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»Was ist es?« fragte der Graf. »Ich will es tun, wenn Eure Bitten billig und vernünftig sind.« 

»Sie sind billig und vernünftig, mein Lord, sonst würde ich sie nicht an Euch richten. Versprecht mir erstens, daß Ihr, sobald ich fort bin, einen Brief an Prinz Edward schreiben und ihm melden wollt, daß sein Freund Hugh de Monthermer des Hochverrats angeklagt ist. Bittet ihn, aufs schleunigste zurückzukehren, um zu sorgen, daß das Recht gewahrt werde, und schickt die Nachricht durch einen zuverlässigen Boten nach Derby, wo der Prinz sich jetzt befindet.« 

»Das soll binnen einer Stunde geschehen«, antwortete der Graf. »Aber was weiter, Hugh - was weiter?«

»Dies, mein teurer Lord«, versetzte der junge Ritter: »Euer Bote wird Derby heute nacht erreichen. Und wenn ich Prinz Edward recht kenne, wird er morgen in Nottingham sein, ehe die Sonne um eine Stunde die Mittagslinie überschritten hat. Ich will den König bitten, diese Stunde abzuwarten, um meine Verteidigimg anzuhören. Von Euch erbitte ich, daß Ihr dann zugegen seid und - falls Ihr mich nicht schuldig glaubt - Eure Zusage, mir die Hand Lucys zu geben, erneuert, ja gegebenenfalls mit mir in den König dringt, damit er seine Einwilligung gibt.«

Der alte Lord zögerte einige Sekunden, aber endlich antwortete er: »Wohl!«

»Dann bis morgen, mein Lord«, sagte Hugh de Monthermer rasch. »Ich darf nicht bleiben, bis Eure Tochter kommt.« Damit preßte er des alten Mannes Hand und schritt der Tür zu. Aber sich noch einmal umwendend, ehe er das Zimmer verließ, sah er, daß der Graf mit zögernder, zweifelnder Haltung mitten im Saale stehengeblieben war. Mit lauter Stimme sagte er deshalb noch einmaclass="underline" »Ihr werdet nicht ausbleiben, mein Lord?«

»Nein, nein«, erwiderte der Graf. »Ich will mich zu der genannten Stunde einfinden.«

Es war von dem Absatz der Treppe bis zur Saaltür ein ziemlich großer Raum, und Hugh de Monthermer fand ihn angefüllt von Gentlemen, die zu Heinrichs Hof gehörten. Sobald er erschien, trat Sir Guy de Margan auf ihn zu und sagte: »Lord Hugh de Monthermer, ich bin beauftragt vom König...«

Aber Hugh, ihn mit einem finsteren Blick messend, unterbrach ihn:

»Mich vor Seiner Majestät Angesicht zu fordern! Ich bin bereits im Begriff, dorthin zu eilen, Sir, und das ist genug! - Nehmt Euch in acht, Sir Guy de Margan«, fügte er hinzu, als dieser trotzdem näher trat. »Bedenkt, ich hebe Eine allzugroße Nähe nicht!« Und er faßte den Griff seines langen Schwertes mit seiner rechten Hand und schritt dabei zugleich auf die Treppe zu, während die Höflinge, die den freien Platz dort einnahmen, ihm zu beiden Seiten auswichen. Guy de Margan biß sich vor Zorn in die Lippen, wagte aber doch nicht, ihm allzunahe zu kommen.

Das Pferd des jungen Ritters und die Diener, die ihn begleitet hatten, standen im Hof bereit. In den Sattel springend, ohne denen, die ihm folgten, die mindeste Aufmerksamkeit zu bezeigen, schüttelte Hugh de Monthermer die Zügel und galoppierte Nottingham zu. Die anderen sprengten ihm eilig nach, und beide Parteien erreichten fast gleichzeitig die Stadt und ritten durch die Schloßtore ein. Vom Pferde gestiegen, begab sich Hugh sofort in die königlichen Gemächer, an verschiedenen ihm begegnenden Pagen und Dienern vorbeigehend, ohne eine Frage an sie zu richten. Im Vorzimmer des Audienzsaales traf er William de Valence, den Grafen von Pembroke. Ihn fragte er: »Kann ich mit Seiner Majestät sprechen, mein Lord von Pembroke? Ich erfahre, daß ich fälschlich angeklagt bin, und muß mich von diesem Verdacht reinigen.«

»Seine Gnaden erwarten Euer Lordschaft«, antwortete der Graf mit eiskalter Miene. »Aber er erwartet, Euch unter Bedeckung einer Wache zu sehen.«

»Es war nicht nötig, Sir«, antwortete Hugh. »Ich fürchte mich nicht, dem König unter die Augen zu treten, und nie bedarf es der Gewalt, um mich zu vermögen, meinen Feinden entgegenzutreten. Wollt Ihr mich vor den König führen - das ist alles, was ich verlange.«

»So folgt mir denn«, sagte der Graf. Die Tür öffnend, meldete er die Ankunft des jungen Ritters, und der König befahl, ihn unverzüglich hereinzuführen.

Heinrich III. saß an einem Tisch, und Lord Mortimer stand bei ihm. Sie spaßten, wie es schien, gerade über irgend etwas; denn beide lächelten, als Hugh de Monthermer eintrat. Aber in demselben Augenblick, wo des schwachen und tyrannischen Fürsten Auge auf ihn fiel, kam ein Ausdruck zornigen Grollens in sein Gesicht.

»So, Sir«, sagte er spitz. »Ihr kommt freiwillig, um den Lohn Eurer hohen Verdienste zu empfangen!«

»Ich komme, Euer Gnaden«, versetzte Hugh, sich tief verbeugend, »um in Eurer Gegenwart meine Ankläger zu empfangen und ihnen die Lüge in die Zähne zu werfen, wenn sie sich erfrechen, mich einer Handlung zu zeihen, die meiner Pflicht zuwiderliefe.«

»Was?« sagte der König. »War es nicht Eurer Pflicht zuwider, es mit de Montfort zu halten und bei Evesham zu fechten?«

»Oh, gnädiger Herr«, antwortete Hugh, »wenn die Anklage so weit zurückgreift, kann ich nichts darauf entgegnen.«

»Aber jetzt lautet die Hauptanklage gegen Euch auf Hochverrat!« rief der König.

»Und wer immer sie erhebt«, versetzte Hugh de Monthermer, »ist ein meineidiger Verräter, und ich will es ihm beweisen, entweder durch Untersuchung und Beweisführung von Eurer Majestät oder durch die Entscheidung der Waffen: mein Leib gegen den seinigen - und Gott der Richter!«

»Nein - nein, Sir«, sagte Heinrich, »wir kennen Eure Stärke und Geschicklichkeit in den Waffen recht gut. Das ist kein Fall, wo wir gestatten wollen, daß unsere Rechtsprechung von ihrer Bahn abgelenkt werde durch einen starken Arm und ein kühnes, aber verkehrtes Herz. Wir selbst wollen Euer Ankläger sein, gegen den Ihr nicht die Entscheidung der Waffen anrufen könnt. Diejenigen, die wir auffordern, Euer Verbrechen zu beweisen, sollen bloß Zeugen sein.«

»Gnädiger Herr, das meint Ihr nicht ernst«, antwortete Hugh kühn. »Ihr werdet nimmermehr Richter und Ankläger in einer Person sein wollen.«

»Dann sollt Ihr andre Richter haben!« schrie Heinrich wütend. »Eure Peers (Angehörige des englischen Hochadels) sollen Euch richten! Aber wenn Ihr wirklich unschuldig seid, werdet Ihr keinen Anstand nehmen, sofort auf die gegen Euch erhobenen Anklagen zu antworten.«

»Eben darum komme ich«, erwiderte der junge Ritter. »Unvorbereitet, nicht unterrichtet, was diese Anklagen sind, komme ich, um ihnen entgegenzutreten, wie ich kann. Ich bitte Euch, laßt mich sie hören.«

Inzwischen war eine Anzahl Ritter in dem Audienzsaal erschienen, unter ihnen alle, die dem jungen Edelmann von Lindwell gefolgt waren. Heinrich überflog sie mit den Augen und rief: »Tretet vor, Guy de Margan! Und Ihr, Hugh Fitzhugh! Ihr, Sir William Geary, kommt auch näher. Gebt an, wessen Ihr den Lord Hugh de Monthermer bezichtigt.« 

»Wahrhaftig, Sire«, versetzte Sir William Geary mit dem ihm eigenen sarkastischen Grinsen, »ich bezichtigte den edlen Ritter gar nichts. Ich war einmal Zeuge, mein gnädiger Herr, wie er im Turnier die vier besten Lanzen im Feld von den Rossen warf. Nun war ich nie sonderlich stark in den Knien und werde überdies etwas rostig mit den Jahren. So verhüte Gott, daß ich einen Mann anklagen sollte, der von der Entscheidung durch die Waffen spricht. Als ich davon hörte, zitterte ich beinahe so sehr wie Guy de Margan hier.«

»Das ist erlogen! Ich zitterte nicht!« rief de Margan erbost.

»Recht, recht«, antwortete der andere. »Ihr bebtet nur und saht aus, als sei Euch übel.«

»Sir William Geary«, rief der König, »dies ist keine Sache zum Spaßen! Sprecht, was war es, das Ihr gesehen zu haben erklärtet?«

»Ich sah einen fetten Mönch«, versetzte Sir William Geary, »dessen Hang zum Scherzen sich kaum wollte zügeln lassen, einen so lustigen Mönch, als mir nur je einer vor Augen kam. - Und dieser fette Mönch, Sire«, fuhr er ernster fort, als er bemerkte, daß der König ihn unmutig anstarrte, »blieb stehen und fragte mich um den Weg nach den Zimmern des Lords Hugh de Monthermer. Als er gegangen, sagte mir Sir Guy de Margan, der Mönch sei der Bote eines Verräters, ein Unterhändler zwischen Rebellen, ein Mann, den er selbst bei Sir William Lemwood in den Grenzdistrikten von Wales getroffen habe. So lud ich de Margan in mein Zimmer ein, und wir beide warteten miteinander, bis der Mönch wieder aus den Zimmern des Lords käme, was schon nach einer Stunde geschah. Der Mönch erschien dann wieder in dem Hofraum, und bald darauf folgte ihm Hugh de Monthermer; nun ergriff eines jener unwiderstehlichen Gelüste, welches die Beine in Bewegung setzt, mich und diesen guten Sir Guy, und wir verfolgten den Pfad des Ritters und des Mönchs. Vor dem Tor der Stadt fanden wir unsern asketischen Freund auf ein Maultier gestiegen, für seinen ritterlichen Freund ein Pferd haltend, auf das wir den tapferen Lord springen sahen. Dann ritten sie miteinander fort. Das ist alles, was ich zu sagen habe, Sire, und was ich gesagt habe, ist wahr. Aber fern sei es von mir, eine Anklage zu erheben gegen einen Ritter, der ein Pferd zwischen seinen Knien totquetschen kann oder einen Renner in vollem Lauf aufhalten, indem er sich an einem eisernen Ring hält und das Tier mit seinen Schenkeln bändigt und stehen macht.«