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»Trennen wir uns noch nicht«, versetzte Edward. »Wir haben viel miteinander zu besprechen, Hugh. Ich habe hier ein Obdach gegen das Gewitter gesucht - Ihr seid auch hier. Solange die Elemente draußen toben, laßt uns also davon sprechen, wie man dem Lande Frieden schenkt.«

»Das ist die Gunst, die ich mir von Euch erbitten möchte, mein Lord«, antwortete Hugh. »Aber ich kann nicht länger bei Euch bleiben, als nur, um Euch meine Bitte vorzutragen, und ich darf nicht einmal hören, ob Ihr sie bewilligt oder abschlagt - sonst würde man mich für einen Verräter an der Sache de Montforts halten, die ich als eine gerechte ansehe. Meine Bitte ist die: Wenn Ihr bei dem Grafen von Gloucester seid, wenn Ihr an die Spitze von Heeren steht und Ihr Euch bewußt seid, mit Kraft und Erfolg frei handeln zu können, dann laßt eine öffentliche Erklärung ergehen, worin Ihr Euch verpflichtet, all die Gesetze und Verordnungen aufrechtzuerhalten, die erlassen worden sind zur Sicherstellung des Landes, zugunsten der Rechte und Freiheiten des Volkes und zu unsrem Schutz gegen die ausländischen Günstlinge - Gesetze und Verordnungen, zu denen Ihr schon Eure Zustimmung gegeben habt. Wenn Ihr dies tut, will ich nie das Schwert gegen Euch ziehen und - so glaube ich - auch Simon de Montfort nicht.«

Edward schüttelte mit ungläubiger Miene den Kopf. »De Montfort ist sehr ehrgeizig, Hugh«, sagte er. »Vielleicht ist er es nicht immer gewesen; denn mancher fängt als Patriot an und endet als Tyrann.«

In diesem Augenblick hörte man von dem kleinen Gehölz in der Nähe das Blasen eines Hornes, und Hugh de Monthermer trat unter die Tür der Kapelle, da er wußte, daß es ein Signal der Gefahr war. Die Szene, die sich seinem Auge bot, war merkwürdig: Der Regen strömte noch schwer und grau nieder, die Luft war trüb und dumpf, Blitze zuckten vom Himmel herab. Zugleich stürzte mit ungewöhnlicher Schnelligkeit der Knabe Tangel auf ihn zu, seine langen dürren Arme in grotesker Weise herumschlenkernd und zu wiederholten Malen nach dem gegenüberliegenden Walde deutend, aus dem man eine Schar von mindestens dreihundert Reitern, vorzüglich bewaffnet und wohlberitten, hervorbrechen sah.

Hugh warf nur noch schnell einen Blick in das Gebäude hinein, schwenkte seine Hand, rief: »Adieu, mein Lord, Adieu! Hier ist Gefahr für mich!«, eilte zu seinem Pferde, löste die Zügel von dem Haken und sprang in den Sattel.

»Auf, Tangel, hinter mich hinauf!« schrie er dem zwerghaften Knaben zu. »Schnell, oder sie holen uns ein!«

Tangel sprang mit einem einzigen Satz hinter ihm aufs Pferd, und Hugh sprengte mit verhängten Zügeln davon. Aber das Pferd des Dieners, das er ritt, war nicht sehr schnell. Der feindliche Trupp kam mit großer Schnelligkeit herbei und schien entschlossen, auf ihn Jagd zu machen. Hugh de Monthermer erkannte nun mit den bittersten Gefühlen, daß seine Streitmacht zu klein war, um Widerstand zu leisten. Wenn die Feinde ihre Verfolgung fortsetzten, mußte er bald ihr Gefangener sein. Jetzt kamen seine Leute aus dem Gehölz hervor, das Pferd mit sich führend, auf dem der Zwerg herangeritten war.

»Steigt schnell auf Euer Pferd über!« rief Hugh, sich zu Tangel umwendend.

»Nur rasch zu, guter Herr!« schrie der Knabe. »Ich will schon übersteigen, ohne daß Ihr haltmacht. Reitet nur nahe genug zu dem Tier hin!« Im Augenblick darauf, als Hugh scharf seinen Leuten entgegenritt, setzte der Knabe seine Hände auf die Schultern des jungen Edelmannes, sprang mit den Füßen auf den Rücken des Rosses, hüpfte mit einem gellenden Schrei auf sein eignes Pferd hinüber und saß sofort im Sattel.

Es war keine Zeit mehr zu verlieren; denn Hugh und seine Begleiter trafen mitten zwischen der Kapelle und dem Walde zusammen, als schon die Linie des Feindes die Kapelle erreicht hatte.

Aber nun trat Edward auf die Treppe der Kapelle heraus und rief laut: »Halt! Ich befehle Halt! - Lord Lovell, Sir Harry Grey, ich gebiete Euch, haltet! Verfolgt ihn nicht, sage ich! - Sir Richard de Ashby!« fuhr er fort, seine Stimme erhebend, bis sie mit dem Donner zu wetteifern schien, als er seine Befehle unbeachtet bleiben sah. »Bei Eurem Leben: Halt! Wollt Ihr meinem ersten Befehl den Gehorsam verweigern?«

Aber Richard de Ashby war taub und jagte mit einigen anderen weiter, während die übrigen Reiter die Zügel anzogen und in gebrochener Linie haltmachten.

Hugh de Monthermer und seine Leute jagten in vollem Galopp weiter, aber der schlüpfrige Grund, der jetzt völlig durchweicht war von dem heftigen Gewitterregen, machte ihnen sehr zu schaffen. Bevor sie noch das Gehölz erreichten, strauchelte und stürzte das Pferd eines von Hughs Begleitern. Obgleich Mann und Tier sich sofort wieder erhoben und forthinkten, waren doch die Verfolger zu nahe, als daß man ihnen entrinnen konnte.

Richard de Ashby kam auf einem schnellen Rappen dahergejagt, den übrigen etwa zehn Schritt voraus. Er war vollständig bewaffnet mit Harnisch, Schild und Speer, aber sein Visier war offen, und ein Schimmer wilder Genugtuung lag auf seinem Gesicht. Hugh de Monthermer kehrte sich im Sattel um, mit dem Auge die Entfernung zwischen ihnen messend, und erkannte im Nu, daß Flucht nun nicht mehr möglich war, wohl aber Rache. Dem Mann, der ihm zunächst ritt, eine Lanze und einen kleinen runden Schild aus den Händen reißend, warf er plötzlich sein Pferd herum, stieß ihm seinen scharfen Sporn wütend in die Weichen und ging seinem Verfolger in vollem Rennen entgegen.

Der junge Ritter war nur mit einem Wams von Purpurzindel bekleidet, das, obgleich es dick mit Baumwolle gefüttert war, doch gegen die Spitze einer Lanze nur wenig Schutz bot. Aber im Turnier und auf dem Schlachtfeld war das Auge des jungen Reiters stets fähig, die leisesten Bewegungen eines Feindes zu erspähen, und sein Arm war stets gerüstet, darauf einzugehen. Er bemerkte sofort, daß Richard de Ashby mit seiner Lanze nach seinem Hals zielte, gab dies aber durch keine Bewegung zu erkennen, bis er seinem Feind auf wenige Fuß nahe gekommen war. Dann hob er plötzlich seinen Schild empor und lenkte die Spitze ab. In demselben Augenblick hob er aber seine Lanze ein wenig, die er, da sie keinen Haken hatte, auf seinen Schenkel gestemmt hielt. Er wollte seinen Gegner voll ins Gesicht treffen, doch Richard de Ashby senkte den Kopf, und die Lanze, ihn oben an der Stirn berührend, glitt vom Schädel ab, fing sich in der Panzerhaube und schleuderte ihn von seinem Roß der Länge nach auf den Boden.

Hugh hielt sein Pferd hart neben dem Gefallenen an, holte, mit der Lanze auf dessen Hals zielend, aus und rief laut den Herankommenden entgegen: »Wenn sich einer nähert, so stirbt er!«

Zögernd verhielten die Begleiter de Ashbys, die fast den Kampfplatz erreicht hatten, ihre Pferde. Da ritten zwei Gentlemen in raschem Trab von der Kapelle heran und riefen ihren Genossen zu, sie sollten zurückkommen.

»Habt Ihr nicht des Prinzen Stimme gehört?« rief zornig der ältere der beiden sich nähernden Ritter. »Sein ausdrücklicher Befehl lautet, daß Ihr umkehrt! - Zieht weiter, Lord Hugh - zieht weiter in Frieden. Es ist des Prinzen Wille, und wir gehorchen!«

»Hätte ich nur halb soviel an Mannschaft wie Ihr, Lord Lovell«, versetzte Hugh, seine Lanze aufnehmend. »Ich würde nicht abziehen, ohne diesen Verräter mit mir zu nehmen.«

»Oder selbst mitgenommen zu werden«, erwiderte Lord Lovell mit verbindlicher Ironie. »Ich kann Euch versichern, mein guter Lord, wir hatten die besten Vorsätze, Euch mit uns nach Worcestershire zu nehmen. Aber da der Prinz den Vogel aus der Falle entfliehen lassen will, in die ihn der arme Richard so hübsch mit seinem Köder gelockt hat, so muß er eben seine Flügel gebrauchen - da hilft nun einmal nichts. Ihr scheint indessen den Vogelsteller tüchtig gepackt zu haben. Ich glaube gar, Ihr habt ihm den Schädel gespalten. Laßt seine Leute herbeikommen und ihm beistehen! Ihr habt mein Wort, daß Ihr keine Verräterei zu fürchten habt.«