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»Still, keinen solchen Unsinn, Ellerby«, rief Richard de Ashby. »Ich bin in einer Stimmung, die keinen Spaß verträgt. Was mir fehlt? Meiner Treu, mir fehlt nichts Geringes. Mein bitterster Feind, Hugh de Monthermer, war in Mortimers Hand, zum Tode verurteilt, heute früh mit Tagesanbruch sollte ihm der Kopf abgeschlagen werden. Mortimer und Pembroke wollten sich in seine Ländereien teilen, und ich und de Margan hätten Befriedigung unserer Rache gehabt...«

»Ich hätte mir auch ein Stück von den Ländereien verschafft«, unterbrach ihn Ellerby, »oder ein paar Beutel voll Gold, wär' ich an Eurer Stelle gewesen. Nun gut.«

»Nun gut? Schlecht sag' ich«, versetzte Richard de Ashby wütend.

»Was wollt Ihr! Der Narr Mortimer, statt ihn in einen Kerker zu werfen, läßt ihn in seinem Zimmer und denkt, er könne nicht hinaus, weil das Fenster zwanzig oder dreißig Fuß über dem Wall liegt und eine Schildwache unten auf und ab wandelt. Natürlich wagt ein Mann, der weiß, daß sein Leben verloren ist, einen Fluchtversuch! Wie man also diesen Morgen das Zimmer öffnet, ist der Gefangene fort, und an der Wand des Zimmers liest man, mit Kohle geschrieben, die Worte: ,Mein Prinz! Eure damalige Erlaubnis benützend, bin ich, da die niederträchtige Falschheit meiner Feinde mir zu mächtig wurde, entflohen. Ich bin aber jederzeit bereit, meine Unschuld auf gesetzliche Weise zu erhärten, entweder in gerichtlicher Untersuchung oder durch Zweikampf mit irgendeinem meiner Ankläger. Keiner unterstehe sich, dies auszulöschen, ehe der Prinz es gesehen hat!' Mit dieser Drohung schloß er. Jetzt tobt Guy de Margan, aber Mortimer und Pembroke lachen, weil sie seine Güter dennoch zu teilen hoffen. Ich warf ihnen jedoch Salz in ihre Suppe, indem ich ihnen erklärte, da sie ihn hätten mit dem Kopf auf den Schultern laufen lassen, so habe er jetzt auch eine Zunge darin, mit der er sich bei des Prinzen Rückkehr bald reinigen und, wie er sein Leben gerettet, so auch seine Ländereien retten würde. - Nun, kann das einen nicht toll machen, wenn man solche Narren so wohlangelegte Pläne vereiteln sieht?«

»Nein, nein«, versetzte der Mann, der Ellerby gefolgt war. »Nichts sollte einen Mann um einen Deut toller machen als das Brummen eines Dudelsacks einen Dachshund. - Tobt Euch aus und laßt dann den Verdruß fahren, Richard.«

»Ich will Euch etwas sagen, Dighton«, erwiderte Richard de Ashby. »Ihr habt nie solchen Haß gefühlt, wie ich ihn hege.« 

»Sicher nicht«, antwortete Dighton mit gleichgültiger Miene. »Ich schaffe immer einen Freund aus dem Wege, bevor ich ihn hasse. Es ist besser, die Dinge nie aufs Äußerste zu treiben. Wenn Ihr beim ersten Streit, den Ihr mit einem Mann habt, ihn auf die Reise schickt auf der langen Straße, welche keine Biegungen hat und keine Umkehr gestattet, so dürft Ihr gewiß sein, nie wieder Händel mit ihm zu bekommen. Ich habe dies Mittel als das probateste befunden.« 

»Aber gesetzt, Ihr könnt das nicht?« fragte Richard de Ashby. »Ihr seid schwächer oder weniger gewandt, habt keine Gelegenheit - gesetzt also, Ihr könnt das nicht?«

»Ei, dann bedient Euch eines Freundes, der es kann!« versetzte der Bandit. »Es gibt eine Menge trefflicher Gentlemen, die immer bereit sind, unter gewissen Bedingungen eines jeden Händel zu den ihrigen zu machen. Da ist Ellerby, der ganz erträglich mit der Lanze und dem breiten Schwert umgehen kann. Ich selbst«, er sah mit einem selbstgefälligen Lächeln hinab auf die kräftigen Muskeln seiner Beine, »ich selbst bin selten unglücklich darin, einem Freund einen unbequemen Kameraden vom Halse zu schaffen. Und wenn Verschwiegenheit not tut, sind wir ebenso klug, wie wir stark sind -nicht wahr, Ellerby?«

»Ganz gewiß!« stimmte Ellerby mit demselben sich spreizenden Wesen zu. »Wir sind vollkommen in allem. Wir sind so große Staatsmänner wie de Montfort, so große Soldaten wie der Prinz Edward, so große Feldherren wie Gloucester...«

»Und so große Spitzbuben«, fiel Richard de Ashby ein, der sich durch die Großsprecherei nicht täuschen ließ, »und so große Spitzbuben wie ... Aber nein, ich will Euch nicht durch einen Vergleich beschimpfen. Ihr seid in dieser Hinsicht wenigstens unvergleichlich oder nur einer mit dem andern vergleichbar.«

»Ein feines Kompliment, fürwahr«, sagte Ellerby höhnisch. »Ganz besonders am Platz, da wir gekommen sind, Euch einen Gefallen zu erweisen.«

»Nicht ohne eine Belohnung für jetzt und für die Zukunft«, versetzte Richard de Ashby. »Ihr dient mir nicht, ohne Euch selbst zu dienen.«

»Schon gut!« sagte Dighton mit einem unverschämten Grinsen. »Wir dürfen uns nicht entzweien, damit nicht gewisse andere Leute Vorteil daraus ziehen. Aber um den Gegenstand Eures Ärgers ruhen zu lassen, innigst geliebter Richard, und diesen Handel mit Monthermer zu vergessen, laßt uns die Angelegenheit da aufnehmen, wo Ellerby anfing. Wir haben reiflich nachgedacht über Euren Plan und halten dafür, daß sich die Sache machen läßt. Wenn wir den alten Mann dahin bringen können, daß er sich einmal allein so weit von seinem Schloß entfernt, daß er seinen Leuten aus dem Gesicht kommt, wollen wir Sorge tragen, daß er nicht mehr auf seinen eigenen Füßen zurückkommt nach Lindwell. Indessen sind noch ein paar Worte zu reden über andere Dinge. - Aber sprecht Ihr, Ellerby, Ihr seid ein Redner. Ich bin bloß ein Mann der Tat.«

»Nun, was sind das für Dinge?« fragte Richard de Ashby ungeduldig. »Wenn Ihr die Tat ausführen könnt, dann vollbringt sie, je eher, desto besser!«

»Wahr«, sagte Ellerby grinsend. »Aber es kommt noch etwas in Betracht, mein geliebter Freund. Die Tat möchte leichter sein als den Lohn zu bekommen. Wenn dieser alte Mann dahin ist, so steht noch zwischen Euch und den Gütern von Ashby ein tüchtiger, junger, stierköpfiger Lord, Alured genannt, der, da er ein großes Vermögen hat und vernünftig lebt, Euch aller Wahrscheinlichkeit nach um ein halbes Jahrhundert überleben und der Welt eine blühende, stattliche Zucht von Junkern hinterlassen wird, die seine Titel und Ländereien erben.«

»Uberlaßt ihn mir«, versetzte Richard. »Seinen Stierkopf, wie Ihr ihn nennt, wird er bald gegen eine Mauer anrennen, an der er ihn zerbrechen wird. Ich werde die Sache schon so einrichten.«

»Selbst wenn dies der Fall sein sollte«, entgegnete Ellerby ungerührt, »wie können wir versichert sein, daß nicht Richard Graf von Ashby einmal die Nase rümpfen werde über uns, seine armen Freunde, und uns die Belohnung verweigert, außer der kleinen Geldsumme, die er uns jetzt gibt. Wir müssen es von Eurer Hand ausgestellt und unterzeichnet haben, guter Richard, daß Ihr uns zu dieser Tat geworben habt und uns zweitausend Pfund Silber als Lohn versprecht.«

Richard de Ashby sah ihn mit einem spöttischen Lächeln an, obgleich sein Herz voller Grimm war, und antwortete:

»Ihr müßt mich für einen Knaben halten! Da wir aber alle zu der Art von Menschen gehören, die ihren Mitmenschen nicht trauen, müssen wir gegenseitig Sicherheiten haben, das ist klar. Deshalb hört mich an: Ich will Euch heute noch durch eine Urkunde mein Schloß in Hereford übermachen, mit allen dazugehörigen Ländereien. In der Urkunde soll eine Klausel sein, die Wiedereinlösung vorbehaltend, so daß, wenn ich Euch binnen zwei Jahren zweitausend Pfund Silber zahle, das Schloß wieder mein ist. Dagegen sollt Ihr mir eine Vertragsurkunde, von Eurer Hand unterzeichnet, ausstellen, daß Ihr die verabredete Tat ausführen wollt. So haben wir alle einander gegenseitig in der Gewalt.«

»Und seid so gut, was sollen denn wir bekommen?« fragte jetzt vortretend einer der beiden Männer, die Ellerby und Dighton in das Zimmer gefolgt waren und von den übrigen vergessen zu sein schienen.

»Was man Euch versprochen hat«, versetzte Richard de Ashby. »Jeder von Euch fünfzig französische Goldkronen heute nacht, wenn die Tat geschehen ist.«

»Aber wir müssen doch auch einen Teil von den zweitausend Pfund Silber haben!« rief der Sprecher.