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»Ich fürchte, er ist nicht so bestraft, wie er es verdient«, sagte Hugh de Monthermer finster. »Überbringt meinen schuldigen Dank dem Prinzen für seine Artigkeit. Und jetzt lebt wohl, mein Lord Lovell. Ich hoffe, wir treffen uns bald wieder.«

Mit diesen Worten wandte er sein Pferd und ritt rasch, aber nachdenklich nach Hereford zurück. 

XIX

ALS HUGH DE MONTHERMER in Hereford einritt, fand er die Kunde von Edwards Flucht schon in der ganzen Stadt verbreitet. Dennoch erachtete er es für notwendig, zuerst seinem Oheim und dann dem Grafen von Leicester alles mitzuteilen, was an diesem Nachmittag vorgefallen war.

»Etwa dreihundert Reiter!« sagte Simon de Montfort, nachdem er die Erzählung des jungen Ritters von seiner Begegnung mit Richard de Ashby angehört hatte. »Sie sind dreist bei meinem Leben! Aber sie zeigen uns, daß wir etwas nachlässig gewesen sind. - So habt Ihr also den Verräter aus dem Sattel geworfen, habt ihn aber weder töten noch gefangennehmen können. - Ihr seid gewiß, daß er nicht tot ist?«

»Ich bin sicher, mein Lord«, versetzte Hugh; »denn ich fühlte, daß die Lanze abglitt.«

»Habt Ihr übrigens gehört«, sagte de Montfort, »daß unsere guten Freunde, der Graf von Ashby und sein Sohn, uns verlassen haben? Ich fürchte, gewisse Hoffnungen auf die Hand eines schönen Fräuleins, deren Euer Oheim erwähnte, möchten damit vereitelt werden.«

»Ich habe es gehört, mein Lord«, antwortete Hugh. »Ich gestehe, ich bin nicht wenig bekümmert darüber. Dennoch ...«

»Nun, was dennoch?« fragte de Montfort, als er ihn stocken sah. 

»Dennoch, mein Lord«, vollendete Hugh, »kann ich der Hoffnung nicht entsagen, daß ich am Ende meine Absicht erreiche. Ich habe noch nie einen Liebeshandel, dem ein glückliches Ende bestimmt war, gleich glatt anfangen sehen.«

»Ja, die Hoffnung!« erwiderte de Montfort. »Sie ist wie der hungrige Knabe, der sich an seiner Suppe den Mund verbrennt und sich immer wieder damit tröstet, daß sie nach und nach schon kalt genug werden würde. Möge es so gehen, wie Ihr wünscht, mein junger Freund! - Und nun gute Nacht! Weder Ihr noch ich können etwas ändern an dem, was heute fehlgegangen ist.«

Als Hugh das Zimmer verlassen wollte, rief ihn de Montfort noch einmal zurück und sagte: »Seid so gut und ersucht Euern Oheim, mir heute abend eine Stunde zu schenken. Ich bedarf seines militärischen Rates in unserer gegenwärtig bedrängten Lage.«

Unruhe, geräuschvolle Tätigkeit, Truppenbewegungen, Gerüchte von überraschenden Ereignissen, zum Teil falsch, zum Teil wahr, Berichte sogar über geschehene Wunder - denn es waren Zeiten, wo fast jeder die Vergrößerungsbrille des Aberglaubens trug Zweifel und Erwartungen erfüllten die nächsten drangvollen vierzehn Tage. In allen Gegenden des Landes wurden Truppen aufgeboten, um für die eine oder die andere Partei zu fechten, und nicht selten trafen Soldatenhaufen, die in entgegengesetzten Richtungen ihren Bannern zuzogen, aufeinander und gerieten in blutige Kämpfe.

Nach zuverlässigen Nachrichten war die Zahl der sich um Prinz Edward und den Grafen von Gloucester versammelnden Truppen beträchtlich größer als die derjenigen, welche in Hereford zu de Montfort stießen. Da jene hauptsächlich aus Reiterei bestanden, trafen sie viel schneller ein; denn die Fußsoldaten, die die Partei de Montforts ergriffen, obwohl unendlich zahlreicher, waren bei weitem länger auf dem Marsch und wurden vom Feind viel leichter aufgehalten.

Einer sich ausbreitenden Niedergeschlagenheit im Lager der Konföderierten wirkten jedoch Gerüchte entgegen, die von einer großen Erhebung der Bürger der Hauptstadt zugunsten de Montforts berichteten. Zudem war auf seiner Seite auch jene große moralische Unterstützung, die aus dem Bewußtsein erwächst, an der Spitze einer volkstümlichen Bewegung zu stehen; denn daß die Sache de Montforts die des Volkes war, zeigte die große Verehrung, die ihm gerade von den niederen Ständen entgegengebracht wurde, während der Hochadel eben aus diesem Grunde seinen Sturz anstrebte. Das Volk verehrte seinen berühmten Anführer Simon de Montfort als den Vorkämpfer seiner Rechte und Freiheiten.

Dennoch erlitt das Lager de Montforts manchen schweren Abfall. Mißhelligkeiten mit ihren Anführern oder Verdruß über kleine Vernachlässigungen gaben einer großen Anzahl der Edelleute, die vor der berühmten Schlacht von Lewes (Hier wurde am 14. Mai 1264 Heinrich III. von Simon de Montfort gefangengenommen) den Grafen von Leicester unterstützt hatten, jetzt aber seine wachsende Macht fürchteten, einen willkommenen Vorwand, dem Beispiel des Grafen von Ashby und seines Sohnes zu folgen und sich der Streitmacht Gloucesters und Prinz Edwards anzuschließen. Viele von den schwächeren Anhängern, obwohl noch seiner Sache treu bleibend, wurden durch diesen Abfall beunruhigt. Aber de Montforts engste Vertraute blieben bei alledem fest und zuversichtlich.

Keiner jedoch schien so ruhig und unerschütterlich wie der alte Graf von Monthermer, der für jeden hoffnungsvolle und freundliche Worte fand. Einem mutlos gewordenen Ritter sagte er: »Wir werden sie schon noch schlagen, mein guter Freund, seid ohne Furcht. Wenn nicht ein großer, außerordentlicher Irrtum von unserer Seite begangen wird oder ein unbegreiflicher Glücksfall den Feinden zu Hilfe kommt, müssen sie geschlagen werden, wie sie es bei Lewes wurden.«

»Ich habe erfahren«, entgegnete der Ritter, »daß der Graf erklärt hat...«

»Nicht der Graf, sondern der König«, unterbrach ihn der alte Lord. »Der König hat Gloucester und alle seine Anhänger für Verräter erklärt; aber das ist nur ein sehr kleiner Unterschied. Was die betrifft, die zum Feind übergegangen sind, so laßt Euch ihren Abfall nicht anfechten. Es ist immer besser, einen offenen Feind als einen falschen Freund zu haben, und ein weiser Feldherr gibt allen Schwankenden Befehl, die Reihen seines Heeres zu verlassen, da sie nicht bloß unnütz, sondern eine Last und Bürde sind.«

Solche Worte und einige tapfere Taten bei gelegentlichen Scharmützeln hielten den Mut der Soldaten in Hereford und den benachbarten Städten aufrecht, bis endlich eine so zahlreiche Mannschaft beisammen war, daß de Montfort sich berechtigt glauben durfte, das Feld zu halten, obgleich das Heer des Prinzen vielleicht um die Hälfte zahlreicher sein mochte als das seinige.

Edward stellte seine große Streitmacht zwischen dem Heer der Konföderierten und London auf, mit der offenbaren Absicht, den Gegner von seinen Hilfsquellen entfernt zu halten. De Montfort versuchte inzwischen, mit großer Geschicklichkeit manövrierend, an Edwards überlegener Macht ohne eine Schlacht vorbeizuziehen und unmittelbar auf London zu marschieren. Aber bei diesen Operationen schien der Prinz im Vorteil zu bleiben und seinem Gegner überall den Rang abzulaufen.

Schärfere Beobachter vermuteten, der große Simon de Montfort habe einen geheimen Zweck im Auge und werde in Wahrheit von seinem Gegner nicht so vollständig überflügelt, wie es den Anschein hatte. Der vollkommene Gleichmut, den de Montfort bei allen scheinbaren Fehlschlägen zeigte, und eine gewisse ängstliche Ungeduld, mit der er sichtlich der Ankunft der vielen Boten entgegensah, die zwischen seinem Lager und den südlichen Gegenden des Landes beständig unterwegs waren, erregten bei vielen die Vermutung, der Graf erwarte Verstärkungen und wolle keine Schlacht wagen, ehe sie bei ihm eingetroffen. Endlich trat ein Vorfall ein, der diese Annahme zu bestätigen schien.

Mitte Juli näherte sich das Heer dem Städtchen Newport, nachdem es Uske angegriffen und genommen hatte, das von einigen Anhängern Gloucesters nur schwach verteidigt ward. Es schien unverkennbar die Absicht de Montforts und seiner Räte, die Severn ein paar Meilen oberhalb Newports zu überschreiten und von Bristol Besitz zu nehmen. Wirklich waren dahin gehende Befehle gegeben worden. Aber nur wenige Schiffe, die geeignet waren, die Truppen des Grafen überzusetzen, fanden sich an dem befohlenen Platz ein, und man wußte, daß Edward in der Nähe war. Aber auf der andern Seite des Flusses lagen verschiedene Schiffe und Galeeren von ansehnlicher Größe vor Anker, und Hugh de Monthermer, der den Vortrab kommandierte, warf sich mit einer kleinen Schar in ein Boot, setzte über den breiten Strom und steuerte einem Punkt zu, wo er sich gut verteidigen zu können glaubte. Von dort schickte er die Schiffe nach dem anderen Ufer hinüber, damit die Hauptmacht des Grafen übersetzen könne.