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Als dann jedoch der junge Ritter seine Freunde, die Yeomen, begrüßte, bemerkte er, daß der kühne Robin Hood ernster war, als er sonst zu sein pflegte.

»Was ist's, Robin?« fragte Hugh, nachdem sie einander freundlich bewillkommnet hatten.

»Ich weiß nicht, mein Lord«, antwortete der Waidmann, »aber verworrene Gerüchte sind uns im Laufe des Tages zugekommen, daß eine Schlacht geliefert und de Montfort geschlagen sei.«

Hugh de Monthermer lachte. »Nein, Robin! Von diesem kleinen Hügel aus könnt Ihr eben jetzt die letzten Truppen seines stattlichen Heeres nach Evesham marschieren sehen, dem keine Feder auf einem Helm geknickt, kein Banner zerrissen, kein Wappenrode zerhauen ist.«

»Das ist eine gute Zeitung, mein Lord«, versetzte Robin Hood, doch sein Gesicht blieb ernst. »Die Nachricht kam von Warwick her, und ich liebe solche Gerüchte nicht, ob sie nun andeuten mögen, was die Leute fürchten oder was sie hoffen.«

»Von Warwick her?« sagte Hugh nachdenklich. »Mein Lord von Leicester muß davon unterrichtet werden. Kommt, Robin, kommt Ralph, laßt uns schnell nach Evesham reiten. Meines Oheims Leute halten gute Quartiere für mich und die Meinigen bereit, und ich will sie heute nacht mit Euch teilen. - Habt Ihr keine Pferde?«

»Nein, mein Lord«, versetzte Ralph. »Wir sind mit unseren Leuten zu Fuß marschiert. Ich habe da einhundert gute Lanzen, und Robin führt gegen hundertfünfzig Bogenschützen. Die letzten vier Tage haben wir in Feld und Wald geschlafen; denn die Märsche und Gegenmärsche Prinz Edwards haben uns mehr als einmal in Gefahr gebracht. Reitet nur zu, mein Lord, wir werden Euch folgen!«

Hugh de Monthermer zögerte auch gar nicht; denn er wußte wohl, daß in einem so kritischen Augenblick die geringste Nachricht von Wichtigkeit für de Montfort sein konnte. Kaum daß er Evesham erreichte, ließ er seine Leute unter dem Befehl eines treuen Anhängers seines Hauses zurück und drängte sich durch das Gewimmel auf den Straßen, um das Hauptquartier des Grafen von Leicester aufzusuchen.

Er fand ihn in der Abtei, umgeben von einer Anzahl von Offizieren, wie er eben den König mit allen äußeren Zeichen der Ehrerbietung in das für ihn bereitete Gemach führte. Nachdem dies geschehen und die üblichen Vorkehrungen gegen einen Fluchtversuch des königlichen Gefangenen getroffen waren, kehrte der Graf zurück in die Abtei.

Als er Hugh entdeckte, winkte er diesen in eine der tiefen Fensternischen und sagte zu ihm: »Ihr habt Neuigkeiten für mich, wie ich sehe. Was ist's?«

Hugh berichtete ihm, daß er mit ihren Freunden aus dem Walde zusammengetroffen sei und erwähnte das Gerücht, das sie gehört hatten. Sofort überzog sich de Montforts Stirn mit einer düsteren Wolke.

»Von Warwick, sagen sie, sei die Nachricht gekommen?« rief er aus. »Bei St. Jakob, das wäre böse, wenn es sich bestätigen sollte! Aber es kann nicht sein! Ich bekam ja gestern nacht Briefe von meinem Sohn. Er habe Edward aufgelauert, schrieb er, aber der Prinz sei nicht gekommen. - Dank, mein junger Freund! Diese trefflichen Waidmänner kommen gerade zur rechten Zeit. Seht zu, daß sie gut untergebracht werden, und sorgt auch für Eure eigenen Leute. Wir müssen früh im Sattel sein morgen!« 

XXI

ES WAR ETWA EIN UHR am 4. August 1265, als Simon de Montfort, mit dem König zu seiner Rechten, begleitet von dem Oberstkronrichter Lord Le Despenser, dem Grafen von Monthermer und Lord Ralph Basset sowie fünfundzwanzig Rittern und Gentlemen, von der Hochstraße, die von Evesham nach Alcester führt, auf die seither berühmte Ebene hinaustritt, wo der Stab der Gewalt für immer seinen Händen entrungen werden sollte.

Ein kleiner Vortrab war vorausgesandt worden, um die vor ihnen liegende Gegend zu rekognoszieren, und die Spitze der Heersäule befand sich etwa hundert Schritt hinter dem Feldherrn und seinen Begleitern.

De Montfort war ruhig und heiter; er hoffte, binnen weniger Stunden seine Truppen mit denen seines Sohnes zu vereinigen und dann, auf den Feind sich werfend, den Kampf mit einem Schlage zu beenden. Ehe er jedoch den Stein erreichte, wo die Straßen ineinanderliefen, kam ein Reiter mit verhängten Zügeln die Anhöhe vor ihnen heruntergejagt, und einen Augenblick darauf sah man die gesamte Vorhut in vollem Rückzug begriffen.

»Was ist das?« fragte de Montfort, sein Roß dem ersten der heransprengenden Gewappneten entgegenspornend. »Welche Neuigkeit bringt Ihr in solcher Hast?«

»Mein Lord, eine gewaltige Macht rückt gegen Euch heran!« rief der Mann. »Wir sahen sie von der Anhöhe dort - wohl über zwanzigtausend Mann.«

»Habt Ihr ihre Banner gesehen?« fragte de Montfort.

»Nein«, antwortete der Bote. »Es waren Banner genug, aber welche es waren, habe ich nicht bemerkt.«

»Ihr laßt Euch sehr schnell erschrecken«, sagte der Graf kalt. »Hugh de Monthermer«, fuhr er fort, zu dem dicht hinter ihm reitenden jungen Lord sich wendend. »Galoppiert den Hügel dort zur Rechten hinauf und bringt uns Nachricht, was Ihr sehen könnt. Ich will die andere Anhöhe hinaufreiten und aus eigener Anschauung urteilen.«

Hugh war in einem Augenblick fort, und de Montfort, sich im Sattel umkehrend, sagte: »Mein gütiger Freund Monthermer, mein guter Lord Ralph - ich bitte Euch, die Leute in Ordnung aufzustellen, sobald sie aus dem Hohlweg kommen. Die hier anrückenden Truppen müssen das von Kenilworth herankommende Heer meines Sohnes sein, aber es ist immer gut, wenn man für alles gerüstet ist. Mein Lord Le Despenser, Euch überlasse ich es, Seine Majestät zu unterhalten - ich will im Augenblick wieder zurück sein. Einige von Euch Gentlemen folgen mir!« Sein Pferd zu raschem Galopp spornend, setzte er über den kleinen Bach und ritt die Anhöhe auf der anderen Seite hinan.

Hier hielt er einige Minuten, mit Aufmerksamkeit die Gegend vor sich beobachtend, durch die ein großer Heerhaufen unter zahlreichen Bannern heranrückte. Endlich schien er befriedigt, lenkte sein Pferd um und ritt in leichtem Trab dorthin zurück, wo der alte Graf von Monthermer und Lord Ralph Basset die Lanzenmänner, Bogen- und Armbrustschützen aufstellten, die inzwischen die Ebene erreicht hatten, während die Gewappneten zu Pferde ihre Stellung hinter dem Fußvolk einnahmen.

»Es ist auf alle Fälle gut«, sagte de Montfort, auf dem Rückweg mit einem der Ritter sprechend, die ihm gefolgt waren, »wenn man die Leute in Ordnung aufstellt; denn wir werden hier eine Stunde haltmachen, während sich das Heer erfrischt. - Ihr habt die Banner ebenfalls genau gesehen?«

»Ja, mein Lord«, antwortete der Ritter, »ich habe das Banner Eures Sohnes und das des Grafen von Oxford unterschieden.«

»Wir wollen sie mit einem Freudenruf begrüßen, wenn sie herankommen«, sagte de Montfort und ritt zu dem Grafen von Monthermer. »Es ist mein Sohn, Monthermer! Ich sah sein Banner und das Oxfords ebenfalls. - Aber da kommt Euer Neffe. Wer ist denn das, den er mit der Lanzenspitze vor sich hertreibt? Ein Armbrustschütze scheint's.«

»Mein Lord!« schrie Hugh de Monthermer schon von weitem. »Rüstet Euch ohne Verzug zur Schlacht! Prinz Edwards Heer ist nur eine Meile entfernt, und Mortimer rückt von rechts heran!«

»Laßt sie kommen!« rief de Montfort. »Sie werden eine stärkere Macht finden, als sie vermuten. Mein Sohn nähert sich mit seinem Heer von links. Rückt mit Eurem Flügel vor, mein guter Lord von Monthermer, damit wir uns leichter mit ihm vereinigen.« 

»Mein Lord, Ihr seid im Irrtum!« sagte Hugh, heftig den Kopf schüttelnd. »Die Banner, die Ihr gesehen habt, sind nicht die Eures Sohnes!« 

»Aber ich habe...«, rief de Montfort zweifelnd. 

»Sprecht Ihr, Bursche!« unterbrach ihn Hugh, sich zu dem Armbrustschützen wendend, den er vor sich hergetrieben hatte. »Sprecht, und laßt den Grafen die Wahrheit hören! So bittere Nachrichten sollen nur aus dem Mund eines Feindes kommen. - Mein Lord, das ist einer von Gloucesters Schützen. Er wird Euch mehr berichten.«