In diesem Augenblick fielen einige Kugeln von den feindlichen Schleuderern kraftlos vor ihnen nieder, aber dann schnellten hundertfünfzig Pfeile durch die Luft, zerstreuten die feindlichen Armbrustschützen und richteten selbst unter den berittenen Gewappneten von Norfolk beträchtliche Verwirrung an.
Ein ganzer Hagel von Pfeilen von Edwards Heer schwirrte nun durch die Luft, aber sie erreichten nicht Hugh de Monthermers Linie. Der alte Graf von Monthermer, den ungestümen Kampfgeist seines Neffen fürchtend, ritt zu ihm und bat ihn, unter keinen Umständen anzugreifen, bevor die Schlacht begonnen habe.
Doch schon rückte mit steigender Schnelligkeit das Heer des Prinzen heran. Die nun zu Hunderten abgeschossenen Pfeile und Armbrustbolzen begannen auf beiden Seiten große Verheerungen in den Reihen der Kämpfer anzurichten. Vor allem die Pfeile der unübertrefflichen Nottinghamer Schützen wirkten fürchterlich unter den Armbrustschützen des Prinzen. Einer nach dem anderen sank nieder, ihre Reihen wurden immer dünner, und endlich riefen die nachrückenden Gewappneten ihnen zu, sie sollten sich zurückziehen, damit sie selbst angreifen könnten. Ehe noch der Rückzug des Fußvolks recht bewerkstelligt werden konnte, gab der Graf von Norfolk Befehl zum Angriff, und mit gesenkten Lanzen stürmten die Reiter daher, obwohl wiederholt Bogenschüsse von einer nie fehlenden Hand jeden Teil der Rüstung des vorrückenden Grafen trafen.
»Auf die Pferde!« rief Robin Hood, als die Gewappneten näher kamen, und im Augenblick darauf rasselte wieder ein Flug von Pfeilen mit blanken Spitzen wie ein Hagel gegen die anrückende Reiterei. Fünf bis sechs Streitrosse stürzten sogleich zu Boden, andere bäumten sich vor Schmerz auf, schlugen aus und verbreiteten Verwirrung.
Hugh de Monthermer wollte soeben seinen Reitern Befehl zum Vorrücken geben, um Robin Hood und seine Bogenschützen zu entlasten, als vom rechten Flügel Geschrei erscholl. »Sie fliehen!« hörte er, und wie er die Schlachtlinie entlangschaute, sah er die ausländischen Hilfstruppen des Prinzen in wilder Unordnung vom Schlachtfeld laufen. Aber die entstandenen Lücken wurden so schnell wiederaufgefüllt, daß das Vorrücken von Prinz Edwards Heer kaum eine Stockung erfuhr. Immerhin war nun eines der Hauptangriffsmittel des Prinzen dahin, und da gleichzeitig ein Angriff der Reiter Simon de Montforts begann, war bald der ganze rechte Flügel im Kampf begriffen.
Durch den unaufhörlichen Pfeilhagel der Bogenschützen von Nottingham wurden auf dem linken Flügel die Truppen des Grafen von Norfolk in Unordnung zur Umkehr gezwungen, bevor sie die Pfähle erreicht hatten. Hugh de Monthermer griff sie nun, ihre Verwirrung ausnützend, mit seiner Schar an und warf sie in vollständiger Auflösung zurück. Die heranströmenden Truppen Mortimers gaben ihnen aber wieder Halt, und Hugh de Monthermer, die unerläßliche Notwendigkeit erkennend, seinen Posten zu behaupten, zog sich mit Widerstreben in seine ursprüngliche Stellung zurück.
Nun leisteten die Lanzenmänner von Yorkshire, mit dem jungen Freisassen Ralph Harland an ihrer Spitze, der Sache, der sie sich angeschlossen, glänzende Dienste. Mit ihren langen Lanzen vorrückend, hielten sie den Feind zurück, und obgleich Mortimer im Verein mit Norfolk Angriff auf Angriff machte, behaupteten sie ihre Stellung gegen den gesamten rechten Flügel des Prinzen.
Auf den anderen Teilen des Schlachtfeldes trug jedoch allmählich die Zahl den Sieg davon über alle Anstrengungen des Mutes und der Entschlossenheit. Das Handgemenge hatte in all seiner Erbitterung begonnen: Ritter focht gegen Ritter, Mann trat gegen Mann an, Drängen und Verwirrung beherrschten das Schlachtfeld, während das Klirren der Waffen, das Schmettern der Trompeten, das Geschrei der Kämpfenden, das laute Rufen der Befehlshaber, das Galoppieren der Pferde und das Stöhnen der Sterbenden ein wahrhaft höllisches Getöse zum Himmel emporsandten.
Angriff auf Angriff erfolgte gegen den linken Flügel von de Montforts Schlachtreihe, aber Mortimer, Bigod und der Graf von Pembroke führten vergebens ihre Reiterei gegen die tapfere Schar der Lanzenmänner und Bogenschützen heran. So oft sie sich näherten, wurden sie zurückgetrieben, entweder durch den entsetzlichen Pfeilhagel oder durch die langen Spieße derer von Pontefrakt oder durch die ihnen entgegenrückenden Gewappneten Hugh de Monthermers.
Nur einmal wurde die Linie zwischen den Weißdornbüschen für einen Augenblick erschüttert durch die Überzahl, und da galoppierte der alte Graf von Monthermer an der Spitze eines starken Trupps von Gewappneten herbei und half, den Feind zurückzuschlagen.
Ehe er wieder zurückritt, verweilte er einen Augenblick an der Seite seines Neffen und sagte: »Es wird ruhmvoll genug sein, Hugh, wenn wir unsere Stellung bis zum Abend behaupten. Lebt wohl, mein lieber Junge! Tut Eure Pflicht, und wenn wir uns auf Erden nicht wiedersehen...«
»Ich bitte Euch, Sir! Tragt Sorge für Euer unschätzbares Leben. Bedenkt, der Haß der Fremden ist sosehr gegen Euch wie gegen die Montfort selbst gerichtet.«
»Ich will nie lebend in ihre Hände fallen«, versetzte der alte Graf. »Aber ich verlasse dies Feld nicht, solange es noch hell genug ist, das Schwert zu schwingen.«
Mit diesen Worten ritt er weg zu einer Stelle, wo das dichte Schlachtgewühl um das Banner de Montforts selbst tobte, und seine Gegenwart trug hier allem Anschein nach sehr dazu bei, das Treffen günstig zu beeinflussen; denn bald darauf zog sich die gesamte Streitmacht des Prinzen Edward wie ein Tiger, der einen Fehlsprung getan hat, zurück und hielt schwankend am Saum der Anhöhe.
Die Pause, die nun eintrat, war nicht von langer Dauer. Schon bliesen des Prinzen Trompeter wieder zum Angriff, und heran raste die donnernde Reiterei, de Montforts Heer von allen Seiten anfallend. Auch auf de Montforts Seite stürmten nach einem raschen Pfeilhagel die gewappneten Ritter dem andringenden Feind entgegen, und das Handgemenge entbrannte von neuem.
Plötzlich wurde im Zentrum des Gewühls der König selbst angegriffen und von einem der Anhänger seines eigenen Sohnes verwundet. Schon wollte der Soldat mit der Lanze ausholen, um ihn an die Erde zu spießen, als der Monarch sein Visier öffnete und rief: »Pfui über dich, Verräter! Ich bin Heinrich von Winchester, dein König! Wo ist mein Sohn?«
Wie er sprach, sprang ein Ritter, um eines Hauptes Länge größer als alle ringsum und vom Scheitel bis zur Ferse in einem Schuppenharnisch steckend, neben ihm vom Pferde, stieß den Soldaten heftig zurück, hob den Monarchen vom Boden auf und rief: »Steigt auf, mein Vater, und fort! Kommt hinter das Treffen und laßt Eure Wunde untersuchen. - Gebt mir Eures Pferdes Zügel. - Ihr wenigstens seid befreit, und das gilt schon als ein Sieg.«
Der König sprang auf sein Pferd, und Edward führte es am Zügel hinter sein Heer zurück.
Beinahe in demselben Augenblick preschten auf dem linken Flügel von de Montforts Schlachtreihe Alured de Ashby und Hugh de Monthermer in voller Karriere aufeinander los. Alured richtete seine Lanze auf den Schild de Monthermers mit einer vielleicht nur um so heftigeren Erbitterung, weil er wußte, daß sie ungerecht war. Hugh dagegen stellte sich nur mit Widerstreben zum Kampf, obwohl er durch die Umstände gezwungen war, seiner Ritterpflicht zu genügen. Gerade durch sein Widerstreben war er jedoch ruhiger und besonnener als sein hitziger Gegner. Er zielte mit der Lanze nach dem Helm seines Gegners, um ihn vom Pferde zu werfen und zum Gefangenen zu machen. Des jungen Lords von Ashby Waffe, gut und fest gezielt, traf auf den Schild seines Feindes, drang durch die Stahlplatte und berührte den Harnisch. Hier aber brach sie in Splitter, ohne Hugh auch nur im Sattel zu erschüttern, während dessen Lanze, den stählernen Helm gerade über dem Visier fassend, den Gegner ohne Wunde vom Pferd warf und zu Boden streckte.
Einige von Monthermers Fußvolk sprangen sogleich herbei, um den niedergeworfenen Ritter zu packen und zum Gefangenen zu machen, aber ein Angriff von frischen Truppen trieb sie zurück, und Alured de Ashby hatte Gelegenheit, sein Pferd wieder zu besteigen. Mit gesteigertem Haß auf Hugh de Monthermer ritt er zurück.