeben, das, wie er behauptet, ein vortreffliches Streitroß abgeben soll. Was haltet Ihr davon?«

»Nein, ohne Spaß, Gentlemen!« rief de Clare, als er das Lächeln der Edelleute sah. »Das ist ein Roß, das, gut gefüttert und wohl gehalten, große Dienste tun kann.«

»Es scheint ruhig zu sein«, bemerkte der Prinz. »Das ist für mich durchaus wichtig; denn ich bin augenblicklich nicht kräftig genug, ein hart gehendes, feuriges Pferd zu reiten. Aber laßt uns aufsteigen und fortreiten, Gentlemen. Lebt wohl, de Clare! Ich will Euer Pferd nicht zuschanden reiten!«