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»Von dem wissen wir!« unterbrach ihn Robin Hood. »Abgestandene Neuigkeiten, junger Mann, wenn das alles ist!«

Der Knabe, der zuerst beschämt und befangen geschienen, warf jetzt den Kopf zornig empor und versetzte keck: »Ihr seid hastig und ungestüm. Hört, ehe Ihr antwortet, mein Herr Waidmann. Die Neuigkeit ist nicht abgestanden, so weise Ihr Euch auch dünkt. Ihr wißt, daß Lord Hugh ein Gefangener ist, weil dieser Mann bei Euch war. Aber Ihr wißt nicht, daß er zum Tode verurteilt ist und daß sein Kopf morgen mit Tagesanbruch auf dem Schloßhof abgeschlagen werden soll. Wißt Ihr das?«

»Nein, bei allen Heiligen!« rief Robin Hood. »Das weiß ich nicht. Und ich sage: Es soll nicht geschehen, wenn ich Macht habe, es zu hindern.«

»Ja, das ist die Frage! Habt Ihr die Macht?« »Davon sogleich«, versetzte Robin Hood. »Erst beweist mir, daß die Nachricht wahr ist.«

»Hier! Lest das, wenn Ihr lesen könnt. Wo nicht, so will ich es Euch lesen.« Er hielt dem Geächteten ein Papier hin, das dieser begierig ergriff und beim Licht der Fackel anstarrte.

Der Text bestand aus zwei Teilen, in verschiedener Handschrift geschrieben; der letztere war offenbar die Antwort auf den ersteren, in aller Eile auf dasselbe Papier gekritzelt. Der erste Abschnitt lautete:

Meinem edlen und gehebten Lord, dem Grafen von Mortimer, besten Gruß. Dies von seinem untertänigsten und ergebensten Diener Richard de Ashby.

Wenn man die zugestandene Zeit, bis morgen um drei Uhr, wirklich ablaufen läßt, so wird uns das Wild entrinnen; denn ich zweifle nicht, daß der Prinz schon unterrichtet ist. Seid versichert, er wird sich in aller Eile aufmachen und - wenn er noch zur rechten Zeit ankommt - den Verbrecher retten. Daher sende ich Euch einen Mann, der bereit ist zu beschwören, daß er den Verbrecher zu dem Mönch, wie sie miteinander durch das Tor gingen, sagen gehört: Aus de Montforts Asche werde bald ein Phönix erstehen, seine Sache zum guten Ende zu führen. Der Bursche ist wohleingeschult in seiner Erzählung, so daß man ihn auf keinem Fehltritt ertappen wird, und ich bitte Euch dringend, ihn ohne Verzug sein Zeugnis in Anwesenheit des Königs ablegen zu lassen, damit möglichst vor morgen mittag ein Beil zwischen unseres Feindes Kopf und Rumpf einen Strich ziehe. Wenn die verwirkten Ländereien zwischen Euch und meinem guten Lord von Pembroke geteilt werden, möchte ich dem, den ich am meisten liebe, raten, die nördlichen zu wählen. Sie bringen jährlich fünfhundert Pfund mehr als die anderen ein.

Alles dies war von einer geschickten Hand geschrieben, während die darunter stehenden Worte roh hingeworfen und etwas schwerer zu lesen waren:

Zuverlässiger Freund!

Die Sache ist ins reine gebracht. Der König hat alle anwesenden Barone zusammengerufen - zum Glück war Talbot fort, und einige Gegenstimmen wurden von den übrigen übertäubt. Er stirbt morgen mit Tagesanbruch. Ich habe das Todesurteil, von des Königs Hand unterzeichnet. Dank für den Wink. Die nördlichen Güter sind mein, und Freunde sollen nicht unbelohnt bleiben von Eurem

Mortimer

»Ha!« sagte Robin Hood. »Das ist vortrefflich! Welch ein Nest von Skorpionen haben wir da! Und das ist der Hof von England! Oh, de Montfort! Wenn es dir an einem Anwalt fehlte, deine Sache zu verteidigen - dies Papier spricht eine Sprache, die selbst Tote überzeugen müßte! Aber wir wollen sehen. Helfe mir Gott, daß ich bei dieser Hinrichtung morgen zugegen sein werde, falls wir nicht andere Mittel finden, sie zu hintertreiben! Hütet Euch, mein Lord Mortimer, daß Ihr nicht in den Bereich eines englischen Eibenbogens kommt - Eure Brust müßte wahrlich mit Stahl gepanzert sein, wenn ich nicht die Pfauenfeder mit deines Herzens schwarzem Blut färbe. - Hört Ihr sie von dem Späherhäuschen kommen, Müller?«

»Noch nicht, Robin«, antwortete der Gefragte. »Tom ist auf dem Berge; er wird in sein Horn stoßen.«

»Wir müssen dem Jüngling Nachricht zukommen lassen, was wir zu tun im Sinne haben«, sagte Robin Hood und ließ sein Auge aufmerksam hingleiten über die Gestalt des vor ihm stehenden Pagen. »Wir müssen ihm einen Wink geben. - Ha! Richard de Ashby! - So, so! - Knabe, das ist in der Tat eine Neuigkeit, die du mir gebracht hast. Hast du sonst etwas zu berichten?«

»Noch nicht«, antwortete der Knabe, »denn ich maß in aller Eile zurück nach Nottingham, damit ich nicht vermißt werde. Morgen will ich meine anderen Nachrichten vorbringen. - Ich kann nicht glauben, daß er damit so hastig sein werde.«

»Wenn du noch etwas zu berichten hast«, rief Robin, »so sag es jetzt! Man kann nie wissen, ob einem die Sonne morgen aufgeht. Es gibt Abgründe auf jedem Fußbreit Weges im menschlichen Leben, über die unsere besten Absichten hinabstürzen und in Stücke zerschmettert werden. Sprich! Es kostet dich nur eine wohl zu entbehrende Minute.«

»Nun gut«, versetzte der Knabe. »Ohne Zweifel mögt Ihr den Grafen von Ashby nicht sehr?«

»Nicht sehr«, antwortete Robin barsch. »Aber seinen Sohn noch viel weniger.«

»Es tut nichts«, erwiderte der Page. »Aber ich sage Euch: Des Grafen Leben ist bedroht von geheimen Feinden. Es lebt ein Mann, ein niederträchtiger, böser Mann, ein Verräter an allen, die ihm vertrauen...« Der Knabe hielt inne und schien nach Atem zu ringen. »Er sucht des Grafen Tod! - Und den Tod seines Sohnes auch«, fuhr er fort, »damit - daß - daß er die Erbin des Hauses heiraten und selbst dessen Haupt werden könne. Wenn ich einen Freund des Grafen kennte, würde ich ihn dringend bitten, wohl achtzuhaben auf den alten Mann, achtzuhaben auf sein Essen, auf jeden Schritt und Tritt, seinen Wein kosten zu lassen, ehe er ihn trinkt, ihn nie allein ausgehen zu lassen - aber ihr seid seine Feinde.«

»Doch wollen wir als seine Freunde handeln! Er wird gewarnt werden, und es soll auch im Notfall Hilfe bei der Hand sein. -Jetzt aber«, sagte Robin Hood leise und in sanftem Ton, indem er einen Schritt vortrat und des Pagen Hand faßte, »was soll aus dir werden, armes Geschöpf? - Meinst du, ich kenne dich nicht, Kate?«

Sie fuhr erschrocken zurück und schlug dann die Augen nieder.

»Es ist gut«, fuhr er fort, als sie nicht antwortete. »Aber höre mich an, Kate Greenly! Höre einen Mann an, der freundlich zu dir spricht! Du hast heute nacht eine gute Tat getan; laß sie einen Samen sein, der nachmals noch reichere Früchte trägt. Wirf den Schurken von dir, den dein besseres Wesen haßt; überlaß ihn den Taten, die binnen kurzem Verderben über sein Haupt bringen werden. Laß ihn den Lohn seiner Ruchlosigkeit empfangen, und dann...«

»Stirb!« fiel ihm Kate Greenly ins Wort. »Weiter bleibt mir nichts übrig. Nein, sprecht mir nicht von meinem Vater - sprecht mir nicht vom Kloster, wo ich lange Tage unglückseliger Erinnerungen fortspinnen könnte. Mein Leben ist seinem Ende nahe, mein Herz ist gebrochen. Er, dem ich vertraute, ist ein Schurke. Mich hätte er mögen mißhandeln, verraten, mit Füßen treten. Ich hätte weinen oder toben und doch fortleben können. Aber an ihm einen Verräter, einen Mörder, einen Teufel finden - gezwungen sein, ihn zu verraten, der mich verraten hat, das ist der Tod. - Doch ich muß zurück! Was ich Euch an Nachrichten mitteilen kann, sollt Ihr haben; denn ich habe geschworen, den verruchten Plan zu vereiteln.«

»Da tust du recht!« sagte Robin Hood mit Wärme. »Doch du mußt nun jemand haben, der dich zurückleitet; denn du bist der Stadt näher als du denkst. Ich will selbst mit dir reiten und unterwegs noch ein Wort mit dir sprechen.« 

XXIX

ES WAR EINE STUNDE nach Mitternacht - die Schildwachen an der Schloßmauer waren eben abgelöst worden -, als Hugh de Monthermer am Fenster seines Gefängnisses saß, in die tiefe Nacht hinausschauend und das ferne Blinken der Sterne betrachtend. Sein Schicksal war ihm angekündigt worden - daß er abwesend gerichtet und verurteilt worden war und daß der erste Strahl der Morgensonne Zeuge seines Todes sein sollte. Feierlich hatte er Berufung eingelegt gegen diesen Richterspruch und dem Lord Pembroke, der der Überbringer des Urteils gewesen, erklärt, eine solche Tat sei Mord.