»So redet!« befahl der Graf, äußerlich sehr ruhig. »Wer sind die gegen mich Anrückenden?«
»Prinz Edward, Roger Mortimer und Gilbert de Cläre«, antwortete der Mann. »Euer Sohn, mein Lord - tötet mich, wenn Ihr wollt, aber ich rede die Wahrheit Euer Sohn ward zu Kenilworth im Bett überfallen, sein Heer geschlagen und zerstreut. Dreizehn Barone, die ihr eigenes Banner entfaltet hatten, wurden gefangen und ebensoviel erschlagen. Die Banner, die Ihr gesehen, wurden von dem Prinzen erbeutet und jetzt vorgetragen, um Euch zu täuschen.«
»Und mein Sohn?« fragte de Montfort, dem Mann ängstlich ins Gesicht starrend. »Was ist mit meinem Sohn?«
»Er entkam, mein Lord«, antwortete der Schütze.
»Führt ihn hinter das Heer«, befahl erleichtert aufatmend de Montfort; dann sagte er leise, doch so, daß die Umstehenden ihn wohl verstanden: »Seht, wie sie daherrücken! Eine gewaltige Macht, wahrhaftig! Wie geordnet, wie fest! Der Knabe Edward hat das von mir gelernt. Mir scheint, wir haben nur wenig Aussichten, das Treffen für uns günstig zu entscheiden!« Nach einem kurzen Schweigen erhob er stolz sein Haupt und fuhr mit seiner gewohnten Festigkeit fort: »Indessen, wir müssen ihm mutig entgegentreten und unsere Schuldigkeit tun als Ritter. Jeder, der dazu entschlossen ist, kann heute hohen Ruhm davontragen, wenn er auch sonst keinen Preis erringt. Sollte aber einer hier sein, der sich fürchtet, mit de Montfort zu fechten, dem steht es frei zu gehen; denn ich möchte nicht, daß, wenn die Leute von diesem glorreichen, obwohl vielleicht unglücklichen Tage sprechen, man sagen kann, es sei auch nur ein Feiger unter denen gewesen, die bei Evesham kämpften. Laßt uns unsere Schlachtordnung so gut machen wie möglich, mein Lord von Monthermer. Jener Wald dort ist ein Punkt, der behauptet werden muß. Ihr, Hugh, besetzt die Hecken dieses kleinen Feldes mit Bogenschützen - stellt nur unsere tüchtigen Waidmänner aus dem Sherwood dahin; es ist ein Punkt von großer Wichtigkeit.
Neben ihnen nehmt Ihr selbst Euern Posten ein und behauptet mit Euern Gewappneten das Terrain zwischen dem entfernteren Gehege und den Krüppelbüschen und Weißdornen, wo ihre Reiterei nicht eingreifen kann. Ich stelle Euch auf einen gefährlichen Posten, mein junger Freund, aber ich weiß, daß Ihr Eure Pflicht erfüllen werdet. - Und nun das übrige Heer geordnet, wir dürfen keine Zeit verlieren!«
Mit diesen Worten ritt er dem Wald zu, gab unterwegs seine Befehle und stellte seine Truppen zur Schlacht auf, während Hugh de Monthermer ohne Zögern die erhaltenen Befehle vollzog. Bald waren alle Posten verteilt, und vor zwei Uhr standen die feindlichen Heere in Schlachtordnung einander gegenüber.
In der Mitte der Schlachtreihe befand sich der Graf von Leicester selbst, nicht weit von ihm entfernt saß in voller Rüstung, die königliche Standarte in der Linken, der schwache und falsche König Heinrich III. auf einem starken, schwarzen Streitroß. In einer kurzen Beratung der vornehmsten Edelleute war die Teilnahme des Königs an der Schlacht für notwendig erachtet worden, da sein Name allen öffentlichen Erlassen vorangestellt wurde. Man mußte ihn den Soldaten deshalb als wirklich auf ihrer Seite die Waffe führend zeigen. Der König war nicht abgeneigt gewesen, diese Rolle zu spielen, hegte er doch, obwohl von zahlreichen Wachen umgeben, die Hoffnung, in der Verwirrung der Schlacht entfliehen zu können.
Auf dem rechten Flügel des Heeres stand der tapfere junge Heinrich de Montfort, wie Hugh de Monthermer ein Spielkamerad des Prinzen Edward, und auf dem linken Flügel wehte das Banner Hugh de Monthermers, unter dem nicht nur die regulären Anhänger des Hauses, sondern auch die Yeomen und Waidmänner von Yorkshire und Nottingham fochten.
Die Schleuderer waren wie üblich etwa hundertfünfzig Schritt vor das übrige Heer vorgeschoben; sie wurden unterstützt von den nahe bei ihnen aufgestellten leichten Pikenmännerm. Hinter ihnen standen einige tausend Mann Fußvolks, und dann kamen die Linien tüchtiger englischer Bogenschützen und regulärer Lanzenmänner, unterstützt von den berittenen Gewappneten. Drohend und fest erschien de Montforts Schlachtreihe, aber die ungeheure Überzahl der Feinde warf gleichsam einen Schatten auf den guten Mut der Soldaten.
Das feindliche Heer hatte inzwischen die Banner, die vorangetragen worden waren, um de Montfort zu täuschen, weggeworfen und seine eigenen Feldzeichen entfaltet. Die Truppen Mortimers und der Grenzlords standen auf dem rechten, der Heerhaufe Gloucesters auf dem linken Flügel und die Truppen Edwards im Zentrum. Beim Heer des Prinzen war Hoffnung und Zuversicht, und besonders die ausländischen Günstlinge Heinrichs III., die in diesem Heer standen, beherrschte ein brennender Durst nach Rache an dem, der ihr Glück umgestürzt und sie beinahe aus dem Lande getrieben hatte.
Nachdem die Schlachtordnung auf beiden Seiten vollständig war, lag ein finsteres, düsteres Schweigen über der ganzen Schlachtlinie de Montforts. Jeder Mann dachte an die Heimat, die er vielleicht nie wiedersehen würde, an die Kinder, das Weib und die Verhältnisse des häuslichen Lebens, die bald von der blutigen Hand des Krieges zerrissen werden sollten.
Aber nicht einer ließ es sich einfallen, dem bevorstehenden Kampf ausweichen zu wollen; denn jeder stand hier mit der festen Überzeugung, daß Recht und Gerechtigkeit auf seiner Seite seien. Jeder war bereit, für die Befreiung seines Vaterlandes von ausländischer Herrschaft zu fechten und, wenn nötig, für die Freiheit und Unabhängigkeit des Volkes von England zu sterben. So erwarteten alle gefaßt und entschlossen den Angriff des Feindes.
Auf der Gegenseite war eine Zeitlang nichts als fröhliches Lärmen, die Zurufe der Führer und das wiederholte Schmettern der Hörner und Trompeten zu hören, bis endlich auch bei ihnen eine feierliche Stille eintrat, die andeutete, daß jetzt die Schlacht beginnen werde. Einen Augenblick lang schienen die dichten Reihen der Kämpfer zu schwanken. Dann rannten einige vor und schleuderten, obwohl auf diese Entfernung noch keine Wirkung möglich war, große Kugeln von Stein oder Blei gegen de Montforts Linie. Andere folgten ihnen schnell in unregelmäßigen Haufen, und schließlich rückte langsam, aber in fester Schlachtordnung die Hauptmacht Edwards vor.
Eine Nadel hätte man fallen hören können in de Montforts Heer, so tief war das ahnungsvolle Schweigen, womit sie das ungeheure Heer erwarteten, das nicht nur von vorn angriff, sondern gleichzeitig den Versuch machte, die linke Flanke mit dem Andrang einer zahlreichen Reiterei zu zermalmen.
Die geschickten Anordnungen des Grafen von Leicester hatten jedoch diese Gefahr ausgeschaltet, denn den Wald dort verteidigten die Bogenschützen und Lanzenmänner zu Fuß, während die Hecken und Weißdornbüsche durch Hugh de Monthermer und die Bogenschützen vom Sherwood geschützt wurden.
Aber gerade der letzte Punkt war sehr bedroht; denn Edward schien hier die schwächste Stelle von de Montforts Schlachtlinie zu vermuten. Kaum hatte sich das Heer des Prinzen in Bewegung gesetzt, als Hugh de Monthermer eine starke Schar Reiterei, einer dichten Linie von Armbrustschützen folgend, direkt auf seinen Posten zukommen sah, an ihrer Spitze das Banner des Grafen von Norfolk. Sofort verließ Hugh auf einen Augenblick seine Gewappneten und galoppierte zu seinem Freunde Robin hinüber.
»Sie werden hier ihren ersten Angriff machen, Robin«, sagte er mit leiser Stimme.
»Laßt sie kommen!« versetzte Robin Hood. »Wir wollen sie gut empfangen. Wir haben Pfähle in den Boden gerammt, um ihre Reiter aufzuhalten, mein Lord. Habt daher acht auf die Lücken, wenn Ihr gegen sie anrückt.«
»Das sehe ich!« rief Hugh de Monthermer. »Aber da es von großer Wichtigkeit ist, sie in Unordnung zu bringen, schickt ihnen einen Flug Pfeile von Euern Bogensehnen entgegen, sobald sie in Euern Bereich kommen.«
»Das sind sie inzwischen schon!« sagte Robin, und zugleich hob er den Bogen über seinen Kopf als Zeichen für seine Leute.