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Die Augen Blawkets waren, während er heranritt, nicht müßig gewesen, und obgleich der Graf jetzt wie ein Waidmann gekleidet war, fand ihn doch der treue Diener augenblicklich heraus. Vom Pferd springend, faßte er des alten Grafen Hand mit hebevoller Ehrerbietung.

»Nun, Blawket«, sagte der Graf, seine Hand auf des Yeomans Schulter legend, »ich freue mich, dich zu sehen, mein guter Freund, obgleich dein Kommen etwas gefährlich sein mag.«

»Ich komme nicht ohne Grund, mein Lord«, sagte Blawket, »und ein trauriger Grund ist es dazu. Ich muß mich meiner Botschaft rasch entledigen; denn es ist keine Zeit zu verHeren. Euer Neffe, Sir, ist verhaftet worden wegen Verdachts auf Hochverrat. Man hat ihn mit drei maskierten Männern im Wald sprechen sehen. Er wagte nicht zu sagen, daß einer davon Ihr, mein Lord, gewesen seid, weil ein Preis auf Euren Kopf gesetzt ist. Auf sein erstes Wort, daß Ihr in der Nähe seid, würde die Hälfte der Höflinge sich aufmachen, Euch durch den Sherwood zu hetzen.«

»Laßt sie kommen!« sägte Robin Hood ruhig. »Wir würden sie gut unterhalten.«

»Er weigerte sich, ihre Fragen sogleich zu beantworten«, fuhr Blawket fort, »und hat eine Frist von vierundzwanzig Stunden gewonnen - das heißt, bis morgen um zwei oder drei Uhr. Inzwischen bleibt er als Gefangener in scharf bewachter Haft. Daher läßt er Euch bitten, mein Lord, in aller Eile auf Eure Sicherheit bedacht zu sein, indem Ihr diese Gegend des Waldes verlaßt und Euch weit weg von Nottingham begebt.«

»Wo ist der Prinz?« fragte der alte Graf.

»Er ist nach Derby gegangen, wie ich höre«, versetzte der Yeoman, »wo einige Bauern mit derben Fäusten nicht wissen, daß der große Graf von Leicester tot ist.«

»Das sind in der Tat schlechte Nachrichten«, sagte Robin Hood nachdenklich. »Wir können, fürchte ich, nicht Nottingham-Castle stürmen und den Lord Hugh in Freiheit setzen.«

»Schlechte Nachrichten, in der Tat«, wiederholte der Graf. »Ich weiß nicht, ob ich nicht geradezu an des Königs Hof gehen und den armen Hugh rechtfertigen soll, oder...«

»Nein, mein Lord«, rief Robin Hood, »das taugt nichts. Ich habe immer gefunden, daß es das beste ist, wenn jemand von gesunder Einsicht uns bittet, ihm zuliebe dies oder jenes zu tun, dann nicht mehr tun zu wollen, als was er verlangt. Sonst zerstören wir oft, weil wir nicht alle geheimen Ursachen seines Wunsches kennen, seinen Plan, während wir ihn zu verbessern glauben. Er verlangt, daß Ihr von hier weggeht, mein Lord. Es wird das beste sein, ihm hierin zu willfahren. Ich aber will bleiben, ja, diese Nacht Nottingham noch näher rücken. Die Schloßmauern müßten dicker und stärker sein, wenn ich nicht alles erfahre, was darin vorgeht. Noch mehr: Sollte dem guten jungen Lord Gefahr drohen, so wollen wir schon Mittel finden, ihm Hilfe zu leisten. Seid ohne Furcht! Alles, was Euer Neffe wünscht, ist, daß er durch Eure Entfernung an einen sicheren Ort instand gesetzt werde, ohne Gefahr für Euch zu gestehen, mit wem er hier im Wald sich besprochen hat. War es nicht so, Tom?«

»Genau so«, versetzte der Yeoman, »und er schien gar nicht niedergeschlagen. Aber des Königs Leute sind hitzig genug hinter ihm her, das ist klar; denn ich merkte, daß sie mir beinahe bis Lambley Haggard nachspürten, und deswegen komme ich so spät, sonst wäre ich schon vor zwei Stunden hier gewesen. Ich fand einen von ihnen, der noch in der Nähe des Grenzpostens wartete. Da er dort einen hübschen Knaben neckte, der sich verirrt zu haben schien, fing ich mit dem Wurm Händel an und bearbeitete ihn so, daß er einige Wochen lang keinem ehrlichen Mann nachspüren wird, selbst wenn er heute nacht seine Knochen noch nach Nottingham zurückzuschleppen imstande sein sollte.«

»Wohlgetan, Yeoman! - Gut so, Tom!« riefen mehrere Stimmen.

Der alte Graf Monthermer wandte sich jetzt an Robin Hood und sagte: »Schickt einen schnellen Boten an den Prinzen, Robin. Er ist die letzte Hoffnung für eine Rettung Hughs. Da ich nun einmal von liier fort muß, will ich es sogleich tun. Ihr, Blawket, eilt zurück zu Lord Hugh und sagt ihm, daß ich bereit bin, wenn es not tut, auf die erste Kunde hin mich den Händen des Prinzen zu überliefern - ja selbst dem König, obgleich das, wie ich wohl weiß, der Tod wäre. Eilt Euch, Blawket. - Robin, gebt mir einen Eurer Männer mit. -Kommt, Morton vom Moor, Ihr sollt mir den Weg zeigen.«

Nur wenige Worte wurden noch zwischen Robin und dem Grafen gewechselt, bevor der alte Edelmann aufbrach. Sobald er weg war, wandte sich Robin zu Blawket, der schon zu Pferde saß, und rief: »Halt, Tom, einen Augenblick! Wer war der Knabe, von dem Ihr spracht? Wo habt Ihr ihn gelassen?«

»Ich kenne ihn nicht«, antwortete Blawket. »Aber ich ließ ihn bei einem von Euern Leuten, auf die Versicherung hin, daß ihm kein Leid geschehen und es ihm freistehen sollte, zu kommen und zu gehen, wann er wolle; denn er war müde und schien sehr erschrocken.« 

»Er ist bei Harry von Mansfield«, fiel Yorkley ein, der den Yeoman hierhergeleitet hatte. »Er fragte nach Euch, Robin, und so bringt ihn Harry mit herab auf die grüne Straße, die an dem Rehplatz vorbeiführt.«

»Wir müssen ihnen entgegen«, sagte Robin Hood. »Kehrt Ihr eilends nach Nottingham zurück, guter Blawket, und sollte sich etwas Neues zutragen, so kommt wieder an den zweiten Grenzposten. Ihr, Yorkley, geht nach dem Späherhäuschen, so schnell Euch Eure Füße tragen können, und führt die Leute dort nach dem Königshirschteich. Nehmt die Pferde mit - ich will zu Fuß gehen.«

Mit diesen Worten schritt er weiter, die Arme über der breiten Brust gekreuzt, die Augen auf den Boden geheftet. Seine Miene drückte Besorgnis aus, und im Weiterschreiten sprach er vor sich hin: »Wir dürfen Hugh nicht umkommen lassen; ich traue diesem König alles zu - er ist zu schwach, um redlich zu sein. Es ist sonderbar, wie nahe der Narr und der Spitzbube verwandt sind.«

Etwa eine Meile von dem Platz entfernt, wo er mit dem Grafen gesessen, blieb Robin Hood stehen und sagte, sich zu einem der ihm folgenden Männer wendend: »Ihr müßt nach Derby reiten, Dickon. Sucht dort den Prinzen auf, sagt seinen Leuten, Ihr bringt eine Botschaft von Hugh de Monthermer, und wenn Ihr ihn selbst sprecht, fügt hinzu, wenn er einem Freund das Leben retten wolle, müsse er in aller Eile nach Nottingham. Nehmt Euer Pferd bis Breston, so weit wird es Euch schon tragen. Dort pocht den lustigen Müller heraus und bittet ihn, dem Robin Hood zuliebe Euch sein schwarzes Roß bis Derby zu leihen. Fort, guter Dickon, und wenn Ihr in Derby angekommen, sagt der Margery Green von der ,Untergehenden Sonne', sie solle mir schicken, was sie an Nachrichten aus Cumberland hat. - Jetzt bringt die Fackel nach vorn. - Nun, Knabe, was wollt Ihr von mir?«

Die letzten Worte waren an einen schlanken Jüngling gerichtet, der Pagentracht trug. Das Obergewand, eine Art weite Bluse von schönem Purpurtuch, reichte ziemlich weit über das Knie. Darunter war ein kleiner Fuß sichtbar, in Reitstiefeln mit langen Spitzen steckend. Eine grüne Kapuze mit einer Verbrämung von grauem Eichhornpelz, mit einer vergoldeten Spange um den Hals befestigt, war weit über die Stirn gezogen und verhüllte den größten Teil des Gesichts. Nach der Gestalt zu urteilen, mochte der Knabe etwa vierzehn Jahre alt sein und allem Anschein nach von nicht sehr großer Körperkraft. Ehe er antwortete, verschattete er sich das Gesicht mit der Hand, etwas geblendet, wie es schien, von dem Licht der Fackel, und Robin mußte ihn noch einmal fragen: »Was wollt Ihr von mir, guter Junge?«

»Ich möchte mit Euch allein sprechen«, sagte der Knabe, »und ohne Verzug, denn es handelt sich um Tod und Leben.«

Robin Hood nahm dem Mann die Fackel ab und hieß die andern zurücktreten. Dann, sein Auge mit ruhigem, prüfendem Blick auf den unter der Kapuze noch sichtbaren Teil des Gesichts heftend, erwartete er schweigend, was der Knabe zu sagen hätte. Dieser bedachte sich einen Augenblick und flüsterte dann: »Der Lord Hugh de Monthermer...«