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»Was habt Ihr zu antworten, Sir?« fragte der König, zu Hugh sich wendend.

»Einfach dies, Sire, daß ich gestern einen Mönch gesprochen habe«, versetzte der junge Edelmann, »und daß er beinahe eine Stunde bei mir blieb, viel von Wildbret schwatzend und auch mitunter von der Jagd. Er mag, nach seinen Reden zu urteilen, wohl das Verbrechen begangen haben, einen fetten Bock sich zuzueignen, auf den er kein Recht hatte. Aber, bei meinem Wort, das ist der einzige Verrat, dessen ich ihn fähig halten kann, und nicht ein Wort sprach er in meiner Gegenwart von Aufständen, Rebellionen oder sonst etwas, das Euer Mißfallen erregen könnte.«

»Was meint Ihr hierzu, Sir Guy de Margan?« fragte der König. »Sagt uns, wer dieser Mönch ist. Ist er ein Rebell oder nicht?«

»Ganz unwidersprechlich ist er es, gnädiger Herr«, versetzte Guy de Margan. »Ich traf ihn bei Lemwood und den andern Verrätern, zu welchen Ihr, Sire, mich geschickt hattet, um mit ihnen zu unterhandeln.«

»Aber das beweist doch nicht«, mischte sich nun Mortimer ein, »daß der Lord Hugh ein hochverräterisches Gespräch mit ihm hatte. Sein Geschäft mit dem edlen Lord kann von sehr harmloser Art gewesen sein.«

Übelwollende Ungerechtigkeit wird höchst gefährlich, wenn sie die Maske der Billigkeit annimmt. Und Mortimer, der wußte, was kommen sollte, nahm nur den Ton des unparteiischen Richters an, damit seine spätere Härte gegen Hugh de Monthermer vom Sinn für Gerechtigkeit eingegeben erscheine.

»Es hätte allerdings so sein können«, versetzte Guy de Margan, »wäre es bloß ein Besuch des Mönchs beim Lord von Monthermer gewesen. Daß sie aber miteinander fortritten, muß doch sonderbar erscheinen, und die Heimlichkeit, die sich darin verriet, daß der Mönch zuerst allein das Kastell verließ, macht die Sache noch sonderbarer. Vielleicht geruht Lord Hugh zu erklären, wohin er mit ihm ging.«

»Mich dünkt«, antwortete Hugh, »die ehrenwerten Spione, die mir vom Schloß bis an das Stadttor nachschlichen, hätten ihre Nachspürungen noch etwas weiter ausdehnen können, wodurch sie sich die Notwendigkeit solcher Fragen hier erspart hätten.«

»Über einen Punkt wenigstens«, sagte Hugh Fitzhugh, ein großer, vierschrötiger Gentleman, »kann ich Aufschluß geben. Warum er fortritt, kann ich nur raten, aber wohin er ritt, weiß ich ganz gut. Er ritt mit größter Schnelligkeit in den Wald; denn dort habe ich ihn mit dem eben erwähnten Mönch gesehen. Die Wahrheit ist, ich hatte mich verirrt, und wie ich durch einen der Nebenwege des Waldes kam, stieß ich plötzlich auf eine Gesellschaft von vier bis fünf Personen in eifrigem Gespräch. Drei von ihnen hatten Masken vor dem Gesicht, und die zwei Unmaskierten waren Hugh de Monthermer und der Mönch. Mein gnädiger Herr König, wenn er das nicht erklärt, so haben wir gar keine Erklärung. Aber Eure Weisheit wird richten.«

»Erkläre er es, wenn er will«, entschied der König, »oder vielmehr, wenn er kann. Ich bin bereit, ihn anzuhören.«

»Gnädiger Herr«, versetzte Hugh de Monthermer kalt. »Einmal in ihrem Leben haben diese drei Gentlemen hier die Wahrheit geredet. Ich ging aus und dem Priester nach, ich begleitete ihn in den Wald, ich traf dort drei Personen - aber mit keiner schlimmen Absicht. Auch verlautete kein Wort, das irgendein Mensch Verrat nennen könnte.«

»Wer waren die Männer, die zu sprechen Ihr ausrittet?« fragte der König, den jungen Edelmann finster anblickend.

»Ihr müßt mir verzeihen, Sire«, versetzte Hugh, »wenn ich ihre Namen nicht nenne. Meine Ankläger, wenn sie mich eines Verbrechens bezichtigen, müssen dartun, daß ich desselben schuldig geworden bin. Nun ist der Beweis hierfür auch nicht einmal versucht worden. Alles, was sie behaupten, ist, daß ich mit einem Mönch gesprochen, daß ich mit einem Mönch ausgeritten und daß man mich mit drei Unbekannten im Sherwood im Gespräch gesehen habe. Wenn dies als Verrat gelten soll, so schütze Gott die Unschuldigen.«

»Aber, mein guter Lord«, sagte Mortimer, den der König auffordernd ansah. »Es ist erwiesen, daß dieser Mönch, der Euch mitnahm, selbst ein offenkundiger Verräter ist, und Ihr müßt beweisen, daß die andern es nicht auch waren, sonst bleibt auf Euch die Anschuldigung liegen, daß Ihr mit des Königs Feinden verkehrt.«

»Was ein hohes Verbrechen ist, mein Lord«, fügte Heinrich drohend bei.

Hugh de Monthermer schaute einen Augenblick nachdenklich zu Boden; denn er sah sich in eine viel schwierigere und gefährlichere Lage versetzt, als er erwartet hatte. Endlich aber blickte er auf und sagte: »Mein gnädiger Herr und König, ich stehe hier vor Eurem Angesicht ohne Freunde und Ratgeber. Ohne Vorbedacht und Vorbereitungen bin ich gekommen, um auf eine von meinen Feinden schlau angelegte Anklage zu antworten. Ich bitte Euch, gebt mir vierundzwanzig Stunden, um recht zu erwägen, wie ich handeln soll. Ich weiß, daß ich meine Unschuld beweisen kann und jeden Zweifel beseitigen, wenn ich nur Zeit dazu habe.«

»Ihr sollt Zeit und auch einen Ratgeber haben«, versetzte der König. »Aber Ihr sollt in Gewahrsam gehalten werden. Mein Lord von Mortimer, verhaftet ihn in unserem Namen. Laßt ihn in sein Zimmer führen, stellt eine starke Wache vor seine Tür und laßt einen seiner Diener zu ihm, damit es ihm freisteht, zu schicken nach welchem Ratgeber er will. Dieser Anwalt mag ihn besuchen. Und da er vierundzwanzig Stunden Zeit begehrt, bringe man ihn morgen um dieselbe Zeit wieder vor uns.«

Der Graf von Mortimer trat einige Schritte vor, um den des Hochverrats angeklagten jungen Ritter zu verhaften. Hugh de Monthermer verbeugte sich und sagte: »Ich ergebe mich willig, mein Lord, setze mein volles Vertrauen in des Königs Gerechtigkeit und erwarte das Ergebnis von morgen ohne Furcht.«

Dann verließ er den König unter dem Geleit Mortimers und ward in das Zimmer geführt, das er seit seiner Ankunft in Nottingham innehatte und neben dem, wie gewöhnlich bei Edelleuten hohen Ranges, ein Schlafgemach und ein Vorzimmer war, vor dessen Eingang ein oder zwei Diener schliefen, um während der Nacht ihren Herrn gegen jeden gefährlichen Besuch zu sichern.

Mortimer hatte unterwegs einigen von des Königs Wachen gewinkt, stellte zwei Soldaten vor die Tür des Vorgemachs und traf Vorkehrungen, daß sie in den gehörigen Fristen regelmäßig abgelöst würden. Dann trat er mit seinem Gefangenen ein, und da sie Thomas Blawket in dem Zimmer trafen, fragte er, ob Monthermer diesen als den ihm gestatteten Diener wählen oder ob er nach einem anderen schicken wolle.

»Ich hätte diesen verlangt, mein Lord, hätte ich ihn nicht hier getroffen«, versetzte Hugh. »Ich danke Euch jedoch für Eure Artigkeit und hoffe, die Zeit wird kommen, wo ich sie erwidern kann.«