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»Das ist das einzige Mittel, Euer Leben zu retten«, versetzte der Graf ernst. »Sagt die ganze Wahrheit, so sollt Ihr verschont werden. Heraus damit, sogleich und ohne Zögern!«

»Nun denn, ich bin Sir Richard de Ashbys Mann!« sagte der entlarvte Betrüger wimmernd und berichtete, daß ein Mönch in einem Dorf bei Worcester von einem der Diener Sir Richard de Ashbys erkannt und festgenommen worden war. Als man ihn genau durchsuchte, fand man bei ihm den Brief von Ralph Harland an Hugh de Monthermer. Sogleich war ein Plan entworfen worden, sowohl die Schar des jungen Freisassen und Robin Hoods abzuschneiden als auch Hugh de Monthermer in einen Hinterhalt zu locken. »Der Graf von Gloucester und Roger Mortimer«, fuhr er fort, »waren mit dem Anschlag bekannt gemacht worden, nicht aber der Prinz.«

»Führt ihn fort!« sagte de Montfort, nachdem er seine Geschichte erzählt hatte. »Führt ihn fort und bewacht ihn scharf! - Wir hätten hier eine Gelegenheit«, wandte er sich an die Anwesenden, sobald der vorgebliche Waidmann weggeführt war, »die Truppen abzuschneiden, die Gloucester abordnen wird zur Vollziehung seines jämmerlichen Anschlags. Aber ich glaube, meine guten Lords, wir dürfen unsere Kräfte nicht mit Scharmützeln vergeuden. Wir können jeden Augenblick in den Fall kommen, mit unserer ganzen Streitmacht plötzlich operieren zu müssen, und wollen daher auf die sich uns jetzt darbietende Gelegenheit verzichten. Jedoch dürfen wir die Sicherheit unserer Freunde nicht außer acht lassen. Ein zuverlässiger Mann muß augenblicklich der von Nottingham und Yorshire her erwarteten Verstärkung entgegengeschickt werden und sie veranlassen, einen Umweg über Shropshire zu machen. Shrewsbury ist unser, ebenso die ganze Umgebung, also werden sie auf diesem Wege ungefährdet sein. Habt Ihr einen vertrauenswürdigen Boten, den Ihr schicken könnt?«

Hugh sah Tangel fragend an. Der Knabe klatschte freudig in die Hände und rief: »Laßt mich gehen!«

»Sei es denn so!« sagte Hugh. »Ich will ihn sogleich mit allem Nötigen versehen, mein Lord. Es ist besser, er nimmt keinen Brief mit, aber einen wohlgefüllten Beutel und ein schnelles Pferd. Er ist ein kluger Bursch und wird kein Wort der ihm aufgetragenen Botschaft vergessen ...«

»Horch!« rief de Montfort. »Da ist der Laut von galoppierenden Pferden auf der anderen Seite des Flusses! Endlich - so hoffe ich -die erwarteten Boten! - Wißt Ihr, was Ihr zu bestellen habt, Knabe?«

»Recht gut, großer Herr!« antwortete Tangel. »Und ich will es weder an Eile noch an pünktlicher Treue fehlen lassen.«

»Heda! Wer ist's?« hörte man jetzt die Schildwachen rufen, die etwa fünfzig Schritt von de Montforts Zelt standen.

»Gut Freund!« war die Antwort.

»Steigt ab!« rief einer der Posten, und nach einer kurzen Pause hörte man eine andere Stimme sagen: »Briefe von dem Lord Simon de Montfort an seinen Vater, den Grafen von Leicester.«

»Ha!« rief Leicester aufspringend, und sein Gesicht strahlte vor Freude. »Endlich! - Laßt ihn eintreten«, schrie er hinaus, »laßt ihn eintreten!«

Ein Mann, blaß, hohläugig und ganz erschöpft, mit einem kleinen Paket in der Hand, betrat wenig später das Zelt.

»Das ist von Eurem Sohn, Euer Lordschaft«, sagte er. »Ich habe ihn vor wenigen Stunden gesund in Oxford verlassen, mit dreißigtausend Mann unter den Waffen, alle bereit, einer Welt Trotz zu bieten für de Montfort.«

Zu gespannt, als daß er eine Antwort hätte geben können, ergriff der Graf von Leicester das Päckchen, riß es auf und las.

»Alles steht gut!« rief er endlich, mit vergnügtem Lächeln aufstehend und zu den Herren zu seiner Rechten sich wendend. »Jetzt, meine guten Lords, ist der Augenblick zu entscheidendem Handeln gekommen. Euch, Monthermer, Euch, Le Despenser, herzlichen Dank für Euern weisen und umsichtigen Rat, der meiner etwas ungestümen Natur den Zügel notwendiger Geduld angelegt und mich instand gesetzt hat, meiner eignen Neigung zum Vorrücken zu widerstehen. Da haben wir bis heute diese rebellischen Lords und den betörten Prinzen mit Märschen und Gegenmärschen hingehalten, während mein Sohn das Land hinter ihnen zum Aufstehen gebracht hat und schon mit einer überwältigenden Macht in Oxford steht. Er auf der einen, ich auf der andern Seite - so haben wir sie in der Falle. Laßt augenblicklich im Lager Befehl geben, daß alles eine Stunde vor Tagesanbruch zum Aufbruch bereit sei. - Ihr, mein Lord Hugh, müßt jetzt Euern Boten anweisen, unsere Freunde von Nottingham über Clebury und den Wire-Wald nach Worcester zu führen und ein scharfes Auge auf den Feind zu haben; denn ohne Zweifel werden wir, ehe sie eintreffen, diese Gegend geräumt haben. - Ihr habt mir gute Nachricht gebracht«, fuhr er, sich zu dem Boten wendend, fort. »Geht zu meinem Vogt, er soll für Euch Sorge tragen. - Jetzt für einige Stunden gute Nacht, meine Lords.«

Am nächsten Morgen mit Tagesanbruch waren alle Zelte abgebrochen, und die Hauptmasse des Heeres hatte schon den Lug überschritten. De Montfort rückte noch immer mit großer Umsicht und Behutsamkeit vor, sandte nach allen Richtungen Späher aus und machte nie eine Bewegung, die einen Teil seines Heeres einem plötzlichen Angriff aussetzen konnte. Aber nirgends stieß man auf einen Feind. Es schien allen wahrscheinlich, daß Edward die Gefahr, die ihm drohte, erkannt hatte und sich ihr zu entziehen suchte.

Am Abend des 31. Juli 1265 erreichte de Montfort den prächtigen Landpalast des Bischofs von Worcester. Er war umgeben von einem ausgedehnten Park, und hier verbrachte das Heer die Nacht, während das Hauptquartier des Feldherrn und seines königlichen Gefangenen im Palast des Bischofs aufgeschlagen wurde. Die Entfernung von Worcester betrug nur drei Meilen, aber keinerlei Nachricht kam über die Bewegung des Heeres des Prinzen.

Gegen sieben Uhr indessen erhielt de Montfort einen Brief von seinem ältesten Sohn, der an der Spitze der großen von Oxford zu seiner Verstärkung herbeiziehenden Mannschaft stand. Aber als er ihn geöffnet hatte und das Datum las, umwölkte sich seine Stirn, und er murmelte vor sich hin: »Kenilworth - Kenilworth! Das ist ein großer Mißgriff! Was tut er in Kenilworth?« 

Er ersah weiter, daß der Brief unmittelbar nach einem langen nächtlichen Marsch geschrieben war, den sein Sohn unternommen hatte, um dem Heer des Prinzen Edward den Weg abzuschneiden, das, wie man sagte, von Worcester fliehe. Am nächsten Freitag wollte der junge Edelmann zu ihm stoßen, da er vermute, daß der Prinz entkommen sei.

De Montfort las den Brief zweimal sehr sorgfältig und murmelte dann: »Das läßt sich nicht mehr ändern! Wir müssen weiter, nach Evesham, in aller Eile. - Edward sollte mit einem großen Heer und im Besitz von Worcester und Gloucester fliehen? - Nein. Das ist nicht wahrscheinlich. Wir müssen auf der Hut sein gegen Überfälle -dahinter steckt etwas!« Und nachdem er mit einer kleinen Handglocke, die auf seinem Tisch stand, einen seiner Offiziere herbeigeläutet hatte, befahl er diesem: »Verdoppelt die Wachen an allen Zugängen des Parks, stellt etwa fünfzig berittene Bogenschützen auf die Straße von Worcester und verbarrikadiert das andere Ende des Dorfes. - Veranlaßt das sofort, und dann kommt wieder und holt einen Brief ab, nachdem Ihr einem der Reiter die Anweisung gegeben, sich bereit zu halten, nach Kenilworth zu reiten. - Kenilworth!« wiederholte er nachdenklich. »Was hatte er in Kenilworth zu tun? - Hört Ihr«, fuhr er, sich wieder an den Offizier wendend, fort, »bringt einige gescheite Burschen, die keine Furcht für ihren Hals haben, dazu, daß sie sich, sobald die Tore offen sind, nach Worcester hineinschleichen und mir Nachricht bringen, was darin vorgeht. Versprecht ihnen hohen Lohn - wir müssen Nachrichten haben.«

Der Tag war seit etwa einer Stunde angebrochen, als einer der Kundschafter, die nach Worcester geschickt worden waren, in das Zimmer des Grafen von Leicester geführt wurde, der gerade beschäftigt war, seinen Harnisch anzulegen.